S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Montag, den 23.05.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 23.05.2022 um 10.30 UTC

Wechselhaft bei zunächst durchschnittlichen, ab Samstag unterdurchschnittlichen
Temperaturen. An der Küste mitunter stürmische Böen.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 30.05.2022

Am Donnerstag herrscht eine gut ausgeprägte West- bis Nordwestlage, in die ein
schwaches Frontensystem eingelagert ist, das in der 2. Tageshälfte auf die
Nordhälfte Deutschlands übergreift. Dabei strömt recht frische Atlantikluft nach
Mitteleuropa mit 850-hPa-Temperaturen zwischen 8 Grad an der Donau und 1 Grad in
Schleswig-Holstein.

Die oben beschriebene Frontalwelle liegt am Freitag um 06 UTC im Raum Rügen und
bewegt sich bis zum Abend nach Weißrussland. Ihre Kaltfront zieht von
Norddeutschland nach Südosten und erreicht zum Tagesende die Alpen. Nachfolgend
zieht ein breiter Höhentrog nach Mitteleuropa und in allen Schichten kippt die
Strömung im Tagesverlauf auf Nordwest. So gelangt noch etwas kühlere Luft vor
allem ins nördliche und mittlere Deutschland mit 850-hPa-Temperaturen zwischen
-1 Grad in Schleswig-Holstein und 5 Grad am Main.

Der vom Höhentiefkomplex über dem Baltikum und Südostschweden ausgehende
Höhentrog regeneriert sich im Laufe des Samstages im Norden. In der unteren
Troposphäre kippt die Strömung zwischen dem Bodentief bei Stockholm und dem Hoch
nordwestlich von Schottland etwas nach Nord und so setzt sich auch im Süden die
kältere Luft durch, so dass die Temperatur in 850 hPa auch ganz im Süden auf 5
Grad absinkt.

Am Sonntag nähert sich das Höhentief an der Südostküste Schwedens sogar noch
etwas Deutschland an und so ist die Strömung im Nordosten zyklonal geprägt, so
dass im Norden und Osten die Bewölkung überwiegt mit lokalen Schauern. Nach
Südwestdeutschland schiebt sich im Tagesverlauf ein schmaler Höhenkeil, so dass
sich das Wetter im Bereich eines Bodenhochkeiles dort etwas beruhigt.
Dabei gelangt weiterhin sehr kühle Luft nach Deutschland.

Am Montag bleibt das steuernde Höhentief an der Südspitze Schwedens liegen und
sein kräftiger Randtrog überquert weite Teile Deutschlands von Nordwest nach
Südost. In der unteren Troposphäre dauert zwischen dem bei Irland liegenden
Grönlandhochkeil und dem Tiefkomplex über der Ostsee und Südosteuropa die Zufuhr
kühler Meeresluft aus Norden und Nordwesten an.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neue Lauf vom IFS simuliert die Entwicklung bis kommenden Montag recht
ähnlich wie die beiden Modellruns von gestern.
Anfangs gibt es vor allem bei den Geopotentialfeldern geringe Differenzen, die
sich aber wettermäßig kaum auswirken.
Am Montag sieht der neue Lauf im Norden Deutschlands in der Höhe deutlich
zyklonaler aus, so dass dort auch mehr und kräftigere Schauer fallen.

Letztlich ändert dies aber nichts an der Großwetterlage und am Wettercharakter
der kommenden Woche.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die anderen Modelle einschließlich ICON simulieren ähnlich wie IFS.

Lediglich bei NAVGEM zieht der Randtrog bereits am Sonntag ab und es folgt ein
kräftiger Höhenkeil, der am Montag nach Mitteleuropa wandert, so dass das
zugehörige mitteleuropäische Bodenhoch am Montag das Wetter bestimmen kann.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse des IFS ermittelt heute bis zum siebten Folgetag 5 Cluster,
wobei sich die vier ersten Cluster aber nur wenig unterscheiden und in etwa der
operationellen Lösung entsprechen.
Nur der letzte Cluster mit insgesamt nur 2 Modellruns zeigt ab Sonntag ein
deutlich anderes Muster: Hier schwenkt der Trog am Sonntag nach Osteuropa und es
folgt ein Höhenkeil, der bereits am Sonntag für Hochdruckeinfluss sorgt. Der
dauert auch am Montag für die meisten Gebiete an und lediglich der Norden wird
von schwachen Tiefausläufern beeinflusst.
In der erweiterten Mittelfrist gibt es 3 Cluster, die weiterhin wechselhaftes
und meist kühles Wetter bedeuten würden.
In der Rauchfahne von Offenbach sieht man nach einem Hochpunkt heute von
Dienstag bis Freitag gemäßigte Temperaturen um +6 Grad in 850 hPa. Ab Samstag
ist dann noch kältere Luft wirksam mit 850-hPa-temperaturen bei 0 Grad oder
knapp darüber. Die Temperatur erholt sich erst in der erweiterten Mittelfrist ab
Dienstag langsam.

Entsprechend zeigen die EPS-Meteogramme ab Donnerstag zunächst in den meisten
Gebieten recht durchschnittliche 2-Meter-Temperaturen um 20 Grad oder knapp
darüber (Süden, am Donnerstag auch in der Mitte). Ab Samstag liegen dann die
Tagestemperaturen meist um 2 bis 6 Grad unter den Normalwerten.
Die Regenwahrscheinlichkeit ist anfangs gering, ab Samstag jedoch in den meisten
Gebieten leicht erhöht (Niederschlag meist in Form von Schauern).

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Im Küstenbereich ist die Wahrscheinlichkeit von stürmischen Böen und einzelnen
Sturmböen erhöht. Im Landesinneren gibt es vor allem im Nordosten Gefahr von
stürmischen Böen.
Kurze Kaltluftgewitter sind vor allem im Nordosten möglich, wobei Starkregen
nicht sehr wahrscheinlich ist, sondern eher die stürmischen Böen.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mosmix, EPS, oper. Modelle

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden