#SXEU31 #DWAV S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Freitag, den 16.09.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 161800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 16.09.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Im Nordwesten, bedingt auch im Nordosten Starkregen durch Schauer und Gewitter
möglich. Ab Sonntag abnehmende Starkregengefahr.
Vor allem im Nordseeküstenbereich und auf exponierten Bergen Sturmböen,
vereinzelt bis Bft 10.
Im Alpenraum Dauerregen, oberhalb 1500 m Schneefall, am Sonntag vorübergehend
nachlassend.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … hat der Höhentrog des umfangreichen und hochreichenden Tiefs über
Südwestfinnland den Norden Deutschlands und die Normandie erreicht und schwenkt
im Laufe der Nacht zu den Alpen. Ein kurzwelliger Randtrog ist über der
nördlichen Nordsee angelangt und zieht bis zum Morgen nach Nordwestdeutschland.
Vor dem Trog (im Bereich vom dazwischenliegenden Höhenkeil) ist
Warmluftadvektion eingelagert und hier ist ein Regengebiet entstanden, das
Niedersachsen erreicht hat. Im Süden schläft die Schaueraktivität
tagesgangbedingt in der Nacht ab, wenn man mal vom Alpenraum absieht, wo es
weitere Niederschläge gibt, die oberhalb von 1500 bis 1600 m in Schnee
übergehen, denn in 850 hPa sinkt die Temperatur auf Werte um 1 Grad. Die
Neuschneemengen oberhalb 1800 m belaufen sich auf wenige Zentimeter, nur in
exponierten Lagen werden über 15 cm Neuschnee erwartet. Entsprechend sind lokal
auch über 15 l/qm Regen möglich.
Das kleine Regengebiet über Niedersachsen zieht nachts zum mittleren Deutschland
und erreicht Samstagfrüh das nördliche Süddeutschland. Dieses Regengebiet bringt
meist Regenmengen zwischen 1 und 8 l/qm. Dahinter folgen weitere Schauer von der
Nordsee her, die landeinwärts nach Südosten ziehen. An der Nordsee kann es auch
kurze Gewitter geben, teils mit Graupel.
Die Tiefstwerte liegen meist zwischen 12 Grad auf Sylt und 4 Grad in einigen
Mittelgebirgslagen.

Samstag … wird der über dem Süden liegende Höhentrog durch den Randtrog, der
von Nordwestdeutschland zu den Alpen schwenkt, regeneriert. Bis zum Abend
erreicht der entstehende Trog eine Linie Vorpommern-Ostalpen, wobei sich sogar
ein kleines Höhentief über Nordbrandenburg bildet. Dabei zieht ein Gebiet mit
höhenkalter Luft von Nordwestdeutschland über die Mitte zum südöstlichen
Deutschland (Temperatur in 500 -25 Grad und kälter). So muss im Tagesverlauf
fast überall mit Schauern und später auch mit einzelnen Gewittern gerechnet
werden. Nur ganz im Südwesten ist die Gewittergefahr gering. Dabei liegen über
Tag die Niederschlagsmengen meist im einstelligen Bereich, nur im Küstenbereich
und hier vor allem an der Nordsee, sind örtlich Starkregenmengen möglich
(EPS-Ergebnisse von ICON und IFS sowie CosmoLEPS). Dabei kann der Starkregen
über 50 km weit landeinwärts vorankommen. Im Süden schwankt die Schneefallgrenze
in den Alpen zwischen 1700 und 1500 m. Dabei sind dort ab 1800 m Neuschneemengen
zwischen 5 und 10 cm, in Staulagen teils über 20 mm in 12 Stunden realistisch.
Im Westallgäu gibt es Signale für mehr als 30 l/qm Niederschlag in 24 Stunden.

Der Gradient bleibt über der Nordsee weiterhin bissig mit Böen Bft 8 bis 9 aus
Nordwest. Von den Nördlichen Mittelgebirgen bis zur Nordsee sind auch in tiefen
Lagen steife Windböen möglich. An der Ostsee ist der Gradient soweit
aufgeweicht, dass wahrscheinlich nicht mal 7er Böen auftreten. Bei Gewittern
sind natürlich auch landeinwärts 8er Böen möglich.

Vor allem im Südosten wird es mit 10 bis 13 Grad kälter sein als am Vortag.
Ansonsten ist es mit 14 bis 17 Grad nicht ganz so frisch. Dabei ist es im
Nordosten am wärmsten.

In der Nacht zum Sonntag bleibt die Wetterlage NWz erhalten, gegen Morgen taucht
über der Nordsee ein Randtrog auf mit eingelagertem Drehzentrum über
Norddänemark. Auf der Südflanke kommt es zu schauerartig verstärkten Regenfällen
(Überlappung von PVA und WLA), die wahrscheinlich wieder in ein skaliges
Meso-Regengebiet münden, das auf den Westen und Nordwesten übergreift. In
Küstennähe muss weiter mit diabatisch getriggerten Schauern und Gewittern
gerechnet werden. Im Süden lassen Schauer meist nach, im Alpenraum regnet oder
schneit es aber weiter mit meist leichter, mitunter auch mal mäßiger Intensität.

Der Wind lässt im Binnenland nach Abzug des Bodentroges in Richtung Polen nach,
in höheren Lagen bleibt es aber windig bis stürmisch. Und auch im
Nordseeküstenbereich bleibt der Nordweststurm (8-9 Bft).

Sonntag … zieht das kleine Höhentief von Dänemark über den Nordosten nach
Westpolen. In der Nordhälfte und im Osten sinkt die 500-hPa-Temperatur auf -26
bis -28°C, was bei T850 bei +2 Grad eine hohe Labilität garantiert. Zwar ist die
gesamttroposphärische Feuchte nicht überbordend hoch, trotzdem reicht es, um so
viel CAPE zu generieren, dass mit dem Tagesgang wiederholt Schauer und kurze
Gewitter entstehen können. Das Meso-Regengebiet zieht vom Westen und der Mitte
unter Abschwächung zum nördlichen Süddeutschland weiter, die Alpen erreicht es
also noch nicht. Gebietsweise können im Stau der Mittelgebirge 10 bis 20, lokal
vielleicht 25 l/m² in wenigen Stunden zusammenkommen. Während es in der Mitte
und im nördlichen Süddeutschland ordentlich regnet, lassen die Niederschläge an
den Alpen und im Vorland zögerlich nach. Auflockerungen oder sogar ein paar
sonnige Abschnitte sind im äußersten Norden (vor allem SH) sowie im Südwesten
(vor allem Südbaden) am wahrscheinlichsten. Das ändert aber nichts daran, dass
es mit 9 bis 15°C ziemlich kühl bleibt. Lediglich im südlichen Oberrheingraben
sind mit etwas Glück 1 oder 2 Grad mehr drin.

Der West- bis Nordwestwind frischt landesweit auf mit Spitzen 7-8 Bft, höhere
Lagen 9 Bft. Der Nordosten bleibt allerdings relativ windschwach. An der Nordsee
sind Sturmböen möglich.

In der Nacht zum Montag liegen wir auf der Westseite des Langwellentroges, wobei
der Kurzwellentrog nach Südosten abzieht. Damit lassen in größeren Gebieten die
Schauer vorübergehend nach (vor allem Westen und Norden außer Küste). Im
Südosten gibt es vor allem anfangs noch öfter Schauer, in Staulagen gibt längere
Zeit Regen, oberhalb 1500 m Schnee. In Küstennähe sind Gewitter möglich. Dort
bleibt es stürmische mit Böen Bft 8 bis 9 ähnlich wie auf den Bergen. Die
Tiefstwerte liegen wieder zwischen 12 und 4 Grad.

Montag … bleibt die zyklonale Nordwestlage erhalten, die gesamte
Trog-Rücken-Formation verlagert sich aber etwas nach Osten, so dass das
Geopotential geringfügig ansteigt. Die Höhenströmung bleibt dabei leicht, die
Bodenströmung stärker zyklonal gekrümmt.
So bleibt der wechselhafte Charakter des Wetters erhalten. Schauer treten aber
vor allem im Norden und Osten, im Mittelgebirgsraum sowie im Nordosten Bayerns
auf. Einzelne Gewitter gibt es vor allem im Nordosten (wegen der Nähe zum Trog).
Nach Südwestdeutschland schiebt sich aber der Keil des Hochs über den Britischen
Inseln und dies führt zur leichten Wetterberuhigung, so dass dort kaum noch
Schauer fallen und die Sonne etwas länger scheint. Dort gibt es einmal mehr die
höchsten Temperaturen mit 17 oder 18 Grad in den großen Flusstälern. Auch sonst
ist es nicht mehr ganz so kühl bei 14 bis 16 Grad, in den Alpentälern bleibt es
etwas frischer.
An der Nordsee ist es weiter sehr windig, mehr als Bft 8 gibt es allerdings kaum
noch. Im Landesinneren treten meist nur 6er Böen, im Norden und Osten vereinzelt
auch 7er Böen auf.

Modellvergleich und -einschätzung

Die externen Modelle simulieren die synoptischen Basisfelder recht ähnlich.

Wahrscheinlichkeitsaussagen wurden bereits oben erwähnt.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden