S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 08.06.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 08.06.2022 um 10.30 UTC

Nach sommerlichem Wochenende in der neuen Woche wechselhafter und kühler, am
Freitag möglicherweise windig. Im Süden von Sonntag bis Dienstag örtlich
Gewitter mit lokalem Starkregen.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 15.06.2022

Die ab Samstag beginnende Mittelfrist ist zunächst geprägt von
Hochdruckeinfluss, der sich in einer westsüdwestlichen Strömung auf der
Vorderseite eines Langwellentrogs über dem Nordostatlantik zwischen Grönland und
den Britischen Inseln bzw. durch einen Keil des Azorenhochs ergibt. Über
Deutschland lässt sich dabei eine schwache Luftmassengrenze ausmachen, wobei die
Ausläufer zu einem Tief über Skandinavien gehören. Die Ausläufer entfalten bei
uns aber höchstens schwache Wetteraktivität. Südlich der über der Mitte
Deutschlands befindlichen Luftmassengrenze liegt das Temperaturniveau in 850 hPa
zwischen 10 und 12 Grad, nördlich davon zwischen 6 und 10 Grad. Mit der
Sonneneinstrahlung sind daher von der Mitte bis in den Süden sommerliche
Höchsttemperaturen zwischen 25 und 28 Grad garantiert, im Norden bleibt es etwas
kühler.

Am Sonntag rückt uns der Trog langsam auf die Pelle und auch die Frontalzone
naht heran. Im Norden erfährt das Wetter dadurch ein leicht zyklonalen Touch,
nach Süden hin ändert sich aber noch nicht viel. Die Luftmassengrenze über der
Mitte Deutschlands ist zwar noch zu sehen, wird durch das Herannahen der
Frontalzone jedoch kaum aktiviert. Ganz im Süden wird die Luftmasse darüber
hinaus etwas angefeuchtet, was dort konvektive Umlagerungen in Gang bringen
könnte. Im äußersten Süden steigt die T850 hPa zudem auf über 15 Grad, womit
dort lokal ein heißer Tag mit 30 Grad oder mehr erwartet werden kann. Ansonsten
bleibt das Temperaturniveau vom Vortag erhalten.

Am Montag überquert der Trog auf seinem Weg nach Osten mitsamt der Frontalzone
Norddeutschland, am Abend zieht er bereits schon wieder aus Deutschland ab.
Damit wird die Luftmassengrenze vorübergehend etwa bis zur Donaulinie gedrückt,
südlich davon ist in feuchtewarmer Luft (T850 hPa bei etwa 10 Grad) neuerlich
Konvektion möglich. Nördlich davon kühlt die T850 hPa auf 2 bis 7 Grad ab,
folglich wird es nicht mehr ganz so warm wie am Wochenende. Im Norden ist
außerdem durch den Trog ebenfalls leichte Konvektion zu erwarten.

Am Dienstag folgt ein flacher Rücken, sodass der Azorenhochkeil bis nach Polen
reicht. In Südbayern wird dagegen die Zyklogenese eines Leetiefs angedeutet,
dass im Zusammenhang mit einem sehr schwachen Höhentief, das den Rücken von
Westen her unterwandert, entstehen könnte. Das würde vor allen am bzw. in den
Alpen erneute Konvektion auslösen. Die warme Luft bahnt sich dabei den Weg
zurück nach Norden, die 10 Grad-Isotherme in 850 hPa erreicht wieder die
Mainlinie.

Am Mittwoch ist der Rücken bei uns auch schon wieder Geschichte, weil er durch
einen neuen Trog über dem Nordostatlantik nach Osten abgedrängt wird. Mit dem
Trog ist ein Tief verbunden, Ausläufer davon erfassen mit der Frontalzone von
Nordwesten her Deutschland und leiten eine Abkühlung ein. Nur im äußersten
Südosten hält sich noch wärmere Luft.

In der erweiterten Mittelfrist ab Donnerstag überquert uns der Trog und die
Frontalzone liegt über uns. Das bedeutet wechselhaftes und möglicherweise sogar
ziemlich windiges Wetter, wobei die T850 hPa in nordwestlicher Strömung auf 2
Grad im Norden bis 9 Grad im Süden sinken.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis zum Sonntag sind die letzten drei Läufe des EZMW auf einer Linie. Am Montag
wird eine Phasenverschiebung ersichtlich, die beiden jüngeren Läufe lassen den
Trog schneller abwandern und auch den Rücken am Dienstag schneller folgen. Dabei
ist der heutige 0 UTC-Lauf ab Dienstag nochmals etwas schneller als der gestrige
12 UTC-Lauf. Damit dürfte bereits ab Mittwoch der Tiefdruckeinfluss zunehmen und
die Abkühlung schneller erfolgen. Darüber hinaus wird der neue Langwellentrog ab
Mitte der Woche vom neuesten Lauf stärker betont.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

ICON outet sich noch als Fan des gestrigen 0 UTC-Lauf des EZMW und lässt Trog
und Rücken-Strukturen bis zum Vorhersageende am Mittwoch langsamer über uns
hinwegziehen.
GFS ist ebenfalls dem gestrigen 0 UTC-Lauf des EZMW treu ergeben, sogar der
schwächere neue Trog Mitte kommender Woche wird beibehalten.
JMA folgt zunächst der EZMW-Lösung, ab Mittwoch wird der neue Trog aber nicht so
stark gerechnet. Im Südwesten könnte sich demnach Hochdruckeinfluss halten und
sich die Abkühlung vornehmlich auf den Norden und Nordosten auswirken.
GEM ist dem EZMW ebenfalls zunächst ähnlich. Der neue und weniger kräftige Trog
wird allerdings erst am Freitag und nicht schon am Mittwoch erwartet, außerdem
soll er hautsächlich nur den Norden und Nordosten beeinflussen.
NAVGEM lässt den Trog in der kommenden Woche nach Frankreich amplifizieren und
nicht über Norddeutschland nach Osten abwandern. Das würde weiterhin eine
Trogvorderseite bringen, bei der tatsächlich die ganze heiße Spanienluft mit
T850 hPa über 20 Grad angezapft würde.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

RAUCHFAHNEN:
Die Rauchfahnen diverser deutscher Städte sind für T850 hPa und Geopot 500 hPa
bis zum Sonntag eng gebündelt und bestätigen bis dahin den Hauptlauf. Ab Montag
öffnen sich die Kurven, wobei Haupt- und Kontrolllauf aber meist im gut
definierten Median bleiben. Auffallend ist, dass am Donnerstag der Trog nur
durch einen moderaten Abfall in den Geopot 500 hPa-Rauchfahnen gekennzeichnet
ist und dessen Stärke damit noch nicht klar ist, auch wenn es einzelne Member
mit deutlich niedrigerem Geopotenzial gibt. Die T850 hPa zeigen am Montag einen
kleinen Abfall, dann meist eine Seitwärtsbewegung und zum Ende hin noch einmal
einen geringen Abfall. Niederschlagspeaks sind bis zum Dienstag nur vereinzelt
und mit den stärksten Ausschlägen in südlichen Städten vorhanden. Ab Mittwoch
werden erwartungsgemäß vermehrt Niederschlagssignale gegeben.

CLUSTER:
Alle drei Zeiträume der Clusteranalyse werden durch Monocluster meist mit dem
Regime NAO positiv (nur am Dienstag mit dem Regime „Atlantischer Rücken“)
abgedeckt. Damit wird dem Hauptlauf eine gewisse Sicherheit zugestanden, wenn
man lokale Effekte außer Acht lässt.

FAZIT:
Das sommerliche Wochenende ist garantiert. In die neue Woche geht es mit
Hochdruckeinfluss weiter, aber mit zeitweiligen Einschränkungen im Norden und
Süden sowie mit einer moderaten Abkühlung. Ab Mitte kommender Woche kündigt sich
wechselhafteres (und vielleicht windiges?) Wetter bei erneut leicht sinkenden
Temperaturen an, die Vorhersageunsicherheit nimmt dann jedoch zu. Eine
Hitzewelle a la NAVGEM (und wie es auch ältere Läufe des EZMW im Programm
hatten) ist aufgrund der deutlichen Mehrheit anderer Lösungen allerdings
unwahrscheinlich.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

GEWITTER:
EFI zeigt keine erhöhten Werte bezüglich CAPE oder CAPE SHEAR. Dennoch sind von
Sonntag bis Dienstag im Süden bei langsam ziehenden Zellen und PPW’s über 20 mm
lokal Gewitter mit Starkregen, stürmischen Böen oder kleinkörnigem Hagel
möglich.

WIND:
EZMW-EPS gibt für Freitag kommender Woche Hinweise für verbreitet starke Böen
Bft 7, lokal sind stürmische Böen Bft 8 gering wahrscheinlich bzw. an der See
wahrscheinlich.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOSMIX, EZWM, EZMW-EPS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler