#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Freitag, den 14.01.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 14.01.2022 um 10.30 UTC

Im Nordosten zeitweise stürmisch.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 21.01.2022

Zu Beginn des Mittelfristbereichs am Montag befinden sich weite Teile West und
Mitteleuropas im Einflussbereich eines umfangreichen und hochreichenden Hochs,
das sich quasi von Nordafrika über Westeuropa bis nach Island erstreckt. Über
Skandinavien indes verlagert sich ein Langwellentrog an der Nordostflanke des
Hochs in Richtung Südosten. Dabei kommt es vor allem an der Ostseeküste und auf
den Mittelgebirgen zu Sturm, evtl. auch zu schweren Sturmböen, aber auch in der
gesamten Nordosthälfte Deutschlands kann es im Tagesverlauf zu starken bis
stürmischen Böen kommen. Gewitter werden jedoch nicht erwartet, der Bereich mit
der höhenkältesten Luft wird eher über Ostpolen simuliert. Jedoch kann es neben
den Böen auch zu leichten Niederschlägen kommen. Da die Schneefallgrenze
zwischen 600 und 800 m liegt, wird es aber nur im Bergland zu etwas
Schneezuwachs kommen. Nach Westen hin bleibt der Hochdruckeinfluss
wetterbestimmend. Und bei der eher feuchten Grundschicht halten sich dort
strichweise sicherlich auch ganztägig Nebel- oder Hochnebelfelder.
In der Nacht zu Dienstag verlagert sich der Trog weiter nach Osten und der
Einfluss des westeuropäischen Hochs weitet sich wieder auf ganz Deutschland aus.
Ausgangs der Nacht lassen dann auch die Schneefälle an den Ostalpen nach.

Am Dienstag bleibt über Deutschland der Einfluss des westeuropäischem Hochs
wetterbestimmend, dabei werden zunehmend mildere Luftmassen mit Temperaturen in
850 hPa bis +4 Grad nach Deutschland geführt. Der Trog über Osteuropa
amplifiziert sich in Richtung östliches Mittelmeer und setzt dort über dem eher
warmen Mittelmeer erneut Zyklogenese ein.
An der Nordflanke des westeuropäischem Hochs entwickelt sich bei Grönland neuer
Langwellentrog mit einsetzender Zyklogenese. Kleinere und eher schwache
Störungen näheren sich im Tagesverlauf über der Nordsee Deutschland und greifen
in der Nacht zu Mittwoch auf den Norden über. Dabei frischt der Wind an den
Küsten und auf den Mittelgebirgen leicht auf.

Am Mittwoch entwickelt sich der Trog bei Grönland weiter und amplifiziert sich
in Richtung Nordsee und Skandinavien. Das dazugehörige Sturmtief kann sich bis
Mittwoch 12 UTC auf 960 hPa vertiefen und befindet sich etwa über knapp südlich
von Spitzbergen. Vorderseitig des Troges wölbt sich ein markanter Rücken auf,
der sich von Ungarn bis nach Nordostrussland erstreckt. Das westeuropäische Hoch
wird im Laufe des Mittwochs von dem Trog leicht abgeschnürt und es bildet sich
eine neue Hochdruckzelle über Nordatlantik. Deutschland gerät derweil immer mehr
in den Einflussbereich des Troges, wobei im Süden sich am längsten der
Hochdruckeinfluss hält.
Am Abend nähert sich die Kaltfront des Sturmtiefs bei Spitzbergen über der
Nordsee Deutschland. Rückseitig werden deutlich kältere und maritim geprägte
Luftmassen mit 850 hPa Temperaturen zwischen -5 und -10 Grad. Ausgangs der Nacht
zu Donnerstag liegt die Kaltfront bereits über Süddeutschland. Neben den recht
starken Temperaturgradienten gibt es weiterhin einen guten Druckgradienten, der
an den Küsten und auf den Mittelgebirgen für Sturm oder schweren Sturm sorgt
(Brocken bestimmt auch Orkanböen), aber auch im Landesinneren werden verbreitet
starke bis stürmische Böen erwartet. Mit dem Übergreifen der Kaltfront kommen
auch Hebungsprozesse in Gang, da sich jedoch die Kaltluft erst postfrontal bis
zum Boden durchsetzen kann, fallen die Niederschläge erst mal als Regen. Da sich
im Vorfeld die Luft auf Temperaturen im negativen Bereich abkühlen kann. Gibt es
ein gewisses Risiko vor gefrierendem Regen oder Sprühregen. Es gibt aber auch
noch Unsicherheiten, wie schnell die Kaltfront auf Deutschland übergreift.
Ausgangs der Nacht soll in dem Nordosten auch ein Schwall sehr kalter Höhenluft
(500 hPa Temperaturen bis -40 Grad) eindringen. Dies sorgt für eine gewisse
Labilität und könnte auch für das eine oder andere Gewitter ausreichen.
Weiterhin treibt es die Schaueraktivität an, sodass auch stürmische Böen evtl.
auch Sturmböen mit herunter gemischt werden können.

Am Donnerstag gelangt die Kaltfront rasch zu den Alpen und bleibt dort etwas
„hängen“. Im Nordosten des Landes sorgt die höhenkalte Luft für wechselhaftes
und teils stürmisches Wetter. Bodennah liegen die 850 hPa Temperaturen
verbreitet zwischen -5 und -10 Grad. Auch wenn sich die eigentliche Trogachse
rasch über Deutschland hinweg verlagert hat, sorgen nachfolgende Randtröge für
weitere Schauerstraßen, die auch teils bis ins Flachland als Schnee fallen.
Im Laufe des Tages kräftigt sich das atlantische Hoch wieder und kann zunehmend
auf Mitteleuropa übergreifen. Dabei verdrängt das Hoch auch den osteuropäische
Trog langsam nach Osten. Am Abend und in der Nacht zu Freitag lässt mit
zunehmenden Hochdruckeinfluss zum einen die Schaueraktivität nach und zum
anderen fächert der Druckgradient langsam auf.

Am Freitag befindet sich Deutschland genau zwischen dem atlantischem Hoch und
dem osteuropäischem. Um das Hoch herum wird erneut Warmluft herumgeführt, so das
erneut Hebung generiert wird und Niederschläge auf Deutschland übergreifen. Zu
Beginn sollten diese verbreitet als Schneefällen, bevor sie mit steigenden
Temperaturen in Regen übergehen. Auf den Bergen bleibt wohl die Schneephase
vorherrschend.

In der erweiterten Mittelfrist soll der Hochdruckeinfluss weitestgehend erhalten
bleiben.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Große Unterschiede sind zwischen den Vorläufen und dem aktuellen IFS Lauf nicht
zu erkennen.
Am Montag wird der Trog etwas schneller nach Osten abgedrängt und das Hoch
stabilisiert sich etwas schneller von Westeuropa aus nach Mitteleuropa.
Weiterhin wird das Vordringen einer Kaltfront (Mittwoch/Donnerstag) ebenfalls
etwas schneller im aktuellen IFS Lauf simuliert. Dabei muss vor allem im
Nordosten des Landes mit Sturmböen an der Küste und mit starken bis stürmischen
Böen auch im Landesinneren gerechnet werden.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

An sich simulieren die betrachteten Globalmodelle alle einen ähnlichen Verlauf,
jedoch zeigt sich das IFS den Trog bzw. die Kaltfront am Mittwoch/Donnerstag
schnellsten auf Deutschland übergreifen lässt.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Der Spread ist im Plume von IFS bis Mittwoch recht eng, geht aber gerade im
Verlauf des Mittwochs deutlich auseinander. Der Operationelle und der
Kontrolllauf sind keine Außenseiter, liegen aber schon eher an der kalten Seite
der Verteilung.

In der Clusteranalyse des ECMWFs gibt es nur 2 Cluster. Der operationelle und
der Kontrolllauf befinden sich mit insgesamt 20 Membern in Cluster 2. Die
Cluster unterscheiden sich aber nur geringfügig. Das dominierende Hoch über dem
Atlantik bzw. Westeuropa ist in beiden Clustern zu finden. Es gibt natürlich
Varianzen was die Tröge/Randtröge angeht.

Insgesamt scheint die Vorhersage bis Mittwoch recht gut zu sein.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Wind:
Am Montag im Nordosten und auf den Mittelgebirgen an der Küste stürmische bis
Sturmböen wahrscheinlich. Im Binnenland verbreite Windböen.
Am Mittwoch erneute Zunahme des Windes, vor allem in der Nordosthälfte. An der
Küste, auf den Bergen und in Schauer- bzw. Gewitternähe Sturmböen, evtl. auch
schwere Sturmböen. Auch im Binnenland starke bis stürmische Böen wahrscheinlich.

Schnee:
Am Montag geringer Schneefall in den Mittelgebirgen. Am Mittwoch bzw. Donnerstag
leichter bis mäßiger Schneefall zunächst in den Bergen, später auch im Flachland
gering wahrscheinlich.

Glatteis:
In der Nacht zu Donnerstag strichweise gefrierender Regen oder Sprühregen nicht
auszuschließen.

Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, MOSMIX

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christina Speicher