S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 21.07.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 21.07.2022 um 10.30 UTC

Sonntag im Süden, Montag fast überall heiß bis sehr heiß. Dabei leicht
wechselhaft, aber kaum Linderung der Trockenheit. Im Norden ab Dienstag mäßig
warm bis warm, im Süden sehr warm, aber nur noch selten heiß.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 28.07.2022

Während in Südwest- und Südeuropa die Hitzewelle aufgrund der vor allem im
Übergangsbereich zur Stratosphäre markant ausgeprägten Subtropenhochzelle über
dem Nordatlantik wohl bis mindestens in den erweiterten Mittelfristzeitraum
hinein andauert (siehe Übersicht von gestern), kommen Mittel- und Nordeuropa,
und somit auch weite Teile des Vorhersagegebietes (in erster Linie die
Nordhälfte) immer wieder in den „Genuss“ durchschwenkender Wellen. Diese sind
allerdings mit vergleichsweise niedriger Amplitude ausgestattet und verhalten
sich entsprechend progressiv, so dass sich der Niederschlagseintrag wohl auch
bis zum Ende der kommenden Woche insgesamt doch sehr in Grenzen hält.

Zu Beginn des Mittelfristzeitraumes, am kommenden Sonntag, steht aber erst
einmal die Passage eines Höhenrückens ins Haus. Dieser erreicht in der Nacht zum
Montag bereits das östliche Mitteleuropa und wird von einem Bodenhoch begleitet,
das seinen Schwerpunkt wiederum von Süddeutschland bzw. vom Alpenraum bis
Montagfrüh zu den Karpaten verlagert.
Dabei kann sich die über Süddeutschland lagernde, sehr warme bis heiße Luftmasse
aus dem südwesteuropäischen Raum mit Ostverlagerung des Hochs allmählich wieder
auf die mittleren Landesteile ausweiten. Bis Sonntag, 18 UTC steigt die 850
hPa-Temperatur auf Werte zwischen 19 Grad im Südwesten und 11 Grad in
Ostvorpommern – der Auftakt zu einer kurzen, aber durchaus knackigen Hitzewelle.
Bis in die mittleren Landesteile werden die 30 Grad wieder überschritten (bis 34
Grad in Südbaden), dabei scheint fast überall meist die Sonne, lediglich im
Nordwesten macht sich die Warmfront eines Tiefs nördlich von Schottland in Form
etwas dichterer Wolkenfelder bemerkbar. Die deutliche Erwärmung der mittleren
Troposphäre dürfte konvektive Umlagerungen auch im Bergland weitgehend
unterdrücken.

Am Montag greift dann ein recht markant ausgeprägter Höhentrog von den
Britischen Inseln im Tagesverlauf auf die Nordsee und Benelux, in der Nacht zum
Dienstag dann unter Konturverlust auch auf Deutschland über.
Das korrespondierende Bodentief zieht bis Dienstagfrüh vom Seegebiet nördlich
von Schottland zur Haltenbank und kann sich noch etwas vertiefen. Die Kaltfront
erreicht Montagabend Nordwestdeutschland und überquert bis Dienstagfrüh – außer
den Südosten – fast das gesamte Vorhersagegebiet.
Vorderseitig kommt die heiße Subtropikluft im Laufe des Montags noch einmal bis
nach Norddeutschland voran, in 850 hPa werden Werte zwischen 13 Grad im
Nordwesten und knapp 22 Grad im Süden/Südwesten erreicht. Während der Nordwesten
bereits früh in den Einflussbereich der Kaltfront gelangt und es nicht mehr so
stark aufheizen kann, werden die 30 Grad ansonsten verbreitet überschritten
(Ausnahme neben dem Nordwesten wohl auch die Ostseeküste) und im Südwesten auch
die 35 Grad, mit bis zu 37 Grad im südlichen Oberrheingraben.
Zugleich ist die Luftmasse mit Trogannäherung zunehmend labil geschichtet und
die vor allem nachmittags/abends im Westen und Süden markante Scherung würde
organisierte Konvektion zulassen. Der Hebungsimpuls nimmt ebenfalls zu, alleine
der Feuchteinput (Cape) fällt eher marginal aus. Kräftige, eher hochbasige
Gewitter mit (schweren) Sturmböen und auch Hagel sind dennoch ab dem späten
Nachmittag im Westen und Südwesten sowie an den Alpen denkbar, allerdings wohl
eher isoliert auftretend.
In der Nacht kommen diese dann ostwärts voran, flächendeckend auftretende
Niederschläge haben die Modelle aber nicht in petto.

Am Dienstag und Mittwoch nistet sich der breit angelegte, aber doch relativ
flache Höhentrog über dem Nordmeer ein, so dass sich über dem Vorhersagegebiet
eine eher flaue westliche, später südwestliche Höhenströmung einstellt. Das
korrespondierende, zunehmend zentralsteuernde Bodentief verlagert seinen
Schwerpunkt bis Mittwochabend allmählich nach Nordskandinavien (Raum Lappland).
Die Kaltfront vermag über Süddeutschland nicht mehr so recht nach Süden
vorankommen und gerät dort (wo genau, ist noch unklar) ins Schleifen. Südlich
davon hält sich über Süddeutschland die (mit etwa 14 bis 16 Grad in 850 hPa
nicht mehr ganz so heiße) Luftmasse südwesteuropäischen Ursprungs, innerhalb
derer sich im Tagesverlauf vor allem an den Alpen und im Vorland erneut einzelne
Gewitter entwickeln können.
Weiter nördlich schiebt sich ein flacher Bodenhochkeil nach Nordwestdeutschland
und etwas kühlere Nordseeluft (T850 hPa zwischen 7 und 10 Grad) sickert noch bis
in die Norddeutsche Tiefebene. Dazwischen hält sich eine Mischluftmasse mit etwa
10 bis 14 Grad in 850 hPa.
Während es im Nordwesten und Norden noch einzelne, meist unergiebige Schauer
geben kann, bleibt es sonst nach Abzug der nächtlichen und nach Osten zu auch
noch vormittäglichen Schauer meist trocken. Im Nordwesten werden die 25 Grad
nicht mehr erreicht, sonst Werte zwischen 25 und 30 Grad.

Am Mittwoch greift nach Lesart des IFS ein in die westliche Höhenströmung
eingebetteter Randtrog auf das Vorhersagegebiet über. Dieser erweist sich als
relativ wenig wetterwirksam, so dass es im Norden und in der Mitte wohl
lediglich für kurze, wenig „ertragreiche“ Schauer (Gewitter wohl eher fraglich)
reicht, zudem sich durch die sich verstärkende KLA ein Hochkeil von der Nordsee
her rasch nach Nordwestdeutschland schiebt.
Die über Süddeutschland schleifende Kaltfront wird mit Trogannäherung dagegen
etwas aktiviert und innerhalb der feuchtlabilen Luftmasse weiter südlich können
sich an den Alpen und im Vorland eventuell etwas kräftigere und verbreiteter
auftretenden Schauer und Gewitter entwickeln.
Die Temperatur in 850 hPa sinkt ganz im Norden auf etwa 3 bis 4 Grad, während
sie an den Alpen bei 15 Grad verharrt. Somit bleibt es in der Südhälfte mit 24
bis 29 Grad sommerlich warm, während an der Nordsee die 20 Grad kaum erreicht
werden. Dazwischen liegen die Höchstwerte zwischen 22 und 27 Grad und vor allem
die Nächte fallen angenehm temperiert aus.

Am Donnerstag schwenkt der Höhentrog über das östliche Mitteleuropa hinweg
ostwärts, gefolgt von einem flachen Höhenrücken, der im Tagesverlauf
Mitteleuropa erfasst und ein Bodenhoch über der Nordsee stützt. Von dort aus
erstreckt sich eine Brücke bis nach Osteuropa und bestimmt das Wetter auch im
Vorhersagegebiet. Lediglich nach Südwest- und Süddeutschland weitet sich von
Frankreich her eine flache Tiefdruckrinne aus.
Die Kaltfront über Süddeutschland löst sich zwar mehr oder weniger auf,
allerdings kann mit Ausweiten der Tiefdruckrinne die labile Warmluft über dem
Süden wieder etwas nach Norden schwappen. Abends steigt die Temperatur auf Werte
zwischen 6 Grad im Norden und 18 Grad in Südbaden. Mit zunehmender
mitteltroposphärischer WLA hält sich aber auch an den Alpen und im Südwesten die
konvektive Aktivität sehr in Grenzen, meist sollte es trocken bleiben. Ansonsten
scheint vor allem in der Mitte und im Süden meist die Sonne, während in die
norddeutsche Tiefebene von Nordwesten her etwas feuchtere Nordseeluft gelangt
und sich gebietsweise mehr Bewölkung herrscht. Am Oberrhein, in Südbaden und
vielleicht auch im Alpenvorland werden die 30 Grad wohl wieder erreicht bzw.
knapp überschritten, ansonsten bleibt es mit 22 bis 28 Grad – an den Küsten 18
bis 21 Grad – angenehm temperiert.

In der erweiterten Mittelfrist verstärkt sich nach Lesart des aktuellen
IFS-Laufes ein zentralsteuerndes Tief bei Island, wobei vorlaufend ein flacher
und breit angelegter Randtrog von West-/Südwesteuropa allmählich Mitteleuropa
unter Konturverlust ostwärts passiert. Dabei bleibt es leicht unbeständig und
meist warm, im Süden und in der Mitte am Freitag vorübergehend auch sehr warm,
eine nennenswert und vor allem flächendeckend auftretende Niederschlagstätigkeit
ist aber wohl genauso wenig zu erwarten wie eine erneute Hitzewelle.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der aktuelle IFS-Lauf erweist sich gegenüber den beiden Vorläufen als sehr
konsistent. Nennenswerte Abweichungen sind keine auszumachen. Bzgl. der
Trogpassage am Montag bzw. der Nacht zum Dienstag ähneln sich die Druck- und
Potenzialfelder sogar im Detail, die Passage des nächsten nennenswerten Troges
am Mittwoch bzw. der Nacht zum Donnerstag wird dann vom gestrigen 12 UTC-Lauf
etwas weniger progressiv und ein wenig wetterwirksamer simuliert als von den
beiden 00 UTC-Läufen. Gleichzeitig soll der auf Skandinavien übergreifende
Höhentrog am Donnerstag weiter nach Süden ausgreifen. Nach diesem Szenario käme
die nur noch mäßig warme Luftmasse über Norddeutschland auch noch bis weit in
die mittleren Landesteile voran und die sehr warme Luftmasse würde bis zu den
Alpen abgedrängt. Selbst für Sommertage würde es dann wohl nur noch südlich des
Mains reichen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Ähnliches gilt für den Modellvergleich: Der grobe Fahrplan steht, im Detail
ergeben sich noch gewisse Diskrepanzen. Diese beginnen mit der Trog- bzw.
Kaltfrontpassage ab Montagabend und in der Nacht zum Dienstag, die nach Lesart
von ICON und GFS etwas weniger progressiv erfolgt als nach IFS und vor allem
UKMO.
Nach Lesart aller Modelle wird die Kaltfront aber vorübergehend bis fast zum
Alpenrand abgedrängt und lediglich an den Alpen bzw. im angrenzenden
Alpenvorland können sich am Dienstag und Mittwoch nochmals einzelne kräftigere
Schauer und Gewitter entwickeln. Die Passage eines weiteren Randtroges am
Mittwoch wird dann vom IFS etwas markanter als von den anderen Modellen,
insbesondere vom UKMO simuliert, neben IFS hat lediglich GFS noch etwas
verbreiteter auftretende (konvektive) Niederschläge ganz im Süden im Programm.
Während am Donnerstag dann weiterhin keine nennenswerten Modellunterschiede
auszumachen sind, bleibt dann zu Beginn der erweiterten Mittelfrist nach GFS
eher noch Hochdruckeinfluss wetterbestimmend, während GEM mit Übergreifen eines
flachen Troges dem IFS ähnelt.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Mittelfrist bietet sowohl im Zeitraum 72 bis 96 Stunden als auch im
nächstfolgenden (120 bis 168 Stunden) lediglich einen Cluster, wobei das Regime
„NAP positiv“ überwiegt. Dabei tragen die Member den kurzen Hitzepeak am
Sonntag/Montag gut mit, was anhand der engen Bündelung der Member der 850 hPa
Temperatur in den Rauchfahnen (in Norddeutschland meist zwischen 12 und 15 Grad,
in der Mitte zwischen 15 und 18 Grad und im Süden/Südwesten zwischen 18 und 22
Grad) deutlich wird.
Der jähe Absturz am Dienstag erfolgt ebenfalls in einem relativ engen Spread;
dieser wird dann zum Mittwoch und Donnerstag hin allerdings vor allem über
Norddeutschland deutlich breiter, was wohl mit den Unsicherheiten zusammenhängt,
wie weit der Höhentrog über Skandinavien nach Süden ausgreifen kann. Für Hamburg
z.B. bewegen sich die 850 hPa-Member am Donnerstag, 00 UTC zwischen 0 und 6
Grad, für München hingegen meist zwischen 12 und 15 Grad, mit nur wenigen
Ausreißern nach unten und nach oben.
Niederschlagssignale haben die Rauchfahnen vor allem von Montagnachmittag
(Westen) bis Dienstag (Osten, Süden) auf der Agenda, danach nur noch sporadisch
und hauptsächlich im Süden. Insgesamt fallen die Niederschläge hauptsächlich
konvektiv und sind entsprechend ungerecht verteilt.

Die erweiterte Mittelfrist (192 bis 240 Stunden) wartet mit 4 Clustern auf.
Allen Clustern gemein ist ein sich immer wieder regenerierender, nach
Mitteleuropa gerichteter Azorenhochkeil, was die persistente positive
Geopotenzialanomalie über dem mittleren Nordatlantik unterstreicht.
Cluster 1 (18 Member) bietet dabei den stabilsten Keil, der auch immer wieder
Verbindung zu einem Hoch über Skandinavien aufnimmt. Cluster 2 (18 Member,
inklusive Hauptlauf) hat ein kräftigeres Islandtief auf der Agenda und folglich
für Mitteleuropa eher eine nördliche Westlage (meist in Form einer
Hochdruckbrücke Mitteleuropa). Cluster 3 (9 Läufe) ähnelt ein wenig Cluster 1,
wobei der Hochkeil nicht ganz so stabil aufgestellt ist und Cluster 4 (6 Member)
simuliert einen kräftigen atlantischen Rücken, wobei sich ein Ableger nach Abzug
eines Höhentroges über Skandinavien nach Mitteleuropa ausweitet, hat also eher
eine antizyklonale Nordwestlage auf der Agenda.

Somit lässt sich also festhalten, dass die Tendenz zu einer eher
niederschlagsarmen Witterung mit meist hochsommerlichen Temperaturwerten im
Süden und oft auch in der Mitte und einem eher gemäßigteren Norden bis in die
erweiterte Mittelfrist andauert. Eine länger anhaltende Hitzewelle ist zwar
glücklicherweise nicht in Sicht, dennoch dürfte die Trockenheit nach wie vor
Probleme bereiten.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

HITZE:

Vor allem am Montag und in erster Linie für den Süden und Osten springt EFI
bzgl. der 2m Temperatur deutlich mit Werten von über 0.8 an. Ein kurzer
Hitzepeak steht somit wohl ins Haus, mehr aber wohl bis in die erweiterte
Mittelfrist nicht mehr, wobei zumindest der Süden übernormal temperiert bleibt.

GEWITTER:

Ab Montagnachmittag bzw. -abend kann es zunächst im Westen und Südwesten,
nachfolgend dann auch in vielen anderen Landesteilen einzelne kräftige Gewitter
entwickeln. Scherung, Labilität und Hebung bieten durchaus auch Potenzial für
schwere Gewitter (Unwetter), dagegen spricht aber die eher marginale Luftmasse
(zu trocken, d.h. zu wenig Cape).
Am Dienstag und Mittwoch beschränkt sich nennenswerte konvektive Aktivität wohl
lediglich auf den Süden des Landes, wobei Potenzial für markante Entwicklungen
vor allem aufgrund von Starkregen besteht und punktuell auch Unwetter nicht
ausgeschlossen sind.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Winninghoff