#SXEU31 #DWAV #181800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 25.06.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 251800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 25.06.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Immer wieder Schauer und Gewitter, teils mit Unwetterpotential. Auch nicht
gewittriger Starkregen möglich.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … gelangt vor einem Trog über Westeuropa aus dem Mittelmeerraum und
Südwesteuropa sehr warme bis heiße und recht feuchte Luft nach Deutschland.
In weiten Landesteilen herrscht dabei schwacher Zwischenhocheinfluss unter einem
Höhenrücken. Damit verbunden lösen sich die Quellwolken auf und die Nacht geht
geräuschlos über die Bühne. Nur im Nordosten halten sich Reste einer
Tiefdruckrinne; die dort abends auftretenden Schauer und Gewitter dürften aber
dem Tagesgang folgen und auch bald vorbei sein.
Es bleibt dann auch gering bewölkt oder klar und stellenweise bildet sich Dunst
oder Nebel und die Tiefstwerte liegen allgemein bei 19 bis 11°C.

Dem Westen nähert sich die Kaltfront eines Tiefs bei Irland, die schleifend und
unter Wellenbildung nur langsam zu uns vorankommt. Dennoch zieht dort im Vorfeld
des Tiefausläufers teils dichtere Bewölkung auf und von Benelux und Frankreich
her können einzelne Schauer und Gewitter auf Baden, bzw. die Regionen zwischen
dem Saarland, Rheinland-Pfalz und dem westlichen Niedersachsen übergreifen.
Dabei wären neben Starkregen, Dank etwas Scherung, auch Sturmböen oder falls
sich die Gewitter beeilen und zeitiger da sind auch Hagel nicht ausgeschlossen.

Sonntag … verlagert der Westeuropatrog sein Drehzentrum geringfügig nach
Nordosten, das zugehörige Bodentief liegt weiter bei Irland. Die südsüdwestliche
Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet ist vor allem über dem Norden und Westen
des Landes leicht zyklonal konturiert, wobei ein kurzwelliger Trog anfangs über
Frankreich und Benelux nach Norden wandert und ein weiterer später über die
Biskaya folgt.
Die Kaltfront dringt dadurch zögernd nach Nordwestdeutschland ein, gefolgt von
gemäßigter und stabilerer Meeresluft mit T850 <10°C. Präfrontal liegen die
meisten Landesteile aber weiter im Zustrom sehr warmer bis heißer und recht
feuchter Luft subtropischen Ursprungs, der sich nach Osten hin sogar noch
verstärkt und in der in 850 hPa um oder etwas über 15°C erreicht werden, ganz im
Südosten sogar nahe 20°C.

Bei geringen Druckunterschieden bildet sich eine flache Tiefdruckrinne über
Deutschland, in der die PPW-Werte vor allem in den westlichen Landesteilen und
im Nordosten bei mehr als 30 mm liegen. Durch die kräftige Einstrahlung wird
auch wieder ML-Cape bis an die 1000 J/kg generiert, allerdings ist die Labilität
durch den nahen Höhenrücken hin noch gedeckelt und es kommt wahrscheinlich nur
mit Hilfe der Orografie zu lokalen Gewittern.

Nach Westen hin fehlt der Deckel teilweise, teils dreht der Wind aber schon auf
westliche Richtung mit Stabilisierung und auch ansonsten zeigen sich die Modelle
insgesamt, gerade auch die hochauflösenden, teils sehr zurückhaltend, was die
Gewitter angeht, was aber mangels dynamischen Antriebs auch nachvollziehbar ist.
Vereinzelte kräftige Gewitter sollten vom Südwesten bis in den Norden aber
möglich sein.
Im Nordosten bilden sich dann häufiger wieder Gewitter, die Labilität ist dort
kaum gedeckelt, hier fehlt aber die Scherung, sodass eher Einzelzellen mit teils
heftigem Starkregen zu erwarten sind.

Rückseitig der Rinne dreht die bodennahe Strömung im äußersten Westen und
Nordwesten des Landes bereits früh auf Nordwest, so dass in der etwas kühleren
und vor allem stabileren Luftmasse vielleicht einzelne Schauer, aber kaum
Gewitter auftreten.
Während es dort wolkig bleibt, scheint vor allem im Süden und Osten längere Zeit
die Sonne. Die Höchstwerte liegen im Westen und Nordwesten zwischen 22 und 27
Grad, im Rest des Landes zwischen 25 und 33 Grad, mit den höchsten Werten in der
Osthälfte.

In der Nacht zum Montag läuft in der Höhenströmung ein Kurzwellentrog
nach Norden ab, der die Kaltfront über Westdeutschland aktiviert. Dabei sind von
Frankreich her kräftige, teils organisierte Gewitter in Form eines oder mehrerer
MCS mit Starkregen, Sturmböen und Hagel möglich, die nach Norden ziehen und
später in teils nicht gewittrigen Starkregen übergehen können. Dabei besteht
über die Nacht hinweg die Gefahr von unwetterartigen Entwicklungen, teils
Gewitter, teils nicht gewittriger Starkregen. Wie weit die Gewitter nach Osten
ausgreifen, ist noch unsicher. Die Modellvorgaben sind da noch recht heterogen.

Wahrscheinlich bekommt zumindest die Osthälfte nicht viel davon mit und die
Schauer und Gewitter, die abends örtlich unterwegs sind, klingen ab. Teils klart
es auf mit örtlichem Nebel. Die Tiefstwerte liegen von West nach Ost zwischen 12
und 20°C.

Montag … zieht der Kurzwellentrog nach Norden ab, während über sich ein Teil
des Haupttroges über die Nordsee nähert und die Kaltfront mit der vorgelagerten
Bodenrinne nach Osten schiebt. Im Tagesverlauf kommt es an der Front, die dann
etwa von Mecklenburg bis in den Südwesten reichen könnte, und in der präfrontal
liegenden feuchtwarmen und labilen Luft zu gewittrigen Umlagerungen, wobei die
Front im Südwesten zu schleifen beginnt bzw. etwas zurückhängt. Lokal liegen die
CAPE-Werte bei über 2000 J/kg, die PPW-Werte übersteigen in der Spitze die 40
mm.
Damit ist Unwetterpotential vorhanden, wobei im Frontbereich und ganz im Süden
erhöhte Werte der Scherung (um oder > 20 m/s DLS) zu beobachten sind. Damit
können erneut Starkregen, Sturmböen und Hagel auftreten, beim Starkregen ist das
Unwetterpotential insgesamt am höchsten, allerdings sind bei organisierter
Konvektion auch Sturm und Hagel unwetterträchtig.

Dabei nehmen die Modellunterschiede zu und die Schwerpunkte der Gewitter- und
Niederschlagsaktivität werden abweichend simuliert. So soll es laut ICON oder
UK10 im Westen und Nordwesten trocken bleiben, EZMW oder auch GFS simulieren
dagegen auch im Westen Niederschläge.

Präfrontal verstärkt sich die Zufuhr der subtropischen Heißluft und in
Ostdeutschland liegen die Maxima gebietsweise um 35°C, während über dem Westen
bei vielfach starker Bewölkung die 20°C (in 2m Höhe) nicht viel überschritten
werden. Die 20°C werden über dem Osten übrigens in 850 hPa fast erreicht, die
Temperaturgegensätze haben sich bis dahin über uns demnach deutlich verschärft.

In der Nacht zum Dienstag schwenkt der Kurzwellentrog über den Nordwesten
Richtung Dänemark hinweg, wobei die Kaltfront über den Norden bis fast an die
Oder gedrückt wird, während sie im Südwesten quasistationär schleift. Entlang
der Front kommt es zunächst zu weiteren, teils (Stark)Regenfällen, teils
kräftigen Gewittern, die aber auf der Rückseite des Troges im Verlauf der Nacht
nachlassen, aber wohl nicht komplett zum Erliegen kommen. In der Warmluft über
dem Süden und Osten kann es bis zum Morgen zu einzelnen kräftigen Gewittern
kommen.
Rückseitig der Front steigt über dem Nordwesten der Druck, was dort mit
Wolkenauflockerungen und einer erfrischenden Abkühlung auf ca. 10°C verbunden
ist. In den östlichen Landesteilen bleibt es warm, teils kaum unter 20°C.

Dienstag … regeneriert sich der Langwellentrog vor den Toren Europas über dem
Atlantik, was uns in der südlichen bis südwestlichen Strömung bleiben lässt. Ein
Anteil der sich zuvor gelöst, schwenkt im Tagesverlauf über die Alpen nach
Norden. Davor dreht die Strömung weiter, auf südliche, später südöstliche
Richtungen und die Luftmassengrenze kommt wieder nach Nordwesten voran. Dabei
bildet sich nördlich der Alpen ein Leetief, in dessen Bereich im Tagesverlauf
extreme CAPE Werte generiert werden sollen bis 3000 J/kg, allerdings durch
Überströmung der Alpen in abgetrockneter Luft und gedeckelt.

Die letzten Schauer und der Gewitter der Nacht dürften dabei zunächst mal
abklingen, da die Strömung mit einem kurzwelligen Höhenkeil, der dem Trog
vorläuft, zunächst deutlich antizyklonaler wird und sich über Norddeutschland
auch im Bodendruckfeld ein Zwischenhoch aufbaut.
Über dem Südwesten und Teilen der Mitte hält sich dabei dichte Bewölkung während
vor allem in der Nordhälfte, im Tagesverlauf auch von Südosten her die Sonne zum
Zuge kommt.

Je nach Sonne liegen die Temperaturen zwischen 25 und 30°C, im Südwesten unter
starker Bewölkung vielleicht auch darunter. Erst wenn die dynamische Hebung des
Troges greift sind von der Schweiz her und vielleicht auch aus den Alpen heraus
am Nachmittag und Abend im Südwesten und Süden schwere Gewitter mit erhöhter
Unwettergefahr möglich.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren weitgehend ähnlich im groben Maßstab. Unterschiede im
Detail wurden im Text teils schon angesprochen. Über eine mögliche Vorabinfo für
die Nacht zum Montag kann am Sonntagvormittag entschieden werden.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Bernd Zeuschner