S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 27.07.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 27.07.2022 um 10.30 UTC

Hochsommerlich warm bis heiß, dabei leicht unbeständig mit örtlichen Gewittern,
aber keine flächendeckenden Niederschläge. Zur Mitte der nächsten Woche erneut
große Hitze.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 03.08.2022

Am Samstag, zum Beginn des Mittelfristzeitraumes, befindet sich nach IFS ein
schwacher Höhentrog über Mitteleuropa, in den auch ein Höhentief eingebettet
ist. Dieses System wird mit einer insgesamt schwachen westlichen Höhenströmung
langsam ostwärts gesteuert, wobei der Blick auf die Höhenkarte insgesamt recht
hohes Geopotential und hohe 500-hPa-Temperaturen (außerhalb des Troges um -10°C)
bis etwa 50°N offenbart. Bodennah dominiert das Azorenhoch, das recht weit
nördlich liegt und einen Ableger im Ostseeraum besitzt, während über dem
Südosten Europas das Hebungsgebiet des Troges ein flaches Tief erzeugt hat, so
dass der Wind bei uns meist aus nördlichen bis westlichen Richtungen kommt.
Insbesondere im Osten ist noch recht viel Feuchte im Spiel, so dass es dort zu
Schauern und Gewittern kommt, wobei bei langsamen Zuggeschwindigkeiten und
warmer Luftmasse (um 10°C in 850 hPa) Starkregen bis in den Unwetterbereich
vorkommen kann. Nach Westen hin ist es schon ruhiger und wolkig.
In der Nacht zum Sonntag zieht das Höhentief nach Osten ab und in der westlichen
Höhenströmung gelangt ein schwacher Rücken zu uns. Die Gewitter ziehen in der
Nacht ab und am Sonntag ist die Schichtung stabiler, allerdings fließt am
Nordrand des Azorenhochkeils stetig Feuchte nach, so dass der Himmel wolkig ist
und es zu einzelnen Schauern kommen kann. Dabei steigt das Temperaturniveau
schon wieder etwas an.
Am Montag ändert sich die Wetterlage kaum. Mit der schwachen westlichen
Höhenströmung gelangt von Westen sehr warme (T850 zwischen 11°C im Norden und
17°C im Süden) und feuchte Luft zu uns. Allerdings ist die Schichtung recht
stabil, so dass voraussichtlich nur im Norden, wo am meisten Feuchte vorhanden
ist, mal einzelne Schauer und Gewitter auftreten, während es sonst wolkig und
sehr warm bis heiß (und auch schwül) ist.
Am Dienstag macht sich zunehmend eine Austrogung auf dem Atlantik westlich der
Britischen Inseln bemerkbar. Damit wird die Verbindung zum Azorenhoch gekappt
(das damit seine Schutzwirkung gegen die größte Hitze verliert). Wir verbleiben
in einem recht schwachgradientigen Umfeld, in 850 hPa dreht der Wind aber leicht
gegen Südwest und bringt wieder zunehmend heiße Luft zu uns. Im Norden liegt
noch mehr Feuchte, dort kann es weiterhin wolkig und gewitterig sein, während
sich im Süden wieder das sonnig-heiße mediterrane Sommerwetter (das sich wohl
mittlerweile bis auf 50°N heimisch fühlt) durchsetzt.
Am Mittwoch dreht die Strömung weiter Richtung Südwest, da der Höhentrog die
Britischen Inseln erreicht. Damit erreicht die 20°C-Isotherme in 850 hPa am
Mittag wieder den Main, im Norden kommen wir auf 15 bis 16°C. Somit stellt sich
wieder ein sonniger und heißer bis sehr heißer Tag ein.

In den Folgetagen erreicht der Trog Skandinavien und die Wetterlage wird
insgesamt zyklonaler. Die Kaltfront eines Nordmeertiefs erreicht Deutschland,
kann sich aber im Süden wohl nicht durchsetzen. Im Norden soll dagegen eine
markante Abkühlung erfolgen. Viel Regen ist auch nicht simuliert, da zwar etwas
Hebung im Spiel sein sollte, die Schichtung aber stabil bleibt. So geht in 500
hPa die Temperatur in vielen Landesteilen kaum unter -10°C zurück.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen IFS-Laufs mit seinen beiden Vorgängern ist bis zum
nächsten Mittwoch sehr gut. Erst am Mittwoch selbst simuliert der jüngste Lauf
den sich von Westen nähernden Trog etwas stärker und schneller, was dann wohl
aber erst in der erweiterten Mittelfrist größere Auswirkungen auf unser Wetter
hat.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis zum Montag sind sich die vorliegenden Modelle weitgehend einig. Am Dienstag
ist insbesondere ICON recht zyklonal aufgestellt mit einem Skandinavientrog.
Dies hat auch zur Folge, dass es im Norden des Landes rückseitig der Kaltfront
einen deutlichen Temperaturrückgang geben soll. UK10 und GFS zeigen ebenfalls
eine zyklonalere Variante als IFS, allerdings mit nur etwas unbeständigerem und
weniger warmem Wetter als IFS. Die Kanadier sind auf der IFS-Linie.
Am Mittwoch zeigen GFS und IFS eine recht ähnliche Linie. Bei den Kanadiern
liegt der Trog am Mittwoch noch etwas weiter draußen auf dem Atlantik.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Im Zeitraum von Montag, 00 UTC bis Mittwoch, 00 UTC verteilt sich das IFS auf
drei Cluster, die allesamt dem Regime „Positive NAO“ zugehörig sind und sich nur
marginal unterscheiden. Deswegen ist es interessanter, gleich in die erweiterte
Mittelfrist zu blicken: Von Donnerstag bis Samstag nächster Woche werden fünf
Cluster gebildet, wobei drei davon (C1, C2, C5; in Summe 31 Mitglieder, Haupt-
und Kontrolllauf) im Wesentlichen den Trog über Skandinavien zeigen, der nur
langsam ostwärts vorankommt und auch uns beeinflusst. C3 (10 Mitglieder) lässt
zwar den Trog nach Skandinavien schwenken, bei uns bleibt das Potential aber
höher. Bei C4 (10 Mitglieder) bleibt dagegen der Trog westlich von uns und wir
damit auf der Vorderseite.

Die Rauchfahnen des IFS für drei deutsche Weltstädte (Hamburg (Norden),
Offenbach (Mitte), Augsburg (Süden)) zeigen bei den 850-hPa-Temperaturen recht
geringe Streuung und allgemein eine leicht ansteigende Tendenz bis nächsten
Mittwoch. Dabei liegt der IFS-Hauptlauf eher am oberen Rand der Prognosen,
während der Schwerpunkt im Süden gegen 20°C geht, in der Mitte knapp
darunterbleibt und im Norden bei 12°C hängen bleibt. Das Geopotential ist
überall durchwegs hoch. Während es in Hamburg immer wieder leichte
Niederschlagssignale gibt, fokussieren sich diese in Augsburg und Offenbach auf
den Freitag, danach gibt es erst in der erweiterten Mittelfrist wieder Chancen
auf Regen.

Die Rauchfahnen des GFS ähneln jenen des IFS sehr stark, was der Prognose
insgesamt schon recht hohe Sicherheit gibt. Allerdings liegt beim GFS der
Hauptlauf nicht nur am oberen Rand der Temperaturverteilung, sondern schießt
nächsten Donnerstag (04.08.) sogar darüber hinaus in bringt in 850 hPa im Süden
teils bis 25°C, im Norden auch bis über 20°C.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Regen:
Cosmo-LEPS (eingeschränkt auch ICON-EPS und IFS-EPS) zeigt am Samstag noch
leichte Signale für mehr als 30 l/qm innert 12 Stunden vor allem an den Alpen
und Richtung Lausitz, abgeschwächt auch in anderen Regionen der Osthälfte. Damit
bestehen zumindest Chancen, dass es in der Osthälfte gebietsweise noch etwas
ergiebiger schauerartig oder gewittrig regnet.

Gewitter:
Nach dem Samstag (siehe oben) besteht am Sonntag noch an den Alpen und im Norden
Gewittergefahr, zu Beginn der Woche vor allem im Norden, wo in feuchterer Luft
immer etwas CAPE simuliert wird, wobei es durch schwache Störungen auch zur
Gewitterauslösung kommen könnte. Niederschlagssignale sind auf jeden Fall
vorhanden.

Hitze:
Nach Sichtung der Rauchfahnen darf davon ausgegangen werden, dass uns in der
Mitte der kommenden Woche erneut zumindest eine kurze extreme Hitzewelle
bevorsteht.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-MIX, IFS-EPS

VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Peter Hartmann