SXEU31 DWAV 221800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 22.11.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Unbeständig mit wiederholten Tiefausläufern von Westen. Dabei auch ganz im Osten
zögernd milder und allenfalls noch in den Hochlagen winterlich.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell … ist der Abtropfprozess über der Adria in vollem Gange. Die WLA und
mithin die Aufgleitprozesse an dessen Nordflanke lassen aber allmählich nach.
Damit lassen nicht nur die Schneefälle im südlichen Bayerischen Wald im Laufe
der Nacht nach, sondern auch am Alpenrand. Oberhalb von 1000 m kommen weitere 5,
in Staulagen 10 bis 15 cm Neuschnee zusammen. Warntechnisch wurde das bereits
umfassend „abgefrühstückt“.

Im Rest des Landes verläuft die Nacht zwar überwiegend bewölkt, aber
vergleichsweise ruhig. Das Trogresiduum über Nordwestdeutschland schwenkt unter
Abschwächung nordwärts und so schwächt sich auch das Tief über der Doggerbank
allmählich ab. Frontale Geschehnisse sind keine zu verorten. Leichte
Schaueraktivität hält sich am längsten noch im Westen und Nordwesten, wo
mitteltroposphärische WLA gerade mal so Cloud Tops von knapp unter -10 Grad
zulässt. Gewitter sind und bleiben somit eher unwahrscheinlich.

Der Wind aus Südost bis Süd lässt insgesamt nach und so dürfte sich in der
feuchten Grundschicht bei größeren Auflockerungen rasch Dunst oder Nebel bilden.
Insgesamt sind diese aber wohl eher selten, am ehesten im Südwesten. An der See
bleibt der Wind lebhaft, auf dem Brocken stürmisch.

Während es östlich der Elbe, im Bergland und im Süden bei Temperaturen um den
Gefrierpunkt teilweise wieder frostig wird (oder wie in der Uckermark frostig
bleibt), liegen die Tiefstwerte im Westen bei milden 8 bis 4 Grad. Glätte spielt
die kommende Nacht eine untergeordnete Rolle (Ausnahme Schneefallgebiete).

Mittwoch … verlagert sich an der Südflanke des inzwischen hochreichenden und
steuernden Tiefdruckkomplexes westlich von Schottland ein markanter und
zunehmend negativ geneigter Kurzwellentrog rasch über die Britischen Inseln und
Frankreich hinweg ostwärts und erreicht am Abend bereits den äußersten Westen
und Südwesten Deutschlands. Im Zuge des darin eigelagerten okkludierten
Frontensystems (gestützt durch PVA und WLA) beginnt es ab dem späten Nachmittag
vom Niederrhein bis zum Bodensee zu regnen. Die Mengen bleiben allerdings mit
etwa 1 bis 7, im Schwarzwald bis 10 l/qm überschaubar.

Im Rest des Landes bleibt es – nach Abklingen der letzten Niederschläge im
Südosten Bayerns bzw. nach Abzug letzter Schauer ganz im Norden – weitestgehend
trocken. Bedingt durch die südliche Anströmung kann sich nach Auflösung lokaler
Nebel- oder Hochnebelfelder vor allem südlich der Donau sowie vom Thüringer
Becken bis nach Ostsachsen auch mal länger die Sonne durchsetzen kann.

Mit Annäherung der Okklusion geht erneut eine Gradientverschärfung einher. In
den Kamm- und Gipfellagen der westlichen und zentralen Mittelgebirge gibt es im
Tagesverlauf steife, exponiert stürmische Böen. Auch an den Nordrändern der
Mittelgebirge und über der freien Nordsee kann es für die ein oder andere steife
Bö (Bft 7) reichen. ICON-D2 EPS arbeitet dabei vor allem das östliche Ruhrgebiet
und den Aachener Raum mit Wahrscheinlichkeiten > 60% heraus.

Insgesamt wird nun auch im Osten die Kaltluft weitestgehend verdrängt. Mit
Höchstwerten zwischen 4 und 8 Grad im Nordosten sowie 7 bis 12 Grad im großen
Rest wird es etwas milder als an den Vortagen.

In der Nacht zum Donnerstag überquert der Kurzwellentrog unter deutlichem
Konturverlust das Vorhersagegebiet ostnordostwärts. Weitere kurzwellige Anteile
greifen im Laufe der Nacht auf den Westen und Südwesten des Landes über.

Die Okklusion kommt ebenfalls nach Nordosten voran, wobei die Niederschläge an
Intensität verlieren und das Regenband immer löchriger und schmaler wird. Die
Geschwindigkeit wird inzwischen relativ einheitlich simuliert. Sie überqueren
zwar noch die Elbe, kommen aber voraussichtlich vor Rostock, Berlin, Dresden zum
Erliegen. Nicht ausgeschlossen, dass am unmittelbaren Vorderrand des
Niederschlags nochmal Glatteis ein Thema wird. Prädestiniert wäre dafür
beispielsweise der Fläming oder auch die Erzgebirgstäler und der ostbayerischen
Mittelgebirgsraum. Eine verbreitete und vor allem länger anhaltende Glatteislage
droht aber nach aktueller Lage nicht. Dafür sind sowohl die Niederschläge zu
gering als auch die Qualität der Kaltluft nicht mehr „eindringlich“ genug.

Ansonsten bleibt es aber frostfrei und Schnee gibt es höchstens auf einigen
Mittelgebirgsgipfeln bzw. oberhalb von etwa 900 bis 1300 m. Nach Frontpassage
klingen die Niederschläge vorübergehend ab, vor allem im
Westen und Südwesten lebt aber mit Übergreifen der kurzwelligen Troganteile und
einer damit einhergehenden Labilisierung der Luftmasse (knapp -30 Grad in 500
hPa bei etwa 0 Grad in 850 hPa) die Schauertätigkeit erneut auf. Ein kurzes
Gewitter ist durchaus im Bereich des Möglichen.

Der Wind dreht mit Frontpassage auf Südwest, wobei es in einigen Kamm- und
Gipfellagen und zunehmend auch auf den Alpengipfeln weiterhin stürmische Böen
bzw. Sturmböen gibt. Mit Frontpassage kann es auch in freien Lagen im Flachland,
insbesondere im Alpenvorland, steife Böen geben, ebenso über der Nordsee.

Die Tiefstwerte liegen im äußersten Osten und Südosten nochmals um 0 Grad, sonst
meist unkritisch zwischen 8 und 2 Grad.

Donnerstag … ziehen die kurzwelligen Troganteile ostwärts ab, gefolgt von
einem Höhenkeil, der sich – gestützt durch WLA vorderseitig des auf die
Britischen Inseln übergreifenden Höhentroges – westlich von uns aufwölbt und am
Nachmittag den Westen des Landes erreicht. Im Bodenfeld zieht die Okklusion
bereits am Vormittag nordostwärts ab und von Westen her setzt mit Annäherung des
Keils Druckanstieg ein, wobei sich ein Bodenhochkeil über Süddeutschland
etabliert.

Somit gibt es vor allem in der ersten Tageshälfte im Osten und Südosten noch
schauerartige Niederschläge (oberhalb etwa 1200 m als Schnee), bevor sich auch
dort von Westen zeitweilige Auflockerungen durchsetzen. Auch eine etwaige
Glättesituation im Osten sollte sich am Vormittag rasch entspannen.

Die Temperatur in 850 hPa steigt nach Osten zu nur auf etwa -1 Grad, im Westen
aber bereits auf 3 bis 4 Grad. Entsprechend bleibt das Temperaturgefälle
zwischen Ost und West zwar bestehen – insgesamt aber auf einem höheren Niveau
mit rund 4 Grad an Oder und Neiße bzw. 10 bis 13 Grad an Rhein und Ems.

Am Vormittag gibt es auf den Gipfeln der süddeutschen Mittelgebirge noch
Sturmböen (Bft 8 bis 9), bevor der Gradient respektive Höhenwind auch dort
langsam auffächert und der Wind nachlässt.

In der Nacht zum Freitag überquert die Achse des westeuropäischen Höhentroges
die Britischen Inseln ostwärts, wodurch auch der Höhenkeil über das
Vorhersagegebiet hinweg nach Osten abgedrängt wird. Somit geraten weite Teile
des Landes auf die Vorderseite des Troges unterhalb einer allerdings recht
glatten, nach Westen zu leicht diffluenten südwestlichen Höhenströmung.

Im Bodenfeld nähert sich von Westen ein weiteres okkludiertes Frontensystem und
erreicht bis zum frühen Vormittag die Westhälfte Deutschlands. Die Regenmengen
liegen dabei binnen 12 Stunden meist im einstelligen Millimeterbereich.

Im Rest des Landes bleibt es trocken und vor allem im Osten und Süden auch
aufgelockert, eventuell sogar gering bewölkt. Vielerorts breiten sich in der
feuchten Luftmasse teils dichte Nebelfelder aus. Dabei gibt es im Osten und
Süden gebietsweise (je nach Bewölkung) Luftfrost, recht verbreitet aber wohl
zumindest zeitweise Frost in Bodennähe.
Im Westen und Norden bleibt es dagegen unter den Wolken weitgehend frostfrei.
Der Wind lebt im Westen und Nordwesten mit Annäherung der Front wieder etwas auf
mit steifen Böen aus südlichen Richtungen über der Nordsee.

Freitag … wiederholt sich die Geschichte mit Durchgang einer recht schmalen
Okklusion ostwärts auf Basis eines recht breit angelegten Höhentroges erneut.
Bei diesen raschen Abfolgen bei ständig gleichem Muster fällt es durchaus nicht
leicht, da noch die Übersicht zu behalten. Winterliche Wettererscheinungen sind
in der südwestlichen Strömung bei T850 um 0 Grad damit allerdings nur noch in
den absoluten Hochlagen verbunden.

So erreicht die Okklusion unter Abschwächung zum Nachmittag die östlichen
Landesteile und bringt dort kaum noch nennenswerte Regenfälle. Meist bleibt es
bei gelegentlichem Niesel- oder auch Sprühregen. Ein zweites schwächeres
Feuchtemaximum zeichnet sich zum Abend längs (abgesetzt postfrontal) über der
Landesmitte ab, was mit der Achse des Bodentroges korreliert. Mit viel
Wohlwollen könnte man sogar an eine kleine Konvergenz denken. Zumindest an der
Nordsee und unteren Elbe sprechen Windsprung und Nähe zum Höhentief dafür. Mit
Unterstützung des noch vergleichsweise warmen Wassers sind auch vereinzelt kurze
Gewitter möglich (Tw 12 Grad, T500 -30 Grad und damit Spread größer 40 K).

Weiter landeinwärts ist die Wetteraktivität deutlich schwächer ausgeprägt und
lokale Schauer sind eher schlecht organisiert. Prädestiniert für größere
Auflockerungen sind weiterhin die Nordränder der Gebirge, insbesondere das
Alpenvorland.

Bei den Temperaturen tut sich nicht allzu viel. Die Spanne liegt zwischen 5 Grad
in der Uckermark und 12 Grad entlang des Rheins.

Modellvergleich und -einschätzung

In der Kurzfrist ergeben sich keine größeren Modelldiskrepanzen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen