S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 28.07.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 28.07.2022 um 10.30 UTC

Leicht wechselhaft mit Schauern und Gewittern, aber keine Flächenniederschläge.
Zur Mitte der nächsten Woche verbreitet heiß.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 04.08.2022

Schaut man sich die Tiefsttemperaturen der vergangenen Nacht insbesondere in
Nord- und Ostdeutschland an, könnte die Idee erwachsen, dass der kommende Herbst
nicht mehr weit weg ist. Stellenweise gingŽs runter auf 5°C oder noch etwas
weniger und an der Station Deutschneudorf-Brüderwiese im Erzgebirge –
traditionell Žne kalte Ecke – wurde sogar Frost in Bodennähe gemessen. Dass wir
vom Herbst allerdings noch meilenweit entfernt sind (nicht nur kalendarisch),
belegt eindrucksvoll die mittelfristige Entwicklung. Da steht uns in der
kommenden Woche ein weiterer Anlauf südwesteuropäischer respektive afrikanischer
Hitze bevor. Wie heiß es wo genau wird und wie lange die Hitze andauert, ist
noch mit Unschärfen versehen. Dass es heiß wird, insbesondere im Süden und in
der Mitte, ist hingegen unstrittig. Die Details:

Zu Beginn des mittelfristigen Prognosezeitraums am kommenden Sonntag befindet
sich Deutschland unterhalb einer eher schwachen, leicht mäandrierenden
westlichen Höhenströmung. Im Schlepptau eines abziehenden Troges überquert uns
ein flacher Rücken ostwärts, bevor die Strömung beginnt zu zonalisieren. Die
Luftdruckverteilung ist sehr flach, wobei nach Süden hin leichter
Hochdruckeinfluss überwiegt, während im Norden ein von der Nordsee kommender
Bodentrog durchschwenkt. Zonal angeordnet sind auch die Isothermen, am Abend
reicht die Temperaturspanne auf 850 hPa von rund 10°C an der Grenze zu Dänemark
bis zu 16°C in BaWü.

Am Montag nähert sich von Westen her ein flacher Höhentrog, auf dessen
Vorderseite sich bei uns ein flacher Rücken aufwölbt (wobei die Wölbung sehr
gering ausfällt). Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass bei weiterhin
flacher Druckverteilung der Wochenstart im Norden und in Teilen der Mitte leicht
wechselhaft erfolgt. Die thermischen Gegensätze zwischen Nord und Süd nehmen zu:
Während sich die 10°C-Isotherme (850 hPa versteht sich) nur sehr zögerlich gen
Norden entfernt, tauchen im Süden 18°C, teils sogar 19°C auf.

Am Dienstag ist es dann soweit. Im Süden gibt die 20°C-Isotherme ihr
Stelldichein, was ein deutliches Überschreiten der 30°C-Marke erwarten lässt.
Ansonsten bleibt die Druckverteilung unter einer nur schwachen bis mäßigen
westlichen Höhenströmung flau ohne klare Strukturen. Wettertechnisch bedeutet
das für den Süden viel Sonnenschein und für den Norden wechselnde
Bewölkungsverhältnisse mit nur wenig Regen bzw. Schauern.

Am Mittwoch beginnt die Höhenströmung im Zuge einer beginnenden Austrogung über
dem nahen Atlantik bzw. UK/Irland aufzusteilen, sprich auf Südwest rückzudrehen.
Gleichzeitig überquert ein kleines Bodentief den Norden UKs in Richtung
nördliche Nordsee, was für uns meist aber nur mittelbare Folgen hat. So deutet
sich für den Nordwesten tendenziell etwas wolkigere Verhältnisse an, wohingegen
im großen Rest des Landes die Sonne Trumpf ist. Bemerkenswert ist die weiter
zunehmende Baroklinität, wobei die Isothermen auf 850 hPa aufgrund der
rückdrehenden Strömung nunmehr von Südwest nach Nordost angeordnet sind. Im
Bereich der Deutschen Bucht werden zum Abend hin rund 12°C erwartet, in Bayern
und BaWü sind es außer in den nördlichen Landesteilen 22, vereinzelt gar 23°C.
Bei einem für den Hochsommer durchaus üblichen Aufschlag von 17 Grad bis nach
unten würde das Tageshöchsttemperaturen unweit der neuralgischen 40°C-Marke
bedeuten, allerdings sprechen dabei auch noch andere Komponenten ein Wörtchen
mit (z.B. die morgendlichen Startwerte, mögliche Bewölkung (und sei es nur
dünne) oder Staub, Höhe der 850-hPa-Geopotenzialfläche).

Am Donnerstag rückt uns der Höhentrog von Westen her immer dichter auf die Pelle
und auch das Setup im Bodendruckniveau wird in Form eines durchziehenden
Bodentrogs vorübergehend zyklonaler. Darin eingelagert ist eine Kaltfront, die
langsam (Stichwort höhenströmungsparallele Exposition) südostwärts schwenkt, den
Süden und Südosten wahrscheinlich aber erst am Abend oder in der Nacht zum
Freitag erreicht. Derzeit wird ihre Passage zumindest in einigen Bereichen
„trocken“ simuliert, was nichts Neues in diesem Sommer wäre. Einzelne Gewitter
werden präfrontal im Osten und Süden angeboten, im Norden und Nordwesten rechnet
das Modell schauerartige Regenfälle und Gewitter (Trogvorderseite). Postfrontal
dreht der Wind auf Nordwest bis Nord und es gelangt ein Schwall erwärmter
Meereskaltluft subpolaren Ursprungs insbesondere in den Norden und Westen des
Landes (Rückgang T850 bis zum Abend auf 10 bis 5°C).

Kurzer Ausblick noch auf die Folgetage (erweiterte Mittelfrist): tendenziell
Hochdruckeinfluss, wahrscheinlich nur wenig Regen, im Norden mäßig warm, im
Süden warm bis heiß (aber nicht so heiß wie am Mittwoch).

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neueste Lauf von IFS (ECMF) von heute 00 UTC weicht in den Basisfeldern kaum
von den Lösungen der jüngsten Vorgängerversionen ab. Von daher kann dem Modell
eine gute bis sehr gute Konsistenz attestiert und die Prognose vom Vortag im
Großen und Ganzen übernommen werden. Dass im Detail trotzdem Unschärfen
auftreten, ist in der Wettervorhersage nicht ungewöhnlich, insbesondere dann,
wenn es in die Mittelfrist geht. Exemplarisch sei das Thema „Regen/Gewitter“
genannt, wo Timing, Intensität und genaue räumliche Verteilung auch vor dem
Hintergrund „Vergleich mit anderen Globalmodellen“ noch prognostischen
Schwankungen unterworfen sind. Auch die Frage nach den genauen Temperaturspitzen
Mitte kommender Woche (erreichen wir irgendwo die „40“?) kann derzeit noch nicht
belastbar beantwortet werden. Trotzdem wird die Prognosesicherheit summa
summarum als gut bewertet.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Was die grundlegenden Strukturen angeht, sind sich die Globalmodelle sehr
ähnlich. Am Montag fällt allerdings auf, dass GFS und UKMO die Höhenströmung
zonaler simulieren, wodurch auch Süddeutschland Schauer und Gewitter abbekommen
würde. Außerdem ist GFS das Modell, das bei der Hitze zur Wochenmitte einmal
mehr die Pole-Position (besser wäre vielleicht die Pool-Position) einnimmt. Der
00-UTC-Lauf bietet am Mittwoch bis zu 25°C auf 850 hPa an, was es aber erstmal
zu bestätigen gilt. Trotzdem, der Generalkurs steht auf Basis der
deterministischen Modelle.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Charts von IFS-EPS zeigen über weite Strecken einen gutmütigen Verlauf, die
das vom Hauptlauf angebotene Szenario stützen. Der Höhepunkt der neuerlichen
Hitze wird eindeutig auf den Mittwoch taxiert. Danach nimmt die Streuung sowohl
bei der 850-hPa-Temperatur (bei allerdings rückläufiger Tendenz) als auch beim
500-hPa-Geopotenzial deutlich zu. Dabei werden im Gegensatz zum
deterministischen Lauf vermehrt Niederschlagssignale angeboten.

Clustermäßig läuft alles auf das Klimaregime „NAO positiv“ hinaus. Es geht los
von Sonntag auf Montag (T+72…96h) mit drei Clustern, die für unsere Region aber
keine wirklich erkennbaren Unterschiede aufweisen. Drei Cluster werden auch für
den Zeitraum T+120…168h (Dienstag bis Donnerstag) angeboten (21, 18 + HL/KL, 5
Fälle). CL1 und CL2 zeigen zum Ende hin die Annäherung des o.e. Höhentrogs, der
in CL1 allerdings etwas schärfer konturiert ist (was auf eine erhöhte
Wetterwirksamkeit hindeuten könnte). CL3 hingegen entwickelt diesen Trog erst
gar nicht und belässt es bei uns bei einer schwachen Zonalströmung. Ab Freitag
(T+192…240h) erhöht sich die Anzahl der Cluster auf vier (17 + HL/KL, 14, 10, 10
Fälle). Hier beginnen die Muster zu divergieren und auch die zugeordneten Regime
variieren von weiterhin „NAO positiv“ bis hin zu „Blockierung“ und „Atlantischer
Rücken“. Mit anderen Worten, hier ist eine klare Aussage nicht möglich.

FAZIT: Mittelfrist steht die Vorhersage auf soliden Füßen, erweitert
mittelfristig gerät sie dann ins Schwimmen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Auch heute gilt es an dieser Stelle wieder zu schreiben, dass eine Wetterlage,
die uns dringend benötigen flächigen Dauerregen schenkt, nicht in Sicht ist.
Klar, es regnet und gewittert mal, z.T. auch mit Starkregen, aber das löst das
Problem nicht. Dürre, Trockenstress, Waldbrände etc. werden also weiterhin in
den Schlagzeilen auftreten. Dazu gesellt sich zur Wochenmitte zum wiederholten
Male eine substanzielle Heißluftattacke, die wahrscheinlich aber nur von kurzer
Dauer ist, weshalb sich auch die Wärme- respektive Hitzebelastung in zumindest
zeitlichen Grenzen hält. Dass hohe Tagestemperaturen jenseits der 30iger-Marke
vielleicht nicht für alle, wohl aber für einige belastend sind, steht außer
Frage.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-IFS mit IFS-EPS und Modellmix.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann