S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 07.08.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 07.08.2022 um 10.30 UTC

Hochsommerlich heiß und weiterhin trocken, ab dem nächsten Wochenende ist wieder
eine Gewitterlage nicht ausgeschlossen.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 14.08.2022

Am Mittwoch, zu Beginn des Mittelfristzeitraumes befindet sich Deutschland im
Einflussbereich eines umfangreichen und hochreichenden Hochs, dass sich vom
Nordatlantik über die Britischen Inseln und Deutschland bis nach Finnland
erstreckt. Über Osteuropa hat sich ein Langwellentrog etabliert, der sich von
Nordwestrussland bis nach Südosteuropa erstreckt. Über Südosteuropa
(Griechenland) regeneriert sich mit Annäherung des Troges ein Höhentief, welches
aber vorerst dort liegen bleibt. Weiterhin befindet sich westlich von Portugal
ein umfangreiches Höhentief, was das Wetter über Deutschland vorerst auch nicht
tangiert. Östlich dieses Höhentiefs wölbt sich aber ein Hochkeil von
Nordwestafrika in Richtung Spanien auf. An dessen Westflanke werden heiße
Luftmassen nordwärts geführt.

Im Laufe des Mittwochs und donnerstags verlagert sich das Höhentief über
Griechenland an der Südflanke des nordeuropäischem Hochs langsam westwärts, über
Deutschland bleibt aber der teils heiße und trockene Hochdruckeinfluss bestehen.
Gleichzeitig nähert sich von Grönland weiterer Langwellentrog, dessen Trogachse
sich in Richtung Höhentief westlich der iberischen Halbinsel amplifiziert und
sich eine fast abgeschlossene Hochdruckzelle über Nordeuropa bildet.

Am Freitag befindet sich zum einen das südeuropäische Höhentief über Italien und
zum andern verbindet sich der atlantische Trog mit dem Höhentief westlich von
Portugal. Über Deutschland bleibt die nun fast abgeschnürte hochreichende
Hochdruckzelle mit 850 hPa Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad wetterwirksam,
wobei der Keil ausgehend von Nordwestrafrika die Hochdruckzelle über Nordeuropa
weiter stützt. An dessen Westflanke gelangen nun bis nach Frankreich sehr heiße
und durch das Mittelmeer auch feuchtere Luftmassen mit 850 hPa Temperaturen von
über 20 Grad.

Am Samstag und Sonntag verlagert sich der atlantische Trog mit verkürzter
Amplitude rasch über Nordskandinavien ostwärts. Über dem Ostatlantik hält sich
derweil der hochreichende und mit mehreren Drehachsen versehender
Tiefdruckkomplex, der langsam an der Westflanke der Hochdruckzelle über
Nordeuropa etwas nach Norden vorrankommt und es sich zunehmend eine
Tiefdruckrinne über Frankreich ausbildet. Zunächst sorgt der Höhenkeil von
Nordwestafrika, dass zum einen das südeuropäische Höhentief nicht weiter
Westwärts ausgreifen kann und dass entlang der Bodenrinne über Frankreich keine
hochreichende Konvektion entsteht. Durch einen weiteren atlantischen Trog der
den hochreichenden Tiefdruckkomplex über Westeuropa neuen Schwung verleiht, wird
zum einen die Hochdruckzelle über Nordeuropa nach Osten abgedrängt und zum
andern der Höhenkeil ausgehend von Nordwestafrika nach Süden abgedrängt. Somit
können nun auch auf Deutschland die teils hochreichende Tiefdruckrinne
übergreifen und für teils schwere Gewitterentwicklungen sorgen. Dabei können
kurzzeitig auch sehr heiße und schwüle Luftmassen nach Deutschland gelangen.

In der erweiterten Mittelfrist trogt der neue atlantische Langwellentrog nach
Westeuropa aus, auf dessen Vorderseite werden zum einen weiterhin warme und
potenziell instabile Luftmassen nach Deutschland geführt und zum anderen sorgen
Randtröge zu einer wechselhaften und evtl. unwetterlastigen Witterung
(Gewitter).

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der aktuelle IFS-Lauf und die Vorläufe simulieren bis Ende nächste Woche einen
dominierenden Hochdruckeinfluss. Es wird wieder hochsommerlich heiß und trocken.
Am nächsten Wochenende könnte auf der Vorderseite eines flachen
Tiefdruckkomplexes über Südwest- und Westeuropa wieder sehr heiße und zu
Gewittern neigende Luftmassen nach Deutschland advehiert werden. Nach GFS hält
der Hochdruckeinfluss auch noch etwas länger an.

Die Trockenheit und die Waldbrandgefahr haben auch bis zum nächsten Wochenende
bestand.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Den dominierenden Hochdruckeinfluss simulieren auch andere Globalmodelle. GFS
lässt diesen zwar etwas länger bestehen, im Gro wird es aber sehr ähnlich
simuliert.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Plumes vom ECMWF bestätigen die trockene und eher heiße Witterung bis zum
Samstag nächster Woche. Erst ab Sonntag simulieren einzelne Member etwas
Niederschlang, wobei die 850 hPa Temperaturen auf über 20 Grad ansteigen. Die
Plumes von GFS simulieren es an sich ähnlich, wobei erst etwas später der Trog
auf Deutschland übergreift. Der Sprad öffnet sich bei GFS sowie beim ECMWF ab
den nächsten Wochenende sehr stark.

In der Clusteranalyse des ECMWFs werden 5 verschiedene Cluster erzeugt, wobei
der operationelle und der Kontrolllauf mit 19 Membern in Cluster 1 zu finden
sind. Alle Cluster simulieren das Blocking über Nordeuropa, was als sehr sicher
eingestuft wird. Was ab nächsten Wochenende passiert, ist indes noch sehr
unsicher.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Bis einschließlich Samstag bleibt es niederschlagsfrei, zum nächsten Wochenende
hin nimmt die Wärmebelastung wieder stark zu. Erst ab Sonntag bzw. in der
erweiterten Mittelfrist könnte wieder eine Schwergewitterlage anstehen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, EPS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher