S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Monntag den 22.08.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 22.08.2022 um 10.30 UTC

Hochsommerlich heiß, zunehmende Gewitterneigung.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 29.08.2022

Am Donnerstag erstreckt sich hohes Geopotential in einem Bogen vom westlichen
Mittelmeer über Mitteleuropa nach Russland. Daran schließt sich ein Höhentief
über dem Balkan an sowie ein Langwellentrog über Nordwesteuropa und dem
Nordmeer. Unter dessen Vorderseite nähert sich über die Nordsee schleifend eine
Kaltfront, die aber wohl noch nicht übergreift. Bei Zufuhr sehr warmer bis
heißer Luftmassen steigt die Temperatur gebietsweise über 30°C, die Luft ist
aber auch recht trocken, sodass die Gewitterneigung meist sehr gering ist. Nur
im Osten sind bei PPW Werten über 30 mm mit Hilfe der Orografie einzelne starke
Gewitter nicht ausgeschlossen.
Am Freitag ändert sich noch nichts Grundlegendes. Die Brücke schwächelt etwas,
bleibt aber bestehen und der Trog nähert sich nur zögernd, was auch für die
Luftmassengrenze über der Nordsee und Westeuropa gilt. Davor breitet sich ein
Hitzetief von Frankreich zu uns nach Deutschland aus. Im Nordwesten nimmt die
Gewitterneigung vor dem Tiefausläufer etwas zu und auch in der feuchteren Luft
über Ostdeutschland und im Südosten sind wohl konvektive Umlagerungen bis hin zu
örtlichen Unwettern möglich. Ansonsten bleibt es in trocken-heißer Luft häufig
sonnig.
Am Samstag kommt der Trog bei gleichzeitiger Abschwächung langsam näher und wir
unter eine leicht flatternde südwestliche Höhenströmung. Die Kaltfront greift
schleifend auf den äußersten Nordwesten über mit Regenfällen und eingelagerten
Gewittern. Davor findet sich eine flache Tiefdruckzone über Deutschland, in der
sich langsam Feuchte anreichert. Bei weiter sehr warmen, teils heißen
Temperaturen nehmen Schwüle und Gewitterneigung zu. Lokal sind unwetterartige
Gewitter mit dabei.
Am Sonntag überquert die Kaltfront den Nordwesten, dahinter fließt mit auf
nördliche Richtungen drehendem Wind weniger warme und stabilere Luft ein.
Ansonsten hält sich der Einfluss der flachen Tiefdruckzone mit schwül warmer bis
heißer Luft sowie Schauern und teils kräftigen Gewittern.
Am Montag wird der Trog über der Nordsee regeneriert und nähert sich langsam
weiter. Davor dreht die Höhenströmung auf südwestliche bis westliche Richtungen
und die Kaltfront überquert die Nordwesthälfte gefolgt von einem
Temperaturrückgang und Stabilisierung, da gleichzeitig der Keil eines neuen
blockierenden Nordmeerhochs folgt. Vor allem im Osten und Süden kommt es in
schwülwarmer Luft zu Gewittern, wobei aber auch dort durch Entrainment weniger
warmer Luft nicht mehr die hohen Temperaturen des Wochenendes erreicht werden.
In der erweiterten Mittelfrist setzt sich die kühlere Luft in ganz Deutschland
durch, wobei es vor allem im Norden und ganz im Süden wechselhaft wird mit einem
freundlicheren und weitgehend trockenen Streifen dazwischen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des europäischen Modells ist alles in allem gut. Unterschiede zu
den Vorläufen beschränken sich auf Kleinigkeiten. Die Kaltfront von Nordwesten
wird aktuell zunächst schneller simuliert, gerät dann aber ins Schleifen, sodass
deren Progression am Wochenende in den Vorläufen schneller war.
In der erweiterten Mittelfrist werden die Unterschiede größer. Im gestrigen 00
Lauf konnte sich auch dann in großen Landesteilen die schwül warme Luft halten,
die in den letzten beiden Läufen zunehmend abgedrängt wird.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die anderen Globalmodelle simulieren zunächst ähnlich mit leichten Differenzen
in Bezug auf die Kaltfront im Nordwesten, die meist etwas progressiver gesehen
wird. Auch die Ausbreitung der feuchteren Luft von Osten her, ist unsicher.
Zum Ende simulieren ICON und GFS die Passage der Kaltfront zügiger, aber auch
nur über der Nordhälfte und lassen die Gebiete weiter südlich entsprechend
zumindest im Übergangsbereich zur schwülwarmen Luftmasse.
Der grundsätzliche Ablauf ähnelt sich aber. Wir liegen bis zum Wochenende im
Einflussbereich sehr warmer bis heißer Luftmassen, wobei mit Annäherung des
Troges die Gewitterneigung sukzessive zunimmt, gefolgt von einem
Luftmassenwechsel, dessen Timing und aus Ausbreitung unsicher sind.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Ensembles stützen anhand der Rauchfahnen die Aussagen des operationellen
Laufs. Temperaturen und Geopotential verlaufen zunächst auf sehr hohem Niveau
und beginnen ab dem Wochenende zu sinken, wobei dann der Spread langsam größer
wird. Die Kurve des Hauptlaufs rutscht zum Ende jeweils an den unteren Rand der
Kurvenschar. Demnach sehen die Ensembles den Vorstoß der kühleren Luft weniger
massiv, und auch der Trog im Norden wird wohl nicht dem Maße regeneriert, wie es
der Hauptlauf tut.
Die Clusterung zeigt schon für die ersten Tage der Mittelfrist 6 Cluster, die
aber für uns keine relevanten Unterschiede zeigen. Im Zeitraum bis 168h werden 3
Cluster gebildet, alle im Regime Blocking. Die positive Anomalie über
Nordosteuropa wird derweil abgebaut und entsteht über dem Nordostatlantik und
dem Nordmeer neu. In der erweiterten Mittelfrist deutet weiter alles auf ein
Blocking hin mit dem Höhenrücken über West- und Nordwesteuropa.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

In einigen Regionen bleibt es unvermindert trocken und die Wärmebelastung ist
bis zum nächsten Wochenende teilweise sehr hoch. Darüber hinaus nimmt die
Gewitterneigung von Tag zu Tag zu. Vor allem am Wochenende sind lokale Unwetter
möglich. Mangels Dynamik dürfte in sehr feuchter Luft vor allem Starkregen im
Focus stehen, bei einzelnen schweren Gewittern sind aber auch größerer Hagel und
teils schwere Sturmböen nicht ausgeschlossen. Darauf lassen synoptische
Überlegungen mit der Tiefdruckrinne und der zunehmend feuchten (PPW 40 mm) und
instabilen (EFI Cape) Luft schließen. Zudem mehren sich in den Modellfeldern die
Niederschlagssignale und die EFI Cape Signale springen am Wochenende an. Es ist
erneut davon auszugehen, dass die Niederschläge ungleichmäßig verteilt sind mit
großen Spitzen und einigen Regionen, die nichts abbekommen.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mos Mix, IFS (EPS)

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner