S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Montag, den 01.08.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 01.08.2022 um 10.30 UTC

Markante Hitzewelle, zum Wochenende Entspannung. Luftmassenwechsel mit teils
kräftigen Gewittern mit Unwetterpotential. Ab dem Wochenende allmählich
abnehmende Niederschlagssignale und Übergang zu vornehmlich antizyklonal
geprägter Großwetterlage.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 08.08.2022

Am Donnerstag liegt Deutschland auf der Vorderseite eines Langwellentroges,
dessen Hauptachse noch knapp westlich von Irland und Portugal verläuft und nur
langsam ostwärts vorankommt. Damit ergibt sich eine südwestliche Höhenströmung
mit der heiße Luftmassen in große Teile des Landes transportiert werden. So
steigt die 850 hPa Temperatur in der Südwesthälfte auf über 20 Grad. Im Norden
und Nordwesten liegt man ziemlich nahe an der Frontalzone. Im Laufe des Tages
werden zunehmend feuchte Luftmassen in den Nordwesten geführt. In der
feuchtlabilen Luftmasse vor der eigentlichen Kaltfront kann sich CAPE von mehr
als 1000 J/kg aufbauen. In einer sich entwickelnden Bodenrinne sind ab dem
Nachmittag und Abend teils schwere Gewitter mit Unwetterpotential möglich. Die
Mitte, der Osten und der Süden bleiben voraussichtlich noch trocken. Die Maxima
steigen abgesehen vom äußersten Nordwesten auf über 30 Grad, häufig auch über 35
Grad mit den höchsten Werten um 39 Grad Südwesten. Auch die Nacht bleibt
außerordentlich mild mit Tiefstwerten über 20 Grad, abgesehen vom Nordwesten.

Am Freitag nähert sich der Trog allmählich an, die südwestliche Höhenströmung
bleibt aber noch erhalten, sodass in der Südhälfte weiterhin 850er Temperaturen
von über 20 Grad zu finden sind. Über den Norden verschärft sich gleichzeitig
der Temperaturgradient mit der weiter nur zögerlich vorankommenden Kaltfront. So
liegt die 850er Temperatur im äußersten Nordwesten zum Mittag nur noch bei 7
Grad. In der Nacht greift der mittlerweile recht flache Trog auf Deutschland
über und die Kaltfront erreicht zögerlich die mittleren Landesteile.
Mit der Kaltfront sind am Tage in der Nordhälfte, nachts auch über der Mitte
teils kräftige Gewitter mit lokalen Unwettern möglich. Allerdings verliert die
Kaltfront bei ihrem Vorankommen nach Süden allmählich ihre Wetterwirksamkeit.
Dies zum einem weil sie von KLA überlaufen ist (überall am Boden Winddrehung auf
Nord) und zweitens zunehmend parallel zur Höhenströmung verläuft. Die Maxima
liegen in der Südhälfte und im Osten weiter über 30 Grad, im Süden oft auch über
35 Grad bis lokal 39 Grad. In Nordseenähe werden hingegen nur wenig über 20 Grad
erwartet.

Am Samstag flacht der Höhentrog weiter ab und die Höhenströmung wird über
Deutschland zunehmend indifferent und zonal orientiert. Am Boden kann sich ein
Hochkeil von den Britischen Inseln bis in den Norden von Deutschland erstrecken.
Die 850 hPa Temperatur weist ein klares Süd-Nord Gefälle von 17 Grad am
Alpenrand und 4 Grad an der Grenze zu Dänemark auf, wobei der schärfste Gradient
über der Mitte zu finden ist. Dieser Bereich bildet auch in etwa die Lage der
mittlerweile kaum noch aktiven Kaltfront ab. Verstärkte Gewitteraktivität ist
hingegen im Süden, in den Resten der feuchtlabilen Luftmassen zu erwarten. Bei
deutlich abnehmender Höhenströmung und hohen ppw-Werten besteht dann
Unwettergefahr vor allem durch Starkregen. Dazu werden im Süden nochmal teils
über 30 Grad, im Norden nur wenig über 20 Grad erwartet.

Am Sonntag erreicht Deutschland von Nordwesten nochmal ein Kurzwellentrog, die
die Reste der Kaltfront über der südlichen Mitte nochmal aktivieren können.
Sonst gibt es auch im Süden in der feuchtlabilen Luftmasse im Tageverlauf neue
Gewitter. Dabei besteht vor allem Starkregengefahr bis lokal in den
Unwetterbereich.
Am Montag ziehen sich die Feuchte- und Gewitterreste zum Alpenrand zurück. Von
Westen verstärkt sich ein Rücken und stützt ein Bodenhoch mit Zentrum über der
Nordsee. Die sich damit ergebende östliche Bodenströmung führt mäßig warme und
trockene Luftmassen in die Mitte und den Norden des Landes.

In der erweiterten Mittelfrist dominiert zunächst der Hochdruckeinfluss, ehe
Mitte kommender Woche ein neuer Trogvorstoß über Westeuropa einen neuen
Warmluftvorstoß nach Deutschland zur Folge haben könnte.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die grundlegende Entwicklung der Großwetterlage gestaltet sich in den
verschiedenen Modellläufen ziemlich ähnlich. Es fällt allerdings auf, dass das
Vorankommen der Kaltfront zum Ende der Woche deutlich verlangsamt wurde und sich
damit die Hitzewelle vor allem in der Südhälfte auch noch am Freitag halten
kann. Der Grund ist vor allem darin zu finden, dass der Trog im Vergleich zum
gestrigen 00 UTC Lauf deutlich stärker abflacht und damit der gesamte Trog
weniger progressiv ist.

Nachfolgend zeigen alle Läufe eine deutliche Zonalisierung der Höhenströmung und
ein Süd-Nord-Gefälle bei der Temperaturentwicklung.

Im gestrigen 00 UTC Lauf sollte ab Sonntag und zu Beginn der neuen Woche von der
Nordsee kommend ein markanter Höhentrog auf Deutschland übergreifen, wobei sich
schließlich ein eigenständiges Höhentief über Ostfrankreich abspalten würde. Mit
dem Höhenhoch über der nördlichen Nordsee würde sich damit eine High-over-Low
Lage ergeben.
Von dieser Entwicklung hat bereits der 12 UTC Lauf Abstand genommen und auch im
aktuellen 00 UTC Lauf ist davon nichts mehr zu sehen.

Bis zum Ende sind der gestrigen 12 UTC Lauf und der aktuelle Lauf sehr ähnlich.
Allerdings wurde der Trog der zur Mitte nächste Woche Einfluss auf Deutschland
nehmen würde, gestern noch deutlich aktiver gerechnet.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch beim Vergleich der verschiedenen Globalmodelle zeigen sich noch
Unsicherheiten über die Länge der Hitzewelle. Es zeigt sich dabei, dass das
ECMWF die Hitzewelle aufgrund eines ziemlich flachen Troges am langsamsten
ausräumt und am Freitag im Süden und Osten nochmal Maxima weit über 35 bis lokal
auch bis 39 Grad drin hat. Das GFS ist viel progressiver und räumt die Heißluft
abgesehen vom äußersten Süden rasch aus. UK10 und ICON belassen zumindest im
Südosten am Freitag noch eine Hitzeblase.

Zum Wochenende nehmen die Modellunterscheide deutlich zu. So zeigen das ICON und
auch das UK10 einen neuen sich amplifizierenden Höhentrog, mit dem auch deutlich
kühlere Luftmassen herangeführt werden würden. Beim ECMWF ist die Höhenströmung
deutlich flacher wird und sich zonal orientiert, allenfalls lassen sich
kurzwellige Anteile ausmachen. Beim GFS flacht ein Samstagtrog zum Sonntag auch
deutlich ab und die zonalisierte Höhenströmung bekommt deutlich antiyzklonalen
Charakter.

Zur neuen Woche zeigen sowohl GFS, als auch das ECMWF eine schwachgradientige
Höhenströmung und dem Aufbau eines Höhentrückens mit korrespondierenden
Bodenhoch von der Nordsee über Südskandinavien bis zum Baltikum. Zur Mitte der
kommenden Woche deutet auch das GFS eine mögliche Verlagerung der Hauptachse des
Höhenrückens nach Deutschland an. Anders als beim ECWMF lässt sich aber keine
Austrogung über Westeuropa finden. Damit würde die Erwärmung der Luftmasse
anders als beim ECMWF unter antizyklonalen Vorzeichen stehen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen des ECMWF zeigen bis zur Nacht auf Freitag einen gebündelten
Verlauf. Ab den Freitag/Samstag nimmt der Spread deutlich zu. Alle Member zeigen
einen deutlichen Abwärtstrend bei der 850 hPa Temperatur. Allerdings wird dies
unterschiedlich rasch prognostiziert. Haupt- und Kontrolllauf liegen nah
beieinander und stellen eine recht späte Variante dar, während der Median die
Abkühlung rund 12 h eher sieht. Daneben gibt es aber auch noch Einzellösungen,
welche die Abkühlung nochmal etwa 6 h später prognostizieren. Beim Vergleich mit
dem gestrigen 00 UTC Lauf, hat sich der Median aber als Ganzes etwas zum
späteren Luftmassenwechsel verschoben.
Ab dem Samstag verlaufen alle Member auf niedrigerem Niveau, bei allerdings
recht großem Spread von bis zu 10 K. Haupt- und Kontrolllauf stellen dabei
Lösungen am Oberrand der T850 hPa Prognose dar. Die Niederschlagssignale im
Ensemble sind nur gering mit einem klaren Maximum in der Nacht auf und am
Samstag selbst. In der neuen Woche gibt es nur noch wenige Signale im Ensemble.
Im Vergleich zum gestrigen 00 UTC Lauf sind die Niederschlagssignale deutlich
zurückgegangen.

Das Clustering des ECMWF zeigt für den Zeitraum +120 bis +168 h (Sa00 bis Mo00)
vier Cluster. Die Unterschiede betreffen vor allem eine mögliche Amplifizierung
eines Trogvorstoßes von der Nordsee. Der meistbesetzte Cluster 1 zeigt einen
deutlich flacheren Trog, als die anderen Cluster. Interessanterweise findet sich
der Hauptlauf gerade nicht in diesem Cluster. Insgesamt halten sich Unterschiede
der vier verschiedenen Lösungen für Mitteleuropa aber in Grenzen.
Im Zeitraum +192 bis +240 h (Di00 bis Do 00) werden fünf Cluster angeboten.
Abgesehen vom am schwächsten besetzten Cluster 5 sehen alle anderen ziemlich
antizyklonal aus. Wiederum interessant, dass sowohl Haupt-, als auch
Kontrolllauf dieser zyklonaleren Variante zugeordnet werden. Die restlichen
Cluster unterscheiden sich dahingehen wie stark der Rücken sich amplifizieren
kann und wo genau seine Achse und Drehzentrum zu finden sein werden. Bei Cluster
5 findet sich die positive Geopotentialanomalie übrigens über dem Atlantik,
weswegen sich stromab über Mitteleuropa der Trog durchsetzen würde.

Das Ensemble des GFS zeigt zumeist ein recht rasches Vorankommen der Kaltfront
am Donnerstag und in Nacht auf Freitag. Es finden sich aber auch bei GFS ein
paar wenige Member (etwa 1/3) die in Richtung der deterministischen Lösung des
ECMWF laufen. Im Laufe der kommenden Woche nehmen zwar die Signale für einen
neuen Wärmevorstoß zu, die Unsicherheiten sind aber groß. Die
Niederschlagssignale sind auch beim GFS recht verhalten. Für einige Region
zeigen manche Member einen trockenen Luftmassenwechsel und auch zur neuen Woche
bleiben die Signale verhalten.

FAZIT: Nach einem markanten Hitzepeak gehen die Höchstwerte im Anschluss
deutlich zurück. Wie schnell der Luftmassenwechsel von Statten geht ist noch
unsicher. Die Modelle tendieren aber zunehmend zu einer späteren Lösung, wonach
auch der Freitag in einigen Landesteilen nochmal sehr heiß würde.
Zum kommenden Wochenende und darüber hinaus bestehen ebenfalls Differenzen,
inwiefern ein neuer Trog Deutschland beeinflussen könnte. Im Vergleich zu
gestern schaut die Modellwelt aber deutlich antizyklonaler aus. Dies ist
beispielsweise am klaren Rückgang der Niederschlagssignale in den Ensembles von
GFS und EZMWF zu sehen im Vergleich zu den gestrigen Läufen zu sehen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Eine starke Wärmebelastung ist in großen Landesteilen am Donnerstag zu
erwarteten. Mit zunehmender Unsicherheit bleibt die starke Wärmebelastung auch
noch am Freitag in der Südhälfte und im Osten bestehen. Nachfolgend überall
Entspannung.

Am Donnerstag gibt es im Nordwesten ab dem späteren Nachmittag/Abend erst starke
Gewitter mit Unwetterpotential, die nachts aber nur langsam südostwärts
vorankommen.
Am Freitag gibt es zunächst in der Nordhälfte, nachts dann auch in der Mittag
teils starke Gewitter mit Unwetterpotential. Das Vorankommen hängt an der
Verlagerung der Kaltfront, die wie beschrieben noch mit Unsicherheiten versehen
ist.

Am Samstag und Sonntag gibt es vor allem im Süden Gewitter mit Starkregen bis in
den Unwetterbereich. Wie weit diese nordwärts ausgreifen ist noch unsicher.

Basis für Mittelfristvorhersage
ECMWF-EPS, MOS-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marcus Beyer