S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 05.06.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 05.06.2022 um 10.30 UTC

Andauer eines feuchtwarmen, teils gewittrigen Witterungsabschnittes. Weiter
sommerlich warm, im Süden teils auch heiß.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 12.06.2022

Am Mittwoch zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums liegt Deutschland
vorderseitig eines nordatlantischen Langwellentroges im Zustrom feuchtwarmer
Meeresluft. Ein kurzwelliger Randtrog, an den eine Okklusion gekoppelt ist,
erfasst den Westteil Deutschlands im Tagesverlauf mit aufkommenden Schauern und
Gewittern, während in der Osthälfte Zwischenhocheinfluss für kurzzeitige
Wetterberuhigung sorgt.

Am Donnerstag schwenkt der wenig amplifizierte Kurzwellentrog über Deutschland
hinweg. Gleichzeitig schiebt sich eine wenig wirksame Kaltfront ins Land. Da
sich in der Höhe jedoch ein Rücken aufbäumt, verliert die Front zunehmend an
Kraft und verendet. Der Rücken wird seinerseits von der WLA eines
Langwellentroges westliche der Britischen Inseln gestützt. Eingelagert in die
westliche bis südwestliche Strömung auf der Südflanke des Troges schiebt sich
zudem ein kurzwelliger Anteil in die Nordsee, der mit einem Bodentrog samt
Frontensystem korreliert. Der kurzwellige Anteil stutzt aber auch gleich den
Rücken zusammen und schiebt ihn ostwärts, sodass der Nordwesten Deutschlands in
der Nacht zum Freitag unter PVA und frontogentischen Prozessen mit neuen
schauerartigen Niederschlägen rechnen muss. Ansonsten klingen die Niederschläge
unter dem Rücken und bei nur schwachen Luftdruckgegensätzen, auch aufgrund des
Tagesgangs, ab bzw. ziehen mit dem vorlaufenden Trog nach Polen ab.

Am Freitag liegt Deutschland weiterhin auf der Vorderseite des Langwellentroges
über Nordwesteuropa, der sich südwärts bis zur Iberischen Halbinsel
amplifizieren kann. Dadurch baut sich über Mitteleuropa zunehmend
Hochdruckeinfluss auf und letzte Leichte Niederschläge, die mit einer schwachen
Kaltfront einhergeht, klingen weitgehend ab. Bei weiterem Zustrom warmer
Luftmasse aus Südwesten erreichen die 850 HPa Temperaturen Werte zwischen 10 und
15 Grad. Damit wird wieder ein Sommertag erreicht, im Süden örtlich sogar ein
heißer Tag.

Am Samstag bleibt die Höhenstruktur erhalten, sodass Deutschland weiter auf der
Vorderseite des Langwellentroges liegt. Allerdings kann sich ein Kurzwellentrog
über den Britischen Inseln und Nordwestfrankreich südwärts amplifizieren, sodass
die Strömung vorderseitig aufsteilt und sich auch etwas intensiviert. Das
Drehzentrum liegt dabei über Skandinavien und korreliert an gleicher Stelle mit
einem Bodentief. Während der Norden und Nordwesten Deutschland somit im
Einflussbereich der Frontalzone verharrt, kann sich in der Südhälfte im Bereich
einer diffluenten Höhenströmung am Boden hoher Luftdruck ausbreiten.
Gleichzeitig schleift im Süden und Südosten des Landes aber noch die Kaltfront,
die sich nur zögerlich südostwärts verlagert. Gleichzeitig wird diese in der
Nacht durch einen kurzwelligen Anteil in der Höhe nochmals aktiviert. Demzufolge
werden im Nordwesten und Norden sowie im Süden durch frontogentische Prozesse,
die teilweise mit PVA interagieren, schauerartige, im Süden auch gewittrige
Niederschläge prognostiziert.

Am Sonntag weitet sich der Langwellentrog von den Britischen Inseln über die
Biskaya bis zur Iberischen Halbinsel hin aus. Ein Höhenkeil schiebt sich vom
westlichen Mittelmeer bis nach Süddeutschland hin vor. Über Frankreich weitet
sich eine Tiefdruckrinne Richtung Westdeutschland hin aus, die damit verbundene
feuchtwarme Luftmasse führt im Tagesverlauf in der westhälfte zu schauerartigen
teils gewittrigen Regenfällen, während es im Nordosten heiter bis wolkig und
trocken bleibt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Im mittelfristigen Vorhersagebereich zeigen die gängigen Modelle wie GFS, ICO,
IFS und GEM eine hohe Übereinstimmung. Auch weist der neue IFS-Lauf verglichen
mit den vorangegangenen Läufen eine hohe Konsistenz auf. Zunächst befindet sich
Deutschland vorderseitig eines westeuropäischen Langwellentroges, kurzwellige
Anteile überqueren Deutschland von West nach Ost, daran Gekoppelt sind einzelne
Schauer und Gewitter. Am Donnerstag setzt sich von Südwesten her vorübergehend
Hochdruckeinfluss durch, so dass es zu einer Wetterberuhigung kommt. Die
Niederschläge lassen meist nach und es kommt zu einer Erwärmung auf sommerliche
Werte um 25 Grad. Im Süden geht es dann teilweise in den Bereich um die 30 Grad.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis einschließlich Donnerstag werden die großskaligen Strukturen des IFS auch
von weiteren Globalmodellen wie ICON, GFS, GEM oder UKMO weitgehend gestützt. Im
weiteren Verlauf simulieren zwar alle Modelle den Langwellentrog über
Nordwesteuropa bzw. den Ostatlantik, die Strukturen über Mitteleuropa werden
jedoch teilweise sehr abweichend dargestellt. Das ICON startet beispielsweise
schon am Mittwoch über Mitteleuropa mit einem Abtropfprozess, der am Freitag mit
einem Cut-Off über Süditalien endet. Das GFS startet diesen Prozess etwas weiter
östlich und einen halben Tag später. Allerdings wird beim GFS das Abtropfen
nicht vollendet, sondern mündet in einem markanten Trog. Je nach Amplifizierung
bzw. Abschnürung fällt auch die Ausprägung des rückseitigen Rückens verschieden
aus. Beim GFS hängt er zurück, weist aber die größte Amplitude auf. Das ICON
zeigt im Vergleich zum IFS auch einen stärker amplifizieren, wenngleich weniger
als beim GFS ausgeprägten Rücken, dessen Achse ebenfalls leicht hinter jener
beim IFS zurückbleibt. Aufgrund dessen simulieren auch weder GFS noch ICON einen
nachstoßenden Kurzwellentrog. Insgesamt sorgen die verschiedenen Strukturen
sowohl für Unterschiede beim Timing der Niederschläge als auch bei dessen
Intensität. Das ICON hat durch den Abtropfprozess z.B. in der Nacht zum
Donnerstag im Süden kräftige und länger anhaltende Niederschläge im Programm.
Das GFS ist bei Niederschlag durch den markanten Trog zum und am Donnerstag im
Osten des Landes kräftiger aufgestellt.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Für die Einordnung des Geopotential- und Luftdruckfeldes des ENS werden im
Zeitraum +72h bis +96h insgesamt fünf Cluster benötigt. Dabei werden nahezu alle
Cluster über den betrachteten Zeitraum dem Schema einer positiven NAO
zugeschrieben. Die Unterschiede der Cluster betreffen aber genau den
mitteleuropäischen Raum, indem der Kurzwellentrog sowie der vor- sowie
nachgelagerte Rücken in Phase und Amplitude abweichend dargestellt werden.
Sowohl Haupt- als auch Kontrolllauf sind dabei dem ersten Cluster zugeordnet.
Die Cluster 3 und 4 ähneln den Ergebnissen des ICON.
Im Zeitraum von +120 bis +168h werden drei Lösungen benötigt, um die
Unsicherheiten im ENS-Raum ausreichend zu beschreiben. Alle Cluster beschreiben
zumindest über dem Atlantik weiter das Schema einer positiven NAO. Vor allem
Cluster 1 und 2 weisen dort (Atlantik) auch kaum Unterschiede auf. Diese werden
dagegen erneut über Mitteleuropa sichtbar, indem der Rücken ausgehend von
Südwesteuropa unterschiedlich stark amplifiziert und somit die Südwestströmungen
verschieden stark abgebildet wird. Bei Cluster 2 ist die Strömung flacher,
sodass Deutschland schneller auf die Trog Vorderseite und somit in den Bereich
von Hebung gelangt. Das dritte Cluster entspricht der sehr stark den Vorgaben
des ICON. Haupt- und Kontrolllauf werden weiter in Cluster 1 geführt.
In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h reicht ein einziges Cluster
aus, um die Abweichungen im Geopotential- und Luftdruckfeld des ENS zu
beschreiben. Dieses wird fortlaufend in das Schema einer positiven NAO
zugeführt. Dabei verbleibt Deutschland in einer südwestlichen Grundströmung, mit
der kurzwellige Anteile verlagert werden. Demnach liegt vor allem der Norden und
Nordwesten im frontalen Umfeld. Ansonsten kann sich bodennah häufig hoher
Luftdruck mehr oder weniger stark ausgeprägt durchsetzen. Induziert durch die
Höhe sind aber immer wieder Störungen möglich.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Dienstag muss im Westen, Süden und äußersten Osten mit teils kräftigen
Gewittern gerechnet werden. Bei PPW zwischen 20 und 29 mm, im Südosten bis 32 mm
ist lokal Starkregen bis 25 l/qm wahrscheinlich, punktuell heftiger Starkregen
bis 40 l/qm nicht ausgeschlossen. Zudem kann im Südosten des Landes auch
mehrstündiger Starkregen bis 35 l/qm auftreten, der vom ICON-EU-EPS mit
Wahrscheinlichkeiten bis 10% gestützt wird. Bis Donnerstagmorgen besteht dort
durch länger anhaltende schauerartige, teils gewittrige Niederschläge zudem die
Möglichkeit von Regenmengen zwischen 25 und 50 l/qm/24h. Diese Mengen zeichnen
sich in der Probabilistik durch Wahrscheinlichkeiten von 10 bis 40% bei
ICON-EPS, 10 bis 50% beim IFS-EPS und 10 bis 60% beim C-LEPS ab. Auch der EFI
gibt für die genannte Region im unter Berücksichtigung des Modellklimas Hinweise
für überdurchschnittliche Regenmengen.
Am Mittwoch sind vor allem vom Süden bis zur Mitte erneut Schauer und Gewitter
zu erwarten, die bei PPW von 20 bis 29 mm und mäßiger Verlagerung örtlich mit
Starkregen bis 25 l/qm/h einhergehen können.
Am Donnerstag bleibt ein gewisses Gewitterrisiko etwa in der Osthälfte des
Landes erhalten. Bei nur unwesentlich geringen PPW besteht lokal weiter
Starkregengefahr bis 25 l/qm in kurzer Zeit.
Am Freitag und Samstag sollen regional weiter konvektive Umlagerungen in Gang
kommen. Die genaue Lage und Intensität ist aber noch schwer abzuschätzen. Da
sich die Luftmasse kaum ändert, besteht bei kräftigen konvektiven Ereignissen
aber weiter die Möglichkeit für Starkregen bis 25 l/qm/h.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS, det. IFS, MOS-MIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Stefan Külzer