S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag, den 11.06.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 11.06.2022 um 10.30 UTC

Überwiegend hochdruckgeprägte Wetterlage, im Norden kühler als im sommerlich
warmen Süden. Zeitweise leicht erhöhtes Schauer- und Gewitterrisiko im alpinen
Bereich. Zum Wochenende kurze, aber starke Hitzeepisode möglich.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 18.06.2022

Dienstag … zu Beginn des Mittelfristzeitraums dominiert ein antizykonal
geprägtes Geopotentialfeld den Südwesten Europas. Dieses stützt eine
langgezogene, vom Atlantik bis nach Osteuropa reichende Hochdruckzone. Die bis
dahin im Alpenraum befindliche Kaltfront ist nun vollständig aufgelöst und von
Südwesten her setzt zunehmend WLA ein. Die 10-Grad Isotherme (850 hPa) erreicht
dabei bis zum Abend etwa die Mainlinie. Nördlich davon ist es bei Höchstwerten
von unter 20 Grad deutlich kühler als entlang des Oberrheins mit verbreitet mehr
als 25 Grad. Verstärkt wird dieser Effekt außerdem durch die deutlich längere
Sonnenscheindauer im Südwesten und Süden. Der Wind spielt keine große Rolle,
auch eventuelle Gewitter im alpinen Bereich sind aus heutiger Sicht
unwahrscheinlich. Im Nordosten können einzelne Schauer im Tagesverlauf nicht
ausgeschlossen werden. In der Nacht zum Mittwoch sinken die Temperaturen bei
einem wechselnd bewölkten Himmel auf 12 bis 7 Grad.

Mittwoch … weitet sich der südwesteuropäische Rücken etwas nach Norden aus,
damit erreicht die wärmere Mittelmeerluft zunehmend auch die nördliche Mitte
Deutschlands, die Küstenregionen aber nicht. Damit muss man dort auf sommerliche
Temperaturwerte weiterhin verzichten, sonst liegen die Höchstwerte zwischen 25
und örtlich 29 Grad. Der Wind ist weiterhin schwach bis mäßig und kommt aus
unterschiedlichen Richtungen. Das Gewitterrisiko im Alpenraum steigt im
Vergleich zum Vortag etwas an, dabei ist EZMW etwas zurückhaltender als die
ICON-Kette. In der Nacht zum Donnerstag werden Tiefstwerte zwischen 16 und 8
Grad erwartet.

Donnerstag … baut sich der westeuropäische Rücken im Zusammenspiel mit einem
Höhentief westlich von Portugal weiter in Richtung Südwestengland auf, bodennah
dominiert über Deutschland weiter flacher Hochdruckeinfluss. Auch an der
Luftmassenverteilung ändert sich nicht viel, damit sind ähnliche Höchstwerte wie
am Vortag zu erwarten. Allerdings ist die Überschreitung der 30-Grad-Marke am
Oberrhein nun örtlich möglich. Die Luft im Alpenraum wird außerdem etwas
feuchter, sodass orographisch bedingte Schauer- und Gewitterrisiko etwas
ansteigt – deutsches Gebiet könnte davon aber nicht betroffen sein. Weiterhin
verfolgt ICON diesbezüglich eine deutlich offensivere Gangart als die anderen
Globalmodelle. In der Nacht zum Freitag klingen eventuelle Schauer alsbald ab,
die Frühwerte liegen bei wechselnd bewölkten Verhältnissen bei 17 bis 9 Grad.
Der Wind ist weiterhin nur schwach bis mäßig und kommt überwiegend aus Sektor
Südwest bis Nordwest.

Freitag … beginnt der vorhin erwähnte Rücken seine zonale Verlagerung in
Richtung Mitteleuropa, dies festigt in weiterer Folge das Bodenhoch. Bei der
Luftmassencharakteristik gibt es weiterhin den deutlichen Unterschied zwischen
den nördlichen Regionen mit deutlich unter 10 Grad in 850 hPa und bis zu 14 Grad
im südlichen Alpenvorland. Verstärktes Absinken dürfte die Wahrscheinlichkeit
für einzelne Schauer und Gewitter in den Alpen wieder deutlich drücken. An der
See frischt der Westwind etwas auf, sonst ist dieser weiterhin schwach bis
mäßig. In der Nacht sind Tiefstwerte unter 10 Grad nun auf manche
Mittelgebirgstäler begrenzt, sonst sind es 17 bis 11 Grad.

Samstag … festigt sich der Geopotentialrücken über weiten Teilen West- und
Mitteleuropas. Mit Annäherung des Höhentiefs an die westeuropäische
Atlantikküste verstärkt sich die WLA nach EZMW enorm, im Westen werden flächig
mehr als 20 Grad simuliert. Diese Wärmeblase weitet sich in der Nacht zum
Sonntag auch in die östlichen Regionen Deutschlands aus, ehe sich am Sonntag
rasch ein Langwellentrog Westeuropa nähert und bodennah eine Tiefdruckrinne in
den Westen Deutschlands lenkt. Perspektivisch steht demnach eventuelle nach der
kurzen Hitzeepisode zu Beginn der erweiterten Mittelfrist eine (Schwer-)
Gewitterlage ins Haus. Doch die Fragezeichen sind noch sehr groß.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Zu Beginn des Mittelfristzeitraums ist die Konsistenz der verschiedenen
EZMW-Läufe als gut zu bezeichnen. Die für die Nacht zum Donnerstag von den
Vorläufen etwas stärker gerechneten Randtröge über dem Norden Deutschlands
wurden nun durch eine glattere westliche Höhenströmung ersetzt. Jener Randtrog
am Donnerstag tagsüber ist aber auch im heutigen Lauf noch zu finden. Spannender
ist die Frage nach der möglichen Hitze zum Ende der Woche bzw. am Wochenende.
Nachdem der gestrige Lauf von 00Z den Schwerpunkt des Rückens über dem Südwesten
Europas simulierte, reicht dieser bei den beiden aktuellsten Läufen weiter in
Richtung Mitteleuropa. Zumindest im Westen Deutschlands taucht dabei die
20-Grad-Isotherme in 850 hPa auf. Mit etwas Nachsicht könnte man einen leichten
Trend erkennen, der aber zum Sonntag in eine sehr unsichere Lage mündet. Während
der gestrige 12Z-Lauf zumindest im Norden Deutschlands auf Wz setzt, propagiert
der aktuelle Lauf SWz.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis zum Donnerstag ähnelt ICON und GFS stark den Lösungen von EZMW. Danach
divergieren die Lösungen etwas, summa summarum setzen aber auch GFS und ICON auf
den in Richtung Mitteleuropa ausweitenden Rücken. Ab Samstag sind die
Unterschiede aber für eine belastbare Aussage zu groß, ICON geht den Weg einer
Westwetterlage, GFS unterstützt dagegen weitgehend EZMW mit kräftiger WLA von
Südwesten. Ein paar Läufe müssen diesbezüglich also noch abgewartet werden.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

EPS:
Die Rauchfahnen für repräsentative Orte in Deutschland stützen im Wesentlichen
die deterministischen Aussagen. Bis Donnerstag ist der Spread bei den
verschiedenen Modellvariablen nur gering. Ab Donnerstag/Freitag gehen die
Rauchfahnen besonders bei der T850 immens auseinander. Die deterministische
Lösung des Hauptlaufes ist dabei im Ensemble-Umfeld die absolut wärmste Lösung
(zusammen mit dem Kontrolllauf, mit Ausnahme des Nordens). Bei der möglichen
Hitzeepisode sind daher noch viele Grau-Abstufungen möglich. Abgesehen von
leichtem Rauschen im alpinen Bereich steht jedenfalls ein trockenerer
Witterungsabschnitt ins Haus.

CLUSTER:
+120…+168h: Es liegen 3 Cluster vor, fast alle propagieren das Strömungsmuster
Blocking. Der Haupt- und Kontrolllauf befindet sich in C1 mit 20 Membern, C2
weißt mit 19 fast ebenso viele Mitglieder auf. Dabei zeigt C2 besonders zum
Wochenende eine noch stärkere Geopotentialanomalie über West- und Mitteleuropa
als C1. Bei C3 ist dieses schwächer ausgeprägt.

+192…+240h: Die Clusteranzahl vergrößert sich auf 4, wobei der Hauptlauf in C4
mit nur 10 Membern eingruppiert wurde. C1 setzt nach Abbau der positiven
Geopotentialanomalie auf SWz, C4 auf einen verstärkten Trogvorstoß zur
Iberischen Halbinsel. Bei C2 und C3 wären Mitteleuropa überwiegend unter
schwachem Hochdruckeinfluss. Damit sind zu Beginn der übernächsten Woche noch
viele Varianten möglich.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

GEWITTER:

Am Mittwoch im Alpenraum einzelne starke Gewitter mit Starkregen und
kleinkörnigem Hagel möglich. Am Donnerstag nur noch geringes Risiko.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, EZMW-EPS

VBZ Offenbach / Mag.rer.nat. Florian Bilgeri