#SXEU31 #DWAV S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 31.07.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 311800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 31.07.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Zunächst leicht unbeständig, ab Dienstag neue 2-Tages-Hitzewelle!

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … teilen die Höhenstrukturen Europa in zwei Bereiche auf. Demnach
dominiert abgesehen von kleineren Ausnahmen von Neufundland bis nach
Südosteuropa tiefes Geopotential, während über Südwesteuropa und dem Ostatlantik
hohes Geopotential thront. Dazwischen schiebt eine relativ zonal ausgerichtete
Höhenströmung mehr oder weniger amplifizierte Kurzwellentröge gen Mitteleuropa.
Einer dieser Kurzwellentröge nähert sich am Abend Mitteleuropa an und überquert
das Land in der Nacht rasch ostwärts. Bodennah korreliert der Trog mit einem
Tief über der Nordsee, welches im Verlauf nach Norwegen zieht. Gleichermaßen
induziert das steuernde Höhentief bei Island ein Tief über dem nördlichen
Skandinavien. Ausgehend von diesem zieht sich schließlich ein teils okkludierter
Frontenzug über besagtes Nordseetief hinweg südwärts. Die Warmfront hat dabei am
Nachmittag auf den Nordwesten übergegriffen und zusammen mit vorderseitiger WLA
für schwache skalige Niederschläge gesorgt. Zusammen mit der Warmfront schieben
sich diese ostwärts und verlassen das Land in der zweiten Nachthälfte. Zudem
lässt die rasch folgende Kaltfront das System weiter okkludieren.
Frontogenetisch sowie mit Hilfe von etwas PVA aus der Höhe werden vertikale
Umlagerungen ausgelöst, sodass die Niederschläge zunehmend einen schauerartigen
Charakter annehmen und mit geringer Wahrscheinlichkeit mit Blitz und Donner
einhergehen. Aufgrund einer gewissen Zuggeschwindigkeit ist Starkregen nur
selten ein Thema und auch beim Wind sollten höchsten einzelne konvektive
Windböen Bft 7 eine Rolle spielen.
Trotz dem Zustrom etwas kühlerer Meeresluft bleiben die Nachtwerte durch den
höheren Wolkenanteil verhältnismäßig hoch. Bei Temperaturen in 850 hPa von 9 bis
17 Grad sollen bodennah Tiefstwerte zwischen 19 und 12 Grad auftreten.
Montag … wiederholt sich das Spiel mit dem Kurzwellentrog bei vergleichbaren
großskaligen Strukturen in der Höhe. Mit der westlichen bis nordwestlichen
Grundströmung verlagert sich der Kurzwellentrog ab dem Mittag nach Deutschland
und überquert das Land in der Folge. Dabei wird einerseits die über der Mitte
Deutschland schleifende Kaltfront aktiviert und anderseits durch PVA die untere
Atmosphäre im Süden in Schwung gebracht. Etwas dämpfend könnte sich nach Westen
zu der steigende Luftdruck des aufziehenden Azorenhochablegers auswirken.
Insgesamt sollten die vertikalen Umlagerungen ab dem Mittag zunächst in der
Mitte durch das Zusammenspiel frontogentischer Prozesse und PVA ausreichen,
einzelne Gewitter auszulösen. Bei PPW-Werten um 30 mm steht vor allem der
Starkregen im Fokus. Bei langsamer Verlagerung oder wiederholten Treffern kann
auch heftiger Starkregen über 25 l/qm nicht völlig ausgeschlossen werden.
Aufgrund fehlender Scherung sollten in der Mitte kaum organisierte Zellen
auftreten und somit Hagel und auch der Wind eine untergeordnete Rolle spielen.
Anders sieht es im Süden aus, wo PVA auf die diabatische Komponente trifft. Ab
dem späteren Nachmittag werden dort ebenfalls einzelne Gewitter simuliert, die
bei PPW-Wertem von 30 bis 35 mm ebenfalls als Schwerpunkt den Starkregen, lokal
auch heftigen Starkregen aufweisen. Eine etwas höhere hochreichende Scherung
sowie Richtung Südwesten auch eine Invers-V Struktur lassen dann Vielleicht auch
kleinkörnigen Hagel und einzelne Sturmböen zu. Im Umfeld des Hochrheins wird es
allerdings schwierig mit den Schauern und Gewittern, das das Profil keine
ausreichend dicke gesättigte Schicht aufweist. Dem mächtigen trockenen Fuß steht
in der Höhe schon die Absinkinversion gegenüber. Bei den Temperaturen verstärkt
sich der Gradient über Deutschland. Während im Norden die kühlere Meeresluft nur
Höchstwerte von 18 bis 22 Grad zulässt, können in der sehr warmen Subtropikluft
im Südwesten die Werte bis 32 grad ansteigen.
In der Nacht zum Dienstag beginnt sich der Haupttrog ausgehend vom Höhentief bei
Island über dem Ostatlantik südwärts zu amplifizieren. Einhergehend sorgt die
vorderseitige WLA für die Stärkung eines Rückens, der sich von Frankreich
langsam nach Deutschland aufbäumt. Bodennah stützt dieser den Azorenhochkeil,
der schon weite Teile Deutschlands einnimmt. Dabei nimmt das Hoch dem
rückläufigen Frontenzug die Kraft. Entsprechend sind im Hochbereich allenfalls
im Südosten noch abziehende schauerartige Niederschläge im Programm. Dazu können
zudem kurzwellige Anteile auch im Norden noch ausreichend Hebung generieren und
einzelne Schauer auslösen. Ebenfalls könnte sich die WLA auf der Vorderseite der
zum Tiefkomplex zwischen Island und Irland gehörenden Warmfront im Nordwesten
mit schwachen skaligen Niederschlägen bemerkbar machen. Bei den Temperaturen
bleibt der Kontrast vom Tag erhalten, indem Tiefstwerte im Norden von 5 bis 10
Grad, im Süden Werten von 12 bis 17 Grad gegenüberstehen.
Dienstag … und in der Nacht zum Mittwoch wird der Prozess aus der Nacht zum
Dienstag fortgeführt. Der Trog über dem Atlantik amplifiziert sich weiter,
sodass auch der Rücken auf der Vorderseite mächtiger wird. Dabei dreht die
Strömung über Mitteleuropa zunehmend auf West bodennah auf Südwest. Über dem
Norden ist tagsüber noch die Warmfront wetterwirksam, die den Norden streift und
zusammen mit WLA den überwiegend skaligen Niederschlag von Ostfriesland nach
Mecklenburg-Vorpommern schiebt. Ansonsten fehlen in Deutschland nennenswerte
Hebungsprozesse. Allenfalls im Alpenumfeld kann es mit orografischer
Unterstützung etwas blubbern. Dafür nehmen die Temperaturen Fahrt auf. Mit der
südwestlichen bodennahen Strömung kann die sehr warme subtropischen Luft
nordwärts wandern und auch an Intensität zulegen. Entsprechend werden über
Deutschland in 850 hPa schon Temperaturen zwischen 10 und 18 Grad gezeigt, die
schließlich mit Höchstwerten von 25 bis 33 Grad einhergehen. Allenfalls im
Küstenumfeld bleibt es noch etwas kühler.
Mittwoch … reicht der Trog schon von den Britischen Inseln bis in den
Nordwesten der Iberischen Halbinsel. Gleichermaßen kann sich der von WLA
gestützte Rücken vom westlichen Mittelmeerraum schon bis nach Osteuropa
ausdehnen, wobei dessen Achse sich etwa von Sardinien über Tschechien bis ins
Baltikum erstreckt. Entsprechend gelangt Deutschland auf die Trogvorderseite,
sodass die Zufuhr an sehr warmer bis heißer Lift aus Südwesteuropa nochmals
gesteigert wird. Die Temperaturen auf 850 hPa sollen demnach Werte zwischen 11
Grad an der Nordsee und bis 22 Grad im äußersten Südwesten erreichen. Bodennah
werden nachfolgend Höchstwerte von 30 bis 36 Grad simuliert. Allenfalls im
Nordwesten sorgt der Trog im Zusammenspiel mit thermischer Auslöse schon für
etwas Hebung (PVA), sodass dort Quellwolken dämpfend wirken und die Temperaturen
leicht unter 30 Grad drücken. Schauer und Gewitter sind aber noch gering
wahrscheinlich und bevorzugt im direkten Nordseeumfeld zu verorten.
In der Nacht schiebt sich der Trog näher nach Mitteleuropa, sodass nun im
Nordwesten die PVA stärker wird. Entsprechend stehen vom Emsland bis nach
Schleswig-Holstein voraussichtlich erste, teils kräftige Schauer und Gewitter
auf dem Programm. Bei PPW von 27 bis 40 mm ist auf jeden Fall Starkregen ein
Thema. Auch einzelne stürmische Böen sind möglich. Ansonsten bleibt es bei einer
lauen Sommernacht noch überwiegend ruhig. Tiefstwerte zwischen 14 und 22 Grad
können regional aber den Schlaf stören.

Modellvergleich und -einschätzung

Die großskaligen Unterschiede zwischen den verschiedenen Globalmodellen ist sehr
gering. Die Strukturen in der Höhe und am Boden sind über den gesamten
kurzfristigen Zeitraum vergleichbar. Selbst bei der räumlichen Einordnung von
potentiellen Niederschlägen sind keine signifikanten Abweichungen zu
verzeichnen. Nur bei den Temperaturen ergibt sich ein gewisser Spielraum.
Demnach lässt das GFS die Temperaturen in 850 hPa stärker ansteigen und weiter
nach Norden reichen als andere Lösungen. Das IFS stellt in diesem Kontext die
passivste Lösung dar. Eine Hitzewelle über wenige Tage haben aber alle Modelle
im Programm.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel