S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 06.09.2023 um 10.30 UTC

Zunächst kaum, kommende Woche steigende Gewitterneigung. Spätsommerlich warm.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 13.09.2023

Am Wochenende liegen wir unter einem blockierenden Höhenrücken, der nur zögernd
nach Südosten wandert. Auch wenn die Strukturen der klassischen Omegalage
langsam verwaschen, ist die Lage noch sehr stabil. Das entsprechende
Bodenhochdruckgebiet hat sich zu diesem Zeitpunkt schon nach Osteuropa
zurückgezogen, was dann einer antizyklonalen Süd- bis Südostlage entspricht. Der
Bodendruck fällt auch langsam weiter, eine Wetteränderung bringt das aber nicht.

Auch wenn die Luft in den untersten Schichten etwas feuchter geworden ist,
unterdrückt der überlagerte Höhenrücken mit Absinken und trockener mittlerer
Troposphäre etwaiges konvektives Geschehen gründlich. Mehr als eine sehr geringe
Gewitterneigung über dem süddeutschen Bergland ist nicht zu erwarten. Bei
Temperaturen von 15 bis 18°C in 850 hPa sind wieder gebietsweise Höchstwerte um
oder etwas über 30°C im Programm, die spätsommerliche Wärmeperiode geht erstmal
weiter.
Daran ändert sich auch am Montag zunächst wenig, auch wenn der Trend des
Wochenendes weiter geht. Die Achse des Höhenrückens, ein eingelagertes Hoch wird
nicht mehr simuliert, verlässt uns langsam nach Südosten. Ein Langwellentrog
nähert sich über Westeuropa und wir gelangen unter eine südwestliche
Höhenströmung, die aber noch stark antizyklonal geprägt ist. Die Zufuhr der sehr
warmen bis heißen Luft geht weiter und über dem süddeutschen Bergland wäre eine
gewisse Gewitterneigung zu verzeichnen. Auch in den Westen und Nordwesten können
dann mehr Wolken ziehen, ob diese aber schon mit ersten Schauern oder Gewittern
verbunden sind, ist mehr als fraglich.
Das ist nach aktuellem Stand am Dienstag auf jeden Fall eine Option. Der
Höhenrücken hat uns dann nach Osten verlassen und wir liegen unter einer
südwestlichen Höhenströmung, in der kleinere Tröge Hebung auslösen können. Im
Bodendruckfeld wird eine Tiefdruckrinne erkennbar, die sich mit feuchtwarmer und
instabilerer Luft zu uns hereinschiebt. Somit ist eine Zweiteilung des Wetters
nicht unwahrscheinlich. In der Westhälfte mehr Wolken und Regen oder
Regenschauer sowie teils starke Gewitter, in der Osthälfte kann sich das
freundliche und trockene Wetter noch halten. Im Nordwesten kann schon eine
weniger warme Luft einfließen, sonst bleibt es noch sehr warm, teilweise heiß.
Zum Ende der Mittelfrist erfasst uns von Westen her der Höhentrog und überquert
uns unter Abschwächung nach Osten. Das tut auch die Bodenrinne mit Regen und
Gewittern, gefolgt von kühleren Luftmassen, die auf deren Rückseite von
Nordwesten zu uns gelangen. Wie progressiv und nachhaltig das Ganze wirklich
vonstatten geht, ist noch sehr unsicher.

In der erweiterten Mittelfrist wird die Entwicklung unsicher, es deutet sich
aber zumindest vorübergehend wieder Hochdruckeinfluss ein, auf deutlich
niedrigerem Temperaturniveau.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des europäischen Modells ist aktuell gut. Die spätsommerliche
Wärmephase mit sonnigem Wetter bleibt uns bis zu Beginn der nächsten Woche
erhalten. Leichte Unterschiede sind eher akademischer Natur und betreffen etwas
unterschiedliche Berechnungen der Strömungskonfiguration, die aber kaum
Auswirkungen aufs Wetter haben. Zum Ende gibt es kleinere Diskrepanzen von Lauf
zu Lauf was die aufkommende Unbeständigkeit und die zum Ende beginnende
Abkühlung angeht. Das dann die Wärme zu Ende geht, scheint aber auch
einigermaßen sicher.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Am Wochenende besteht noch Einigkeit unter den Globalmodellen, ICON, IFS, GFS
und UKMO. Danach bröckelt der Zusammenhalt etwas, weil die anderen Modelle, je
nach Konfiguration des weichenden Höhenrückens, den Übergang zum unbeständigeren
und kühleren oder weniger warmen Wetter anders simulieren, was für diesen
Prognosehorizont, aber auch nicht wirklich überrascht.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Bis zu Beginn der nächsten Woche lassen die Ensembles an der Entwicklung keine
Zweifel aufkommen. Die Kurven der Temperatur in 850 hPa und die
Geopotentialkurven für 500 hPa verlaufen sehr eng gebündelt, fast ohne Spread.
Die Temperatur verharrt dabei auf die Jahreszeit sehr hohem Niveau, das
Geopotential fällt leicht. Ab Dienstag fächern die Kurven stärker auf, verbunden
mit aufkommenden Niederschlagssignalen. Auffällig ist dabei, dass das
Geopotential vielfach auf hohem Niveau bleibt und etliche member sparsam mit
möglichen Niederschlägen umgehen. Dazu kommt ein nur sehr moderater Rückgang der
Temperaturen, sodass hinter der Wetteraktivität und der folgenden Abkühlung bis
in die erweiterte Mittelfrist ein paar Fragezeichen zu setzen sind.

Das die 3 Cluster bis +96h keine neuen Erkenntnisse für uns bringen, ist nichts
Neues. Im darauffolgenden Abschnitt bis +168h gibt es zwei Cluster, die weiter
im Blocking angesiedelt sind und den Höhenrücken mit starker positiver
Geopotentialanomalie nahe bei uns lassen. Das würde den Verdacht stützen, dass
die Aktivität möglicher Tröge und Tiefausläufer bei uns doch nicht übermäßig
stark ausfällt und kühlere Luft uns möglicherweise nur streift.
In der erweiterten Mittelfrist werden 3 Cluster gebildet, die den Übergang in
eine westliche bis südwestliche Strömung propagieren, dabei aber ziemlich hohes
Geopotential für uns zeigen und nicht sehr dynamisch aussehen. Trend eventuell
Richtung antizyklonale West- bis Südwestlage.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Zunächst mal gibt es nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit für Gewitter mit
orografischem Trigger, vor allem in Südwestdeutschland.
Hier finden sich in den Modellen keine direkte Hinweise, etwas steigende
Grenzschichtfeuchte wäre hier das einzige Signal. Am Montag zeigen die Ensembles
für Nordwestdeutschland deutlich steigende Cape Shear Werte, trotz Fehlanzeige
im Hauptlauf, wäre das auch dort ein Hinweis auf erste, möglicherweise stärkere
Gewitter.

Ab Dienstag nimmt von Westen die Gewitterneigung in zyklonalerem Umfeld zu. Wie
stark die Gewitterlage ausfällt ist unsicher. Die hohe Werte für Cape oder Cape
Shear sehen „vielversprechend“ aus, auch unwetterartige Entwicklungen sind dann
möglich.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mos Mix, IFS +EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner