SXEU31 DWAV 101800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 10.03.2024 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Anfangs an der See noch exponiert vereinzelt stürmische Böen 8 Bft aus Ost bis
Nordost, morgen Nachmittag Windabnahme.
Anfangs auf Alpengipfeln Sturmböen möglich.

Am Montag (beginnend um 00 UTC) im Westen gebietsweise Dauerregen mit Mengen
zwischen 30 und 50 l/qm in 18 bis 24 Stunden möglich.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC

Aktuell … Deutschland liegt zwischen einem steuernden und damit hochreichenden
Tief mit Kern über Nordwestfrankreich und einer Hochdruckzone über Nord- und
Osteuropa in einer südlichen bis südöstlichen, im Norden bodennnah in einer
östlichen Strömung, mit der milde Luft zu uns kommt (außer Küstenbereich). Dabei
hat ein Kurzwellentrog des Tiefs die Westalpen erreicht und schwenkt weiter
nordwärts. Vorderseitig hat sich im Lee der Alpen in Südostbayern ein Tief
entwickelt, das bis 00 UTC zum östlichen Mittelgebirgsraum zieht. Es befindet
sich an der Okklusion des Tiefs über Frankreich und somit kann man es auch als
Wellentief bezeichnen, das mit dem Tief im Westen verschmilzt und um 06 UTC mit
einem Kerndruck von 998 hPa über Holland liegt (ICON-D2). Bis dahin hat sich in
der Nähe zum Bodentief auch ein Höhentief gebildet, das mit dem Höhentief über
Nordfrankreich nun ein Dipol bildet. Vom Tief am Niederrhein reicht rinnenartig
noch ein Bodentrog, der mit der Okklusion korrespondiert, bis nach Tschechien.
Dabei kommt es im Frontbereich zunächst im Südwesten, später vor allem im Westen
und in der Mitte zu teils länger andauernden Regenfällen. Dabei werden von Süd-
und Mittelhessen bis zum Rheinland häufig Regenmengen zwischen 10 und 15 l/qm in
12 Stunden bis 06 UTC berechnet, in einigen Staulagen im Westen vereinzelt 15
bis 25 l/qm. Die EPS-Ergebnisse von ICON-D2 zeigen nur geringe
Wahrscheinlichkeiten für mehr als 25 l/qm. Im Norden und Osten ist es noch
trocken, es ziehen aber dichte mittelhohe und hohe Wolkenfelder durch, so dass
es auch hier frostfrei bleibt. Auch in Teilen Südostbayerns könnte es fast
trocken bleiben (Leewirkung, da die Höhenströmung noch SSW bleibt durch einen
weiteren Randtrog, der nach Südostfrankreich schwenkt).

Montag … beginnt sich die über Deutschland liegende Tiefdruckrinne
aufzufüllen, wobei sich deren westliche Teil in ein Zentraltief mit senkrechter
Achse zum steuernden Höhentief umwandelt. Das Niederschlagsgeschehen mit 4 bis
10, in den westlichen Mittelgebirgen 10 bis über 20 mm innerhalb von 12 Stunden)
konzentriert sich dann auf den Westen und dort auf die Mittelgebirge von der
Eifel bis zum Hochsauerland. Die deutsche Modellkette simuliert innerhalb von 24
Stunden nunmehr etwas weniger (bis 18 oder 24 UTC) am Montag, aber im Kern (etwa
im Ruhrgebiet oder lokal im Rheinland) werden immer noch Dauerregenmengen knapp
über 30 l/qm innerhalb von 24 Stunden simuliert. Die Probabilistik von ICON-EU
bringt nun in den gewarnten Gebieten geringere Wahrscheinlichkeiten für
Dauerregen.
Da aber durch dieses Zentraltief das Wettergeschehen sehr zyklonal geprägt ist,
bleibt es aber auch in den anderen Gebieten nicht niederschlagsfrei, wobei
jedoch die Niederschlagstätigkeit vor allem in der Mitte und nach Süden hin
durch Kaltluftadvektion gedämpft wird.
Mit der beginnenden Auffüllung des Zentraltiefs wird dann auch im Norden
Deutschlands der Gradient auseinandergezogen. Während etwa bis zum Vormittag
gegenüber der Nacht zuvor noch kein merkliches Abflauen des Windes zu
verzeichnen ist, wird danach der Wind schwächer, so dass spätestens ab dem Abend
an der Küste keine warnrelevanten Böen mehr auftreten sollten.
Größere Auflockerungen sind dann auf den Süden Deutschlands und die östlichen
Landesteile beschränkt. Während im Osten und Südosten nochmals bis 16 Grad
möglich sind, wird es sonst mit Tageshöchsttemperaturen zwischen 8 und 14 Grad
nicht mehr ganz so mild wie an den Tagen zuvor.
Das liegt an der etwas kühleren Meeresluftmasse, die am Südrand des Tiefs von
Westen und Südwesten einströmt mit 850-hPa-Temperaturen zwischen -0,5 Grad im
Westen und 2 Grad im Süden.

In der Nacht zum Dienstag schwenkt die Potentialrinne, die von der Nordsee über
Deutschland bis nach Italien reicht, nur langsam über uns ostwärts, so dass wir
unter geringen Geopotentialgegensätzen liegen. Ein an deren Ostflanke langsam
nach Norden ablaufender Kurzwellentrog induziert eine weitere Zyklogenese, wobei
das resultierende, aber schwache Bodentief von Ungarn zur Slowakei nordwärts
gesteuert wird. Demzufolge sollte das Vorhersagegebiet von den
Aufgleitniederschlägen dieses Tiefs verschont bleiben. Zwischen diesem Tief und
dem im Bereich der Emsmündung liegenden und sich dort auffüllenden Zentraltiefs
kommt etwas Absinken zustande, so dass, abgesehen vom äußersten Nordwesten und
Westen, keine nennenswerten Niederschläge zu erwarten sind. Aber auch in den
westlichen Landesteilen lässt der Regen langsam nach. Gebietsweise kann es
aufklaren, da sich bis dahin auch im Bodendruckfeld am Nordrand eines flachen
Hochkeils über Süddeutschland eine gradientschwache Lage eingestellt hat, muss
wieder vermehrt mit Nebel gerechnet werden. Der Wind ist ohnehin nicht mehr
warnrelevant. Vor allem im Süden und im Südosten kann es bei längerem Aufklaren
vor allem in Bodennähe örtlich leichten Frost geben.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC

Dienstag … gelten weiterhin die Aussagen vom Vorbericht.
Die Potentialrinne bei uns kommt kaum noch weiter nach Osten oder Nordosten
voran und füllt sich auf, ja zwischen dem Höhenkeil über Weißrussland sowie
Estland entsteht bis Mittwochfrüh eine Potentialbrücke. Der südliche Teil der
ehemaligen Potentialrinne ist damit zu einem flachen Höhentiefkomplex über
Südosteuropa abgetropft. Der Potentialanstieg führt aber auch zu weiterem
Druckanstieg bei uns und so spaltet sich aus dem Hochkeil ein Hochdruckgebiet
ab, das Mittwochfrüh über den Alpen und Südfrankreich liegt mit einem Kerndruck
von über 1020 hPa.
Leichte zyklonale Strukturen am Westrand der Potentialrinne führen im Westen und
Südwesten Deutschlands noch zu einzelnen Schauern oder etwas Regen und auch in
der Nacht zum Mittwoch regnet es im Südwesten und ganz im Süden noch leicht
durch den entstehenden Randtrog des Cut-Off-Tiefs südöstlich von uns. Im
Hochschwarzwald und in den Alpen kann es oberhalb 1100 bis 1200 m sogar
schneien!
Während im Westen und Südwesten Wolken vorherrschen, kommt im Osten zeitweise
die Sonne zum Vorschein. Mit 9 bis 14 Grad ändern sich die Temperaturen nur
wenig, wobei es im Osten am mildesten ist. Dafür ist dort in der Nacht zum
Mittwoch Bodenfrost möglich, wobei die Tiefstwerte zwischen 1 Grad im Osten und
6 Grad im Rheinland liegen.
Der Wind weht allenfalls mäßig aus West bis Südwest, an der See anfangs noch aus
Ost. Auf Alpengipfeln sind Böen Bft 8 bis 9 gering wahrscheinlich. Ansonsten
sind außer Nebelwarnungen keine Warnungen zu erwarten.

Modellvergleich und -einschätzung

GFS bringt nun den Regenschwerpunkt ähnlich wie die anderen Modelle im Bereich
des Dreiländereckes Rheinland-Pfalz, NRW, Hessen mit Mengen zwischen 35 und 50
l/qm. Von dort reicht bis zum westlichen Spessart eine Regenzungen mit mehr als
30 mm bis 50 l/qm. Der südöstliche Bereich ist derzeit nicht bewarnt.
Arome simuliert nur noch ganz vereinzelt bis 31 mm im Sauerland, sonst meist
keine warnrelevanten Mengen mehr.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden