S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag, den 04.06.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 04.06.2022 um 10.30 UTC

Unbeständiger, zu teils kräftigen Gewittern neigender Wettercharakter. Anfangs
im Südosten Stark-/Dauerregen. Mäßig warm.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 11.06.2022

Am Dienstag zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums wird das Wetter in
Deutschland von verschiedenen Geopotential- und Luftdruckstrukturen beeinflusst.
Demnach liegt ein Höhentief westlich von Dänemark, von dem sich ein markanter
Kurzwellentrog südwärts erstreckt. Die Achse des Troges verläuft mittags etwas
von den Niederlanden über Ostfrankreich hinweg bis in den Golf von Lion und
verschiebt sich im Verlauf langsam ostwärts in den Westen Deutschlands. Am Boden
korreliert das Höhentief mit einem Bodentief an gleicher Stelle. Allerdings
weist das Druckfeld dort kaum nennenswerte Trogstrukturen auf. Dennoch reichen
die Hebungsimpulse aus der Höhe in Form von PVA bei schwachen
Luftdruckgegensätzen am Boden aus, dass von Südwesten und Westen im Tagesverlauf
Schauer und Gewitter aufziehen und nordostwärts ausgreifen. Zudem ist im Süden
noch eine schleifende Kaltfront wetterwirksam, die anfangs auch noch den
äußersten Osten tangiert. Frontogenetische Hebung sorgt den genannten Regionen
somit für schauerartige, teils gewittrige Niederschläge, die an den Alpen
orografisch bedingt auch länger anhalten und kräftiger ausfallen können.
In der Nacht zum Mittwoch schwenkt der Höhentrog über Deutschland hinweg und
erreicht am Morgen die östlichen Regionen Deutschlands, wobei sich über
Mitteldeutschland vorübergehend ein flachen Höhentief festsetzen kann.
Rückseitig kann sich gestützt von der WLA eines neuen, kräftigen Troges über dem
Ostatlantik ein Rücken von Frankreich über die Britischen Inseln hinweg
aufbäumen, der seinerseits am Boden mit hohem Luftdruck korreliert. Entsprechend
kann sich auch hierzulande bodennah vorübergehend Zwischenhocheinfluss
durchsetzen. Da gleichzeitig die Kaltfront ostwärts abzieht und auch den
deutschen Alpenraum hinter sich lässt, nimmt in der Folge die Schauer- und
Gewittertätigkeit ab. Allerdings werden vom flachen Höhentief sowie dem ostwärts
abziehenden Kurzwellentrog induziert weiter schwache Niederschlagechos
simuliert.

Am Mittwoch sorgt der abziehende Trog im äußersten Osten noch für konvektive
Umlagerungen und somit schauerartige Niederschläge. Rückseitig setzt unter dem
nur gering amplifizierten Rücken vorübergehend Wetterberuhigung ein, bevor im
Tagesverlauf von Westen und Südwesten WLA bedingt Aufgleitniederschläge das Land
erreichen und schließlich bis in die Mitte vordringen. Die beschriebenen
Niederschläge stehen mit dem neuerlichen Trog in der Höhe zusammen, der am Boden
ebenfalls mit entsprechenden Strukturen korreliert, in welche ein teils
okkludiertes Frontensystem eingebettet ist. Allerdings harmonieren die
verschiedenen Hebungsimpulse der hochreichenden Strukturen mit Verlagerung nach
Osten nicht mehr so gut. Der Kurzwellentrog in der Höhe verliert an Amplitude
und verlagert sich im Verlauf schneller als das Frontensystem am Boden.
Entsprechend hinkt die frontogenetische Hebung der PVA hinterher. Als Folge wird
der Niederschlagsstreifen über Deutschland breiter, aber auch weniger intensiv.
Meist sind nur noch schauerartige, nicht mehr gewittrige Niederschläge zu
erwarten.

Am Donnerstag schwenkt der wenig amplifizierte Kurzwellentrog über Deutschland
hinweg. Gleichzeitig schiebt sich die Kaltfront ins Land. Da sich in der Höhe
jedoch ein Rücken aufbäumt, verliert die Front zunehmend an Kraft und verendet.
Der Rücken wird seinerseits von der WLA eines Langwellentroges westliche der
Britischen Inseln gestützt. Eingelagert in die westliche bis südwestliche
Strömung auf der Südflanke des Troges schiebt sich zudem ein kurzwelliger Anteil
in die Nordsee, der mit einem Bodentrog samt Frontensystem korreliert. Der
kurzwellige Anteil stutzt aber auch gleich den Rücken zusammen und schiebt ihn
ostwärts, sodass der Nordwesten Deutschlands in der Nacht zum Freitag unter PVA
und frontogentischen Prozessen mit neuen schauerartigen Niederschlägen rechnen
muss. Ansonsten klingen die Niederschläge unter dem Rücken und bei nur schwachen
Luftdruckgegensätzen, auch aufgrund des Tagesgangs, ab bzw. ziehen mit dem
vorlaufenden Trog nach Polen ab.

Am Freitag liegt Deutschland auf der Vorderseite des Langwellentroges über
Nordwesteuropa, der sich südwärts bis zur Iberischen Halbinsel amplifizieren
kann. Bodennah verlagert sich die Kaltfront eines Tiefs bei Norwegen mit einer
diffluenten westlichen Bodenströmung, bei gleichzeitig südwestlicher und somit
quasiparalleler Höhenströmung nur langsam ostwärts. Dabei verliert die Front
nach Süden bei zunehmenden Luftdruck an Intensität. Erst mit orografischer
Unterstützung durch Alb und Alpen soll die Niederschlagsintensität in der Nacht
zum Samstag wieder zulegen.

Am Samstag bleibt die Höhenstruktur erhalten, sodass Deutschland weiter auf der
Vorderseite des Langwellentroges liegt. Allerdings kann sich ein Kurzwellentrog
über den Britischen Inseln und Nordwestfrankreich südwärts amplifizieren, sodass
die Strömung vorderseitig aufsteilt und sich auch etwas intensiviert. Das
Drehzentrum liegt dabei über Skandinavien und korreliert an gleicher Stelle mit
einem Bodentief. Während der Norden und Nordwesten Deutschland somit im
Einflussbereich der Frontalzone verharrt, kann sich in der Südhälfte im Bereich
einer diffluenten Höhenströmung am Boden hoher Luftdruck ausbreiten.
Gleichzeitig schleift im Süden und Südosten des Landes aber noch die Kaltfront,
die sich nur zögerlich südostwärts verlagert. Gleichzeitig wird diese in der
Nacht durch einen kurzwelligen Anteil in der Höhe nochmals aktiviert. Demzufolge
werden im Nordwesten und Norden sowie im Süden durch frontogentische Prozesse,
die teilweise mit PVA interagieren, schauerartige, im Süden auch gewittrige
Niederschläge prognostiziert. In einem Streifen vom Südwesten bis zur Oder soll
es dagegen bei kompensierendem Absinken weitgehend trocken bleiben.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die großskaligen Strukturen werden von den vergangenen IFS-Läufen über den
gesamten mittelfristigen Zeitraum vergleichbar abgebildet. Vor allem der
gestrige 00-UTC Lauf hat mit dem aktuellen Lauf eine hohe Übereinstimmung.
Geringe Unterschiede gibt es meist nur bei der Amplitude der Druck- und
Geopotentialgebilde sowie bei der Phase. Der aktuelle 00-UTC-Lauf zeigt dabei
die schnellste Verlagerung der Geopotential- und Luftdruckstrukturen. Zum
Freitag beschreibt der aktuelle Lauf zudem einen sich etwas schneller
verlagernden Kurzwellentrog, sodass die Niederschlagsfelder bezüglich der
vergangenen IFS-Läufe etwas vorlaufend sind. Gleichermaßen soll eine kräftigere
WLA auf der Vorderseite des Langwellentroges über dem Ostatlantik den Rücken
über Mitteleuropa im Vergleich mit einer größeren Amplitude ausstatten.
Deutschland würde jedoch schon rückseitig dessen Achse liegen und somit in den
Einflussbereich des Troges gelangen.

Zusammenfassend ist aber eine recht hohe Konsistenz der betrachteten IFS-Läufe
zu verzeichnen. Signifikante Wettererscheinungen in Form von kräftigen Gewittern
sind vor allem am Dienstag im Süden und Osten zu erwarten. Auch sonst bleibt es
unbeständig. Zum Ende der Woche könnte erneut eine kräftige Gewitterlage
anstehen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis einschließlich Donnerstag werden die großskaligen Strukturen des IFS auch
von weiteren Globalmodellen wie ICON, GFS, GEM oder UKMO weitgehend gestützt. Im
weiteren Verlauf simulieren zwar alle Modelle den Langwellentrog über
Nordwesteuropa bzw. den Ostatlantik, die Strukturen über Mitteleuropa werden
jedoch teilweise sehr abweichend dargestellt. Das ICON startet beispielsweise
schon am Mittwoch über Mitteleuropa mit einem Abtropfprozess, der am Freitag mit
einem Cut-Off über Süditalien endet. Das GFS startet diesen Prozess etwas weiter
östlich und einen halben Tag später. Allerdings wird beim GFS das Abtropfen
nicht vollendet, sondern mündet in einem markanten Trog. Je nach Amplifizierung
bzw. Abschnürung fällt auch die Ausprägung des rückseitigen Rückens verschieden
aus. Beim GFS hängt er zurück, weist aber die größte Amplitude auf. Das ICON
zeigt im Vergleich zum IFS auch einen stärker amplifizieren, wenngleich weniger
als beim GFS ausgeprägten Rücken, dessen Achse ebenfalls leicht hinter jener
beim IFS zurückbleibt. Aufgrund dessen simulieren auch weder GFS noch ICON einen
nachstoßenden Kurzwellentrog. Insgesamt sorgen die verschiedenen Strukturen
sowohl für Unterschiede beim Timing der Niederschläge als auch bei dessen
Intensität. Das ICON hat durch den Abtropfprozess z.B. in der Nacht zum
Donnerstag im Süden kräftige und länger anhaltende Niederschläge im Programm.
Das GFS ist bei Niederschlag durch den markanten Trog zum und am Donnerstag im
Osten des Landes kräftiger aufgestellt.
Zum Samstag pendeln sich die Abweichungen wieder ein, sodass ICON, GFS und IFS
vergleichbare Strukturen abbilden.
Das GEM stützt die Vorhersage des IFS, wenngleich das GEM den durchschwenkenden
Trog am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag mit einer etwas größeren
Amplitude versieht. Das UKMO dagegen stützt in vollem Umfang das ICON mit dem
kompletten Abtropfprozess bis hin zum Cut-Off über Süditalien.
Somit gibt es zwei wesentliche Grundstrukturen, zwischen denen das GFS einen
Mittelweg sucht.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen verschiedener Städte, über Deutschland verteilt, zeigen mit
Ausnahme des Südens schon zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums eine mäßige
Vorhersagegüte. Im Süden ist zumindest bis einschließlich Mittwoch bei einem
vergleichsweise geringen Spread von einer hohen Prognosegüte auszugehen.
Ansonsten spreizt sich der ENS- Raum vor allem bei der Temperatur rasch. Ab
Donnerstag nehmen die Unsicherheiten stark zu, sodass bei einem Spread von 11
Grad in 850 hPa bzw. bis zu 35 hPa in 500 hPA kaum eine seriöse Vorhersage
möglich ist. Sowohl der Haupt- als auch der Kontrolllauf liegen über den
gesamten Zeitraum im oberen Drittel des Ensembles. Insgesamt wird aber von der
Mehrzahl der ENS-Mitglieder ein unbeständiger Witterungsabschnitt gezeigt.

Für die Einordnung des Geopotential- und Luftdruckfeldes des ENS werden im
Zeitraum +72h bis +96h insgesamt fünf Cluster benötigt. Dabei werden nahezu alle
Cluster über den betrachteten Zeitraum dem Schema einer positiven NAO
zugeschrieben. Die Unterschiede der Cluster betreffen aber genau den
mitteleuropäischen Raum, indem der Kurzwellentrog sowie der vor- sowie
nachgelagerte Rücken in Phase und Amplitude abweichend dargestellt werden.
Sowohl Haupt- als auch Kontrolllauf sind dabei dem ersten Cluster zugeordnet.
Die Cluster 3 und 4 ähneln den Ergebnissen des ICON.
Im Zeitraum von +120 bis +168h werden drei Lösungen benötigt, um die
Unsicherheiten im ENS-Raum ausreichend zu beschreiben. Alle Cluster beschreiben
zumindest über dem Atlantik weiter das Schema einer positiven NAO. Vor allem
Cluster 1 und 2 weisen dort (Atlantik) auch kaum Unterschiede auf. Diese werden
dagegen erneut über Mitteleuropa sichtbar, indem der Rücken ausgehend von
Südwesteuropa unterschiedlich stark amplifiziert und somit die Südwestströmungen
verschieden stark abgebildet wird. Bei Cluster 2 ist die Strömung flacher,
sodass Deutschland schneller auf die Trog Vorderseite und somit in den Bereich
von Hebung gelangt. Das dritte Cluster entspricht der sehr stark den Vorgaben
des ICON. Haupt- und Kontrolllauf werden weiter in Cluster 1 geführt.
In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis +240h reicht ein einziges Cluster
aus, um die Abweichungen im Geopotential- und Luftdruckfeld des ENS zu
beschreiben. Dieses wird fortlaufend in das Schema einer positiven NAO
zugeführt. Dabei verbleibt Deutschland in einer südwestlichen Grundströmung, mit
der kurzwellige Anteile verlagert werden. Demnach liegt vor allem der Norden und
Nordwesten im frontalen Umfeld. Ansonsten kann sich bodennah häufig hoher
Luftdruck mehr oder weniger stark ausgeprägt durchsetzen. Induziert durch die
Höhe sind aber immer wieder Störungen möglich.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Dienstag muss im Westen, Süden und äußersten Osten mit teils kräftigen
Gewittern gerechnet werden. Bei PPW zwischen 20 und 29 mm, im Südosten bis 32 mm
ist lokal Starkregen bis 25 l/qm wahrscheinlich, punktuell heftiger Starkregen
bis 40 l/qm nicht ausgeschlossen. Zudem kann im Südosten des Landes auch
mehrstündiger Starkregen bis 35 l/qm auftreten, der vom ICON-EU-EPS mit
Wahrscheinlichkeiten bis 10% gestützt wird. Bis Donnerstagmorgen besteht dort
durch länger anhaltende schauerartige, teils gewittrige Niederschläge zudem die
Möglichkeit von Regenmengen zwischen 25 und 50 l/qm/24h. Diese Mengen zeichnen
sich in der Probabilistik durch Wahrscheinlichkeiten von 10 bis 40% bei
ICON-EPS, 10 bis 50% beim IFS-EPS und 10 bis 60% beim C-LEPS ab. Auch der EFI
gibt für die genannte Region im unter Berücksichtigung des Modellklimas Hinweise
für überdurchschnittliche Regenmengen.
Am Mittwoch sind vor allem vom Süden bis zur Ostsee erneut Gewitter zu erwarten,
die bei PPW von 20 bis 29 mm und mäßiger Verlagerung örtlich mit Starkregen bis
25 l/qm/h einhergehen können.
Am Donnerstag bleibt ein gewisses Gewitterrisiko etwa in der Osthälfte des
Landes erhalten. Bei nur unwesentlich geringen PPW besteht lokal weiter
Starkregengefahr bis 25 l/qm in kurzer Zeit.
Am Freitag und Samstag sollen regional weiter konvektive Umlagerungen in Gang
kommen. Die genaue Lage und Intensität ist aber noch schwer abzuschätzen. Da
sich die Luftmasse kaum ändert, besteht bei kräftigen konvektiven Ereignissen
aber weiter die Möglichkeit für Starkregen bis 25 l/qm/h.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS, det IFS, TT auch MosMix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel