S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Montag, den 06.06.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 06.06.2022 um 10.30 UTC

Nach einem wechselhaften Donnerstag zunächst Wetterberuhigung mit nur wenigen
Schauern und ansteigenden Temperaturen. Ab Sonntag wieder wechselhafter.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 13.06.2022

Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Donnerstag hat uns das Frontensystem
eines flachen, von der Nordsee über Dänemark bis nach Südschweden ziehenden
Tiefs bis zum Abend ostwärts überquert. In Verbindung damit kommt es über dem
äußersten Osten und Südosten Deutschlands noch zu teils länger anhaltenden,
gewittrig durchsetzten Niederschlägen. In den weiteren Landesteilen kommt es
postfrontal im Bereich eines von der Nordsee bis zum Balkan reichenden
Höhentroges zu Schauern und einzelnen Gewittern. Dabei gelangt mit einer
nordwestlichen Strömung kühlere Luft zu uns, die in 850 hPa Werte zwischen 4 und
maximal 8 Grad aufweist.

Bereits in der Nacht zum Freitag tropft der Höhentrog Richtung südliche Adria ab
und nachfolgend gelangen wir zunehmend unter einen Höhenrücken, der sich vom
Südwesten Europas über Deutschland hinweg bis nach Skandinavien aufwölbt.
Dadurch gestützt wird im Bodendruckfeld ein Hochkeil, der sich ausgehend von
einem Hoch über dem Nordostatlantik über Frankreich hinweg bis nach Mitteleuropa
erstreckt. Somit kommt es am Freitag von Westen zunehmend zu einer
Wetterberuhigung. Zudem wird mit der südwestlichen Strömung wieder allmählich
wärmere Luft advehiert und die T850 hPa steigt in der Mitte und im Süden wieder
auf Werte um 8 Grad an, im Norden bleibt es noch kühler.

Am Samstag wandert die Achse des Höhenrückens weiter ostwärts und wir gelangen
allmählich auf die Vorderseite eines Höhentroges mit Drehzentrum südlich von
Island. Im Bodendruckfeld dominiert weiterhin der Hochkeil, allerdings greift
von Nordwesten allmählich das Frontensystem eines Tiefs über Nordschweden auf
uns über. Da aber zunächst noch Absinken bei uns dominiert, ist sie nur wenig
wetteraktiv. Vorderseitig nimmt die Erwärmung weiter zu auf bis zu 13 Grad im
Südwesten, im Norden bleibt es weiterhin kühler.

Am Sonntag rückt der Trog etwas näher, wobei sich über West- und Mitteleuropa
eine relativ glatte südwestliche Strömung einstellt. Somit kommt auch die
Luftmassengrenze nur sehr zögerlich südostwärts voran und bringt nur geringfügig
etwas Regen. Dennoch gelangt postfrontal in den Norden erneut kühlere Luft,
während sich die Luft über der Mitte und dem Süden weiter erwärmen kann (bis 16
Grad T850 hPa). Im Süden dürften dann wieder erste Wärmegewitter auftreten.

Erst am Montag wird die Front über der Mitte mit Annäherung der Trogachse
reaktiviert und erhält zudem eine ordentliche Schubkomponente, sodass die Front
bis zum Abend den Osten und Südosten Deutschlands erreicht. Vorderseitig sind
vor allem im Süden Gewitter zu erwarten. Rückseitig kommt die kühlere Luft bis
in die südliche Mitte voran.

In der erweiterten Mittelfrist setzt sich nach Frontpassage zunächst wieder
Hochdruckeinfluss durch und von Süden kann sich die Warmluft wieder allmählich
nordwärts vorarbeiten. Ab Wochenmitte deutet sich dann in Verbindung mit einer
Tiefdruckrinne wieder wechselhafteres Wetter mit Schauern und Gewittern an.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des EZMW Modells kann bis einschließlich Samstag als gut
bezeichnet werden. Kleinere Unterschiede in der Druck- und Potentialverteilung
haben keinen signifikanten Einfluss auf die Wetterentwicklung.

Ab Sonntag lässt die Konsistenz nach. Im gestrigen 00 UTC Lauf dominierte am
Sonntag und Montag noch der Höhenrücken, während im heutigen 00 UTC Lauf der
Trog deutlich rascher auf uns übergreift bzw. über uns hinwegschwenkt.
Entsprechend kommt auch die Front deutlich rascher und ab der Mitte auch aktiver
nach Südosten voran, als gestern noch prognostiziert.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch beim Modellvergleich zeigt sich bis Samstag eine weitgehend hohe
Übereinstimmung. Einzig am Freitag lässt GFS den Trog langsamer südostwärts
abziehen, sodass die Wetterberuhigung im Vergleich zu ICON und EZMW verzögert
einsetzt.
Ab Sonntag nehmen die Modellunterschiede zu, wobei sich EZMW mit dem heutigen 00
UTC Lauf der ICON-Lösung angepasst hat und nun nach beiden Modellen die Front am
Montag den Süden erreicht. Allerdings ist der nachfolgende Trog bei EZMW stärker
ausgeprägt, sodass auch die Frontpassage bei EZMW aktiver abläuft als bei ICON.
GFS lässt die Front generell deutlich später übergreifen (wenngleich ebenfalls
aktiver als ICON), sodass die Warmluft auch am Montag noch in weiten Teilen des
Landes erhalten bleibt.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen für diverse deutsche Städte zeigen bis einschließlich Samstag
einen sehr engen Verlauf. Nach einem kühlen und wechselhaften Beginn der
Mittelfrist, zeigt sich nach allen Membern ein Anstieg der Temperatur, zumindest
für Stationen außerhalb des Nordens, bei gleichzeitig nachlassenden
Niederschlagssignalen.

Ab Sonntag/Montag nimmt der Spread deutlich zu, insbesondere bei der
Temperaturentwicklung. Während die Temperatur am Beispiel für die Rauchfahne von
Offenbach nach dem Hauptlauf von Sonntag auf Montag deutlich zurückgeht, ist der
Rückgang nach dem Kontrolllauf verhaltener. Vor allem auffällig ist aber, dass
die Mehrheit der Member keinen Rückgang der Temperatur zeigt, sondern sogar
einen weiteren Anstieg. Insofern scheint noch unsicher, ob die Frontpassage
überhaupt stattfindet. Das würde der GFS Lösung entsprechen, die erst Di/Mi eine
Frontpassage andeutet.

Die Clusterung des EZMW besitzt für den Zeitraum t+72 bis 96 Stunden fünf
Cluster. Dabei deuten alle Cluster auf ein Abtropfen des Troges am Freitag hin,
wie oben beschrieben. Einzig Cluster vier (7 Member) lässt den Trog noch über
uns, was der GFS Lösung entsprechen würde. Nachfolgend gibt es von Samstag bis
Montag 00 UTC nur einen Cluster, gleiches gilt für die erweiterte Mittelfrist ab
Dienstag. Demnach würde der Trog westlich von uns verbleiben und sich die Zufuhr
wärmerer Luftmassen zu uns bis Mitte der Woche verstärken. Eine Frontpassage
scheint also auch auf Basis der Cluster fraglich. Das würde allerdings auch
bedeuten, dass Niederschläge weitgehend ausbleiben.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Donnerstag gibt es vereinzelt Gewitter. Dabei sind Starkregen um 15 l/qm in
einer Stunde, kleinkörniger Hagel und stürmische Böen (Bft 8) gering
wahrscheinlich.

Am Freitag sind voraussichtlich keine signifikanten Wettererscheinungen zu
erwarten.

Am Samstag können sich über dem Bergland einzelne Wärmegewitter entwickeln,
teils in Verbindung mit markantem Starkregen und kleinkörnigem Hagel.

Am Sonntag sind über der Mitte und dem Süden einzelne Gewitter in Verbindung mit
markantem Starkregen, kleinkörnigem Hagel und stürmischen Böen (Bft 8)
wahrscheinlich. Im Süden sind auch lokal Unwetter durch heftigen Starkregen
nicht ausgeschlossen.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZMW-EPS, MOS-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Johanna Anger