S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 31.05.2023 um 10.30 UTC

Nahezu landesweit Fortdauer des ruhigen und trockenen Hochdruckwetters.
Allenfalls im Südwesten und an den Alpen eine gewisse Schauer- und
Gewitteraktivität.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 07.06.2023

Die Wetterlage bleibt auch mittelfristig festgefahren! Beim Start in die
Mittelfrist am kommenden Samstag zeigte das IFS-EPs vom gestrigen 12 UTC-Lauf
komplett die Wetterlage Hoch Nordmeer antizyklonal. Auch im Verlauf gibt es nur
wenig Variabilität. Einzig der Verlagerung des Hochschwerpunktes kann die
Klassifikation leicht wandeln, sodass anstatt Hoch Nordmeer auch Hoch
Nordmeer-Fennoskandien oder Hoch Britische Inseln ins Spiel kommen. Zyklonale
Wetterlagen wie Hoch Nordmeer zyklonal tauchen zwar ab dem Wochenende auch auf
und legen an Unterstützern zu, insgesamt dominieren aber bis in die erweiterte
Mittelfrist die vom Hoch geprägten antizyklonalen Bedingungen. Aufgrund der
recht stabilen hochreichenden Strukturen wird im Verlauf des mittelfristigen
Zeitraums der Fokus nur auf signifikante Veränderungen bzw. Wetterereignisse
gelegt. Nun aber der Reihe nach.

Am Samstag liegt ein Höhenhoch nordwestlich von Irland und ist für einen breiten
Rücken verantwortlich. Von Skandinavien kann sich gleichzeitig ein Trog über dem
östlichen Mitteleuropa und Osteuropa südwärts etwa bis zum Schwarzen Meer
erstrecken. Bodennah korreliert das Höhenhoch mit einem Bodenhoch an gleicher
Stelle, welches eine Hochdruckzone vom Nordostatlantik bis nach Osteuropa
aufspannt. Bei insgesamt schwachen Geopotential- und Luftdruckgegensätzen über
Europa kann sich von der Iberischen Halbinsel durch diabatische Impulse sowie
einen gering amplifizierten Langwellentrog in der Höhe schwacher
Tiefdruckeinfluss bis nach Ostfrankreich schieben. Gleichzeitig induzieren die
Drehzentren im Trog kleine Bodentiefs, die teilweise schwachen Fronten versehen
sind. Resultierend können sich am Samstag nach Leseart des IFS durchaus über
Deutschland Schwachstellen im Hochgebilde auftun. Vor allem im Südwesten und an
den Alpen, wo feuchtere Luft vorhanden ist, kann es im Tagesverlauf blubbern.
Resultierend können sich im Schwarzwaldumfeld sowie am Alpenrand Gewitter
entwickeln, die teilweise bis ins Vorland ausgreifen. Bei nahezu ortsfesten
Schauern und Gewittern ist der Starkregen beim PPW von 15 bis 21 mm ein Thema.
Punktuell kann lokal auch heftiger Starkregen nicht ausgeschlossen werden. Bei
Cape-Werten 250 bis 1000 J/kg ist auch kleinkörniger Hagel eine Option. Der Wind
spielt keine größere Rolle. Die Schwachstelle im Norden aufgrund frontaler
Streifschüsse sorgt dagegen allenfalls für Durchzug dichtere Wolkenfelder in
Schleswig-Holstein sowie allg. im Nordseeumfeld. Bei einer östlichen, im
Nordwesten auch nördlichen Grundströmung bleibt auch der Temperaturgradient von
Nordost nach Südwest erhalten. Demnach stehen in 850 hPa 2 Grad auf Rügen 12
Grad am Alpenrand gegenüber.

Am Sonntag und Montag ändert sich an den Strukturen fast nichts. Das Höhenhoch
verlagert den Schwerpunkt unwesentlich nach Osten. Zudem kann sich vom zentralen
Mittelmeerraum ein Rücken über Griechenland und den Balkanraum nordwärts
aufbäumen. Sonst sind selbst im Detail kaum nennenswerte Unterschiede zum Vortag
zu erkennen. Entsprechend bleiben auch die Regionen von Interesse gleich.
Demnach blubbert es erneut im Schwarzwaldumfeld vom Alpenrand teils bis ins
Vorland, wobei die höhere Auftrittswahrscheinlichkeit am Sonntag im Südwesten
und am Montag im Südosten liegt. Dort soll die Luft insgesamt etwas feuchter
daherkommen, sodass bei PPW bis 25 mm weiter der Starkregen ein Thema bleibt.
Lokal ist auch heftiger Starkregen möglich. Bei ähnlichen Cape-Werten wie am
Samstag ist auch kleinkörniger Hagel möglich. Ansonsten können sich bevorzugt in
Ostfriesland bei auflandigem Wind dichtere Wolken vor die Sonne schieben.
Niederschläge sollten dort aber die absolute Ausnahme darstellen. Da sich der
Hochableger über der Ostsee verflüchtigt und stattdessen erneut das Hoch
nördlich der Britischen Inseln dominiert, stellt sich in weiten Teilen des
Landes wieder eine nördliche Grundströmung ein. Eine kleine Unsicherheit liefert
zudem noch ein kleinräumiges Tief über der westlichen Ostsee, welches das IFS
simuliert. Bei den Temperaturen ändert sich auch wenig, wenngleich die Werte im
Norden weniger kühl daherkommen. Insgesamt sind in 850 hPa Werte von Nordost
nach Süden zwischen 4 und 14 Grad zu verzeichnen.

Am Dienstag grüßt in weiten Teilen Europas wieder das Murmeltier. Kleinere
Unterschiede sind vor allem über Südeuropa zu erkennen. Während sich nun vom
westlichen Mittelmeerraum ein schwacher Rücken bis nach Frankreich aufbäumt,
erstreckt sich von der Adria ein gering amplifizierter Trog bis vor die Küste
Afrikas. Dieser induziert dabei ein schwaches Bodentief über dem Balkanraum und
Teilen Rumäniens sowie Ungarns. Insgesamt ist somit von der Iberischen Halbinsel
über Norditalien und dem südlichen Alpenraum bis zum Balkan eine erhöhte
Schauer- und Gewitteraktivität zu verzeichnen. Hierzulande können höchstens am
Alpenrand lokal mal Schauer- und Gewitter auftauchen. Die Wahrscheinlichkeit ist
nach IFS aber deutlich geringer als an den Vortagen. Bei anhaltenden nördlichen
Winden wird in 850 hPa ein Temperaturniveau von 6 bis 16 Grad gezeigt.

Am Mittwoch kommt mit einem Cut-Off westlich der Iberischen Halbinsel ein
weiterer Player auf die Karte. Die WLA auf der Vorderseite stützt zunächst aber
den Rücken, der sich von Nordafrika bis nach Frankreich aufbäumt und die
Amplitude stetig vergrößert. Gleichzeitig beginnt aber das Höhenhoch bei den
Britischen Inseln zu schwächeln. Am Boden pirscht sich das zum Cut-Off gehörende
Tief an die Iberische Halbinsel heran. Der Rücken korreliert dabei mit einer
Hochdruckzone, die vom Nordostatlantik über Mitteleuropa bis in den zentralen
Mittelmeerraum reicht und trockene Luft nach Deutschland transportiert.
Vertikale Umlagerungen haben es daher hierzulande weiter schwer. Allenfalls im
Süden reicht die Feuchte eventuell aus, sodass mit orografischer Unterstützung
ausreichend Hebung für einzelne Schauer generiert werden kann. Gewitter sind
nicht ausgeschlossen, aber derzeit eher sehr gering wahrscheinlich. Bei
schwachen nördlichen Winden kann die Sonne die Luft erneut ordentlich erwärmen,
sodass in 850 hPa Werte zwischen 4 und 16 Grad erreicht werden.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Wetterlage bleibt festgefahren und konstant. Auch deshalb werden die
großskaligen Strukturen von den IFS-Läufen konsistent abgebildet. Bis
einschließlich Montag gibt es auch im Detail kaum Abweichungen, sodass von einer
recht hohen Vorhersagegüte auszugehen ist. Ab Dienstag gibt es geringe
Unterschiede, die auch das Wetter in Deutschland teilweise betreffen. Demnach
simuliert der aktuelle 00-UTC-Lauf den Schwerpunkt des Hochs über den Britischen
Inseln weiter östlich mit Ableger über der Ostsee. Resultierend wird auch der
Trog über dem östlichen Mitteleuropa nach Osten verlagert und amplifiziert sich
dabei zudem weniger weit nach Süden. Während vor allem der gestrige 00-UTC-Lauf
in Teilen Ostdeutschlands noch geringe Niederschläge zeigte, bleibt es nach den
neusten Berechnungen weitgehend trocken. Auch das Schauer- und Gewitterpotential
greift beim neusten Lauf weniger weit nach Norden aus und beschränkt sich
überwiegend auf den Alpenraum, den Schwarzwald sowie Teilen Niederbayerns.
Entgegen der gestrigen Vorgaben sieht der aktuelle IFS-Lauf anstatt einer
nördlichen Strömung zunehmend eine östliche Ausrichtung. Einhergehend würde sich
auch das Temperaturniveau nur wenig ändern, tendenziell sollte die Warmluft
sogar etwas nordwärts schieben.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch andere Globalmodelle (ICON,GFS,UKMO,GEM) simulieren die großskaligen
Strukturen vergleichbar zum IFS. Im Detail ergeben sich allerdings geringe
Abweichungen, die teilweise auch Einfluss auf das Wetter in Deutschland haben.
Demnach sieht das ICON den Schwerpunkt des hochreichenden Hochs weiter östlich,
was zunächst noch stärkere antizyklonale Bedingungen bedeutet. Zum Ende des
mittelfristigen Zeitraums gelangt Deutschland aber auf die Südwestflanke des
Hochs, sodass etwas feuchte und potentiell labilere Luft einsickert.
Entsprechend wären am Mittwoch im Südosten, nordwestwärts ausgreifend, einzelne
starke Gewitter wahrscheinlicher als in den anderen Modellen. Das GFS steht
dagegen konträr zum ICON und sieht das hochreichende Hoch nordwestlicher als
ICON und IFS. Entsprechend wird auch der Trog über dem östlichen Mitteleuropa zu
Beginn des Zeitraums stärker und westlich verschoben abgebildet. Insgesamt ist
beim GFS eine aktivere Schauer- und Gewittertätigkeit zu verzeichnen, die im
Vergleich zum IFS und ICON auch deutlich weiter nordwärts ausgreift. Die
Strukturen des GEM sowie des UKMO stellen einen Mittelweg zwischen den Lösungen
vom GFS und IFS dar.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland weisen sowohl bei der
Temperatur in 850 hPa als auch beim Geopotential in 500 hPa bis einschließlich
Montag einen geringen Spread auf. Entsprechend kann von einer hohen
Vorhersagegüte ausgegangen werden. Erst ab Dienstag spreizt sich der ENS-Raum
leicht. Abweichungen von 8 bis 12 Grad bzw. 10 bis 15 hPa sind aber weiter
vergleichsweise gering. Insgesamt weisen die Rauchfahnen im Süden und Teilen der
Mitte im Vergleich zu den anderen Regionen tendenziell etwas höhere
Unsicherheiten auf. Auffällig ist zudem, dass ab Dienstag landesweit zumindest
bei einigen Läufen ein gewissen Niederschlagsrisiko besteht.

Bei der Klassifikation des EPS werden im Zeitraum +72 bis +96h alle Member in
ein Cluster eingeordnet. Dieses wird dabei dem Schema eines atlantischen Rückens
zugeordnet.
Im Zeitraum von +120 bis +168h reicht weiter ein Cluster aus, um alle
Unsicherheiten des EPS ausreichend zu beschreiben. Entgegen des ersten Zeitraums
ist nun aber das Schema Blocking dominierend.
In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h zeigt das IFS-EPS weiter
Einigkeit, indem die Unsicherheiten aller Member erneut durch eine Lösung
abgedeckt werden. Beim Schema gibt es die Rolle rückwärts zum atlantischen
Rücken.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Vom EFI gibt es bezüglich des Modellklimas mittelfristig keine Hinweise auf
überdurchschnittliche Bedingungen.

Auch sonst sind nur zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums von Samstag bis
Montag allenfalls im Südwesten und am Alpenrand vereinzelt starke Gewitter
möglich. Als Begleiterscheinung muss dabei mit Starkregen zwischen 15 und 25
l/qm/h, steifen bis stürmischen Böen (Bft 7-8) und kleinkörnigem Hagel gerechnet
werden. Lokal ist auch heftiger Starkregen bis 40 l/qm/h nicht ausgeschlossen.
Der Gewitterschwerpunkt bleibt aber über dem gesamten mittelfristigen Zeitraum
im inneralpinen Alpenbereich.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS. ICON-EPS, anfangs auch det. IFS/ICON, für TT auch MosMix (Vorsicht
nachts teils zu warm)

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel