S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 25.05.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 25.05.2022 um 10.30 UTC

Vorübergehend kühler und zeitweise windig. Im Verlauf wahrscheinlich wieder
milder, aber insgesamt unbeständig.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 01.06.2022

Heute wird das Fazit vorangestellt: Nichts Genaues weiß man nicht! Die
Unterschiede zwischen den Modellen und den einzelnen Modellläufen sind einfach
zu groß. Daher wird nachfolgend stur der aktuelle IFS Lauf beschrieben.

Zu Beginn der Mittelfrist liegt Deutschland zwischen einem Tiefdruckgebiet über
Ost/Nordosteuropa und einer Hochdruckzone, die sich von Grönland bis zu den
Britischen Inseln erstreckt. Im Süden zieht eine wellende Front allmählich ab
und der Regen lässt nach. Sonst schwenkt ausgehend vom Tief über Osteuropa ein
Trog durch, der im Norden und über der Mitte für Schauer, vereinzelt auch
Gewitter sorgt. Dazu weht ein starker bis stürmischer West- bis Nordwestwind.
Auf der Vorderseite des Hochs strömt kühle Luft nach Deutschland, in 850 hPa
erreichen 0 Grad den Nordwesten. Im Süden halten sich bis zum Abend noch +6
Grad. In der Nacht zum Sonntag kommen die 0 Grad in 850 hPa bis zum Main voran.
Der Trog zieht ostwärts ab. Zwischen Skagerrak und Kattegat bildet sich ein
Randtief, das sich am Sonntag ausdehnt.

Am Sonntag ist die Druckverteilung über Deutschland flach – 1010 bis 102 hPa.
Dabei dominiert am Boden der Hochdruckeinfluss. In der Höhe ziehen Tiefs durch.
Entsprechend sind vereinzelt schwache Schauer möglich, insgesamt trocknet die
Luft aber ab. Dabei liegen über der Nordwesthälfte weiter 0 Grad in 850 hPa,
während in der Südwesthälfte um +4 Grad liegen. Über Südskandinavien dehnt sich
tiefer Luftdruck westwärts aus und in der Nacht zum Montag tropft ein Tief über
der Nordsee ab.

Dieses Tief greift am Montag auf den Nordwesten Deutschlands mit etwas Regen
über. Im Süden strömt vorderseitig des Tiefs wieder mildere (südlich des Mains
+8 Grad in 850 hPa) aber auch feuchte Luft ins Land. Entsprechend steigt im
Tagesverlauf die Gefahr von Schauern. In den Abend- und Nachtstunden breitet
sich die feuchte Luft inklusive Schauern oder schauerartigem Regen bis in den
Nordosten aus.

Am Dienstag wird die Strömung zunehmend antizyklonaler, die Niederschläge werden
nach Norden verdrängt, aus Süden strömt mildere Luft ins Land (im äußersten
Süden +16 Grad in 850 ha). Tiefdruckgebiete über Südwesteuropa führen in der
milden südlichen Strömung feuchte Mittelmeerluft ins Land, sodass sich zum Abend
hin wieder Schauer bilden können, die sich in der Nacht zum Mittwoch abermals
nordwärts verlagern.

Am Mittwoch nimmt der Tiefdruckeinfluss von Südwesten her zu. In feucht-warmer
Luft bilden sich wiederholt Schauer und bevorzugt südlich des Mains auch
Gewitter.

Die Folgetage sind tiefdruckbestimmt mit warmer Luft. Zum Wochenende könnte sich
hoher Luftdruck durchsetzen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Am Samstag weist der aktuelle IFS Lauf noch Ähnlichkeiten zu seinen Vorgängern
auf, ab Sonntag nicht mehr. Statt Randtiefs über Dänemark und Nordostdeutschland
bilden sich diese nun über Südskandinavien. Die Tröge über West- und Osteuropa
fallen weniger kräftig aus. In der neuen Woche greift von Nordwesten her ein
Tief über, das aber nicht vorankommt und sich über der Nordsee auffüllt. Der
zugehörige Trog ist deutlich weniger amplifiziert und am Dienstag drückt von
Süden her bereits ein Höhenkeil dagegen. Bodennah ziehen in der neuen Woche aus
Südwesteuropa Tiefdruckgebiete heran, die am Donnerstag über Deutschland liegen.
Der aktuelle IFS Lauf weicht von seinen Vorgängern ab, die sich aber auch schon
nicht einig waren.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Zunächst bestehen zwischen IFS, GFS und ICON keine gewaltigen Unterschiede, ab
Montag gehen die Prognosen auseinander. Der Trog über Deutschland ist bei GFS
und ICON stärker ausgeprägt und langlebiger. Zur Wochenmitte lässt GFS den Trog
schneller durchgehen und lässt eine Erwärmung von Süden her zu. ICON hält auch
am Mittwoch am Höhentief und 3 bis 6 Grad in 850 hPa fest, bleibt aktuell also
auf eher kühler Schiene.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse liefert im ersten Zeitschritt (+72-96h) 4 Cluster, alle mit
atlantischem Rücken und nur marginalen Unterschieden für Deutschland. Haupt- und
Kontrolllauf befinden sich in Cluster 1.
Zeitschritt zwei (+120-168h; Montag bis Mittwoch) liefert zwei Cluster mit NAO
negativ. Dabei variieren beide Cluster stark über Deutschland. Cluster 1, in dem
sowohl Haupt- als auch Kontrolllauf liegen, hat eine West-Ost Ausdehnung
negativen Geopotentials über Deutschland, während Cluster 2 eine Nord-Süd
Ausdehnung aufweist.
Zeitschritt drei (+192-240h; Donnerstag bis Samstag) liefert 5 Cluster, die von
NAO negativ zu NAO positiv (Cluster 2 bis 5) bzw. Blocking (Cluster 1)
schwenken. Haupt- und Kontrolllauf liegen in Cluster 1, mit starkem Keil über
Deutschland.

Die IFS Ensembleanalyse liefert dicht gedrängte Linien bis Sonntag. Ab Montag
wird der Spread ein klein bisschen größer, ist aber immernoch schmal. Von
Dienstag bis Freitag weisen die Plumes eine große Spannweite in allen Parametern
auf. Dabei liegen Haupt- und Kontrolllauf bei Temperatur und Geopotential am
oberen Ende, beim Niederschlag zunächst am unteren, am Donnerstag und Freitag
hingegen am oberen Ende.

Die Mehrheit der IFS-Ensembles sehen keinen oder nur einen geringen Anstieg beim
Geopotential und der Temperatur. Bei dem Wandel der letzten Läufe ist das
Ensembleergebnis kein Wunder. Es wäre auch nicht verwunderlich, wenn IFS morgen
wieder zurück auf Troglage in Deutschland schwenkt. Oder ICON den Trog
zurückrechnet, liegt der aktuelle operationelle Lauf in den Ensembles doch eher
im unteren Drittel. Bei den GFS-Ensembles sind ebenfalls Schwankungen
auszumachen, dabei liegen Haupt und Kontrolllauf bunt verteilt über den
Ensemblemember. Die Messe für die Mittelfrist ist also noch nicht gelesen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Samstag weht in der Nordosthälfte ein starker bis stürmischer West- bis
Nordwestwind. EFI stuft dies als ungewöhnlich ein. Ansonsten gibt es nur noch
einzelne Gewitter am Samstag und Sonntag, die aufgrund des Windes (Böen bis Bft
8) markant ausfallen können. Sonst sind in der Mittelfrist keine signifikanten
Wettererscheinungen ersichtlich.

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn