S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 29.06.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 29.06.2022 um 10.30 UTC

Am Wochenende meist freundlich und sommerlich warm, am Sonntag örtlich heiß. Am
Montag und Dienstag in der Südosthälfte markante Gewitter, Unwetter nicht
ausgeschlossen. Am Mittwoch nur noch in Südbayern Gewitter. Ab Dienstag
allmählich kühler.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 06.07.2022

Der Trog eines Höhentiefs bei Schottland hat am Samstag die Oder erreicht und
schwenkt zur westlichen Ostsee. Dahinter folgt ein Höhenkeil, der abends bereits
Westpolen erreicht. Die zugehörige Hochdruckzone wandert über Deutschland
ostwärts zum östlichen Mitteleuropa. Damit strömt von Süden und Südosten wieder
wärmere Luft zu uns, so dass bis zum Abend die Temperatur in 850 hPa auf 8 Grad
an der Nordsee und 15 Grad in Südbaden steigt.
Am Sonntag wandert das Hoch zur baltischen Küste und zwischen dem Azorenhochkeil
über dem Ärmelkanal und dem Hoch gibt es eine leichte Schwachstelle in Form
etwas geringeren Luftdruckes. Zwar ist die südwestliche Höhenströmung vor einem
nach Nordwestfrankreich schwenkendem Trog leicht zyklonal, jedoch gibt es kaum
kurzwellige Anteile, die stärkere Hebung bringen könnten und schwache
Kaltluftadvektion sorgt für Stabilisierung. Insgesamt ist der Tag in den meisten
Gebieten durch die kräftige Einstrahlung nochmals sehr warm.

Am Montag bleibt der Haupttrog noch über Frankreich liegen, ein Kurzwellentrog
schwenkt aber in der 2. Tageshälfte durch. Damit wird die über dem Süden und
Osten Deutschlands liegende Kaltfront des Zentraltiefs über dem Nordmeer
aktiviert und in der Südosthälfte Deutschlands werden schauerartige Regenfälle
und Gewitter ausgelöst.

Am Dienstag wird der Trog des Zentraltiefs westlich der Lofoten über der Nordsee
regeneriert und erreicht abends unter Verstärkung Nordwestdeutschland. Die
Kaltfront des Tiefs wandert über Süddeutschland nur langsam Richtung Österreich
und sorgt für weitere Regenfälle. Derweil dehnt sich infolge KLA der
Azorenhochkeil nach Norddeutschland aus und der auf Nordwest bis Nord drehende
Wind bringt dem Norden und Osten schon kühlere Luft mit 850-hPa-Temperaturen
zwischen 4 Grad an der Nordsee und 9 Grad am Nordrand der Mittelgebirge. Im
Süden dämpft der Regen die Temperaturen.

Am Mittwoch schwenkt der Trog nach Polen und dahinter nähert sich von Nordwesten
der Höhenkeil der hoch reichenden Antizyklone nördlich der Azoren. Damit dehnt
sich am Boden der Hochkeil bis nach Polen aus. Mit nordwestlicher Strömung
erreicht die kühlere Luft mit Werten unter 10 Grad in 850 hPa am Abend die
Alpen. Schwache Tiefausläufer streifen dabei den äußersten Norden.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des IFS (ECMF) kann insgesamt als gut bezeichnet werden.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

ICON und GEM simulieren die Entwicklung bis Mittwoch sehr ähnlich.

JMA und GFS berechnen dagegen die Passage des Troges am Dienstag/Mittwoch
verzögert und der Trog ist auch stärker ausgeprägt, so dass (im Gegensatz zu den
Simulationen von ICON und GEM) teils kräftige Schauer und Gewitter bis Mittwoch
recht verbreitet auftreten.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse des IFS zeigt heute bis zum 7. Folgetag nur einen Cluster,
der der operationellen Lösung weitgehend entspricht. Allerdings ist der Trog vom
gezeigten repräsentativen Member 7 doch etwas schärfer ausgeprägt als beim
operationelle Lauf.
Interessant ist, dass es auch für den erweiterten Mittelfristzeitraum bis zum

  1. Folgetag nur einen Cluster gibt, der zu der Wetterlage atlantischer Rücken
    mit Hoch dicht westlich der Britischen Inseln gehört. Damit würde die
    antizyklonale Nordwestlage sehr beständig sein.

Die Rauchfahne von Offenbach zeigt im Kurzfristzeitraum einen kräftigen
Temperaturrückgang in 850 hPa bis Samstagfrüh auf 7 bis 8 Grad. Allerdings
erholt sich die Temperatur rasch auf wieder sommerliche Werte um 12 Grad und bis
Montag bleibt die Temperatur auf diesem Niveau und nur einzelne Modellruns
zeigen bereits einen Rückgang der Temperatur.
Von Dienstag bis Donnerstag geht dann aber die Temperatur im Mittel langsam
zurück auf Werte zwischen 3 und 8 Grad.

Das bedeutet abermals ein sommerliches Wochenende mit überdurchschnittlichen
Temperaturen und selbst der Montag ist vor allem im Osten und Süden noch sehr
warm.
Ab Dienstag stellen sich dann durchweg West- bis Nordwestwinde ein und die
Temperatur geht weiter zurück. Unterdurchschnittliche Temperaturen gibt es dann
ab Dienstag im Nordwesten, ab Mittwoch auch im übrigen Deutschland.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Wochenende gibt es ruhiges und sehr warmes Sommerwetter.
Am Montag und Dienstag ist dann das Risiko markanter Gewitter in der
Südosthälfte Deutschlands erhöht. Isoliert kann es Unwetter geben. Am Mittwoch
ziehen sich die Schauer und Gewitter wahrscheinlich in den Südosten zurück.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mosmix, oper. Modelle, EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden