#SXEU31 #DWAV S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 18.08.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 181800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 18.08.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Im Osten und Süden Schauer und Gewitter, lokal Unwetter durch Starkregen. Im
Südosten vom Freitag bis Samstag teils ergiebiger Regen, dabei gebietsweise
Unwetter, am Alpenrand extreme Unwetter.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 12 UTC

Aktuell … zeigt sich bei Island ein Höhentrog, aus dem ein Höhentief Richtung
Löwengolf abtropft. Dieses ist aber noch mit dem Höhentrog verbunden, Reste
davon ziehen in der Nacht zum Freitag als Randtrog über Deutschland hinweg. In
dessen Bereich werden durch PVA in der Nacht Hebungsimpulse über dem Osten und
Nordosten generiert. Im Zusammenspiel mit Tief KARIN über Polen, Tschechien und
Österreich gibt es dort folglich Schauer und Gewitter, wobei die Modelle lokal
Hinweise für Starkregen bis in den (extremen) Unwetterbereich geben. Das dürfte
auch eine Folge der hohen PPW’s sein, die bei 40 bis 46 mm liegen. Scherung und
SRH sind hingegen kaum ausgeprägt, sodass andere Begleiterscheinungen
untergeordnet bleiben.
Im Rest des Landes – außer im Süden – macht sich ein kleiner Rücken über
Nordost-Frankreich bemerkbar, der einen Keil des Azorenhochs in den Westen von
Deutschland sendet und das Wetter stabilisiert. Damit lassen letzte noch örtlich
vorhandene Schauer und Gewitter meist nach. Vor allem im Westen gibt es dank
Absinken einige Auflockerungen.
Im Süden jedoch bahnt sich eine Unwetterlage an, die bis in den Samstagvormittag
andauern wird. Verantwortlich dafür ist das Höhentief, das Richtung Oberitalien
zieht und über die Alpen hinweg in der Höhe eine südöstliche Strömung erzeugt,
in der PVA und WLA eingesteuert werden. So treten aus den Alpen heraus Schauer
und Gewitter auf, die bis ins Alpenvorland ausgreifen und ebenfalls bezüglich
Regen örtlich unwetterartig ausfallen können. Die PPW’s liegen zwar nur bei 30
bis 37 mm, allerdings weisen die Zellen keine hohe Zuggeschwindigkeit auf.
Bei Schauern und Gewittern treten vereinzelt starke bis stürmische Böen bis 70
km/h (Bft 7 bis 8) auf. Ansonsten weht überwiegend nur schwacher Wind,
vornehmlich aus West bis Nordwest.
Die Temperaturen sinken auf 20 Grad im Osten bis 12 Grad in der Eifel.

Freitag … nistet sich das Höhentief über Oberitalien ein und zeigt kaum
Bewegung, am Abend kommt es erst an der nördlichen Adria an. Tief KARIN führt
ihr Dasein dann als Tiefdruckrinne über Polen weiter, womit sich über
Südostdeutschland eine Gegenstromlage einstellt: Am Boden nordwestliche Winde,
in der Höhe südöstliche. Weil zusätzlich auch kräftige Hebung generiert wird
(PVA und WLA) kommt es gebietsweise zu schauerartigen und teils gewittrigen
Regenfällen, die bis in den Samstagmittag anhalten. Die Regenmengen betragen bis
dahin 20 bis 50 l/qm, in einem Streifen quer über Bayern 50 bis 80 und am
Alpenrand 80 bis 140 l/qm. Aufgrund recht sicherer Erkenntnisse höherer
Regenmengen und Bestätigung durch die Ensembles wurden bereits Unwetterwarnungen
herausgegeben, für den Alpenrand extreme Unwetterwarnungen.
Im Nordosten sorgen die Reste des sich weiter abschnürenden Höhentiefs immer
noch für Hebung, sodass es dort zu weiteren Schauern und Gewittern kommt, die
sich erst zum Abend nach Nordosten verabschieden. Dabei besteht weiterhin
Starkregengefahr bis in den Unwetterbereich.
In den anderen Landesteilen überwiegt der Hochdruckeinfluss, in Persona durch
PIET III mit Zentrum über der Biskaya, dessen Keil bis nach Deutschland
hineinreicht. Dementsprechend ist es wechselnd bewölkt, zeitweise auch heiter
und trocken.
Am Nachmittag allerdings verdichten sich die Wolken im Nordwesten wieder. Dort
schlägt das Frontensystem des Tiefs LAVINIA bei Island auf, das an den Höhentrog
dort gekoppelt ist und das durch einen Randtrog gen europäisches Festland
getrieben wird. Am Abend ziehen im Westen nachfolgend lokale Schauer und
Gewitter auf.
Der Wind weht abseits etwaiger Gewitterböen schwach bis mäßig aus West bis
Nordwest.
Die Temperaturen steigen auf 20 Grad im Dauerregen und bis 29 Grad bei längerem
Sonnenschein.

In der Nacht zum Samstag splittet sich das Höhentief über Oberitalien, wobei das
südliche zum Balkan zieht und das nördliche gen Tschechien wandert. Dabei sorgt
das nördliche Höhentief für weitere Hebungsimpulse über dem Südosten
Deutschlands. Der Schwerpunkt der Niederschläge verlagert sich langsam in den
Osten Bayerns und greift über das Erzgebirge hinweg auch auf Sachsen und
Brandenburg über. Weiterhin ist neben der andauernden Unwetterlage lokal mit
Starkregen bis in den Unwetterbereich zu rechnen.
Im Westen und Nordwesten bohrt sich das Frontensystem von LAVINIA allmählich
weiter nach Osten und Südosten voran, weil der um den Höhentrog laufende
Randtrog es weiterhin anschiebt. Bis zum Morgen erreicht es mit Schauern und
vereinzelten Gewittern eine Linie Kiel – Hamburg – Sauerland – Saarland. Ganz im
Nordwesten trocknet es dann schon wieder ab. Auch zwischen den beiden
Niederschlagsgebieten bleibt es trocken, wobei die Wolken häufig recht dicht
sind.
Der Wind um West weht meist schwach, bei Gewittern teils stark bis stürmisch.
Die Temperaturen gehen auf 19 bis 12 Grad zurück.

Samstag … wird der Höhentrog durch einen neuen Randtrog regeneriert und weitet
sich dabei ein wenig nach Süden aus. Weil auch eine leicht progressive
Verlagerung zu sehen ist, zieht zusammen mit dem ersten Randtrog das
Frontensystem von LAVINIA in den Osten und Südosten Deutschlands. Dort
verschmelzen die Niederschläge des Frontensystems mit den Schauern und
Gewittern, die immer noch mit der Hebung aus dem Höhentief über Tschechien
rühren. Das Höhentief verliert im Tagesverlauf allerdings an Kraft, sodass es
gebietsweise zwar Schauer und Gewitter bzw. später schauerartigen und
gewittrigen Regen gibt, die Mengen aber nicht mehr ganz so hoch sind wie am
Vortag.
Im Westen und nachmittags auch in der Mitte setzt Druckanstieg ein, weil sich
der Azorenhochkeil mit Hilfe eines flachen Rückens wieder nach Deutschland
ausweitet. So kann in dessen Einflussbereich zunehmend mit Aufheiterungen
gerechnet werden.
Der Wind weht schwach bis mäßig aus West bis Nordwest.
Die Temperaturen steigen auf 21 Grad im Südosten und bis 28 Grad bei längerem
Sonnenschein.

In der Nacht zum Sonntag weitet sich der Höhentrog bis in die südliche Nordsee
aus, sodass der flache Höhenrücken sich über Deutschland legt. Damit wird das
Frontensystem über dem Südosten Deutschlands herausgeschoben und die Schauer und
Gewitter lassen nach.
Im Rest des Landes ist es unter Hochdruckeinfluss locker, teils auch gering
bewölkt und trocken.
Gegen Morgen ziehen im Nordseeumfeld wieder einzelne Schauer oder Gewitter auf,
die zu einem weiteren Frontensystem des Tiefs LAVINIA, nun östlich von Island
und mit Ableger über Skandinavien, gehören. Dieses Frontensystem wird durch den
sich in die Nordsee ausweitenden Höhentrog angetrieben.
Bei meist nur schwacher Luftbewegung sinkt die Temperatur in der postfrontal aus
Nordwesten einfließenden etwas kühleren Meeresluft (T850 hPa zwischen 7 und 10
Grad) auf 16 bis 8 Grad, womit im Südosten bei noch vorhandener Feuchte durch
die letzten Regenfälle des Tages das eine oder andere Nebelfeld möglich wird.

Sonntag … erreicht der Höhentrog unter Verkürzung seiner Wellenlänge Norwegen
und Dänemark. Das Frontensystem kann sich daraufhin nur noch langsam in den
Nordwesten vorarbeiten, weil es außerdem auch gegen den Azorenhochkeil und das
Absinken anläuft. Damit werden an der Nordsee und in Teilen Schleswig-Holstein
schwache Schauer oder vereinzelte Gewitter ausgelöst, die Regenmengen bleiben
überschaubar.
Im großen Rest des Landes bleibt es unter Hochdruckeinfluss heiter bis wolkig
und trocken. Am längsten Sonnenschein ist im Süden zu erwarten, da dort das
Absinken am stärksten ist.
Es weht schwacher bis mäßiger Westwind.
Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 20 und 28 Grad.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren recht einheitlich, womit die frühe Ausgabe der
Unwetterwarnungen bezüglich des Regens im Südosten erfolgen konnte. Einzelne
Abweichler wie AROME zeigen, dass die Unwetter-Bereiche noch ein wenig nach
Westen ausgeweitet werden könnten, was im Nowcasting beobachtet werden muss.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler