#SXEU31 #DWAV S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 30.07.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 301800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 30.07.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Abklingende Konvektion, am Sonntag außer im Nordwesten Zwischenhocheinfluss, am
Montag allgemein wieder zyklonaler mit Schauern und einzelnen Gewittern.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … befindet sich Deutschland auf der Rückseite eines nach Osten
abziehenden Höhentroges und gleichzeitig auf der Vorderseite eines ich von
Westen nähernden flachen Rückens. Oder anders ausgedrückt, wir befinden uns auf
Kurs Zwischenhocheinfluss, der im Bodendruckfeld allerdings nur rudimentär zum
Ausdruck kommt. Immerhin füllt sich die über dem Osten und Norden noch
auszumachende Rinne mehr und mehr auf und die mäßig warme bis warme Luftmasse
trocknet von Südwesten her weiter ab. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache,
dass es ganz allmählich in die dunkle Tageszeit geht, verwundert es nicht, dass
den anfänglich im Osten und Südosten, vereinzelt auch im Norden noch
auftretenden Schauern und Gewittern bald die Puste ausgeht. Darüber hinaus
lockert die Bewölkung – so nicht schon geschehen – immer weiter auf. Vor allem
im Nordosten, wo die Grundschicht durch vorherige Regenfälle ausreichend
angefeuchtet ist, bildet sich örtlich Nebel.

In der zweiten Nachthälfte nimmt die Bewölkung im Nordwesten bereits wieder zu,
es bleibt aber weitgehend trocken. Grund ist die Annäherung einer Warmfront von
der Nordsee her. Sie ist Bestandteil eines okkludierenden Frontensystems, das
wiederum dem knapp östlich an Island nach Norden vorbeiziehenden Tief GENOVEVA I
anhängig ist. Am Okklusionspunkt bildet sich ein kleines Teiltief (GENOVEVA III;
die #2 entsteht irgendwo vor der norwegischen Westküste), das im Laufe des
Sonntags die Nordsee ostwärts kreuzt.

Sonntag … wandert der flache Rücken über den Vorhersageraum ost-südostwärts
hinweg. Dahinter zonalisiert die Höhenströmung, bevor sich in den Abendstunden
ein flacher und relativ breiter Trog von Westen her nähert. Bis dahin hat die
GENOVEVA die Dritte bis knapp vor die nordfriesische Küste vorgearbeitet,
wodurch weite Teile Norddeutschlands in den Warmsektor des Frontenzuges
gelangen. Die nachfolgende Kaltfront greift dann erst in der Nacht zum Montag
auf den Nordwesten über. Zuvor verdichtet sich die Bewölkung im Nordwesten immer
mehr (überwiegend durch WLA) und es setzt stratiformer Regen ein, der sich bis
zum Abend bis etwa zu einer Linie Westmecklenburg-Harz-Westerwald ausweitet.
Zwischen Westfalen und Deutscher Bucht können gebietsweise 5-10 l/m²
zusammenkommen. Ab dem Nachmittag wird im Westen durch leichte Labilisierung und
permanente Feuchteflusskonvergenz etwas CAPE („skinny“) generiert, das für
konvektive Verstärkungen, vereinzelt vielleicht auch ein kurzes Gewitter gut
ist. In diesem Fall fällt die Regenausbeute zumindest lokal noch etwas besser
aus.

Im großen Rest des Landes verläuft der Sonntag bei geringen, leicht antizyklonal
angehauchten Luftdruckgegensätzen ruhig und gänzlich unspektakulär. Die alternde
Luftmasse kann sich allmählich erwärmen, im Süden steigt T850 bis zum Abend auf
15 bis 18°C. Dabei stellt sich eine Mischung aus Sonnenschein und Wolken ein mit
den längsten sonnigen Abschnitten im Südwesten (vor allem BaWü) und dem
äußersten Osten und Nordosten (Vorpommern bis Erzgebirge). Die Schauerneigung
bleibt gering, meist bleibt es den ganzen Tag über trocken.

Die Temperatur steigt im Nordwesten sowie direkt an der See auf Höchstwerte von
20 bis 25°C. Sonst stehen 25 bis 30°C auf der Karte, im Oberrheingraben
stellenweise etwas mehr.

In der Nacht zum Montag erreicht uns der flache Trog, während gleichzeitig die
Kaltfront auf den Nordwesten übergreift. Vorderseitig kommt es zu weiteren,
meist schauerartigen und in Einzelfällen gewittrigen Regenfällen, die sich in
der Nordhälfte nach Osten ausbreiten. Akkumuliert über 12 Stunden reicht es
strichweise (Mehrfachtreffer) für 5 bis 10 l/m², vereinzelt etwas darüber. Im
Süden bleibt es im Großen und Ganzen trocken.

Montag … zieht der flache Höhentrog rasch ostwärts ab, die Strömung bleibt
aber leicht flattrig und das nächste Exemplar dürfte schon in den
Nachmittagsstunden auf Deutschland übergreifen. Bis dahin dürfte die Kaltfront
die mittleren Landesteile erreichen, wo sie mangels ausreichend Schubkomponente
aber zunehmend Schwierigkeiten bekommt, ihren Weg nach Süden fortzusetzen.
Tatsache ist, dass Trog und Front leidlich harmonieren, was sich in Form
zahlreicher Schauer und einzelner Gewitter widerspiegelt. Es steht allerdings
noch nicht abschließend fest, wo genau der Schwerpunkt der konvektiven Aktivität
liegt. Favorisiert sind die mittleren Landesteile, wobei stellenweise auch mal
das markante Starkregenkriterium gerissen werden kann. Zwar wären vereinzelte
Unwetter aufgrund hoher PPWs von z.T. über 30 mm möglich, allerdings ziehen die
Zellen etwas, was wiederum dagegenspricht.

Den meisten Sonnenschein gibt es im äußersten Süden und im äußersten Norden, wo
die postfrontal mit Nordwestwind einfließende subpolare Meeresluft (T850 um 8°C)
merklich abtrocknen (PPWs z.T. unter 15 mm, spez. Grundschichtfeuchte nur noch
um 6 g/kg).
Die Tageshöchsttemperatur liegt im Norden sowie in weiten Teilen
Westdeutschlands zwischen 21 und 26°C, direkt an der Nordsee mit auflandigem
Wind um 20°C. Ansonsten stehen 26 bis 31°C auf der Karte.

In der Nacht zum Dienstag schwenkt der flache Höhentrog rasch durch und der
nächste, nicht minder flache Rücken versucht sein Glück bei uns. Die Schauer und
Gewitter lassen mehr und mehr nach bzw. ziehen sich in den Südosten zurück. Die
Bewölkung lockert vielerorts auf, hier und da bildet sich Nebel. Im Nordwesten
macht sich vor allem in der zweiten Nachthälfte aber schon wieder neuerliche WLA
bemerkbar, welche die nächste Warmfront ankündigt. Diese gehört zu einer
rinnenartigen Tiefdruckzone mit mehreren Kernen westlich von Schottland und
bringt mehrschichtige Bewölkung, zunächst wahrscheinlich aber noch kein Regen.
Die Temperatur geht im norddeutschen Binnenland z.T. auf 10°C oder etwas
darunter zurück. Sonst liegen die Tiefstwerte zwischen 18 und 12°C.

Dienstag … legt sich besagter Rücken über den Vorhersageraum, wobei er sich
noch etwas aufplustert. Das reicht, um im Verbund mit einem schwachen
Bodenhochkeil weiten Teilen des Landes einen sehr warmen bis heißen und
sonnenscheinreichen 2. August zu bescheren. Etwas gekniffen ist einmal mehr der
Nordwesten, wo WLA den Rücken in klassischer Manier überläuft und die o.e.
Warmfront insbesondere in Nordseenähe mitunter etwas Regen bringt. Ansonsten
herrscht nur in den östlichen und südöstlichen Mittelgebirgen sowie an den Alpen
eine geringe Schauer- und Gewitterneigung, im großen Rest dürfte es trocken
bleiben. Die Temperatur erreicht im Norden 22 bis 27°C, sonst 27 bis 33°C mit
den höchsten Werten am Oberrhein.

Modellvergleich und -einschätzung

Der grobe Fahrplan passt, beim Niederschlag gilt es noch einige Unschärfen
auszumerzen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann