SXEU31 DWAV 040800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 04.09.2022 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen:
Übergang von HNFA zu SEa

Am Montag ganz vereinzelt Gewitter, ab Dienstag etwa südwestlich der Elbe
gebietsweise Gewitter mit Starkregen, Hagel und stürmischen Böen. Unwetter
möglich! Meist sommerlich warm. An den Küsten böiger Ostwind.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC

Sonntag… zwischen einem nordosteuropäischen Höhentrog und einem hoch
reichendem Tief westlich von Irland wandert ein Höhenkeil unter Verstärkung zum
westlichen Deutschland. Ursache für die Intensivierung ist die Tatsache, dass
das Tief bei Irland vor allem in der unteren und mittleren Troposphäre von Süden
warme Luft zu uns führt, so dass bis zum Abend die Temperatur in 850 hPa auf 12
bis 15 Grad ansteigt. Im Norden und Osten werden lediglich 7 bis 11 Grad
erwartet mit den niedrigsten Werten in Ostvorpommern. So dominiert heute bei uns
im Keilbereich Absinken im Randbereich des Hochs über dem Nordmeer und
Skandinavien, dessen Keil sich über Polen noch etwas verstärkt. Damit scheint
heute nach Auflösung von Hochnebelfeldern zunächst häufig die Sonne, ehe sich
gegen Mittag vor allem über den Mittelgebirgen auch mal dickere Quellwolken
entwickeln, die aber durch eine Absinkinversion bei 650 hPa an der
Weiterentwicklung gehindert werden. So breiten sich vorübergehend die Quellungen
an dieser Inversion aus, ehe sie im Laufe des Nachmittags langsam abtrocknen. So
gibt es heute häufig einen recht freundlichen Tag. Lediglich vom nördlichen
Mittelgebirgsraum bis zum Münsterland und zum südlichen Emsland können die
Wolken sich auch mal länger halten. Hier liegt nämlich eine Konvergenz, die die
teils mäßigen Ostwinde über Norddeutschland von den schwachen Südostwinden über
der Mitte und dem Süden Deutschlands trennt. An der Küste gibt es mitunter
starke Böen und exponiert ist vereinzelt sogar eine steife Windbö möglich.
Entsprechend der Temperaturstaffelung in 850 hPa gibt es im Nordosten und in
Schleswig-Holstein nur Höchstwerte zwischen 20 und 24 Grad. Ansonsten werden
sommerliche 25 bis 29 Grad erreicht mit den höchsten Werten in den
südwestdeutschen Flusstälern.

In der Nacht zum Montag wandert die Keilachse langsam ostwärts und liegt
ausgangs der Nacht auf einer Linie Ostbayern-Schleswig-Holstein. Somit verläuft
die Nacht insgesamt ruhig, im Süden meist klar, im Norden zeitweise auch mit
dichten Wolkenfeldern. Über dem südlichen Norddeutschland nimmt nämlich die
Konvergenz Warmfrontcharakter an, da der Temperaturgegensatz zwischen dem eher
kühlen Nordosten und der Warmluft im übrigen Deutschland hier zunimmt.
Die Tiefstwerte liegen zwischen 17 und 13 Grad im Westen und 12 bis 9 Grad im
äußersten Osten und Nordosten. Der Wind weht im äußersten Norden und Nordosten
noch mäßig, in Böen frisch mit starken Böen an der See. Exponiert kann hier eine
7er Böe nicht ausgeschlossen werden. Ansonsten weht der Wind meist nur schwach.

Montag… kommt der Höhenkeil über uns kaum noch nach Osten voran, zum Abend hin
gelangen der äußerste Westen und Nordwesten ganz allmählich auf die Vorderseite
des hoch reichenden Tiefs westlich von Irland. Über Nordwestfrankreich und dem
Ostausgang des Ärmelkanals wird dann bereits vorderseitig eines flachen
kurzwelligen Höhentroges recht markante Hebung simuliert.
Auch im Bodenfeld setzt somit im Tagesverlauf vor allem im Westen Druckfall ein
und mit Annäherung einer Tiefdruckrinne sickert in den äußersten Westen und
Südwesten sowie ins Alpenvorland erneut eine potenziell instabile Luftmasse, die
PPW-Werte steigen vom Oberrhein bis ins Alpenvorland wieder auf rund 25 mm und
mit der Einstrahlung können gebietsweise mehr als 500 J/kg ML-Cape generiert
werden. Ob es bis zum Abend aber irgendwo ganz im Westen bzw. Süden zur Auslöse
reicht, ist aber noch unklar, am ehesten könnte es im Schwarzwald, an den Alpen,
vielleicht aber auch in der Eifel klappen. Dann steht einmal mehr Starkregen im
Fokus. Auch in einem Streifen von Sachsen bis ins südliche Emsland könnte eine
Auslösung vereinzelt stattfinden, da hier die spez. Feuchte am Boden erhöht ist.
Zumindest simulieren hier ICON-D2 und Arome punktuell Schauer oder Gewitter.
Ursache für diesen Streifen mit der erhöhten Feuchte ist eine Konvergenz der
Bodenwinde. Hier treffen nach wie vor die etwas kräftigeren Ostwinde (über dem
Norddeutschen Tiefland) auf schwache Winde weiter südwestlich.
Ansonsten scheint aber vielerorts die Sonne, am häufigsten im Südwesten und
Süden sowie ganz im Nordosten. An den Küsten weht weiterhin lebhafter Ost- bis
Südostwind, der aber nur ganz vereinzelt die Bft 7 erreicht.
Die Temperatur in 850 hPa steigt noch etwas an auf Werte zwischen 10 und 15
Grad, im Südwesten bis 17 Grad. Nur ganz im Nordosten bleibt es bei unter 10
Grad. Somit werden im Westen und Südwesten die 30 Grad erreicht und sonst gibt
es meist einen Sommertag zwischen 25 und 29 Grad. Nur im äußersten Norden und im
Nordosten liegen die Höchstwerte um 23 Grad, auf Usedom vielleicht auch nur bei
20 Grad.

In der Nacht zum Dienstag bleibt der Höhenkeil quasistationär liegen, allerdings
geht das Geopotenzial in den untersten 2-3 km etwas zurück und bodennah
etabliert sich eine ausgeprägte Bodentiefdruckrinne, die von England über
Benelux bis nach Süddeutschland reicht. Die Folge ist, dass nächtliche
Konvektion von Frankreich auf den Westen und Süden Deutschlands übergreift,
wobei mit hochreichender Scherung um 15 m/s auch kräftigere Gewitter nicht
ausgeschlossen werden können, die jedoch „abgehoben“ mehr durch Starkregen und
Hagel warntechnisch auffallen sollten. Im Osten bleibt es bei wechselnder
Bewölkung trocken und der Ost- bis Südostwind weht über der Deutschen Bucht
weiterhin frisch bis exponiert steif oder sogar stürmisch und sonst schwach bis
mäßig. Die Tiefstwerte liegen im Westen zwischen 18 und 15 Grad und im Osten
zwischen 14 und 9 Grad.

Dienstag… schiebt sich die Bodenrinne noch etwas weiter nach Deutschland rein
und mit ihr recht feuchte Luftmassen (um 12 g/kg Mischungsverhältnis in der
Grenzschicht). Gekoppelt mit saisonalen Werten in der mittleren Troposphäre sind
im Süden und Westen MUCAPE Werte von 1000 bis 2000 J/kg mit hochreichender
Scherung von 10 bis 15 m/s zu erwarten. Starkregen und Hagel bis in den
Unwetterbereich werden regional ein Thema sein und auch lokal stürmische
Konvektionsböen begleiten die kräftigen Schauer und Gewitter, die in den
Gebieten etwa südwestlich der Elbe auftreten können. Regionale Schwerpunkte der
Konvektion können dank der breiten Rinne und noch nicht abzuschätzendem Einfluss
der nächtlichen Konvektion noch keine getroffen werden. Manche Regionen dürften
allerdings beim Regen erneut leer ausgehen. Wenn man ICON und die externen
Modelle zusammenfasst dann bekommen die westlichen, südwestlichen und zentralen
Mittelgebirge den meisten Regen ab.
In den meisten Gebieten wird es ein schwül-warmer Tag mit Höchstwerten zwischen
25 und 29 Grad. Nur im Nordosten ist es mit 21 bis 24 Grad angenehm warm.
Der Ostwind weht über der Deutschen Bucht und von der Flensburger Förde bis zur
Kieler Förde weiterhin frisch mit steifen, vereinzelt mit stürmischen Böen.
Ansonsten weht er abseits der Konvektion meist schwach bis mäßig.

In der Nacht zum Mittwoch gibt es größere Modellunterschiede in der
Regenprognose: ICON lässt Schauer und Gewitter bis nach Mecklenburg und
Westbrandenburg ziehen, während bei UK10 die Schauer und Gewitter fast
vollständig zum Erliegen kommen. Die anderen Modelle liegen irgendwo dazwischen
mit ihrer Niederschlagsprognose.
Was man auf alle Fälle sagen kann: In der Westhälfte bleibt es sehr mild bei 15
bis 18 Grad. Im Osten wird sind die Tiefstwerte mit 10 bis 14 Grad niedriger.

Modellvergleich und -einschätzung

Großräumig werden die synoptischen Basisfelder ähnlich simuliert. Beim Regen
gibt es allerdings vor allem ab der Nacht zum Mittwoch größere Unterschiede in
der Prognose (s. o.)

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Olaf Pels Leusden