S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Montag, den 27.06.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 27.06.2022 um 10.30 UTC

Zunächst wechselhaft, Donnerstag/Freitag Unwettergefahr durch Schwergewitter. Am
Wochenende Wetterberuhigung und nicht mehr so warm wie bisher, zu Wochenbeginn
wahrscheinlich Abkühlung.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 04.07.2022

Am Donnerstag liegt Deutschland an der Vorderseite eines Troges, der von
Ostgrönland über die Britischen Inseln bis zur Iberischen Halbinsel reicht. Als
Gegenspieler hält sich ein blockierender Höhenrücken, der vom Ionischen Meer
über Karelien hinweg nordwärts gerichtet ist. Die Folge ist über Mitteleuropa
eine süd-südwestliche Strömung und somit der Zustrom von feuchtlabiler
Subtropikluft aus dem westlichen Mittelmeerraum. Durch wiederholt nordwärts
ablaufende Kurzwellentröge wird die Gewittertätigkeit entsprechend angefacht.
Somit sind am Donnerstag das östliche Bergland sowie der Alpenbrand betroffen,
Unwetter durch heftigen Starkregen und größeren Hagel können nicht
ausgeschlossen werden. Ansonsten erfolgt kompensierendes Absinken, wobei bis zum
Abend der äußerste Westen in Verbindung mit einer sich schleifend nähernden
Kaltfront von schauerartigem und teils gewittrigen Regen erfasst wird.
In der Nacht zum Freitag schwenkt der südliche Teil des o.g. Troges nach
Ostfrankreich. Kräftige trogvorderseitige Hebung intensiviert die Niederschläge
an der Kaltfront bis hin zu mehrstündigem Starkregen.
Am Freitag greift der Südteil des Troges auf Deutschland über, was die
schauerartigen Niederschläge bis in den Osten Deutschlands vorankommen lässt.
Vor allem im Nordosten sind (eingelagerte) Gewitter vorstellbar, wodurch
Starkniederschläge (auch mehrstündig) bis hin zum Unwetter auftreten können. Im
äußersten Südosten zeichnet sich durch vorherigen leichten Föhn eine Verzögerung
ab, bevor auch dort kräftige Niederschläge einsetzen. Von Westen her setzt sich
merklich kühlere Luft durch. In der Nacht zum Samstag überquert der Trog auch
den Nordosten Deutschlands. Nachfolgend, d.h. am Samstag, setzt, gestützt durch
einen flachen Rücken, im Bereich eines Zwischenhochs Wetterberuhigung ein.
Allerdings wird der über den Britischen Inseln liegende Trog regeneriert,
wodurch alsbald wieder eine südwestliche Strömung zustande kommt. Zwar hält sich
am Sonntag wahrscheinlich noch ein ausgedehntes Bodenhoch, aber es erfolgt
bereits wieder ein leichter Temperaturanstieg, im Süden durchaus auf Maxima um
30 Grad.
Im laufe des Montags rückt der Trog in die Nordsee vor. Die in der südwestlichen
Strömung eingelagerte Kaltfront überquert rasch den Nordosten, wird aber über
dem Süden und Südosten schleifend zurückgehalten, was einen Luftmassenwechsel in
diesen Gebieten hinauszögert und die Gewittertätigkeit bis hin zum Unwetter
aufleben lässt.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum tropft der Trog über
Südschweden aus. Ein in den Resttrog hereinlaufender Sekundärtrog gelangt in die
Biskaya, was wiederum über Mitteleuropa eine südwestliche Strömung zur Folge
hat. In weiten Teilen Deutschlands setzt sich der Keil eines Bodenhochs mit
Schwerpunkt nördlich der Azoren durch. Der Norden wird durch das über
Südschweden liegende Höhentief zyklonal beeinflusst. Im Süden und dort vor allem
an den Alpen macht sich der zur Biskaya reichende Trog in Form von gewittrigen
Niederschlägen bemerkbar, die erst im Laufe des Donnerstags allmählich
nachlassen. Die Temperaturen gehen spürbar zurück, im Nordwesten und Norden wird
gebietsweise die 20 Grad-Marke nicht mehr erreicht.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis einschließlich Freitag ist der aktuelle Modelllauf zu den gestrigen
Simulationen weitgehend konsistent. Prognoserelevante Unterschiede lassen sich
bis dahin nicht ableiten. Auch am Samstag ergeben sich nur geringe Differenzen.
Diese äußern sich in einer rascheren Passage des Troges beim aktuellen
Modelllauf. Dieser Prozess erfolgt auch weiter nördlich als bei den gestrigen
Modellrechnungen, wodurch der Temperaturrückgang im Süden Deutschlands
verhaltener ausfällt. Den Zwischenhocheinfluss am Wochenende hatten auch die
gestrigen Modellläufe im Programm. Allerdings wurde bei den gestrigen Läufen die
Erwärmung am Sonntag etwas gedämpft.
Der im erweiterten mittelfristigen vorhersagezeitraum simulierte und in die
Biskaya reichende Trog war in dieser Form bei den gestrigen Modellrechnungen
nicht zu finden. Diese ließen den Trog vor Galizien austropfen bzw. zeigten
einen deutlich schwächeren, bis zu den Kanaren reichenden breiten Trog.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis einschließlich Samstag stützen die verfügbaren Modelle die oben beschriebe
Entwicklung. Unterschiede ergeben sich lediglich wie bei der
Konsistenzbetrachtung hinsichtlich der Trogpassage in der Nacht zum Samstag.
Dieser Trog erstreckt sich nach UKMO bis ins südöstliche Mitteleuropa, also
weiter als nach EZMW, was einen verzögerten Trogdurchgang zur Folge hat. GFS und
ICON zeigen diesen Trog schwächer, so dass dieser nur den Nordwesten
Deutschlands streifen dürfte. Das Modell des kanadischen Wetterdienstes geht mit
der EZMW-Simulation konform.
Der Zwischenhocheinfluss am Wochenende lässt sich bei allen verfügbaren Modellen
finden. Wobei sich Unterschiede hinsichtlich der ab Sonntag erneut erfolgenden
Erwärmung ergeben. Diese ist nach ICON und erst recht nach dem kanadischen
Modell ausgeprägter zu sehen als nach EZMW. Demnach wären am Sonntag im Süden
bereits wieder Maxima über 35 Grad vorstellbar.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum erfolgt nach GFS die Passage
eines breiten Troges und somit auch ganz im Süden ein Luftmassenwechsel.
Nachfolgend stellt sich eine steile nordwestliche Strömung ein, wobei der
Temperaturrückgang mit dem des EZMW vergleichbar ist. Das Modell des kanadischen
Wetterdienstes zeigt auch einen Trog. Dieser ist jedoch im Vergleich zum GFS
flacher, was im Süden Deutschlands dann eher einen gedämpften Temperaturrückgang
zur Folge haben dürfte.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Das EPS des GFS zeigt ab dem Wochenende ebenfalls die Passage eines breiten
Troges. Nachfolgend stellt sich eine nordwestliche Strömung ein, die jedoch im
Vergleich zum Hauptlauf weniger steil ausgeprägt ist. Demzufolge dürfte sich im
Norden gegenüber dem langjährigen Mittel ein leicht unternormales und in
Richtung Alpen ein geringfügig oberhalb der Mittelwerte liegendes
Temperaturniveau einstellen. Dabei werden die Niederschlagssignale
deutschlandweit reduziert. Insgesamt ist der Spread relativ gering. Im Vergleich
zu weiter zurückliegenden Modellläufen wird ab dem Wochenende der antizyklonale
Einfluss etwas mehr betont.
Das EPS des EZMW stützt weitgehend die Version des hauseigenen deterministischen
Laufes. Selbst der im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum in die
Biskaya reichende Teiltrog lässt sich beim EPS-Mittel noch andeutungsweise
finden. Eine ähnliche Struktur hatten auch weiter zurückliegende Modellläufe im
Programm. Allerdings sprechen bei Weitem nicht alle Member auf diese Entwicklung
an, der EFI zeigt keine Signale für kräftigere Niederschläge über dem Süden
Deutschlands ab dem Wochenende. Bemerkenswert ist allerdings, dass alle
EPS-Member im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum nur in einem
Cluster zusammengefasst werden. Der dann sich über Mitteleuropa hinweg ostwärts
verlagernde Trog dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit (31 Member) relativ kräftig
ausgeprägt sein. Ein flacher Trog wird nur von einem Fünftel der Einzellösungen
angenommen.
Im Bereich dieses Zwischenhochs erfolgt am Wochenende ein erneuter
Temperaturanstieg, danach aber ein signifikanter Temperaturrückgang, der
weitgehend geschlossen und mit geringem Spread von nahezu allen EPS-Membern
mitgetragen wird. Das EPS-Clustering gemäß Großwetterlagen zeigt im erweiterten
mittelfristigen Vorhersagezeitraum geschlossen einen Abschied von den
Blockierungen über Mitteleuropa und den Übergang zu einer mehr oder weniger
zyklonalen Nordwestströmung, vielleicht sogar zu einer Troglage Mitteleuropa.
Dieser Prozess könnte durch eine vorherige Hochbrücke, die aus dem Zwischenhoch
am Wochenende hervorgeht, hinausgezögert werden. Wie lange dies der Fall ist,
lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Donnerstag entwickeln sich mit geringer Wahrscheinlichkeit über den östlichen
Mittelgebirgen und an den Alpen noch einzelne Gewitter mit Starkregen. Im Westen
kommen ab dem Nachmittag Schauer und Gewitter, dabei sind Sturmböen nicht
auszuschließen. In der Nacht zum Freitag intensivieren sich die Niederschläge,
so dass im Südwesten zusätzlich Gefahr von teils mehrstündigem Starkregen
besteht.
Am Freitag sind abgesehen vom Nordwesten und Westen verbreitet Gewitter zu
erwarten. Im Nordosten und im äußersten Südosten sind wahrscheinlich Unwetter
durch heften und teils mehrstündigen Starkregen, im Südosten zudem durch
größeren Hagel nicht auszuschließen. Für den Nordosten und Teile der Mitte
spricht in Bezug auf Niederschläge sogar der EFI an. Von einzelnen Membern
werden Niederschlagssummen bis über 40 mm innerhalb von 6 Stunden geboten.
Außerdem frischt im späteren Tagesverlauf im Nordosten der Wind auf, vor allem
an der Ostsee muss mit stürmischen Böen gerechnet werden. Auch hierfür werden
von Seiten des EFI Signale geboten.
Am Wochenende setzt im Bereich eines Zwischenhochs Entspannung und
Wetterberuhigung ein, wahrscheinlich sind dann vorerst keine markant zu
bewarnenden Wetterereignisse zu erwarten.

Basis für Mittelfristvorhersage
EPS(EZMW), anfangs MOS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Thomas Schumann