S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag, den 25.06.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 25.06.2022 um 10.30 UTC

Sommerlich warm bis heiß, dabei immer wieder Schauer und teils kräftige
Gewitter, teils Unwetter v.a. bzgl. Starkregen oder auch Hagel.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 02.07.2022

Das Wettergeschehen im Mittelfristzeitraum ist insgesamt von der Lage auf der
Vorderseite des westeuropäischen Langwellentroges geprägt, über Deutschland
sorgen besonders kurzwellige Anteile bzw. kurzwellig werdende Anteile für
Hebungsantriebe und immer wieder Schauer und Gewitter bis in den Unwetterbereich
insbesondere hinsichtlich Starkregen und ggf. Hagel, da aufgrund der fehlenden
Dynamik die Zuggeschwindigkeit meist gering ist. Im Folgenden ein Versuch, die
Wetterlage tageweise und damit etwas detaillierter zu beschreiben, was
hinsichtlich der mäßigen Konsistenz möglicherweise aber vergebene Mühe ist…

Zu Beginn der Mittelfrist am Dienstag befindet sich Deutschland auf der
Vorderseite eines westeuropäischen Langwellentroges, ein Frontensystem liegt
meridional über Deutschland. Von Südfrankreich her wir ein kurzwelliger
Troganteil nordostwärts geführt, dessen Achse abends vor den Toren Deutschlands
über der Schweiz und Italien liegt. An dem über Deutschland liegenden
Frontensystem kommt es tagsüber zunächst vor allem im Osten zu schauerartigen
Niederschlägen, teils schon aus der Nacht heraus. Im Zusammenhang mit der
Annäherung des Kurzwellentroges wir die Frontalzone über dem Süden wieder
aktiviert. In der Südosthälfte lagert weiterhin die feucht-warme Luftmasse mit
Temperaturen in 850 hPa um 15 Grad, hohen ppws um 40 mm und gebietsweise hohen
CAPE-Werten um 1500 J/kg. Damit sind vor allem in der zweiten Tageshälfte von
Süden/Südwesten wieder teils unwetterartige Gewitter mit Starkregen und teils
größerem Hagel zu erwarten. Der Konvektions-/Niederschlagsschwerpunkt liegt
demnach voraussichtlich in der Südosthälfte, erst im Süden, in der Nacht zum
Mittwoch allmählich mehr im Osten/Nordosten. Im Norden/Nordwesten steigt der
Luftdruck, über Dänemark/Südskandinavien liegt ein Hoch, dort dürfte sich das
Wetter ruhiger und teils freundlich gestalten.

Am Mittwoch wird der Kurzwellentrog unter leichter Abschwächung
nord-/nordostwärts geführt. Der Langwellentrog weiter sich etwas nach Süden, so
dass die Strömung noch etwas aufsteilt und die 15 Grad-Isotherme vor allem im
Osten des Landes weit nach Norden vorankommt. Insgesamt ist die
Luftdruckverteilung relativ flach (das Hoch über Südskandinavien schwächt sich
ab), über dem Nordosten bildet sich aber ein flaches Tief. Kurzwellentrog,
flaches bodentief und die beteiligte, feucht-warme Luftmasse führen also erneut
zu einer gehäuften Schauer- und Gewittertätigkeit bis in den Unwetterbereich
(Starkregen: ppws teils über 40 mm, kaum Zuggeschwindigkeit, größerer Hagel:
CAPE gebietsweise um 1500 J/kg). Schauerartige, teils gewittrige Niederschläge
gibt es wohl gebietsweise bereits aus der Nacht heraus, laufen in ein
vormittägliches Minimum hinein, um sich dann ab den Mittagsstunden wieder zu
häufen. Der Niederschlagsschwerpunkt deutet sich eher für die Nordosthälfte an,
von Südwesten kommt es ab dem Abend wohl zu einer vorübergehenden
Wetterberuhigung.

Am Donnerstag liegen wir bzw. insbesondere die westlichen Landesteile auf der
Trogvorderseite, über Frankreich hat sich ein flaches Bodentief gebildet und ein
Frontensystem, das von den Britischen Inseln über Frankreich bis zur Iberischen
Halbinsel reicht, verlagert sich zusammen mit dem flachen Bodentief langsam
ostwärts. Zumindest tagsüber bleibt das frontale Geschehen aber wohl noch außen
vor. Allerdings dreht die Strömung noch etwas weiter auf Süd, so dass die
subtropische Luftmasse mit 850hPa-Temperaturen über 15 Grad noch mehr Raum gen
Norden (bis über die Mittelgebirgsschwelle) gewinnen kann, in den Südosten
schiebt sich die 20 Grad-Isotherme. Mit Ausnahme der Küstenregionen steht damit
auch nach Norden hin meist ein Sommertag an, gebietsweise wird es heiß (Tmax
über 30 Grad). Eine gewisse Hebung im Umfeld des vollends abziehenden
Kurzwellentrogrestes kann im Nordosten noch zu einzelnen Schauern oder
vielleicht auch noch einem Gewitter führen, sonst werden tagsüber mangels
dynamischer Hebung kaum Schauer und Gewitter erwartet. Lediglich im
südwestlichen Bergland oder auch an/in den Alpen können mit orografischer Hilfe
Schauer und Gewitter entstehen, die dann aber lokal auch wieder kräftiger
ausfallen können. In der Nacht zum Freitag soll dann die Tiefdruckrinne samt
Frontensystem auf den Westen/Südwesten übergreifen, die Trogspitze verlagert
sich im Verlauf von Südwesten her nordostwärts, so dass der Trog
durchzuschwenken beginnt. Im Südwesten und Westen kommen nachts daher Schauer
und teils Gewitter auf.

Am Freitag schwenkt die Trogachse von Südwesten in die mittleren Landesteile, am
Boden überdeckt ein flaches Tief große Teile Deutschlands. Bereits aus der Nacht
heraus greift eine vermehrte Schauer- und Gewittertätigkeit von Südwesten
nordostwärts aus. In der Nacht zum Samstag liegt die Trogachse diagonal über
Deutschland, die Tiefdruckrinne/das flache tief verlagert sich in Richtung
Dänemark/Ostsee. Es kommt zu weiteren Schauern und teils kräftigen Gewittern.
Lediglich von Südwesten deutet sich unter Druckanstieg und dem Einfließen einer
etwas gemäßigteren Luftmasse von Westen her ein allmähliches Abklingenden der
Schauer und Gewitter. Vom Potenzial der Gewitter deutet weiterhin alles auf
teils unwetterartige Entwicklungen insbesondere in Bezug auf Starkregen und ggf.
Hagel hin.

Am Samstag läuft der Trog, der sich mittlerweile mehr zu einem kurzwelligen
Randtrog des westeuropäischen Langwellentroges gewandelt hat, nordotwärts ab,
allerdings verbleibt das Vorhersagegebiet auf der Vorderseite des nun allerdings
flacheren Langwellentroges über Westeuropa. Im Süden kann ein Hochkeil von der
Biskaya für eine Wetterberuhigung sorgen, im Südosten ist aber ggf. die
feucht-warme Luft nicht ganz ausgeräumt, so dass vor allem inneralpin bzw. im
südöstlichen Bergland ein gewisses Schauer-/Gewitterrisiko besteht. Die Mitte,
vor allem aber der Norden Deutschlands liegen im Trogbereich bzw. im Randbereich
des sich intensivierenden Tiefs über Südskandinavien und der Nordsee. Dort muss
mit weiteren Niederschlägen in einer aber meist etwas gemäßigteren Luftmasse
gerechnet werden, d.h. dass das Starkregen- bzw. Unwetterrisiko relativ gering
ist. Allerdings kann es gerade im Nordwesten im Bereich der Warmluftschliere des
okkludierenen, sich ggf. eindrehenden Frontensystems vielleicht auch etwas
länger regnen.

In der erweiterten Mittelfrist verbleiben wird letztendlich unter der
Vorderseite des westeuropäischen Langwellentroges: Der Süden/Südosten in warmer
Luftmasse, allerdings unter schwachem Hochdruckeinfluss. In der Mitte und im
Norden wohl eher in gemäßigterer Luftmasse (10 Grad in 850 hPa), allerdings in
der Nähe zu einer Tiefdruckzone über Skandinavien, so dass dort wohl eher
wechselhaftes Wetter vorherrscht. Aber auch im Süden/Südosten sind örtliche
Schauer oder Gewitter nicht ausgeschlossen. Zwar gibt es dort geringere
dynamische Antriebe, dafür kann aber ggf. Hebung durch Orografie als Auslöser
dienen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Im Grundtenor wird die Lage zwar recht einheitlich simuliert, aufgrund recht
vieler zeitlicher und räumlicher, kleinerer, teils auch größerer Unterschiede in
den vorliegenden Modellläufen, kann die Konsistenz trotzdem nur als mäßig
bezeichnet werden. Der Teufel liegt wie so oft bei durch Konvektion geprägten
Wetterlagen im Detail, so dass eine Aussage über die räumlichen und zeitlichen
Schwerpunkte aus heutiger Sicht schier nicht möglich ist.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Ähnlich wie das IFS von Lauf zu Lauf in der räumlichen und zeitlichen
Ausrichtung einzelner Hebungsantriebe sprich Trogachsen, Kurzwellentröge oder
ähnliches noch Unsicherheiten zeigt, unterscheiden sich auch andere
Globalmodelle (ICON, GFS) vom aktuellen IFS-Lauf und untereinander. Allerdings
bleibt auch hier festzuhalten, dass die Grundstrukturen sehr ähnlich sind. Für
Details im zeitlichen Ablauf und auch bei der Lokalisierung von
Niederschlagsschwerpunkten sind die aktuellen Vorhersagen aber halt noch nicht
wirklich belastbar.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse des IFS verweigert seine Arbeit: Im gesamten
Mittelfristzeitraum bis in die erweiterte Mittelfrist wird jeweils nur ein
Cluster angeboten. Dies gaukelt vielleicht eine nicht vorhandene Sicherheit der
Prognose vor oder aber zeigt, dass die Unterschiede derart im Detail liegen,
dass diese durch die Clusterung nicht erfasst werden können. Fazit:
Grundstruktur relativ klar, Details nicht!

Die Betrachtung der Rauchfahnen stützt die bisherigen Aussagen: Ein gewisses
Niederschlagsminimum findet man am Donnerstag, sonst sind die
Niederschlagssignale einiger ausgewählter Städte in Deutschland eher unruhig mit
Peaks im Starkniederschlagsbereich. Der Spread hinsichtlich Geopotenzial in 500
hPa und Temperatur in 850 hPa wird bereits zu Beginn der Mittelfrist größer und
ist dann ab kommendem Freitag ziemlich groß.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

GEWITTER/STARKREGEN (teils UNWETTER):
Fast im gesamten Mittelfristzeitraum, zum kommenden Wochenende ab Samstag deutet
sich eine etwas gemäßigtere Luftmasse an, gebietsweise kräftige Gewitter mit
Unwetterrisiko hinsichtlich Starkregen und größerem Hagel. Vereinzelt Sturmböen,
wobei hinsichtlich der überwiegend flachen Druckverteilung der Wind meist eine
deutlich untergeordnete Rolle spielt. Im EFI werden im gesamten Zeitraum Signale
für Starkniederschläge geliefert, auch EFI CAPE und CAPE shear zeigen beständig
recht starke Signale insbesondere in der Südosthälfte mit Schwerpunkt am
Dienstag – wobei die genaue zeitliche und räumliche Zuordnung sehr unsicher ist.

WIND:
Der EFI liefert zeitweise Signale für erhöhte Böenwahrscheinlichkeit an den
Alpen, aufgrund der Südströmung können leicht föhnige Phasen nicht
ausgeschlossen werden, eine stärkere Entwicklung ist aber nicht in Sicht.

HITZE:
Im gesamten Mittelfristzeitraum werden vom EFI Signale für überdurchschnittliche
hohe Tageshöchstwerte angeboten: Dienstag bis Donnerstag vor allem Osten, am
kommenden Freitag relativ verbreitet in ganz Deutschland.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, MOS-MIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger