#SXEU31 #DWAV S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Freitag, den 05.08.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 051800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 05.08.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Kaltfront bringt Gewitter und merklich Abkühlung, ab dem Wochenende
Hochdruckbrücke

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC
Vorderseitig liegt eine Kaltfront über der Mitte Deutschlands, die kühle
Subpolarluft (850-hPa-Temperatur ~7 °C) im Nordwesten von heißer
Nordafrikanischer im Südosten (850-hPa-Temperatur ~ 20 °C im Südosten trennt).
Die Front selbst ist trotz des starken thermischen gardienten wenig wetteraktiv.
Hier wird die PVA von der KLA überkompensiert, sodass nur ein geringer
Hebungsantrieb vorhanden ist. Im Frontalbereich haben sich einige Gewitter
entwickelt, die sich in den nächsten Stunden etwas verstärken könnten, aber
dennoch größtenteils im markanten Bereich bleiben. Stärkere Scherung zwischen 15
und 20 m/s (0-6 km) ist zwar förderlich für eine bessere organisiation für eine
bessere Organisation, jedoch können die Gewitter das volle Potenzial meist nicht
nutzen, da sie oft nicht in der Grenzschicht fußen, stärkere Entwicklungen
zeigen sich im SuperHD_Modell über dem südlichen Brandenburg. Dort greifen
aktuell Zellen von Westen her über, von denen eine kräftiger ist und rechts
ausschert.
Weiter südöstlich einer Linie Oberlausitz Schwarzwald liegt noch die heiße
nordafrikanische Luftmasse. Dort sind die Temperaturen durch Einstrahlung über
30 °C gestiegen. Bodennah wird die Luft etwas angefeuchtet, sodass sich 700 –
1500 J/kg CAPE aufbauen. Am Nordwestrand einer der Kaltfront vorgelagerten
Tiefdruckrinne wurden bereits Gewitter ausgelöst der. Die Scherung nimmt nach
Süden jedoch deutlich ab. Dennoch rechnet ICON-D2 mit einer starken Zelle
südöstlich der Alb, die ostwärts nach Bayern zieht und immer mehr verclustert.
Dies passt auch zum aktuellen Radarbild, das eine rechts ausscherende Zelle
zeigt, die am Südrand der Alb zieht.

Für die Nachtstunden rechnen dann die Modelle einen größeren Cluster über
Südbayern. Während bei den isolierten Zellen größerer Hagel und eventuell
Downbursts auf Grund der inversen V-Struktur in den Temps ein Thema sind,
besteht mit dem nächtlichen Cluster ein sehr hohes Starkregenpotenzial. Die
ICON-D2-ENS auf dem 20×20 km Gitter rechnen ziemlich hohe Wahrscheinlichkeiten
bis zu 80 % für >35 mm in 6h und sogar bis 45 % für >60 mm in 12h. In Anbetracht
der Tatsache, dass ICON-D2 in letzter Zeit immer zurückhaltend bei der
Simulation von Konvektion war, sind dies schon starke Signale, sodass selbst
Mengen über 50 mm nicht auszuschließen sind. Deshalb wurde für die betroffenen
Gebiete eine Vorabinformation ausgegeben.

In der Nordwesthälfte fließt unterdessen wieder trockenere Luft ein. Einzelne
Schauer im Nordwesten im Trogebereich lassen in der Nacht nach. Ansonsten klart
es rückseitig der Kaltfront zunehmend auf.

Samstag … halten sich zunächst noch Clusterreste im Süden Deutschlands, die
sich mit der Kaltfront an die Alpen zurückziehen. Dort kann es im einsetzenden
Nordstau etwas kräftiger regnen.
Ansonsten zieht der Trog ab und hinterlässt eine recht glatte, leicht konfluente
Höhenströmung. Gestützt durch Kaltluftadvektion verstärkt sich die
Hochdruckbrücke, die ausgehend vom Hoch westlich der Britischen Inseln über
Norddeutschland nach Osten reicht. In trockener und stabiler Luft scheint fast
überall die Sonne, begleitet von harmlosen Quellewolken im Tagesverlauf. Weiter
im Norden stoßen diese an eine Absinkinversion auf etwa 750 hPa und sorgen für
einen etwas wolkigeren Wettercharakter. Dort können sich am Nachmittag einzelne
Schauer bilden. Die Kaltfront verlässt uns nachmittags Richtung Alpen, sodass
auch ganz im Süden eine deutliche Stabilisierung greift. Lediglich an und in den
Alpen verbleiben zum Abend Reste der feuchten Luft. Ob es dort nochmals für
Gewitter reicht ist fraglich.

Der Wind frischt tagsüber kräftig, böig auf und kommt meist aus nördlichen bis
östlichen Richtungen. Nur im Norden weht er aus Nordwesten. Die Temperaturen
liegen meist zwischen 20 und 27°C, an der See etwas darunter.

Die Nacht zum Sonntag verläuft unter Einfluss der zonalen Hochdruckbrücke ruhig,
teils klar und meist kühl. Am Erdboden geht es unter 5°C. Nur im Süden (Reste
der feuchten Luft) und im Norden (Nähe zur Frontalzone) ziehen einige Wolken
durch, die keinen Regen bringen.

Sonntag … befinden wir uns in einer westlichen Höhenströmung. Dabei greift ein
wenig wetterwirksamer Trog auf Deutschland über. Denn im Bodendruckfeld breitet
sich der Keil des nachrückenden Azorenhochs über Norddeutschland aus. So äußert
sich der Trog allenfalls in einigen Wolkenfeldern im Norden, die in Küstennähe
und in Schleswig-Holstein etwas Regen bringen können. Stärker bewölkt bleibt es
auch im Alpenvorland. Dort halten sich noch die Reste der feuchten Luft.
Ansonsten beginnt sich die eingeflossene kühlere Meeresluft unter Absinken zu
erwärmen.

In der Nacht zum Montag ändert sich nichts Wesentliches an der Wetterlage. Ganz
im Norden kann es weiterhin aus dichten Wolken geringfügig regnen. Dort bleibt
es bei 15 bis 12°C mild. Ansonsten bei 13 bis 8°C.

Montag … zieht der Höhentrog ostwärts ab. Gefolgt wird dieser von einem Keil,
der von Südwesten her vorstößt. Im Bodendruckfeld befinden wir uns immer noch an
der Südflanke der zonalen von der Nordsee bis zum Baltikum reichenden
Hochdruckzone. Dabei setzt vollem im WLA ein, sodass die 15°C-Isotherme auf
850-hPa wieder den Südwesten erreicht. Somit steigen bei sonnigem Wetter die
Höchstwerte im Vergleich zum Wochenende wieder an, sodass über 30 °C zu erwarten
sind. Im Norden bleibt es etwas kühler.

Modellvergleich und -einschätzung

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold