S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 12.07.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 12.07.2022 um 10.30 UTC

Hochdruckeinfluss und meist ruhiges Sommerwetter. Nächste Woche vorübergehend
heiß.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 19.07.2022

Am Freitag stützt ein Höhenrücken über Südwesteuropa ein Hochdruckgebiet mit
Schwerpunkt bei Irland. Von da aus erstreckt sich ein Keil nach Deutschland, der
mit Absinken das Wetter in großen Landesteilen beeinflusst. Der Norden liegt im
Randbereich zur Frontalzone im Zustrom recht kühler Luftmassen über die Nordsee.
Kurzwellige Tröge und Tiefausläufer sorgen dort zudem für wechselhaftes Wetter.
Ansonsten kann sich die Luftmasse vor allem im Süden bei kräftiger Einstrahlung
tagsüber auf sommerliche 23 bis 28°C erwärmen; dagegen werden ganz im Norden
teilweise sogar die 20°C verfehlt.
Am Samstag zeigt sich das großräumige Strömungsmuster leicht progressiv, der
Langwellenkeil macht etwas Boden nach Osten gut und ein Ableger davon schwenkt
über GB in Richtung Nordsee. Davor läuft aber noch eine Kurzwelle über
Norddeutschland nach Osten ab und erhält den unbeständigen und leicht
unterkühlten Wettercharakter dort aufrecht. Ansonsten sorgt das sich in die
Nordsee verschiebende Bodenhoch für freundliches, teils sonniges Wetter. In der
trockenen Luft steigen die Temperaturen tagsüber auf 23 bis 29°C, die Nächte
werden lüftungsfreundlich frisch.
Am Sonntag liegt der Höhenrücken immer noch südwestlich von uns über Frankreich,
nur ein kurzwelliger Anteil zieht zu uns südostwärts, der auch maßgeblich am
Bodenhoch beteiligt ist, das nunmehr seinen Schwerpunkt über Mitteleuropa hat.
Absinken und Einstrahlung sorgen in weiten Landesteilen für einen
Temperaturanstieg, wirklich heiße Luft ist daran aber nicht beteiligt, weshalb
es auch im Südwesten bei Temperaturen um oder nur wenig über 30°C bleibt. Der
Norden liegt weiter nur am Rand es Hochs, was dort in feuchter Grundschicht mehr
Wolken zulässt und vielleicht leichte Schauer möglich macht. Etwas wärmer wird
es aber auch dort, nur an den Küsten bei auflandigem Wind sind die 20°C wohl das
Limit.
Am Montag verschiebt sich das Bodenhochdruckgebiet langsam über Deutschland nach
Osten, während der Hochkeil in 500 hPa weiter Schwierigkeiten mit der
Progression hat und von der Frontalzone im Norden und dem Trog über Osteuropa
gebremst wird. Von Hochglanzwetter sind wir im Norden noch etwas entfernt. Hier
sind Wolkenfelder möglich, eventuell ein paar Tropfen Regen, ansonsten scheint
aber meist die Sonne und mit der bodennah auf südliche Richtungen drehenden
Strömung setzt der Zustrom sehr warmer bis heißer Luft zu uns ein. In 850 hPa
liegen die Werte abends zwischen 10°C über dem Nordosten und 18°C über dem
Südwesten. In der Südwesthälfte kann damit häufiger die 30°C Marke überschritten
werden, lokal sind im Südwesten an die 35°C möglich.
Am Dienstag zieht ein Höhentief vom Seegebiet westlich der Iberischen Halbinsel
in Richtung GB, was dem Höhenrücken den nötigen Schub verleiht und seine Achse
zu uns nach Deutschland hinein verschiebt. Das Hochdruckgebiet im Bodendruckfeld
entfernt sich nach SE Europa, während sich auf der Vorderseite eines Tiefs bei
Irland der Zustrom der heißen Luft zu uns verstärkt. In immer noch trockener
Luft herrscht Absinken und bei anhaltendem Sonnenschein steigt die Temperatur
auf mehr als 30°C, im Südwesten und Westen sind stellenweise 38 bis 39°C nicht
ausgeschlossen. Ausgenommen davon sind wohl große Teile des Nordens und
Nordostens, wo die heiße Luft nicht Fuß fassen kann und die Temperaturen unter
30°C bleiben und vielleicht auch noch einige Wolken am Start sind. Zum Tagesende
und in der Nacht zum Mittwoch sind im Westen und Südwesten kräftige Gewitter
nicht ganz ausgeschlossen.
In der erweiterten Mittelfrist könnten die Ausläufer des Irlandtiefs der Hitze
meist ein schnelles Ende bereiten, allerdings in Verbindungen mit zum Teil
starken Gewittern. Die Entwicklung wird dann aber auch unsicher.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Lösungen des europäischen Modells sind brauchbar, aber auch von einigen
Unschärfen begleitet. Die Verlagerung des Hochs über Deutschland nach Osten wird
mit einigen Abweichungen simuliert, im aktuellen Lauf langsamer als zuletzt.
Dies hat Auswirkungen auf die Entwicklung im Norden, wo es zunächst
wechselhafter bleibt, und die Ausbreitung der heißen Luft von Südwesten her zu
uns. Ohnehin könnte die Hitze nur ein Intermezzo darstellen, da sie im Übergang
zur erweiterten Mittelftrist schnell von der Kaltfront des Tiefs über Westeuropa
beendet werden könnte. Lediglich im Süden, wo die Kaltfront ins Schleifen gerät,
wäre eine „echte Hitzewelle“ mit mehrtägig extremen Temperaturen möglich.
Zugegebenermaßen ist das alles aber noch Spekulation.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Dieselben Probleme haben auch die anderen Globalmodelle, die zunächst den Norden
und Osten mal mehr, mal weniger frontal beeinflusst sehen und dann den
Höhenrücken nebst Bodenhoch abweichend simulieren. Gerade GFS, mit Abstrichen
aber auch UKMO haben den blockierenden Trog im Osten stärker auf der Karte, was
letztlich bedeutet, dass die heiße Luft verzögert und eventuell auch nur kurz zu
uns gelangen kann.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Anhand der Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte stützen die Ensembles die
Aussagen des Hauptlaufs. Haupt- und Kontrolllauf liegen eingebettet in den
Ensemblekurven, wobei der Spread vor allem in der nächsten Woche erwartungsgemäß
größer wird. Besonders bei den Temperaturen zeigt sich ein markanter
Aufwärtstrend hin zu einer kurzen, knackigen Hitzewelle, die am nächsten
Dienstag in Höhenpunkt haben soll. Die Werte könnten aus Sicht der Ensembles bei
20 bis 24°C in 850 hPa über der Südwesthälfte liegen, einzelne Werte in 2m Höhe
nahe 40°C sind also durchaus drin. Danach folgt eine Abkühlung mit
Niederschlagssignalen. Diese sehen aber sehr verhalten aus und die Dürre könnte
in weiten Landesteilen unvermindert weitergehen.
Im Zeitraum bis +168h werden 3 Cluster gebildet mit dem Hauptlauf in Cluster 1,
20 Member. Die beiden anderen Cluster bringen es zusammen auf 31 Member und
zeigen den Osteuropatrog stärker und lassen den Höhenrücken verzögert nach Osten
vorankommen, was den operationellen Lösungen von GFS und UKMO ähnelt.
Entsprechend verbleiben aus dieser Sicht Fragezeichen, in welchem Tempo und Maße
sich die heiße Luft bei uns breitmacht.
In der erweiterten Mittelfrist gibt es nur ein Cluster, das einen Trog auf
Mitteleuropa übergreifen lässt und den Höhenrücken bei uns zumindest
vorübergehend abbaut. Demnach wäre es dann vorübergehend wechselhafter und
weniger warm oder heiß. Wie nachhaltig das ist, bleibt abzuwarten. Die
Niederschlagssignale in den Ensembles wirken jedenfalls nicht ermutigend und
deuten auf weiter eher trockene Verhältnisse und anhaltende Dürre.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Signifikant könnte vor allem die Hitze zum Ende der Mittelfrist werden, hier
nähert sich im EFI am Montag die starke positive Temperaturanomalie von
Frankreich her. Aus den vorgenannten Gründen bleiben da aber noch ein paar
Fragezeichen. Zuvor gibt es Windsignale an den Küsten mit negativen
Temperaturabweichungen.
Darüber hinaus ist zunächst nichts Markantes im Programm, mögliche Gewitter ganz
am Ende sind arg spekulativ.
Eigentlich markant ist, was wohl eher nicht passiert, nämlich mal wieder
ausgiebig regnen.

Basis für Mittelfristvorhersage
MosMix, IFS und EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner