S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag, den 09.07.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 09.07.2022 um 10.30 UTC

Sommerlicher Hochdruckeinfluss.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 16.07.2022

Zu beginn der Mittelfrist, am Dienstag befindet sich Mitteleuropa zwischen einem
hochreichenden Höhentiefkomplexes über Osteuropa und einem nach Nordosten
ausgreifenden atlantischen Hochs. Vor der Westküste Portugals befindet sich ein
umfangreiches und hochreichendes Höhentief, das an seiner Vorderseite relativ
warme bzw. heiße Luftmassen von Nordwestaftrika langsam nordwärts Richtung
Frankreich advehiert. Auch wenn die Luftmassengrenze recht weit nördlich
angesiedelt ist, sorgen schwache Tiefausläufer eines Tiefkomplexes über dem
europäischen Nordmeer zu leichten Hebungsprozessen bzw. auf dessen Rückseite
werden kühlere Luftmassen südwärts geführt. Unklar ist, wie weit die Frontalzone
nach Süden vorstoßen kann, da der atlantische Höhenkeil ein rasches
Fortschreiten blockiert bzw. auch Niederschläge unterdrückt.

Am Mittwoch trogt das Höhentief über Osteuropa in Richtung Südosteuropa aus.
Wobei sich eine Art südwestliche Omegalage einstellt. Über Südwesteuropa und
Südeuropa wölbt sich ein Höhenkeil in Richtung Ostsee auf, während westlich von
Portugal und über Griechenland jeweils ein Höhentief bzw. ein Trog zu finden
ist. Über Mitteleuropa bleibt zwar der bodennahe Hochdruckeinfluss erhalten,
jedoch kann der Randtrog des nordeuropäischen Tiefs inklusive der Frontalzone
etwas weiter nach Südosten, sprich auf Norddeutschland übergreifen.
Ausgangs der Nacht zu Donnerstag soll die Frontalzone bereits über der Mitte von
Deutschland liegen. Neben ein paar Tropfen werden vor allem etwas kühlere und
trockenere Luftmassen nach Deutschland geführt (zwischen 5 und 10 Grad in 850
hPa). Hinter der Frontalzone kann sich das atlantische Hoch wieder stärken. Die
Luftmassengrenze wird aber von dem südeuropäischem Höhenkeil nach Süden hin
blockiert und bleibt auch am Donnerstag etwa über der Mitte liegen. Der Randtrog
kann derweil in Richtung Polen abziehen. Dabei entsteht ein recht kräftiger
Temperaturgradient über Deutschland. Während an der Nordseeküste 850 hPa
Temperaturen um 5 Grad zu finden sind, gehen die 850 hPa Temperaturen am
Alpenrand bis auf 20 Grad hoch.

In der Nacht zu Freitag nähert sich an der Frontalzone südlich von Grönland ein
weiterer kleinerer Randtrog. Dieser interagiert leicht mit dem Höhentief vor der
iberischen Halbinsel, wobei sich der Höhenrücken auf dessen Vorderseite nun bis
zur Nordsee aufwölbt. Das Zentrum des nun hochreichenden Hochs über Mitteleuropa
verlagert sich am Freitag langsam etwas nach Osten, so das an dessen Westflanke
die warmen Luftmassen aus Spanien angezapft werden können und nach
Südwestdeutschland strömen. Aber auch im Norden von Deutschland bleibt die
Luftmasse zwar trocken, erwärmt sich aber zunehmend auf Werte zwischen 10 und 15
Grad in 850 hPa.
Die zu Wellen neigende atlantische Frontalzone befindet sich auf einer Linie
Schottland – Skagerrak. Gleichzeitig verlagert sich das Höhentief westlich von
Portugal etwas weiter nach Norden, in Richtung Biskaya.

Am Samstag ändert sich die Großwetterlage nur wenig. Mitteleuropa bleibt im
Einflussbereich des hochreichenden Hochs, wobei an dessen Westflanke bzw. an der
Ostflanke des Höhentiefs über der Biskya 850 hPa Temperaturen um und teils über
20 Grad in der Südwesthälfte von Deutschland einströmen.

Am Sonntag und Montag soll sich zum einen der Hochdruckeinfluss weiter halten,
aber gleichzeitig soll die warme bzw. heiße Luftmasse mit 850 hPa Temperaten von
20 Grad und mehr auf fast ganz Deutschland übergreifen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des IFS ist recht gut. Den zunehmenden Hochdruckeinfluss ab
Montag ist auch in den Vorläufen und in anderen Globalmodellen zu finden.
Gewisse Unsicherheiten gibt es noch in der Temperaturvorhersage, da ausgehend
von einem Höhentief westlich von Portugal die Warmluftzufuhr nach Nordosten
immer etwas anders simuliert wird. Es wird ab Anfang der Woche allmählich wieder
wärmer werden, wie stark die Erwärmung ausfällt ist wie oben erwähnt noch
unsicher. Signifikante Niederschläge oder Windentwicklungen sind aber nicht zu
erwarten

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Im Gro simulieren die verschiedenen Globalmodelle alle ein ähnliches Szenario,
jedoch wo sich die Luftmassengrenze ab Donnerstag über Deutschland befindet ist
noch unsicher, insgesamt scheint der operationelle Lauf von GFS etwas wärmer als
IFS zu sein.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Bis Mittwoch nächster Woche ist der Spread der Rauchfahnen recht eng. Danach
öffnet sich der Spread recht stark. Bis zum kommenden Wochenende liegt der
operationelle Lauf etwa in der Mitte der Verteilung, ab der erweiterten
Mittelfrist befindet er sich deutlich am warmen Rand der Verteilung. Ob die
Hitzewelle wirklich bestand hat, ist demzufolge noch sehr unsicher. Auch der
operationelle GFS-Lauf ist im Ensemble ab dem kommenden Wochenende am warmen
Rand der Verteilung zu finden.

In der Clusteranalyse des ECMWFs gibt es im Zeitbereich 120 bis 168 h 5
verschiedene Cluster. Der Operationelle und der Kontrolllauf befinden sich mit
insgesamt 9 Membern in Cluster 4. Den Hochdruckeinfluss über Süd- bzw.
Südwesteuropa ist in allen Clustern zu finden, jedoch wird die Frontalzone und
der Tiefdruckkomplex über dem europäischen Nordmeer jeweils etwas anders
dargestellt. Auch bei dem Trog über Ost- bzw. Südosteuropa gibt es einige
kleinere Varianzen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Mit Ausnahme der steigenden Wärmebelastung am kommenden Wochenende gibt es keine
Signale für warnwürdige Wetterelemente.

Jedoch wird es mit den teils anhaltenden warmen Temperaturen und der
gebietsweisen Dürre einen teils stark erhöhten Waldbrandgefahrenindex für weite
Teile von Deutschland geben.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher