S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag, den 16.07.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 16.07.2022 um 10.30 UTC

Andauer der Trockenheit. Anfangs extreme Hitze, ab Wochenmitte zumindest im
Norden und in der Mitte leichter Temperaturrückgang.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 23.07.2022

Am Dienstag wird das Wettergeschehen durch einen Höhenkeil geprägt. Dieser wird
von einem Trog flankiert, der auf die Britischen Inseln übergreift. An dessen
Vorderseite gelangt Subtropikluft aus dem südfranzösischen Raum nach
Deutschland. Absinken im Bereich des Keils unterbindet die Entwicklung
wetterrelevanter Bewölkung; zudem erfolgt advektiv eine weitere Erwärmung. Somit
sind im Westen und Süden Maxima deutlich über 35 Grad (und nächtliche
Tiefstwerte um oder über 20 Grad) zu erwarten.
Im Laufe des Mittwochs verlagert sich der wetterbestimmende Keil nach Polen. Im
Osten Deutschlands bringt eine südliche Strömung noch einmal Temperaturmaxima um
oder etwas über 35 Grad zustande. Der nachfolgende Trog greift auf den
Nordwesten Deutschlands über. Die Folge ist im Nordwesten und Westen ein
Temperaturrückgang auf Höchstwerte meist unter 30 Grad. Mit dem Übergreifen des
Troges setzen im Nordwesten und Westen Schauer und Gewitter ein, wobei die
Wahrscheinlichkeit hierfür in Nordseenähe am höchsten ist. Auch aus den Alpen
heraus können sich einzelne starke Gewitter entwickeln. Aufgrund des
atlantischen Charakters der dann einfließenden Luftmasse ist eine
Schwergewitterlage unwahrscheinlich.
Dem Trog folgt am Donnerstag rasch ein breiter Rücken, durch welchen ein
ausgedehntes Bodenhoch mit Schwerpunkt über Schottland gestützt wird. Bedingt
durch die Nähe zur Frontalzone sind im Norden noch ein paar leichte Schauer zu
erwarten. Ansonsten setzt sich bereits wieder antizyklonaler Einfluss durch,
wobei im Süden nach wie vor die 30 Grad-Marke etwas überschritten werden kann.
Absinken im Bereich des sich nach Mitteleuropa und am Samstag nach Polen
verlagernden Rückens sorgt zumindest im Süden für einen erneuten leichten
Temperaturanstieg, so dass sich dann wieder Temperaturmaxima um oder etwas über
35 Grad einstellen.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum setzt nach einer
vorübergehenden, auf einem nördlichen Niveau erfolgenden Zonalisierung erneut
ein breiter Rücken an und wölbt sich über Mitteleuropa auf. Mit dem Einsetzen
einer südwestlichen Strömung wird dann nicht nur im Süden, sondern auch im Osten
und in der Mitte Deutschlands die 25 Grad-Marke deutlich überschritten.
Nennenswerte Niederschläge sind nach wie vor nicht in Sicht.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis einschließlich Donnerstag ist der aktuelle Lauf im Vergleich zu den beiden
gestrigen Modellrechnungen weitgehend konsistent. Am Freitag wird der sich
erneut aufwölbende Rücken von der heutigen Simulation etwas langsamer nach Osten
verlagert. Am Samstag wäre nach den beiden Läufen des Vortages bereits ein auf
Frankreich übergreifender Trog zu erwarten, wogegen der aktuellste Modelllauf
eine leicht mäandrierende südwestliche Strömung zu bieten hat.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum ergeben sich größere
Unterschiede, was die Prognose unsicher werden lässt. Die beiden
Modellrechnungen des Vortages hatten ein abgeschwächte Troglage bzw. eine
Trogrückseite im Programm, was insgesamt ein deutlich niedrigeres
Temperaturniveau (in 850 hPa um mehr als 10 K!) zur Folge hätte.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis einschließlich Donnerstag stützen die verfügbaren Modelle weitgehend die
oben beschriebene Entwicklung. Prognoserelevante Unterschiede lassen sich bis
dahin nicht ableiten.
Am Freitag lässt GFS als einziges Modell auf Frankreich und am Samstag auf
Deutschland einen markanten Trog übergreifen, der bei keinem anderen Modell zu
finden ist. Die Folge wären Dauerniederschläge, die den Osten und Süden
Deutschlands erfassen.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum wäre nach GFS eine
nordwestliche antizyklonale Strömung zu erwarten; Temperaturmaxima über 30 Grad
dürften dann auf den Südwesten Deutschlands beschränkt bleiben. Das Modell des
kanadischen Wetterdienstes hat nach einem vorübergehenden Temperaturanstieg ganz
im Süden auf Maxima um 35 Grad zu Wochenbeginn eine zyklonale Nordwestströmung
mit einer ähnlichen Temperaturverteilung wie beim GFS zu bieten.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Das EPS des GFS deutet zwar auch ab Freitag ein Trogpassage an, die jedoch bei
weitem nicht von allen EPS-Membern gestützt wird. Eine Lage dieses Troges weiter
westlich ist demnach wahrscheinlicher. Ab Wochenbeginn wird gegenüber dem
hauseigenen deterministischen Lauf eine weniger steile Nordwestströmung gezeigt.
Nach dem Höhepunkt der Hitzewelle, der am Dienstag im Westen und am Mittwoch im
Osten zu erwarten ist, zeichnet sich im Norden Deutschlands bei geringem Spread
ein gemäßigtes Temperaturniveau (in 850 hPa zwischen 5 und 10 Grad) ab. Im Süden
ist die Varianz der Einzellösungen deutlich ausgeprägter; eine durchaus größere
Anzahl vom Membern (auch von weiter zurückliegenden Modellläufen) lässt einen
Temperaturrückgang ausbleiben und ist, was die Temperaturen im 850 hPa-Niveau
betrifft, weiterhin bei der 20 Grad-Marke zu finden.
Das EPS des EZMW stützt weitgehend die Version des Hauptlaufes. Eine markante
Trogpassage, wie sie der deterministische Lauf des GFS zeigt, wird von keinem
der Member gezeigt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit (durch 2 Cluster mit 27 Membern
abgebildet) stellt sich zu Beginn der letzten Juliwoche wieder eine südwestliche
Strömung ein. Ein reichliches Drittel der Member deuten eine Zonalisierung an,
wonach dann ein erneuter Temperaturanstieg auf den (äußersten) Süden beschränkt
wäre. Signale für signifikante Niederschlagsereignisse lassen sich nicht finden.
Das Clustering gemäß Großwetterlagen zeigt nur einzelne Member (3, maximal 6 in
der Anzahl), die zyklonal geprägt sind. Antizyklonale Lagen herrschen während
des gesamten Prognosezeitraumes vor. Abgesehen vom äußersten Norden weist das
EPS des EZMW ab dem vorletzten Juliwochenende einen hohen Spread auf. Mit
anderen Worten – nach dem Höhepunkt der Hitzewelle am Dienstag im Westen und
Süden und am Mittwoch im Osten könnte bereits ab dem Wochenende, abgesehen vom
Norden, eine erneute Hitzewelle ins Haus stehen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Dienstag zeichnet sich mit dem Höhepunkt der Hitzewelle im gesamten Westen
und Süden eine starke Wärmebelastung. Sonst sind keine markanten Wettergefahren
zu erwarten.
Am Mittwoch ist die Wärmebelastung im Osten am höchsten. Im Nordwesten und
Westen sind kurze Gewitter zu erwarten, dabei besteht Gefahr stürmischer Böen.
Auch im Südwesten und aus den Alpen heraus entwickeln sich einzelne Gewitter mit
Starkregen und Hagel bzw. Hagelansammlungen; Unwetter sind jedoch nur wenig
wahrscheinlich. Insgesamt sind diese Niederschläge nur örtlich eng begrenzt und
es kommen auch keine größeren Regenmengen zustande. Somit ist von einer Andauer
der Trockenheit auszugehen.

Basis für Mittelfristvorhersage
EPS, anfangs MOS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Thomas Schumann