S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Freitag, den 22.07.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 22.07.2022 um 10.30 UTC

Am Montag heiß, danach deutliche Abkühlung. An den Alpen und im süddeutschen
Raum am Montag und Dienstag Gewitter, teilweise unwetterartig.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 29.07.2022

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am Montag greift ein markanter
Trog von den Britischen Inseln kommend auf den Kontinent über. Seine Achse
erreicht dabei am Tagesende unsere Westgrenze. In der Nacht zum Dienstag
schwenkt er über den Norden hinweg. Das korrespondierende Bodentief verlagert
sich von Schottland zur norwegischen Küste. Sein Frontensystem greift ab der
zweiten Tageshälfte mit einer Kaltfront auf den Nordwesten über. Die Kaltfront
überquert bis Mittwochfrüh die Nordhälfte ostwärts, im Süden wird die Front
jedoch zurückgehalten und erreicht erst am Dienstag die Alpen. Dadurch wird die
zuvor mit einer südwestlichen Strömung eingeflossene Subtropikluft in Richtung
der Alpen abgedrängt. Hinter der Kaltfront fließt etwas kühlere Nordseeluft
(T850 teilweise deutlich unter 10 Grad) ein. Präfrontal steigt das Thermometer
in den überwiegenden Teilen des Landes auf über 30 Grad, teilweise auch über 35
Grad. Durch den Trog kommt es zu Hebungsantrieb und vor allem an den Alpen und
in den Mittelgebirgen kann es am Nachmittag zu Gewittern kommen, die an den
Alpen aufgrund von Starkregen und Hagel auch unwetterartig ausfallen können.
Auch im Bereich der höhenkalten Luft im Norden gibt es Signale für Gewitter,
allerdings mit deutlich abgemilderten Auswirkungen.

Am Dienstag stellt sich hinter dem abziehenden Trog eine westliche Höhenströmung
ein. Das Bodentief verlagert seinen Schwerpunkt nach Lappland und seine
Kaltfront kommt über Süddeutschland ins Schleifen. Südlich der Front liegt noch
die labile Luft und so kann südlich der Donau im Tagesverlauf erneut zu einigen
Schauern und Gewitter kommen. Nördlich der Kaltfront steigt der Druck an und ein
Keil des ostatlantischen Bodenhochs kann nach Deutschland vorstoßen. Abgesehen
von den Gewittern an den Alpen und einigen Schauern im Nordseeumfeld bleibt es
trocken. Die Tageshöchst-temperaturen erreichen Werte zwischen 20 Grad an der
Küste und 28 Grad im äußersten Süden.

Am Mittwoch nähert sich in der Höhenströmung von den Britischen Inseln her
erneut ein Randtrog und schwenkt bis Donnerstagfrüh über Deutschland hinweg. Er
ist nicht sonderlich wetterwirksam und sorgt lediglich im Norden für ein paar
Schauer. Auch an den Alpen können sich im Tagesverlauf erneut einige Schauer und
Gewitter entwickeln. Im Rest des Landes bleibt es trocken. Die Sonne ist am
ehesten im Südwesten zu sehen. Die mit dem Trog eingeflossene höhenkalte Luft
sorgt für einen recht deutlichen Temperaturgradienten zwischen Nord und Süd. Im
Norden liegt die Temperatur in 850 hPa bei 5 Grad, südlich der Donau dagegen bei
über 15 Grad. Daher werden im Norden kaum 20 Grad erreicht, im Süden und in der
Mitte dagegen ist erneut mit einem Sommertag zu rechnen.

Am Donnerstag folgt dem nach Osten abziehenden Randtrog eine leicht antizyklonal
konturierte west-nordwestliche Höhenströmung. Sie stützt den Aufbau eines
abgeschlossenen Bodenhochs über dem Norden und der Mitte. Dadurch bleibt es
meist trocken und nach Süden zu wird es freundlich bei insgesamt leicht
ansteigenden Temperaturen.

Am Freitag ändert sich nicht viel. In der Höhenströmung nähert sich ein etwas
deutlicher konturierter Rücken von der Nordsee und dadurch wird das Bodenhoch
bei uns gestützt. Der Schwerpunkt des Hochs verlagert sich nach Osten und auf
seiner Rückseite wird wieder wärmere Luft zu uns geführt. Die 10-Grad-Isotherme
in 850 hPa liegt am Abend nördlich von uns. Daher gibt es bei meist nur leichter
Bewölkung fast überall einen Sommertag und im Südwesten und Süden können die
Temperaturen wieder über 30 Grad ansteigen. An den Alpen und in den Süddeutschen
Mittelgebirgen ist mit Wärmegewittern zu rechnen.

Am Wochenende sorgt eine Austrogung über den Atlantik für eine allmähliche
Aufsteilung der Höhenströmung. Dadurch wird weiterhin warme Luft aus Südwesten
zu uns geführt. Am Samstag wird es wieder verbreitet sehr warm oder heiß und vor
allem an den Alpen sind kräftige Schauer und Gewitter möglich. Am Sonntag sorgt
ein flaches Höhentief vor allem im Süden für etwas unbeständigeres Wetter mit
Schauern und Gewittern.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der aktuelle Lauf des IFS kann gegenüber seinen Vorläufen als recht konsistent
eingestuft werden. Ab Donnerstag zeigt der gestrige 00UTC Lauf eine kräftige
Austrogung über der Biskaya. Diese Entwicklung wurde aber schon vom gestrigen
12UTC Lauf nicht weiterverfolgt. Auch am Freitag und Wochenende stimmen der
aktuelle IFS-Lauf und der Vorlauf recht gut überein.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die beim der Konsistenzbetrachtung beschriebene Lösung mit einer Austrogung über
der Biskaya (oder den Britischen Inseln) kann man auch bei den anderen Modellen
finden, wenn auch mit unterschiedlicher Lage und Konturierung. Damit verbunden
ist die Entstehung eines Bodentiefs über Frankreich und in der Folge recht
unbeständiges Wetter bei uns, im Gegensatz zum Hochdruck wie bei IFS-Lösung
gezeigt. Da die anderen Modelle diese Lösung mehr oder weniger alle zeigen,
sollte man dieses Szenario nicht so einfach vom Tisch wischen. Auch wenn recht
häufig eine vom IFS eingeschlagene Richtung nach einigen Läufen sukzessive auch
von den anderen globalen Modellen übernommen werden.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Cluster Szenarien liefern sowohl für Montag und Dienstag als auch für den
Zeitraum Mittwoch bis Freitag jeweils nur ein Cluster, womit die Lösung des
deterministischen IFS Laufs gestützt wird. In der erweiterten Mittelfrist am
nächsten Wochenende werden insgesamt 3 Cluster berechnet. Sie zeigen ein
persistentes hohes Potential über dem östlichen Atlantik, wovon ein Keil sich in
Richtung Mitteleuropa erstreckt.

Die Rauchfahnen zeigen am Montag einen deutlichen Rückgang der Temperatur und
Geopotential. Dabei sinkt die Temperatur um ca. 10K. Am Montag und Dienstag
werden zudem auch die stärksten Niederschlagssignale im gesamten Zeitraum
signalisiert. Mit dem Durchgang der Kaltfront sinkt auch die 2m-Temperatur auf
Werte knapp unterhalb des Mittelwerts der Temperatur. Ab Donnerstag liegen die
Mediane der Boxen allerdings wieder über dem Modellmittel.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI zeigt am Montag für fast den gesamten Vorhersagebereich ein
Temperatursignal über 0,5, im Süden sogar über 0,75. Mit der Kaltfront gibt es
im Norden sowie auch in Teilen der Mittelgebirge am Dienstag Signale für Wind.
Für Mittwoch und Donnerstag werden Temperatursignale vom <-0,5 für den
Küstenbereich signalisiert.

Gewitter:
Am Montag und Dienstag werden in der subtropischen Luftmasse in Süddeutschland
Gewitter signalisiert. Weiterhin gibt es für Montag Signale für Gewitter im
Norden, im Bereich der höhenkalten Luft. Im Gegensatz zu den Entwicklungen in
Süddeutschland sind die Gewitter im Norden allerdings nicht unwetterträchtig.
Auch in den Folgetagen besteht die Gefahr von Gewittern im Alpenvorland, wobei
die Wahrscheinlichkeit aber gegenüber Montag und Dienstag deutlich zurückgehen.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMix, EZMW-IFS, Ensembles

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Rolf Ullrich