SXEU31 DWAV 011800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 01.03.2024 um 18 UTC

SCHLAGZEILE:
Zyklonale Südwestlage, ungewöhnlich mildes Wochenende

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC

Aktuell … liegt ein ausgedehnter Langwellentrog über Westeuropa, der gegen ein
Hoch über Russland anläuft. An seiner Südostflanke schwenkt ein Teiltrog über
Italien Nord-Nordostwärts. Im Bodendruckfeld liegt das steuernde Zentraltief
über den Britischen Inseln. Seine okkludierende Kaltfront erstreckt sich von
Benelux über Frankreich, kommt aber nur noch unwesentlich nach Westen voran,
sodass ihre Niederschläge den Westen Deutschlands nicht mehr erreichen werden.
Eine weitere schwache Kaltfront liegt über der Mitte Deutschlands, aus der von
Unterfranken bis nach Baden-Württemberg ein paar Tropfen Regen gefallen sind.
Die Radarechos täuschen etwas, da viel von dem Niederschlag in der trockenen
Grundschicht verdunstet. Zwischen diesen beiden Fronten befindet sich eine
Region mit kompensatorischem Absinken und daraus folgenden Auflockerungen in
weiten Teilen Westdeutschlands.

Weiter im Osten wird an der Nordostflanke des italienischen Teiltroges in
höheren Schichten mit einer Südostströmung warm Mittelmeerluft advehiert, die
mit Saharastaub angereichert ist. Im Satellitenbild zeigt sich die dafür
typische rippenartige As-Bewölkung.

In der Nacht zum Samstag kommen die Kaltfrontreste über Mitteldeutschland weiter
ostwärts voran. Durch PVA an der Nordostflanke des Troges über Norditalien, der
ein Cut-Off über der nördlichen Adria gebildet hat, formiert sich über den Osten
Deutschlands ein Regengebiet. Dabei werden bis Samstagfrüh 2- 5 mm Regen
simuliert. Weiter im Westen lockert die Wolkendecke abgesehen von Cirrusfeldern
weiter auf. Lokal kann sich Nebel bilden. Frost tritt in der warmen Luftmasse
nur in sehr ungünstigen Muldenlagen auf.

Samstag … amplifiziert sich der Trog über Westeuropa weiter. Im Bodendruckfeld
erstreckt sich eine Langgestreckte Tiefdruckzone von Großbritannien bis nach
Frankreich. Auf ihrer Vorderseite wird mit einer südlichen Strömung subtropische
Luft nach Deutschland advehiert. Die 850-hPa-Temperatur steigt auf 2 °C im
Westen und bis auf 6 °C am Alpenrand. Unterdessen zieht der Teiltrog mit seiner
Achse über Österreich nordostwärts und sorgt weiterhin für leichte Regenfälle in
der Osthälfte, die am Nachmittag her nachlassen. Dann gibt es auch dort
Auflockerungen. Unterdessen kommt die okkludierende Front des Tiefdruckgebietes
über Großbritannien nicht weiter nach Osten voran, sodass sich ihr Einfluss nur
auf dichtere Bewölkung im äußersten Westen Deutschlands beschränkt. Im übrigen
Deutschland herrscht kompensatorisches Absinken vor, sodass es bei wechselnder
Bewölkung immer wieder längere sonnige Abschnitte gibt. Die Höchstwerte
erreichen Werte um 15 °C.
In der Nacht zum Sonntag sorgt die schleifende Okklusion anfangs für ein paar
Regentropfen im Westen. Ansonsten kommt es ausgehend von der westeuropäischen
Tiefdruckzone zu einer Zyklogenese im Golf von Lyon. Auf der Vorderseite des
Tiefs wird feuchte Mittelmeerluft gegen die Südalpen gedrückt, wodurch auf der
Alpennordseite Föhn einsetzt. Dies sorgt für eine weitere Abtrocknung der
Luftmasse insbesondere über den Süden Deutschlands, sodass die Nacht vielerorts
klar verläuft. Nebel tritt selten auf. Frost gibt es am ehesten im Südosten
Deutschlands, dort vornehmlich in Muldenlagen.

Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC

Sonntag … zeigt sich in den neuen Modellläufen wenig Änderung. Wir verbleiben
vorderseitig des Langwellentroges in einer südwestlichen Strömung, in der
subtropische Mittelmeerluft einfließt. Die 850-hPa-Temperatur steigt mit
Föhnunterstützung am Alpenrand bis auf 7 °C. Der Föhn wird aber nur in
anfälligen Tälern mit starken Böen wehen. Auch wenn sich im Bodendruckfeld ein
Leetief im Alpenvorland bildet und sich erst in der Nacht zum Montag löst und
auf einer Ost-Nordostzugbahn über Tschechien zieht, hat dies keinen wesentlichen
Einfluss auf unser Wetter. Abgesehen vom Westen, der immer noch von den Wolken
der sich abschwächenden Okklusion beeinflusst wird, bleibt es unter
kompensatorischen Absinken meist locker bewölkt bei Höchstwerten bis 18 °C.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modellsimulationen sind sehr ähnlich.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold