S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 06.07.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 06.07.2022 um 10.30 UTC

Unter Hochdruckeinfluss recht ruhiges Wetter, im Nordosten/Osten etwas
wechselhafter, insgesamt wenig Niederschlag bei gemäßigten Temperaturen.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 13.07.2022

Zu Beginn der Mittelfrist streift den Norden ein Randtrog samt
korrespondierendem Bodentief über Skandinavien und dessen teilokkludiertem
Frontensystem. Damit überwiegt im Norden und Nordosten dichte Bewölkung und es
regnet zeitweilig etwas. Der Randtrog wird in der Folge in den Langwellentrog
über Osteuropa, der sich nach Süden bis zum Balkan erstreckt, integriert. Die
Strömung dreht auf Nord und bei einem zunehmenden Gradienten auf der Rückseite
des von Skandinavien zum Baltikum ziehenden Tiefs lebt der Nord- bis
Nordwestwind im Norden auf, insbesondere an den Küsten muss dann mit starken,
teils stürmischen Böen gerechnet werden. Die Hebungsimpulse im Zusammenhang mit
dem Randtrog können eventuell im östlichen Bergland (Erzgebirge, vielleicht
Bayerischer Wald und östliche Alpen) einzelne Gewitter auslösen, markante
Wettererscheinungen wie Starkregen sind aber eher unwahrscheinlich. Im Rest des
Landes überwiegt leichter Hochdruckeinfluss, die Sonne kann gebietsweise
scheinen und es bleibt weitgehend trocken.

Im weiteren Verlauf der Mittelfrist liegt Deutschland im Übergangsbereich
zwischen dem sich noch etwas aufwölbenden Höhenkeil über Westeuropa, der sich
von der Iberischen Halbinsel nord-/nordostwärts erstreckt, und dem Trog über dem
östlichen Mitteleuropa/Osteuropa, der nach Süden bis ins zentrale Mittelmeer
gerichtet ist. In diesem Übergangsbereich können kurzwellige
Troganteile/Randtröge für Hebung und vor allem wohl über den östlichen
Landesteilen damit zeitweise für etwas Regen sorgen. Nach Westen/Südwesten hin
überwiegt eher der Hochdruckeinfluss und es bleibt meist trocken. Insgesamt
werden im gesamten Mittelfristzeitraum aber auch im Osten in der Fläche keine
größeren Regenmengen erwartet.
Und auch in der erweiterten Mittelfrist bleiben die Luftdruckgegensätze gering
mit etwas zyklonalerem Einfluss im Norden/Nordosten und eher antizyklonal
geprägt im Westen/Südwesten.

Im Mittelfristzeitraum herrscht zunächst ein gemäßigtes Temperaturniveau mit
Temperaturen in 850 hPa meist zwischen 5 und 10 Grad, das ab Beginn der
kommenden Woche von Südwesten aber allmählich ansteigt und zur Wochenmitte
zunächst im Südwesten wieder heiße Tage über 30 Grad wahrscheinlich werden
lässt. Die 850 hPa-Temperaturen liegen dann meist zwischen 11 Grad im Nordosten
und bis 16 Grad im Südwesten. Im weiteren Wochenverlauf deutet sich von
Südwesten die Zufuhr noch wärmerer/heißerer Luftmassen an.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz der vorliegenden IFS-Läufe ist insgesamt nicht schlecht.
Allerdings befindet sich Deutschland im Mittelfristzeitraum von der Höhe
betrachtet im Grenzbereich zwischen einem Keil über Westeuropa und einem
Langwellentrog über dem östlichen Mitteleuropa/Osteuropa, daher ist anzunehmen,
dass wie so oft kurzwellige Troganteile/Randtröge das Wettergeschehen wesentlich
beeinflussen können. Und genau diese Kurzwellenanteile werden ab Beginn der
kommenden Woche von den Modellläufen sowohl im zeitlichen Verlauf als auch in
Bezug auf deren Einfluss auf Deutschland etwas unterschiedlich prognostiziert.
Hinsichtlich des Temperaturniveaus sind sich die Modellläufe zwar einig, dass
die Strömung mit der Aufwölbung des Keils über Westeuropa im Laufe der
Mittelfrist mehr auf südlich Richtungen dreht und allmählich wieder wärmere und
in der erweiterten Mittelfrist ab der Mitte kommender Woche auch wieder heiße
Luft nach Deutschland transportiert wird – hinsichtlich des zeitlichen Ablaufes
bleiben aber noch erhebliche Unsicherheiten.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die Betrachtung anderer Globalmodelle wie ICON und GFS zeigt in der
Grundstruktur eine sehr ähnliche Wetterentwicklung wie das IFS und auch hier
zeigen sich kleinere Unterschiede in Amplitude und Phase möglicher Randtröge.
Man ist sich im Prinzip einig, dass die östlichen Landesteile etwas zyklonaler
beeinflusst sind und damit mit etwas wechselhafterem Wetter rechnen müssen. Nach
Westen/Südwesten hin überwiegt auch bei ICON und GFS der Hochdruckeinfluss.
Größere Unterschiede zeigen sich erst beim Übergang zur erweiterten Mittelfrist
am kommenden Mittwoch, wo GFS deutlich zyklonaler aufgestellt und auch deutlich
zurückhaltender hinsichtlich der weiteren Erwärmung von Südwesten im Verlauf der
kommenden Woche ist.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Nachdem sich die Clusteranalyse im ersten Zeitraum von Samstag 00 UTC bis
Sonntag 00 UTC (+72 bis +96 h) auf einen Cluster beschränkt, werden im
Folgezeitraum von Montag 00 UTC bis Mittwoch 00 UTC (+120 bis +168 h) drei
Cluster mit 21 und jeweils 15 Membern angeboten, die ebenfalls dem Regime
Blocking über Westeuropa zugeordnet werden. Unterschiede ergeben sich hier in
der Ausgestaltung der Trog-Keil-Struktur mit mehr oder weniger weit nach Norden
ausgreifendem Keil bzw. mehr oder weniger weit ins mittlere Europa reichendem
Einfluss des Langwellentroges im Norden. Dies hätte durchaus auch
Prognoserelevanz für unseren Vorhersagbereich. Ein Blick in die erweiterte
Mittelfrist zeigt die noch sehr großen Unsicherheiten. Es werden zwar „nur“ drei
Cluster angeboten, die sich allerdings erheblich unterscheiden: dabei nimmt
Cluster eins mit 22 Membern und inklusive Haupt- und Kontrolllauf eine mittlere
Position zwischen den anderen beiden Clustern ein, Cluster zwei (19 Member)
zeigt einen zunehmend zyklonalen Einfluss der umfangreichen Troges im Norden auf
große Teile Deutschlands (ähnlich GFS) und gäbe dem Vorstoß der heißen Luft von
Südwesten keine Chance. Cluster drei mit 10 Membern hingegen lässt den
westeuropäischen Keil noch weiter nach Osten ausdehnen/vorankommen, die Strömung
weiter auf Südwest drehen. Deutschland läge demnach im Zustrom sehr warmer
Luftmassen und dies bei weitgehend antizyklonal geprägtem Wetter mit wohl viel
Sonnenschein – also eine sehr sommerliche und wohl auch hitzeträchtige Lösung.

Die Rauchfahnen einiger deutscher Städte zeigen relativ wenig
Niederschlagssignale und bestätigen damit die Erwartung, dass trotz leicht
wechselhafter Witterung vor allem in den nordöstlichen Landesteilen insgesamt
nur wenig Regen zu erwarten ist. Die Temperaturen steigen bei mäßigem Spread vor
allem im Südwesten und Süden ab Beginn der kommenden Woche stetig an, etwas
unsicherer wird der Temperaturanstieg im Norden. Zwar steigt auch hier das
Temperaturniveau ab Wochenbeginn an, allerdings flacht dieser Anstieg ab
Wochenmitte deutlich ab und dies bei deutlich zunehmendem Spread.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Insgesamt steht ein recht warnarmer, ruhiger Witterungsabschnitt ins Haus. Dabei
kann zwar im Norden/Nordosten und dort insbesondere an den Küsten der Wind
zeitweise böig aus Nord/Nordwest wehen, dazu liefert auch der EFI Signale.
Markante Böen ab Bft 8 sind aber voraussichtlich höchsten an exponierten
Küstenabschnitten zu erwarten. Ansonsten dürfte unter leichtem Hochdruckeinfluss
und bei ziemlich beschränkter Labilität kaum markantes Wetter auftreten,
einzelne Schauer/Gewitter mit lokalem Starkregen sind höchstens mal mit
Unterstützung der Orografie und bei Passage eines Kurzwellentroges und daher am
ehesten im Alpenraum bzw. im östlichen Bergland nicht ganz ausgeschlossen, das
Risiko dafür ist aber sehr gering.

Noch ein Satz zum Temperaturniveau: Über Westeuropa mehren sich die Signale für
verbreitet überdurchschnittliche hohe Temperaturen, deren Wahrscheinlichkeit
sich auch allmählich ostwärts ausdehnt, Deutschland bleibt im
Mittelfristzeitraum davon aber wohl noch verschont.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-MIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger