S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 23.06.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 23.06.2022 um 10.30 UTC

Teils schwülheißes Sommerwetter mit den entsprechenden Gewittern und Unwettern.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 30.06.2022

Eingangs der Mittelfrist am nächsten Sonntag liegen wir auf der Vorderseite
eines Troges über Westeuropa unter einer südwestlichen Höhenströmung wobei von
Südwesteuropa sehr warme bis heiße Luftmassen in den größten Teil Deutschlands
gelangen und sich eine Tiefdruckrinne diagonal von Südwest nach Nordost über
Deutschland erstreckt. Die Luft darin ist zudem recht feucht und instabil, und
demnach gewitterfreudig. Nur in den Westen und Nordwesten gelangt hinter einer
dort schleifenden Kaltfront etwas gemäßigtere Meeresluft. Dabei steigen die
Temperaturen über der Mitte und dem Osten verbreitet auf mehr als 30°C, im Osten
sind bis zu 35°C möglich. Während im Westen schauerartiger Regen mit
eingelagerten Gewittern zu erwarten ist, bilden sich sonst kräftige Schauer und
Gewitter mit Schwerpunkt an einer Konvergenz über den östlichen Landesteilen,
aber auch sonst sind Gewitter möglich, die lokal Unwettercharakter durch
Starkregen und Hagel besitzen können.
Am Montag ändert sich an der Großwetterlage „Trog Westeuropa“ nicht viel. Ein
markanter Randtrog zieht über Frankreich ostwärts und führt zu weiterem leichten
Druckfall in der Rinne über Deutschland und möglicherweise bildet sich über
Süddeutschland ein Tief, dass in der Folge Nordkurs einschlägt. Jedenfalls
verstärkt sich präfrontal der Kaltfront, die über Westdeutschland wenig
Verlagerungstendenz zeigt, die Zufuhr heißer Luft in den Südosten und Osten,
wobei in 850 hPa die 20°C Isotherme auftaucht und lokal 36 und 37°C als Maximum
zur Debatte stehen. Der Wetterablauf sieht aber ähnlich wie am Vortag aus. Im
Westen regnet es teilweise mit eingelagerten kräftigen Gewittern, sonst
verstärken sich diese tagsüber wieder und haben gebietswiese Unwettercharakter.
Bei zunehmender Scherung steigt neben der Wahrscheinlichkeit für heftigen
Starkregen auch die Gefahr von Hagel und schweren Sturmböen.
Am Dienstag greift der Randtrog auf Deutschland über und verschiebt
Tiefdruckrinne und die Kaltfront an ihrer Rückseite nach Osten, sodass etwas
gemäßigtere, aber weiterhin warme Luft etwas an Boden nach Osten gut macht und
die subtropische Heißluft vor allem nach Osten hin dominierend bleibt. Erneut
kann sich ein Tief über dem Südosten bilden und später mit Nordkurs über Böhmen
abwandern. Nach Osten hin besteht weiter die Gefahr von teils schweren Gewitter
bis in den Unwetterbereich bei Temperaturen über 30°C, während es über der Mitte
zwar wechselhaft bleibt, die Unwettergefahr aber leicht abnimmt. Ganz im Westen
ist die Luft etwas trockener und stabiler, was hier zu einer deutlichen
Wetterberuhigung führen kann.
Am Mittwoch regeneriert sich der Langwellentrog über Westeuropa, was bei uns die
Strömung nach Süd drehen lässt und den Randtrog nach Norden führt. Das kleine
Tief kann über dem Südosten und Osten nachts und tagsüber nordwärts ziehen mit
erhöhter Gefahr von schweren Gewittern und unwetterartigem Starkregen. Nach
Westen hin bildet sich in gemäßigter Warmluft ein schwaches Zwischenhoch, was
die Luft abtrocknet und stabilisiert. Das grundsätzliche Ost-West
Temperaturgefälle bleibt zwar erhalten, die Gegensätze nehmen aber ab, da die
ganz heiße Luft auch aus dem Osten abgedrängt wird und dort „nur“ noch um 30°C
erwartet werden, während über den westlichen Landesteilen sommerliche Maxima um
25°C die Regel sind.
Am Donnerstag dehnt sich der Langwellentrog über GB nach Osten aus, gestützt von
einem neuen Randtrog über Frankreich. Davor formiert sich wieder eine
Bodenrinne, die sich von Südwesten zu uns hereinschieben kann. Erneut könnte ein
Schwall subtropischer Warmluft in die Südosthälfte gelangen mit der mehr als
30°C verbunden wären und die Gewitterneigung nimmt wieder zu, inklusive der
Möglichkeit von Unwettern.

In der erweiterten Mittelfrist deutet sich ein Abzug der Rinne nach Osten und
die Zufuhr der nicht mehr ganz so warmen Luft von Westen her an. Durch den nach
wie vor überlagerten Trog bliebe es wechselhaft, die Unwettergefahr nimmt aber
ab.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Vorläufe simulierten im synoptischen Scale ähnlich und zeigen über die
gesamte Mittelfrist einen Langwellentrog über Westeuropa. Die Abläufe im Detail,
geknüpft an kurze Wellen und die über uns verlaufende Luftmassengrenze variieren
aber mehr oder weniger stark, sodass sich entsprechende Unsicherheiten ergeben.
Die Vorläufe simulierten zum Ende der Mittelfrist vorübergehend antizyklonaler.

Bei Zufuhr heißer Luft in die Südosthälfte und mäßig warmer in den Nordwesten
besteht an fast allen Tagen die Möglichkeit schwerer Gewitter bis in den
Unwetterbereich. Die regionale Ausprägung muss dabei noch offen gelassen werden.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Ähnliches gilt für den Modellvergleich. Die Großwetterlage mit Tr W steht. Und
damit auch die warme bis heiße, teilweise gewitterträchtige Mischung aus
Luftmasse und Strömung. Die genauen Abläufe sind weniger sicher.

Mit Annäherung des markanten Kurzwellentroges am Montag und Dienstag steigt die
Gefahr von Unwettern. Dabei deuten die Modelle die Bildung eines Tiefs über
Süddeutschland an, dass mit Schwergewittern und heftigem Starkregen über den
Osten nach Norden zieht. GFS und UKMO sehen dies schon von Montag auf Dienstag,
ICON und IFS etwa einen Tag später. Dann besteht auch die Gefahr einer
überregionalen Unwetterlage, nachfolgend kann sich die gemäßigte Luft
breitmachen mit etwas ruhigerem Wetter.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Im Großen und Ganzen stützen die Ensembles anhand der Rauchfahnen die Aussagen
des Hauptlaufes. Sie zeigen zu Beginn der Mittelfrist die Erwärmung mit dem
Maximum nach Osten hin, wo auch etliche der Member 20°C in 850 hPa sehen. Dazu
gibt es immer wieder Niederschlagssignale, die gegen Ende, wenn die Strömung
etwas nach West dreht und die Luft weniger warm wird, abnehmen. Ab Wochenwechsel
fächern vor allem die Kurven für die T850 auf, entsprechend wird die Lage der
Tiefdruckrinne und der Kaltfront unsicher, während die grundsätzliche Lage des
Höhentroges und die Südwestströmung als recht sicher gelten kann.
Zu Beginn der Mittelfrist werden 3 Cluster gebildet, die sich kaum für uns
unterscheiden. Danach, jeweils bis +168h und bis +240h werden alle Läufe in
einen Topf geworfen. Zunächst entspricht dies der Großwetterlage Trog
Westeuropa, dann versucht der Trog nach Osten vorzudringen, verliert dabei aber
immer weiter an Substanz. Insgesamt bedeutet dies aber zyklonale
Rahmenbedingungen mit unbeständigem Wetter über die gesamte Mittelfrist bei
zunächst sehr warmen bis heißen Temperaturen. Im weiteren Verlauf bröckelt das
Temperaturniveau etwas; es bleibt aber sommerlich warm.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Dass Gewitter anstehen, wurde schon mehrfach festgestellt. Auch die
Probabilistik stützt dies, z.B. mit deutlichen Signalen aus dem EFI für hohe
CAPE und Cape Shear Werte, die sich erst zur Mitte nächster Woche abschwächen
und nach Osten verlagern. Dies wird noch unterstrichen durch Signale für
kräftige Regenfälle über dem Westen und der Mitte sowie Hitze zu Beginn der
nächsten Woche mit Schwerpunkt über Ostdeutschland.

Demnach muss fast täglich mit unterschiedlichen Schwerpunkten mit Gewittern bis
in den Unwetterbereich gerechnet werden. Auch ungewittriger heftiger Starkregen
ist möglich, vor allem wohl an der Kaltfront zunächst über dem Westen bzw. an
der möglichen Tiefentwicklung Montag oder Dienstag.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mos Mix, IFS und dessen EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner