S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Montag, den 11.07.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 11.07.2022 um 10.30 UTC

Aus Süden setzt sich zunehmend heiße Luft durch, im Norden und Osten ist die
Temperatur gedämpfter. Dabei sind die gebietsweise fallenden Niederschläge viel
zu selten und insgesamt zu wenig.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 18.07.2022

Am Donnerstag liegt Deutschland auf der Vorderseite eines Hochdruckgebietes mit
Zentrum knapp westlich der Britischen Inseln im Zustrom kühler Luft aus Norden.
Die heiße Luft im Süden wird zurückgedrängt, zwischen beiden Luftmassen (6 Grad
in 850 hPa im Norden und 18 Grad im Süden) liegt eine Kaltfront, die hier und da
für schwache Schauer sorgt. Im Norden des Landes schwenkt ein kleiner Randtrog
ausgehend vom Tiefdruckkomplex über Skandinavien durch. Er sorgt für Hebung und
leichten Regen oder kurze Schauer in den nördlichen Landesteilen. Allerdings
sind die Mengen gering.

Wenn die Luftmassengrenze am Freitag die Alpen erreicht, beginnt sie dort etwas
zu schleifen und es entstehen einzelne Gewitter, die aufgrund der geringen
Zuggeschwindigkeit und ppw um 20 l/qm von Starkregen begleitet sein können. Bei
moderater Scherung ist auch kleiner Hagel möglich. Die Kaltfront beendet vorerst
die Hitze, vor allem nachts ist wieder durchatmen angesagt. Der Norden wird
indes von einem weiteren Randtrog heimgesucht, der abermals für leichten Regen
sorgt.

Das sich allmählich von den Britischen Inseln nach Mitteleuropa aufmachende
Hochdruckgebiet verdrängt am Samstag die Frontalzone im Süden südwärts und den
Trog im Norden ostwärts. Übrig bleibt großflächiges Absinken bei 4 (Norden) bis
10 Grad (Süden) in 850 hPa. Zudem schleift eine schwache Warmfront den Norden
des Landes. Dabei kann erneut geringfügiger Regen fallen. Der Süden bleibt
voraussichtlich niederschlagsfrei.

Das zum Balkan abziehende Hoch lenkt auf seiner Rückseite am Sonntag zunehmend
heiße Luft nach Deutschland, auch an den Küsten werden sommerliche
Temperaturwerte erreicht. Am Sonntagabend liegen im Norden bereits 12 Grad in
850 hPa, im Südwesten klopft die 20-Grad-Grenze an. Die Warmfront sorgt im
Norden für Wolken und gelegentlich ein paar Tropfen, im Süden ist es nur heiß
und sonnig.

Zum Montag entwickelt sich am Boden eine Tiefdruckrinne, ausgehend vom Komplex
über Skandinavien. Da die Rinne aber in den Keil läuft, ist eine Auswirkung auf
das Wetter gering. In der Südwesthälfte liegt die Temperatur in 850 hPa bei 17
bis 23 Grad, in der Nordosthälfte zwischen 12 und 17 Grad. Es ist also überall
hochsommerlich warm, vor allem im Süden und Südwesten knallt zudem die Sonne vom
meist wolkenlosen Himmel. Mit etwas Glück bilden sich am Nachmittag im Bergland
einzelne Hitzegewitter, sonst ist Abkühlung fern.

In der erweiterten Mittelfrist zieht ein weiteres Hoch von den Britischen Inseln
nach Mitteleuropa. Es bringt nur vorübergehend kühlere Luft aus Nordwesten ins
Land. Auf der Rückseite des Hochs und zeitgleich Vorderseite eines Tiefs über
England fließt am Mittwoch wieder heiße Luft nach. Möglicherweise bringt das
Tief oder ein Ableger zum Mittwochnachmittag etwas mehr Schauer und Gewitter,
aber das ist derzeit sehr unsicher.

Fazit: Es wird zeitweise heiß, vor allem im Süden und Westen. Im Norden und
Osten bleibt man von der großen Hitze verschont. Insgesamt regnet es viel zu
wenig und zu selten.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der aktuelle IFS Lauf bietet schon zu Beginn der Mittelfrist Abweichungen zum
gestrigen 0 UTC Lauf. Der Randtrog am Donnerstag ist nun deutlicher ausgeprägt,
die Kaltfront schleift länger und die Erwärmung zum Wochenende scheint
ausgebremst. Auch zu Beginn der neuen Woche liegt nun deutlich weniger heiße
Luft über Deutschland. GFS geht weitestgehend mit. ICON hat eine schnellere
Erwärmung am Wochenende drin, allerdings bleibt auch hier die große Hitze aus.
Für die Nordhälfte Deutschlands bedeutet dies vielleicht etwas mehr Regen als
gestern noch angedacht, wenn auch bei Weitem nicht ausreichend. In der Südhälfte
bleibt die prognostizierte Trockenheit erhalten.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

In der Grundsache sprechen die Modelle eine Sprache: Es wird heiß, vor allem im
Süden und Westen. Dabei gibt es Unterschiede im Timing. Auch die Niederschläge
im Norden unterliegen zeitlichen und räumlichen Variationen, allerdings ist das
bei der Geringfügigkeit vernachlässigbar. Einigkeit besteht in der großen
Trockenheit im Süden. Eine Hitzewelle zum Wochenende beziehungsweise zu Beginn
der kommenden Woche scheint gesichert. Lediglich die Höhe der Temperatur ist
noch nicht ganz klar.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die IFS Clusteranalyse liefert in den ersten beiden Zeitschritten je 4 Cluster,
die für Mitteleuropa und Deutschland nur wenige Unterschiede bereithalten:
Zunahme des Geopotentials aus Südwesten, im Nordosten Randlage zum tieferen
Potential über Skandinavien bzw. Nordosteuropa. In der Hauptsache entspricht das
dem atlantischen Rücken und Sonntag/Montag Blocking.
Im ersten Zeitschritt liegen Haupt- und Kontrolllauf noch in verschiedenen
Clustern (3 und 1), später sind sie im selben Cluster.
Der erweiterte Mittelfristcluster ist ein Mono-Cluster der von atlantischem
Rücken (Dienstag) zu NAO-positiv (Mittwoch) und schließlich Blocking
(Donnerstag) schwenkt. Das stützt die obige Aussage eines Tiefs und potentieller
Gewitter am Mittwoch und Donnerstag.

Bis Samstag sind die Rauchfahnen bei IFS schmal. Die Niederschlagsausschläge
werden, je weiter südlich man schaut, geringer. Nur in den nördlichen Regionen
sind geringe Mengen wahrscheinlich. Deckt sich mit der Beobachtung der aus dem
Modell. Ab Sonntag wird der Spread vor allem in der Temperatur groß. Dabei
liegen Haupt- und Kontrolllauf mehr oder weniger im Mittel der Ensembles.
Gestern befanden sich diese bisweilen am oberen Ende. Dies kann man als Zeichen
für weniger große Hitze nehmen.
Für die erweiterte Mittelfrist ist der Spread hoch, aber das ist er ja meistens.
Es lässt sich vom Südwesten her ab Mittwoch sowohl in der Temperatur als auch im
Geopotential ein Abwärtstrend erkennen. Am Donnerstag ist dieser auch im
Nordosten der Republik zu erahnen. Zeitgleich schlägt der Niederschlag deutlich
positiv aus. Die Hoffnung auf etwas Regen zur Wochenmitte nächster Woche darf
also steigen.

Während IFS mit Haupt- und Kontrolllauf auf die Temperaturensembles zu reagieren
scheint, hält GFS im operationellen Lauf an der „Maximalitis“ fest. Der Lauf
liegt am Wochenende und zu Beginn der neuen Woche am oberen Ende der Ensembles,
wenn sich auch insgesamt die Temperatur etwas reduziert hat.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI springt vor allem im Süden und Westen des Landes an und prognostiziert
nahezu über den gesamten Mittelfristzeitraum ungewöhnlich hohe Temperaturwerte.

Am Freitag sind an den Alpen starke Gewitter gering wahrscheinlich. Sonst ist es
eher trocken oder es fällt nur sehr geringfügig Regen (Norden), wenn man davon
absieht treten keine signifikanten Wettererscheinungen auf.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn