S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 03.07.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 03.07.2022 um 10.30 UTC

Kommende Woche fliesen von Norden her kühlere und unbeständige Luftmassen nach
Deutschaland.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 10.07.2022

Am Mittwoch, zu Beginn des Mittelfristzeitraumes befindet sich über Mitteleuropa
ein Langwellentrog, der sich vom europäischem Nordmeer über Deutschland in
Richtung Südosteuropa (Österreich, Kroatien) erstreckt. Über dem Atlantik
hingegen befindet sich ein ausgeprägtes und hochreichendes Hoch. Nach Norden zu
blockiert es durch einen Keil in Richtung Grönland Tiefentwicklung die von
Nordamerika her ostwärts streben. Bodennah gibt es ebenfalls eine schwache
Hochdruckbrücke, die sich über Mitteleuropa bis zum Hoch nach Russland
erstreckt.

Der Langwellentrog bzw. dessen Trogachse verlagert sich im Tagesverlauf langsam
ostwärts. Gleichzeitig regeneriert sich der Trog, ausgehend von dem Höhentief
über dem europäischen Nordmeer wieder über der Nordsee. Die um den
Höhenrückengeführte warme und feuchte Luft steuert die nötige Energie für eine
Neuentwicklung eins Tiefs über der Nordsee bei. Am späten Nachtmittag bzw.
abends soll das dann teilokkludierte System auf Nordwestdeutschland übergreifen.
Dabei verstärkt sich der Druckgradient und an den Küsten kann die eine oder
andere Windböe auftreten. Die an der Front generierten Hebungsprozesse sorgen
auch für teils stärkere Regenfälle. Die Labilität ist zwar nicht stark
ausgeprägt, das eine oder andere Gewitter kann eingelagert dabei nicht völlig
ausgeschlossen werden. Bei PPWs um die 25 l/qm kann lokal auch Starkregen nicht
ausgeschlossen werden.
In der Nacht zu Donnerstag greift die Okklusion weiter auf die Mitte über, auf
der Rückseite der Front lockert es rasch wieder auf, da der Höhenkeil nun
zunehmend in Richtung Nordpolarmeer kippt und den Höhentiefkomplex und dem
dazugehörigen Langwellentrog etwas weiter nach Osten verdrängt. Insgesamt nimmt
das Geopotential zu, so dass die Niederschläge und auch der Wind entlang der
Frontalzone nachlassen. Am Alpenrand können aufgrund der guten Nordanströmung
auch kräftigere Gewitterentwicklungen nicht ausgeschlossen werden.

Am Donnerstag amplifiziert sich der Langwellentrog weiter in Richtung
Südosteuropa. An der Nordflanke des Hochs kann sich am Tage eine Zyklone in
Richtung Nordeuropa aufmachen, die Luftmassengrenze bleibt indes weiterhin
aufgrund des kräftigen Hochs über dem Atlantik recht weit nördlich. Deutschland
befindet sich dabei zwischen dem Hoch über dem Atlantik und dem Langwellentrog
in einer nordwestlichen bis nördlichen und eher trockenen und etwas kühleren
Nordanströmung. Ausgangs der Nacht zu Freitag greifen die vom Hochdruck
überlaufenen Tiefausläufer des Tiefs von Amerika, was sich nun über dem
europäischen Nordmeer befindet auf Nordwestdeutschland über. Viel Niederschlag
wird aber nicht simuliert. Jedoch frischt vor allem Küstenumfeld der Wind frisch
bis stark auf.

Am Freitag verlagert sich das schwache Frontensystem langsam südwärts. Mehr als
starke Bewölkung und ein paar Tropfen simuliert IFS nicht. Auch der Wind lässt
wieder nach. Im Laufe des Freitags regeneriert sich erneut der Langwellentrog
über dem europäischen Nordmeer. Da sich aber über der Irminger See eine kräftige
Zyklone etabliert hat, wird auf dessen Vorderseite nun auch der atlantische
Rücken mit einbezogen. Dabei ist der Höhenkeil nun wieder in Richtung Irland
bzw. Grönland gerichtet. Nun hat der Höhentiefkomplex über dem europäischen
Nordmeer bzw. Nordskandinavien freie Bahn um an der Ostflanke des Hochs nach
Süden vorzustoßen. Dabei werden erneut relativ kühle und trockene aber recht
wechselhafte Luftmassen an dessen Westflanke über der Nordsee nach Deutschland
geführt. Zeitweise kann sich dabei auch wieder der Wind leicht verstärken.

Am Samstag und Sonntag trogt der Langwellentrog wieder in Richtung Südosteuropa
aus, wobei sich ein abgeschlossenes Höhentief über Osteuropa entwickelt. Das
umfangreiche Hochdruckgebiet bleibt über dem Atlantik erhalten und weitet erneut
seine Fühler auf West- bzw. Mitteleuropa aus.

In der erweiterten Mittelfrist soll sich der Langwellentrog bzw. das Höhentief
zum einem im Mittelmeerraum breitmachen und zum andern etwas weiter nach Osten
verlagern, so dass das umfangreiche Hochdruckgebiet wieder auf Mitteleuropa
übergreifen kann.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Im Vergleich mit den Vorläufen simuliert IFS im aktuellen Lauf keine
signifikanten Änderungen. Jedoch wird am kommenden Mittwoch das Übergreifen eine
Okklusion etwas schneller und diskreter prognostiziert. Weiterhin wird der
Langwellentrog über Osteuropa etwas weiter westlich simuliert als der gestrige
00UTC IFS Lauf. Dabei wird sich das Wetter etwas kühler, aber immer noch
sommerlich und auch unbeständiger zeigen. Der gestrige 00UTC Lauf den
Hochdruckeinfluss vom Atlantik aus deutlich kräftiger simuliert hatte und den
Langwellentrog am kommenden Wochenende nach Südosteuropa abtropfen ließ.
Insgesamt bleibt es sehr unsicher wann, wo und welcher Tiefausläufer in der
kommenden Woche für Regen sorgt.
Gewitter und die eine oder andere kleinere Windlage werden kommende Woche
bestimmt auch Thema werden, eine Schwergewitterlage ist im Mittelfristzeitraum
aber aktuell nicht Sicht.

In der erweiterten Mittelfrist ergeben sich vor allem Unterschiede, wie weit der
Einfluss des Hochs vom Atlantik auf Mitteleuropa übergreifen kann oder ob der
Langwellentrog über Osteuropa doch noch Einfluss auf Deutschland hat. Dies ist
aber sehr unsicher.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

An sich simulieren die verschiedenen Globalmodele alle die gleiche
großsynoptische Konstellation. Hoch über dem Atlantik und Langwellentrog über
Osteuropa. Da sich Deutschland jedoch genau in der Mitte befindet, sorgen
kleinere Randtröge für eine recht große Vorhersageunsicherheit, was vor allem
dem Niederschlag angeht. Eine Hitzewelle oder eine Schwergewitterlage ist
ebenfalls nicht in Sicht. Klar werden auch einzelne kräftige Gewitter mal
auftreten, im Gro sieht die kommende Woche recht harmlos aus.
Alle betrachteten Modelle simulieren die Störungen und damit auch die
Niederschlagsverteilung jeweils etwas anders. Das Temperaturfeld und auch die
Windfelder sind aber sehr ähnlich.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

In den Plumes des ECMWFs nehmen die Unsicherheiten ab Mitte nächster Woche
langsam zu. Ab etwa Freitag und Samstag liegt der operationelle und auch der
Kontrolllauf jedoch am deutlich kühleren Ende der Verteilung. Im Median liegen
die 850 hPa Temperaturen um 9, nach dem Operationellen bis 3 Grad. Auch in den
Rauchfahnen von GFS nehmen die Unsicherheiten ab Mitte nächste Woche zu und auch
da liegt der operationelle Lauf teils am kühleren Ende der Verteilung.

In der Clusteranalyse des ECMWFs gibt es für den Zeitbereich 120 bis 168 h nur
ein Cluster.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Es gibt aktuell keine Hinweise auf signifikante Wettererscheinungen. Hi und da
wird mal ein Gewitter entstehen und punktuell könnten auch die Schwellen für
Starkregen überschritten werden. Dies ist aktuell aber so unsicher, so das auch
in den Wahrscheinlichkeitsfeldern keine Signale dafür zu finden sind.

An exponierten Küstenlagen und auf dem Brocken können am Donnerstag und Freitag
zeitweise stürmische Böen um 65 km/h (BFT8) auftreten, wirklich signifikant ist
dies aber nicht.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, EPS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher