#SXEU31 #DWAV #091800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 09.07.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 091800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 09.07.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Meist nur mäßig warmes und wolkenreiches Sommerwetter ohne markante
Wettergefahren und mit nur wenig Niederschlag.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … befinden sich große Teile des Landes in einer strammen
nordnordwestlichen Höhenströmung (siehe 300 und 500 hPa). Damit wird ein Schwall
feuchter Meereskaltluft nach Deutschland geführt. So kommt die 5 Grad Isotherme
in 850 hPa im Laufe der Nacht über die Mitte des Landes bis in den Süden voran.
Über der nördlichen Mitte liegen die Werte am Sonntagmorgen oft unter 2 Grad,
während an den Alpen noch die 10 Grad- Isotherme zu finden ist.

Der Luftmassenwechsel vollzieht sich derzeit mit dem Durchzug einer Trogstaffel,
die mit zahlreichen Schauern gespickt ist. Vereinzelt gibt es im Osten auch
kurze Gewitter. Diese sollten aber spätestens nach Sonnenuntergang, wenn die
Grenzschicht einen kalten Fuß bekommt, der Vergangenheit angehören.

Rückseitig der Trogstaffel sorgt kräftige Kaltluftadvektion für eine rasche
Stabilisierung. Schauer gibt es dann kaum noch und die Taupunkte gehen zum Teil
in den einstelligen Bereich zurück. Es findet also eine deutliche Abtrocknung
statt.

In den Nachtstunden lässt die Schaueraktivität bald nach. Am ehesten kann es in
Verbindung mit dem warmen Wasser noch ein paar schwache Schauer im Umfeld von
Nord- und Ostsee geben. Auch im Stau der Mittelgebirge gibt es mit der
nordwestlichen Anströmungsrichtung ein paar Schauer. An den Alpen kann es noch
längere Zeit regnen, wobei die Schneefallgrenze bis zum Morgen allmählich
absinkt. So kann es in den Morgenstunden auf der Zugspitze etwas schneien.

Der böige Wind kommt tagesgangbedingt allmählich zum Erliegen. Nur in höheren
Lagen und an der See ist er weiterhin zeitweise stark. Auf den Nordfriesen sowie
von der Kieler Bucht bis nach Fehmarn kann es auch einzelne stürmische Böen
geben.

Die Tiefstwerte sinken auf 16 Grad am Oberrhein und bis 7 Grad im zentralen
Mittelgebirgsraum.

Sonntag … bleibt die nordnordwestliche Höhenströmung bestehen, sodass auch der
Zustrom von Meereskaltluft über die Nordsee erhalten bleibt. Ausgehend von den
Britischen Inseln verstärkt sich aber der Hochdruckeinfluss und die Luftmasse
ist den Lapse Rates folgend sehr stabil geschichtet.

Etwa bei 800 hPa lässt sich eine schwache Absinkinversion finden. Darunter ist
die Schicht bis etwa 900 hPa hinab teils gesättigt. Insbesondere im westlichen
Niedersachsens, NRW und bis in nordhessische Bergland gibt es nur wenig Sonne.
Aber auch sonst dominieren über der nördlichen Mitte häufig dichte Wolken.
Gerade im nordnordwestlichen Anstau der zentralen Mittelgebirge sind einzelne
kurze Schauer möglich.
Freundlicher mit mehr Sonne ist es im Umfeld der Ostsee. Dort profitiert man
sicher auch vom Skandilee. Gut möglich, dass sich ein freundlicher Streifen auch
noch weiter südwärts bis ins westliche Brandenburg oder Leipziger Land
erstreckt.

Ganz im Osten, an der Grenz zu Polen kann es im Tagesverlauf nochmal zu
einzelnen Schauern kommen. Dort liegt am nächsten am Trog, der vor allem
Osteuropa fest im Griff hat.

An den Alpen simulieren die externen Modelle weiterhin anhaltend Niederschläge,
die aber eher leichter Natur sind und am Nachmittag dann endgültig aufhören. Die
deutsche Modellkette lässt diese auch schon eher enden. Die Schneefallgrenze
liegt etwa bei 2500 m.

Am freundlichsten gestaltet sich der Tag im Südwesten des Landes, wo man am
stärksten vom Hochdruckeinfluss profitieren kann und wo man am weitesten vom
Osteuropatrog entfernt liegt. Die Sonne scheint länger Zeit vor allem im
Baden-Württemberg, dem Saarland und bis zum Pfälzer Wald.

Zu erwähnen wäre noch der Wind. Dieser weht vornehmlich im Küstenbereich sowie
in einem Streifen von der Elbmündung und dem westlichen Niedersachsen bis nach
Sachsen-Anhalt und das nördliche Thüringen zeitweise stark böig.

Die Maxima bewegen sich im kühlen Bereich zwischen 17 und 22 Grad. Nur im
Südwesten gibt es mit Sonnenunterstützung auch mal 22 bis 25 Grad und bis 27
Grad entlang des Oberrheins.

Zum Abend greift auf den Nordwesten eine schwache Störung über. In die
nordnordwestliche Höhenströmung ist ein kurzwelliger Anteil eingelagert, der
sich vor allem in 300 hPa zeigt und im Laufe der Nacht südwärts abläuft.

Am Südrand der Warmfront eines Tiefs bei Island kann sich in der Folge eine
schwache Warmfrontwelle bilden, die sich nicht nur im Theta-Feld zeigt, sondern
sich auch gut in der F700 hPa Feuchte mit einem Maximum wiederfindet. Die
spezifische Feuchte steigt über 9 g/kg und die ppw-Werte gehen auf Werte um 30
mm nach oben.

Die mit der Welle in Verbindung stehenden dichten Wolkenfelder greifen von
Nordwest nach Südost über das Land aus und bringen gebietsweise auch ein wenig
Regen. Am zurückhaltendsten ist dabei erneut die deutsche Modellkette, während
das ECWMF oder UK10 auch mal um 5 Liter Regen im Stau der Mittelgebirge
simuliert.

Der Wind ist nicht mehr warnwürdig und die Minima bewegen sich zwischen 16 und 7
Grad.

Montag … schwächt sich der Trogeinfluss ab, die nun fast nördliche
Höhenströmung und damit der Zustrom kühler Luftmassen bleiben aber bestehen. In
einem breiten Streifen von der Nordsee und BeNeLux über die Mitte bis in den
Südosten des Landes ist die Luft ziemlich feucht, wie sich gut in den erhöhten
Werten der spezifischen Feuchte erkennen lässt. Der Großteil der Feuchte
konzentriert sich auf den Bereich unterhalb der Absinkinversion (~ 800 hPa), mit
einer deutlichen Abtrocknung darüber.

Die Folge ist wolkenreiches Wetter. Aus der dichten Wolkendecke kann hier und da
auch etwas Regen fallen. Das gilt vornehmlich für die erste Tageshälfte, die
noch vom Durchzug des kurzwelligen Anteils geprägt ist.

Auch ganz im Osten, an der Grenze zu Polen besteht nochmal ein erhöhtes
Schauerrisiko. Eine weitere kurzwellige Störung am Westrand des Höhentiefs
(Grenzbereich Polen, Ukraine, Weißrussland) erhöht dort vorübergehend das
Schauerrisiko.

In zwei Regionen in Deutschland verläuft der Tag freundlich mit häufigem
Sonnenschein. Zum einen erneut im Südwesten Deutschlands. Dort wird es mit 24
bis 29 Grad (Oberrhein) auch deutlich am wärmsten. Und dann ist da noch der
Nordosten, der vom Skandilee profitiert. Ein Streifen mit viel Sonne erstreckt
sich von Ostholstein und MeckPomm bis ins östliche Niedersachsen, Sachsen-Anhalt
und teils auch bis ins Altenburger Land. Die Maxima liegen zwischen 20 und 25
Grad, an der Nordsee werden oft nur Werte unter der 20 Grad Marke erwartet.

In der Nacht auf Dienstag ist es häufig trocken und gebietsweise zeigen sich
größere Wolkenauflockerungen. Es bleibt aber weiterhin ein Streifen mit
dichteren Wolkenfeldern. Dessen genaue Lage wird von den verschiedenen
Wettermodellen unterschiedlich prognostiziert. Relativ sicher ist ein bedeckter
Nordwesten wo sich ausgehend von der Nordsee tiefe Wolken bis ins Landesinnere
erstrecken.

Die Tiefstwerte liegen je nach Bedeckung und Lage zwischen 16 und 7 Grad. An den
Küsten bleibt es bei auflandigem Wind recht mild.

Dienstag … verabschiedet sich das Höhentief weiter nach Osten, dessen Zentrum
am Abend zwischen Weißrussland und Westrussland zu finden ist. Damit kann ein
kräftiger westeuropäischer Rücken seinen Einfluss auf Deutschland ausweiten.
Allerdings ist dieser nach Norden hin etwas abgeflacht, sodass sich dort leichte
Aufgleitprozesse in Form von hohen und mittelhohen Wolken bemerkbar machen. Vor
allem im Nordwesten können diese auch dichter sein und die Sonnenscheindauer
deutlich reduzieren. Es sollte aber zumeist trocken bleiben.

Im Rest des Landes bilden sich nach vielfach sonnigem Start im Tagesverlauf
einige Schönwetterwolken. Ausgenommen ist der Südwesten, wo die Sonne nahezu
ganztags ohne Unterbrechung scheint.

Die Maxima liegen im Norden bei 22 bis 25 Grad, auf den Inseln auch darunter.
Sonst werden 24 bis 29 Grad, im Südwesten auch bis 31 Grad erwartet. Warnungen
stehen keine auf dem Programm.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle sind in guter Übereinstimmung, was die kurzfristige Entwicklung der
Großwetterlage betrifft. Kleine Unterschiede im Detail wurden im Haupttext
angesprochen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Marcus Beyer