S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 02.09.2022 um 10.30 UTC

Zunächst sehr warm bis heiß und zunehmend gewittrig. Ab Donnerstag von Westen
spürbar kühler, aber weiter unbeständig.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 09.09.2022

Zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums ab dem kommenden Montag scheint sich
zunächst weiter die Wetterlage Südost plus durchzusetzen. Allerdings sind die
Krümmungseigenschaften der Strömung noch nicht ganz sicher. Die neusten
Berechnungen geben den zyklonalen Bedingungen nun größere Chancen. Ab Donnerstag
steht dann wohl eine Wetterlagenumstellung an, ohne dass eine Struktur
nachhaltig dominieren kann.

Zum Wochenstart am Montag und Dienstag sind zwei Gebilde in weiten Teilen Europa
wetterbestimmend. Demnach rotiert westlich der Britischen Inseln ein
hochreichendes Tief. Auf der Vorderseite dessen Troges stützt dabei WLA einen
Rücken über Mitteleuropa, dessen Achse sich von der Mitte Deutschlands langsam
nach Osten bis zur polnischen Grenze schiebt. Am Boden korreliert der Rücken mit
einem kräftigen Hoch über dem Baltikum, sodass Deutschland zwischen beiden
Gebilden in einer südlichen Grundströmung liegt. Während am Montag der hohe
Luftdruck sowie der Rücken dominieren, sodass allenfalls im Westen schon erste
konvektive Umlagerungen für Schauer und Gewitter sorgen, können sich am Dienstag
in der sehr warmen, teils nochmals heißen Luft konvergente Bedingungen
ausbilden, die durch PVA in der Höhe interagieren und so die Schauer und
Gewitterneigung nahezu landesweit deutlich ansteigen lassen. Nur der äußerste
Osten profitiert noch stärker vom Rücken, der dämpfend auf die Hebungsprozesse
wirkt. Die maximale Zufuhr an Subtropikluft wird am Dienstag erreicht, indem die
Temperaturen in 850 hPa zwischen 10 und 16 Grad liegen. Doch zumindest regional
steht eine Abkühlung in den Startlöchern. Denn der zum Bodentief westlich der
Britischen Inseln gehörende, teils okkludierte Frontenzug greift am
Dienstagnachmittag auf den Nordwesten über und schwenkt nachfolgend über den
Norden hinweg ostwärts. Rückseitig beginnen die Werte dort sinken. Allerdings
ist dies nicht nachhaltig, da sich mit Annäherung des Haupttroges inklusive
Bodentrog die Strömung nochmals aufsteilt.

Der Mittwoch kommt zunächst bei Zwischenhocheinfluss recht trocken daher. Aber
der Schein trügt. Auf der Vorderseite des Haupttroges stützt ein kurzwelliger
Anteil ein Bodentief über Frankreich, welches der Subtropikluft nochmals Schub
nach Norden gibt. Entsprechend können die Temperaturen in 850 hPa sogar auf
Werte zwischen 9 Grad nahe Dänemark und bis 19 Grad im Allgäu ansteigen. Ab dem
Nachmittag schiebt sich das Tief samt Frontenzug schließlich nach Deutschland.
Einhergehend führen PVA, frontogenetische Prozesse und auch ein diabatischer
Input für teils kräftige konvektive Umlagerungen. Die Folge sind heftige, teils
gewittrige Regenfälle, die sich von Westen her über das Land ausbreiten. In der
sehr warmen Luft sind vorab auch einzelne kräftige Gewitter möglich.

Am Donnerstag und Freitag liegt Deutschland dann komplett im direkten
Einflussbereich des hochreichenden Tiefs über der südwestlichen Nordsee bzw.
Großbritannien. Mit der südwestlichen bis westlichen Grundströmung wird dabei
rückseitig einer Kaltfront, die das Land langsam ostwärts überquert, kühlere
Meeresluft ins Land gesteuert, sodass die Temperaturen in 850 hPa in der Nacht
zum Samstag schon nur noch 6 bis 10 Grad erreichen. Dabei bleibt ein
unbeständiger, zu Schauern und einzelnen Gewittern neigender Wettercharakter
bestehen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die großskaligen Geopotential- und Luftdruckstrukturen werden von den
vergangenen IFS-Läufen sehr konsistent abgebildet. Bis einschließlich Donnerstag
gibt es bei der Betrachtung der aktuellen drei Läufe sogar bis ins Detail
allenfalls geringe Abweichungen. Demnach ist beim neusten IFS-Lauf der
Tiefdruckeinfluss über Mitteleuropa am Donnerstag stärker und großräumiger
ausgeprägt.
Ab Freitag nehmen die Unterschiede auf der kleineren Skala zu. Während beim
gestrigen 00-UTC-Lauf der Trog über Westeuropa bei einer geringeren Wellenlänge
noch stärker amplifiziert war, sind die neueren det. IFS-Läufe eher breiter und
weniger meridional aufgestellt. Beim gestrigen Lauf war entsprechend auch die
WLA und somit auch die Niederschlagsneigung intensiver. Der markantere Trog beim
gestrigen 00-UTC-Lauf korreliert auch mit einem kräftigeren Bodentief, wobei die
aufgespannte Tiefdruckzone südöstlich orientiert ist. Ausschlaggebend dafür ist
gestützt durch die stärkere WLA ein kräftiger Rücken, dessen Bodenhoch das
Vordringen des Tiefs ausbremst. Insgesamt stehen aber in allen Läufen
Niederschläge auf dem Programm, deren räumliche Einordnung und Stärke noch
abweichend simuliert wird.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis einschließlich Dienstag zeigen auch weitere Globalmodelle (ICON, GFS, UKMO,
GEM) eine zum IFS vergleichbar Geopotential- und Luftdruckstruktur. Ab Mittwoch
nehmen die Unterschiede zwischen den Modellen sogar auf der größeren Skala
signifikant zu. Im Gegensatz zum IFS zeigt das ICON deutlich flachere
Verteilungen. Dabei simuliert das deutsche Modell über dem Ostatlantik eine
kräftigere Trogentwicklung, dessen WLA vorderseitig einen schwachen Rücken
stützt. Zudem hat das ICON entgegen dem IFS am Donnerstag und Freitag anstatt
eines Rückens über der Ostsee ein Höhentief im Angebot. Aufgrund der
Höhenstrukturen ist beim ICON zu Beginn der Mittelfrist bodennah der tiefe
Luftdruck großräumiger aufgestellt, nach Wochenmitte soll dagegen eher hoher
Luftdruck wetterwirksam werden, bevor von Westen ebenfalls ein hochreichendes
Tief übergreift. Somit passen auch potentielle Niederschlagsfelder beider
Modelle ab Mittwoch überhaupt nicht zueinander. Das GFS passt bei der
Phasenverlagerung der Geopotential- und Luftdruckverteilungen über Nordwest-,
West und Mitteleuropa gut zu der IFS-Lösung. Allerdings weisen die
GFS-Strukturen eine deutlich geringere Amplitude auf. Zudem sind weitere
kurzwellige Anteile im Spiel. Durch die Nähe zur IFS-Variante wird auch eine
vergleichbare räumlichen Einordnung der Niederschläge angeboten.
Das GEM stützt für Europa die Prognosen des GFS. Auch das UKMO zeigt dem GFS
angelehnte Verteilungen, wenngleich diese eine noch geringere Amplitude
aufweisen. Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass das ICON im
Vergleich deterministischer Prognosen verschiedener Globalmodelle eine
Außenseiterlösung präsentiert. Ansonsten ist noch auffällig, dass das IFS bei
den Verteilungsmustern die größte Meridionalisierung dieser beschreibt.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen verschiedener Städte, über Deutschland verteilt, beschreiben zu
Beginn der Mittelfrist am Montag bei einem geringen Spread bei Temperatur in 850
hPa und Geopotential in 500 hPa eine sehr hohe Vorhersagegüte. Auch im weiteren
Verlauf spannt sich der ENS-Raum nur langsam und geringfügig auf, sodass die
Prognosegüte weiter recht gut ist. Erst ab Freitag nehmen schließlich die
Unsicherheiten signifikant zu. Auffällig ist dabei, dass sich sowohl Haupt- als
auch Kontrolllauf von Mittwoch bis Freitag beim Geopotential als auch bei der
Temperatur am oberen Rand des ENS befinden. Die Mehrheit der ENS-Member zeigen
entsprechend tieferes Geopotential und niedrigere Temperaturen, wenngleich der
Trend vergleichbar bleibt. Dazu gesellt sich eine große Übereinstimmung hin zu
unbeständigen Witterungsbedingungen.
Bei der Einordnung der Geopotential- und Luftdruckstrukturen werden im Zeitraum
von +72 bis +96h drei Cluster benötigt, um alle Unsicherheiten ausreichend zu
erklären. Dabei können aber alle Lösungen dem Schema einer negativen NAO
zugeschrieben werden, da übereinstimmend hohes Geopotential/Luftdruck bei Island
und tiefes Geopotential bei bzw. nördlich der Azoren bestimmend ist. Die
wesentlichen Unterschiede zwischen den Clustern sind bei der Amplifizierung des
Troges westlich der Britischen Inseln bzw. über dem Ostatlantik sowie bei der
resultierenden Ausprägung des Rückens auf dessen Vorderseite zu verzeichnen. Das
erste Cluster mit Haupt- und Kontrolllauf weist die stärksten meridionalen
Strukturen auf. Insgesamt sind die ENS-Member auf die Cluster nahezu
gleichverteilt.
Im Zeitraum von +120 bis +168h beschreiben weiter drei Cluster die Abweichungen
im ENS-Raum, die zudem uneingeschränkt dem Schema einer negativen NAO zugeordnet
werden. Haupt- und Kontrolllauf befinden sich dabei mit insgesamt 20 Member
weiter in der ersten Lösung. Diese wird analog zu den deterministischen
Beschreibungen von einer signifikanten Amplifizierung von der
Trog-Rücken-Struktur geprägt. Cluster 2 kommt den Ausführungen des det. ICON
nahe, Cluster 3 zeigt Ähnlichkeiten zum GFS.
In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h sind insgesamt vier Cluster
nötig, um die Unsicherheit im ENS-Raum ausreichend zu beschreiben. Dabei zeigen
die ersten drei Lösungen blockierende Strukturen. Cluster 1 bevorzugt aber einen
atlantischen Rücken, während Cluster 2 und 3 eine Blockierung über
Nordwesteuropa ausführen. Genau bei dieser Blockierung gibt es auch die größten
Unterschiede, da die Blockierung in der Intensität deutlich abweichend ausfällt.
Cluster 3 mit Haupt- und Kontrolllauf zeigt dabei die stärkste Amplifizierung
und Ausprägung. Ansonsten werden eher flachere Verteilungen mit schwachen Trögen
und Rücken abgebildet, die je nach Cluster verschiedene Phasen aufweisen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI zeigt über den mittelfristigen Zeitraum im Nordwesten im Vergleich zum
Modellklima überdurchschnittliche Temperaturen. Zudem werden am Donnerstag im
Norden zaghafte Hinweise für überdurchschnittliche Regenmengen angedeutet.

Von der Probabilistik gibt es bei den überwiegend konvektiv geprägten
Witterungsbedingungen von Montag bis Freitag nur gebietsweise geringe
Wahrscheinlichkeiten bis 15% für Dauerregen, wobei die Mengen meist in einem
kürzeren Zeitraum fallen.

Bei Betrachtung der konvektiven Zutaten besteht regional bei PPW von 20 bis 40
mm über alle Tage hinweg Starkregenpotential, lokal ist auch heftiger Starkregen
wahrscheinlich. Bei Cape-Werten teils bis bzw. um 1500 J/kg ist auch Hagel bis 3
cm möglich. Der Wind spielt eine untergeordnete Rolle, kann aber bei kräftigeren
Entwicklungen Sturmstärke erreichen. Die räumliche Einordnung der
Gewitterschwerpunkte wird insgesamt aber von Modell zu Modell verschieden
vorgenommen. Modellübergreifend soll jedoch im Südwesten und Süden die größte
Gewitterneigung bestehen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS, anfangs auch det. IFS bei TT auch MosMix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel