#SXEU31 #DWAV #311800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 05.06.2022 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 051800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 05.06.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
**

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … ist Deutschland nun vollständig auf die Vorderseite des Troges über
Nordwest- und Westeuropa gelangt, dessen Drehzentrum südlich von Cornwall zu
finden ist. In die südwestlich Grundströmung über Mitteleuropa wird ein
Kurzwellentrog nordwärts geführt, der am Boden mit einem Tief über den
Niederlanden korreliert. Um das Bodentief herum kann sich dabei eine
Tiefdruckzone stärken, die von den Britischen Inseln bis zur Adria reicht. Neben
dem Tief über den Niederlanden werden weitere Tiefs über Österreich, Italien und
der Balkanregion analysiert, die teilweise über ein teils okkludiertes
Frontensystem sowie konvergente Bodenstrukturen verbunden sind. Die Warmfront
des Tiefs über den Niederlanden liegt am Abend etwa von Nordwestdeutschland bis
zum Westerzgebirge. Gleichzeitig greift die Kaltfront von den Regionen westlich
des Rheins auf die Mitte über. Während im Bereich des Okklusionspunktes sowie
WLA bedingt vorderseitig der Warmfront schauerartig verstärkte, aber meist
ungewittrige Niederschläge niedergehend, sieht es im Warmsektor sowie an der
Kaltfront anders aus. An der Kaltfront und vorderseitig können sich teils
linienhaft organisiert Gewitter bilden, die pulsierend nordostwärts ziehen. Da
die Scherungswerte allenfalls in dem unteren Kilometer auffällig sind und die
Labilität sowie Cape-Werte nur moderat ausfallen, bleibt der Starkregen im
Fokus. Bei PPW von 28 bis 40 mm kann trotz einer gewissen
Verlagerungsgeschwindigkeit häufig Starkregen bis 25 l/qm, vereinzelt auch
heftiger Starkregen bis 50 l/qm auftreten. Eine besondere Wertschätzung gilt den
Regionen vom Alpenrand bis zum Bayerischen Wald, die schon frühzeitig mit einer
Vorabinformation versehen wurden. Zunächst wird feucht-warme Luft ins Land
transportiert. Dazu kann sich durch die südliche Anströmung im östlichen
Alpenvorland ein Lee-Tief bilden, sodass konvergente Strukturen zunehmen. An
einer Konvergenz heraus konnten sich schon am Nachmittag schwere Gewitter von
der Schweiz nach Deutschland schieben, die hierzulande teilweise verclusterten,
linienhaft organisiert waren, sowie weiter einzelne Hot-Spots aufwiesen. Gerade
im südöstlichen Bayern sind die Bedingungen sehr gut. PPW von 30 bis 40 mm, Cape
von 1000 bis 2500 J/kg ausreichend Labilistät, etc. lassen Begleiterscheinungen
von heftigen Starkregen von 25 bis 60 l/qm, Hagel um 3 cm und windspitzen
zwischen 90 und 120 km/h zu.
In der Nacht soll sich der Gewitterschwerpunkt im Süden Richtung Österreich
verabschieden. Ansonsten sollen mit voranschreiten der Kaltfront die Schauer und
Gewitter nordostwärts wandern, sich aber dabei deutlich abschwächen.
Montag … liegt das Land weiter im Einflussbereich des hochreichenden Tiefs
über der Nordsee, dessen teils okkludierter Frontenzug anfangs noch die Regionen
östlich der Elbe tangiert. Die Kaltfront im Süden des Landes hat es aber schon
in den Alpenraum geschafft. Insgesamt liegen aber recht schwache Geopotential-
und Luftdruckgegensätze vor, wobei die westliche Grundströmung auf der Südflanke
des Tiefs kühle Meeresluft in den Westen und Nordwesten pumpt. Was die
Wetteraktivität betrifft, müssen drei wesentliche Regionen ins Visier genommen
werden. PVA und frontogenetische Hebung sorgt östlich der Elbe noch für
schauerartig verstärkte Regenfälle, die teilweise auch noch gewittrig sein
können. Durch PPW zwischen 20 und 30 mm bleibt örtlich auch der Starkregen bis
25 l/qm in kurzer Zeit oder 35 l/qm im mehreren Stunden ein Thema. Im
Tagesverlauf soll sich die Front und somit auch der Niederschlag langsam nach
Polen verabschieden. Schauer und einzelne Gewitter sind auch an den Alpen noch
möglich, wo die Kaltfront Hebung generiert und das Blubbern aus den Alpen heraus
nach Deutschland schwappen kann. Der dritte Schwerpunkt befindet sich im
Nordwesten und Westen bis in die Mitte hinein. Dort kann Höhenkaltluft die
Troposphäre labilisieren. Da auch kurzwellige Anteile mitmischen, könnte es
neben zahlreichen Schauern lokal auch zu einzelnen Gewittern reichen. Diese
sollten jedoch aufgrund der Rahmenbedingungen eher unter der Marke
Kaltluftgewitter laufen. Starkregen sollte bei PPW bis 22 mm und einer gewissen
Zuggeschwindigkeit eher gering wahrscheinlich sein. Für Hagel fehlt es an
höheren Cape-Werten, was nicht bedeutet, dass Graupel oder kleinkörniger Hagel
örtlich zu verzeichnen ist. Markant könnte dagegen der Wind werden, der in
Gewitternähe mit stürmischen Böen oder Sturmböen einhergehen kann. Der Montag
bleibt demnach insgesamt unbeständig. Allerdings wechselt die Luftmasse, sodass
die Begleiterscheinungen weniger intensiv daherkommen. Auch der regional
benötigte Landregen mit höheren Regensummen steht nicht auf dem Programm.

In der Nacht zum Dienstag wird es aber im Süden schon wieder spannend. Der zum
Höhentief gehörende Haupttrog kann sich bei gleichzeitiger Amplifizierung gen
Süden langsam ostwärts schieben. Dabei steilt die Höhenströmung über
Süddeutschland etwas auf, sodass vom Alpenraum her die Warmluft wieder bis nach
Deutschland zurück schwappt. Dabei wird diese durch PVA gehoben. Nachfolgend
ziehen demnach von der Schweiz und Österreich her länger anhaltende,
schauerartige, teils gewittrige Niederschläge in den süddeutschen Raum. Aufgrund
von PPW’s bis 32 mm rückt auf jeden Fall der Starkregen in den Fokus. Dabei muss
dieser auf der kurzen Zeitskala genauso berücksichtigt werden wie mehrstündig.

Dienstag … zieht das hochreichende Tief nach Dänemark. Der zugeordnete
Haupttrog gereift dabei auf den Westen und Südwesten Deutschlands über und kann
sich südwärts nun schon bis nach Süditalien amplifizieren. Bodennah stützt der
Trog ein Tief über Norditalien, welches auf der Ostflanke feuchtwarme Luft
nordwärts bis in den Südosten Deutschland schiebt. Die resultierenden
Aufgleitniederschläge werden durch den übergreifenden Trog und entsprechender
PVA verstärkt, sollten aber weitgehend ungewittrig über die Bühne gehen. Über
einen 24-stündigen Zeitraum von Montagabend bis Dienstagabend werden aber am
Alpenrand und im Südosten Bayerns modellübergreifend 20 bis 50 l/qm simuliert.
Zudem sorgt die PVA auf der Trogvorderseite im Südwesten des Landes für
auflebende vertikale Umlagerungen, die schließlich in Schauer und einzelnen
Gewittern münden. Vor allem in Baden-Württemberg darf bei PPW von 20 bis 26 mm
der Starkregen nicht völlig aus dem Blickfeld verschwinden. Ansonsten sind im
Nordwesten und Norden, im direkten Umfeld des Höhentiefs und dessen
Kaltluftpolster in der Höhe Regenschauer mit von der Partie. Zwischen den Tiefs
kann dagegen kompensierendes Absinken verifiziert werden, sodass von der Mitte
aus bis zur Oder und Neiße meist nur wenig passiert.
Nacht sollen dann die Niederschläge landesweit weitgehend abklingen oder
abziehen. Durch die angefeuchtete Luft kann sich aber hier und da ein Nebelfeld
bilden.
Mittwoch … verabschiedet sich das Höhentief von Dänemark nach Schweden. Der
korrelierende Trog verliert dabei an Amplitude und weicht völlig auf. Dafür
kommt aber ein neuer „Big-Player“ ins Wetterspiel. Denn von den Britischen
Inseln her soll sich ein neuer markanter Kurzwellentrog nähern und ab dem Abend
auf den Westen Deutschlands übergreifen. Das entsprechende Höhentief liegt dabei
bei Nordirland und steht etwa an gleicher Stelle mit einem Bodentief in
Verbindung. Von diesem ausgehend kann ein teils okkludiertes Frontensystem
analysiert werden, welches sich in einem Bogen südwärts erstreckt und etwa
zusammen mit dem Höhentrog den Westen des Landes erreicht. Die vorderseitige WLA
kommt dabei eher mau daher. Dagegen kann die frontogenetische Hebung teilweise,
bevorzugt im Südwesten des Landes, mit der PVA des Troges interagieren. Während
etwa nördlich von Mosel und Lahn meist schauerartige Regenfälle ohne
signifikante Gewitter nordostwärts ziehen, reichen die Hebungsimpulse im
Südwesten aus auch einzelne Gewitter zu induzieren. Die Cape-Werte bleiben aber
im Kaltluftgewittermodus und erreichen keine 500 J/kg. Bei PPW von 20 bis 33 mm
ist vor allem bei wiederholten Ereignissen der Starkregen ein Thema.
In der Nacht kommt die Trogachse kaum ostwärts voran und amplifiziert sich
dagegen lieber nach Süden. Einhergehend verkürzt sich die Wellenlänge, sodass
der Trog an Signifikanz gewinnt. Im Süden nachfolgend schauerartig verstärkte
Regenfälle erwartet, die nachts ostwärts ausgreifen. Ansonsten wird mit dem Trog
in der Höhe von der Nordsee her Kaltluft ins Land gesteuert, sodass im
Nordwesten Schauer auftreten. Örtlich kann auch ein kurzes Gewitter nicht
ausgeschlossen werden.

Modellvergleich und -einschätzung

Die verschiedenen Globalmodelle simulieren die großskaligen Strukturen
vergleichbar. Im Detail gibt es aber die typischen Abweichungen.
Das ICON liegt bei seiner Version sehr nah an den Vorgaben des IFS, lässt den
Trog sowie auch die Front zum Montag etwas langsamer ostwärts ziehen. Durch
einen stärkeren Gradienten sowie diffluenten Bereich vorderseitig, wird die
Konvektion am Montag im Westen und Südwesten sowie Teilen der Mitte intensiver
gerechnet. Auch der Wind würde beim ICON im Nordwesten und Westen mit Bft 7
verbreitet warnwürdig werden. Im Verlauf werden dann nur wenige kaum
signifikante Unterschiede verzeichnet.
Anders beim GFS. Das amerikanische Modell rechnet das Höhentief und entsprechend
auch das korrelierender Bodentief zum Montag stärker. Da aber die Lage der Kombi
etwas nördlicher gezeigt wird, liegt selbst der Nordwesten und Norden kaum noch
in dessen Einflussbereich. Dafür soll die Front im Osten etwas langsamer das
Land gen Polen verlassen und das Blubbern an den Alpen auch auf deutscher Seite
kräftiger ausfallen. Auch im Verlauf bleibt das GFS bei intensiveren
Geopotential- und Luftdruckstrukturen. Die Phase der Tröge stimmt aber recht gut
mit ICON und IFS überein.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Lars Kirchhübel