SXEU31 DWAV 221800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 22.04.2024 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Frostige Nächte, Glätte, Schnee im Bergland und zeitweise auch in tiefen Lagen.
Aprilwetter par excellence.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC

Aktuell … dauert die wechselhafte und kühle Witterung deutschlandweit
unvermindert an.

Das steuernde Höhentief und mit Analyse der PV ggf. auch als „troposphärischer
Polarwirbel“ zu bezeichnendes System spaltet sich bereits am heutigen Tag in
mehrere eigenständige Drehzentren/Höhentiefs auf, wobei eines in Richtung Golf
von Genua driftet, während sich ein zweites über Polen ostwärts verlagert.
Deutschland liegt somit heute Nachmittag und Abend sozusagen „zwischen den
Stühlen“ mit höhenkalter Luftmasse von knapp unter -30 Grad in 500 hPa sowie
einer Grenzschichtfeuchte der Marke „so lala“: häufig negative Taupunkte und
eine recht trockene Grenzschicht bzw. eine trockene Troposphäre bei PWATs von
unter 10 mm. Viel MUCAPE gibt es nicht, aber es reicht aus, dass abseits vom
Süden deutschlandweit eine regen Schauertätigkeit zu erkennen ist, die hier und
da von einem Blitz/Donner begleitet sein kann. Dank des trockenen Fußes sind
auch einzelne kräftige Böen (Bft 7) zu erwarten. Dazu gesellt sich ein buntes
Potpourri von Regen, Schneeregen, Schnee, Graupel und das alles bei Werten von 4
bis 11 Grad, die bei jedem Schauer eine markante Tal- und Bergfahrt vollziehen.

Etwas anders sieht es grob südlich der Donau aus, wo die Mischung aus
nachlassender Subsidenz sowie ein immer weiter fortschreitender Aufzug
mehrschichtiger Bewölkung für einen unterdrückten konvektiven Tagesgang sorgen.
Hier beschränkt sich die Niederschlagsaktivität auf einzelne Schauer bzw.
häufigeres leichtes flöckeln und tropfen im Umfeld der Alb und das bei
Nachmittagswerten von 1 bis 5 Grad.

Der Nordostwind weht abseits konvektiver Umlagerungen mäßig bis frisch.

In der Nacht zum Dienstag ist leider weiterhin alles angerichtet für eine
Frostnacht mit großem Impact. Negative Taupunkte, effektive Ausstrahlung nach
dem Abklingen der dem Tagesgang folgenden und somit nachlassenden
Schaueraktivität inkl. Auflösung der Kumuli, windschwach bei frostigen -5 bis -7
Grad in 850 hPa. Besonders betroffen vom schlimmsten Frost wird die breite Mitte
sein, wo verbreitet leichter Frost zwischen -1 und -5 Grad zu erwarten ist.
Komplett entkoppelt sind auch regional mäßige Luftfrostwerte bis -7 Grad nicht
unmöglich und von MOSMIX vor allem im östlichen Bergland hervorgehoben. Ebenso
kalt wird es allgemein im oberen Bergland mit im ID2-EPS hinterlegten erhöhten
Wahrscheinlichkeiten für lokal strengen Luftfrost im Erzgebirge. Der Frost in
Bodennähe fällt eh überall mäßig aus mit Werten von -5 bis -9 Grad, punktuell
sind auch -10 Grad nicht ausgeschlossen. Eine wahrlich auftretendes worst-case
Szenario mit Blick auf die Vegetation.

Aber auch sonst dominiert das Thema „Frost“ – im Norden unter teils ausgedehnten
Wolkenfeldern regional etwas gedämpfter, in der Fläche aber auch hier verbreitet
mit leichtem Frost von 0 bis -4 Grad, bodennah auch mäßigem Frost um -7 Grad.
Regional bilden sich in der etwas feuchteren marinen Luftmasse teils dichte
Nebelfelder aus, lokal mit Reifbildung. Zudem gelangen wiederholt schwache
Schauer von der Deutschen Bucht und Ostsee ins Landesinnere, wo sie sich
abschwächen. In den Gebieten muss auch örtlich mit Straßenglätte gerechnet
werden.

Zuletzt sei noch der Süden erwähnt, wo sich immer stärker der Einfluss des nach
Norditalien abgetropften Höhentiefs bemerkbar macht in Form dichter Bewölkung
und mit sich immer weiter intensivierenden skaligen Niederschlägen. Diese
breiten sich grob entlang und südlich der Donau nord- und westwärts aus und
bringen 12-std. Nassschneefallmengen von 1 bis 5 cm in tiefen Lagen sowie 5 bis
10 cm im Alpenstau, exponiert um 15 cm. Strichweise können die Mengen aber auch
in tiefen Lagen größer ausfallen, was aber erst im Nowcast abgeschätzt werden
kann. Die genannten Mengen beinhalten im Übrigen auch den am Dienstagvormittag
anhaltenden Niederschlag. Die Schneefallgrenze pendelt dabei je nach Intensität
zwischen 300 und 600 m. Glätte ist bei Tiefstwerten um den Gefrierpunkt auf
jeden Fall ein Thema.

Dienstag … verbleiben wir im Einfluss des breiten Höhentiefs, wobei ein
weiteres eingelagertes Vorticity Maximum von Südnorwegen in Richtung
Norddeutschland zieht und dabei zum Abend eine Okklusion in den Nordwesten
Deutschlands drückt. Somit ergibt sich folgende Dreiteilung des Wetters:

Im Süden (grob südlich der Donau) treten weiterhin skalige Niederschläge auf,
die zögernd von Osten nachlassen und besonders ab der Mittagszeit zügig an
Intensität einbüßen. 12-std. Mengen verbleiben meist zwischen 4 und 8 l/qm,
lokal auch um 10 l/qm. Die Schneefallgrenze beginnt im Tagesverlauf dank
nachlassender Intensität sowie tageszeitbedingter Erwärmung auf 600 bis 800 m
anzusteigen. Entsprechende Neuschneemengen des Gesamtereignisses wurden bereits
genannt. Zum Abend fällt dann meist nur noch konvektiv verstärkter Regen, das
besonders zwischen Alb und dem Ammersee/Starnberger See. Oberhalb von 1000 m
fällt noch etwas Schnee. Bei stark bewölkten Verhältnissen bleibt es hier
nass-kalt mit 2 bis 7 Grad. Der Wind kommt mäßig aus Nordost, auf exponierten
Alpengipfeln mit Nordföhn auch stürmisch.

Dann erstreckt sich über der breiten Mitte ein Streifen, indem es dank
Einstrahlung und höhenkalter Luftmasse wieder stark quillt. Allerdings liegen
die PWATs deutlich unterhalb der Klimatologie, sodass sich die Schauertätigkeit
besonders bezüglich der Intensität stark in Grenzen hält. Vom Saarland über das
südliche Hessen bis nach Sachsen sollte es sogar trocken bleiben und neben den
Schauern zeigt sich auch häufig die Sonne – statistisch ermittelte Werte liegen
gar bei über 60% Sonnenschein in diesen Regionen. Die Höchstwerte liegen hier
auch höher bei 7 bis 13 Grad. Der Wind aus Nordost bis Nordwest weht meist
schwach bis mäßig.

Zuletzt noch der Norden. Hier beginnt und verläuft der Tag ähnlich wie über der
Mitte. Allerdings verdichtet sich im Umfeld der Deutschen Bucht zum späten
Nachmittag die Bewölkung und nachfolgend setzt etwas Regen ein (peripher der
Okklusion). Die Höchstwerte liegen bei 7 bis 11 Grad und der Wind kommt frisch
bis stark aus West, abends auf Sylt und Helgoland (postfrontal) zunehmend aus
Nordwest.

In der Nacht zum Mittwoch verlagert sich das kleinräumige Höhentief/Vorticity
Maximum zur Elbmündung und drückt die Okklusion unter Intensitätsabschwächung
weiter ins Binnenland – ausgangs der Nacht wohl die Eifel, das südliche
Niedersachsen und Mecklenburg erreichend. Dabei sinkt die Schneefallgrenze
entlang der westlichen zentralen Mittelgebirge zunehmend von 500 auf 200 m. Viel
Neuschnee wird es aber nicht geben – meist nur wenige Zentimeter und selbst im
Maximum der Ensembleverfahren ist lokal bei 5 cm im Bergland Schluss. Glatt wird
es wohl auch nur im Übergangsbereich zum Frostbereich, was besonders das
Bergland von NRW betrifft (um 0 Grad), während postfrontal etwas mildere
Nordseeluft die Minima bei +2 Grad belässt.

Präfrontal verläuft die Nacht über der Mitte zwar insgesamt etwas bewölkter,
aber dennoch wird es erneut frostig mit Minima zwischen +2 und -3 Grad (positive
Minima nur dort, wo sich die Bewölkung regional zäh hält, wie z.B. in einzelnen
Staulagen). Teils mäßiger Frost in Bodennähe steht hier erneut auf dem Programm.

Bleibt noch der Süden zu nennen, wo sich die skaligen Niederschläge zunehmend an
die Alpen bzw. inneralpin zurückziehen und vorübergehend erneut verstärken. Am
direkten Alpenrand reicht es für 4 bis 8 cm Neuschnee, in Staulagen bis 15 cm.
Allerdings sei auf den großen Spread innerhalb der Numerik hingewiesen, die
teils markante Mengen andeuten. Hier muss noch abgewartet werden, wohin das
Bodentief über Südosteuropa genau zieht, wo sich das dominante Zentrum bildet
und wie lange es seinen Einfluss auf den Alpenstau ausüben kann. Die
Schneefallgrenze pendelt um 600 m und die Tiefstwerte liegen zwischen +1 und -4
Grad. Auch hier muss mit winterlicher Straßenglätte gerechnet werden.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC

Mittwoch … wird im Detail auf die Frühübersicht verwiesen, da sich mit den
neuen Läufen (soweit sie schon vorliegen) nicht viel verändert hat.

Das neu etablierte Höhentief/Vorticity Maximum innerhalb des umfangreichen
Höhentiefkomplexes über Mitteleuropa liegt zentral über Deutschland mit einem
frischen Schwall höhenkalter Luftmassen. Mit Einströmen einer feuchteren
Luftmasse bedeutet das wieder mehr MUCAPE, somit mehr Energie, rege und kräftige
Schaueraktivität, die bei dem vorherrschend spätwinterlichen thermischen Profil
wieder als Mischung aus Schnee, Schneeregen, Regen oder Graupel fällt. Einzelne
Gewitter sind möglich und wieder einmal muss darauf hingewiesen werden, dass
bezüglich „impact“ dieses Aprilwetter nicht unbekannt ist für ein erhöhtes
Unfallgeschehen u.a. auf den Autobahnen. Die Schneefallgrenze pendelt von West
nach Ost zwischen 300 und 800 m, sodass Neuschnee nur im Bergland ein Thema ist

  • temporär bei Schauern natürlich auch mal tiefer ausgreifend. Die Maxima liegen
    zwischen 4 und 11 Grad mit entsprechender Tal- und Bergfahrt bei wiederholter
    Schauerpassage.

In der Nacht zum Donnerstag wird die Feuchte zunehmend in den Süden gedrückt,
sodass der Schwarzwald und Alpenstau sicherlich einige Zentimeter Neuschnee
erwarten können (Schneefallgrenze um 400 m). Das gilt auch für die Staulagen der
westlichen zentralen Mittelgebirge und es würde auch nicht verwundern, wenn
lokal markante Neuschneemengen möglich sind, was aber von der Zugbahn/Geometrie
des Höhentiefs abhängt (und aktuell noch nicht einmal in den Maxima der
Ensembleverfahren hinterlegt). Nach Nordosten zu verläuft die Nacht teils klar
und trocken. Größere Unsicherheiten herrschen weiterhin, inwieweit ein über
Polen nordwärts ziehendes Tief dem äußersten Nordosten noch Niederschlag bringt

  • die Mehrheit der Modelle sieht den Schwerpunkt auf polnischer Seite. Bei
    Tiefstwerten um den Gefrierpunkt bleibt Glätte besonders in höheren Lagen ein
    Thema.

Modellvergleich und -einschätzung

Es ergeben sich keine gröberen Unsicherheiten während dieser Kurzfrist. Erst zum
Ende des Vorhersagezeitraums sind noch geringe Diskrepanzen vorhanden, wo genau
das Bodentief über Polen nordwärts zieht. Aber auch hier deuten immer mehr
Modelle eine recht östliche Zugbahn an, sodass der Einfluss auf den Nordosten in
Form von Niederschlag in der Nacht zum Donnerstag immer geringer ausfällt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy