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SXEU31 DWAV 141800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 14.01.2022 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Nach einem ruhigen Samstag vorübergehend etwas zyklonaler mit einem windigen bis
stürmischen Wochenstart im Nordosten. Im Grunde aber Reinkarnation des Hochs
über West- und Südwesteuropa.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … befindet sich Deutschland zwischen einem elliptisch geformten
Höhenhoch mit Zentrum über Ostfrankreich und einem sich gerade regenerierenden
Trog über dem nahen Osteuropa. Dominant ist aber eindeutig das Hoch, dessen
Zentrum bis Samstagfrüh die Schweiz in Richtung Norditalien überquert. Ausgehend
davon erstreckt sich ein Rücken in nordwestlicher Richtung über die Nordsee
hinweg bis zum Europäischen Nordmeer, wo dieser dann immer weiter abflacht. Das
korrespondierende Bodenhoch CARLOS schwächt sich zwar etwas ab, bleibt aber
potent genug (am Morgen immer noch etwas über 1030 hPa) und ausreichend breit
aufgestellt, um das Wetter im Vorhersageraum zu bestimmen. Damit ist indirekt
auch schon alles über den weiteren Werdegang der Kaltfront gesagt, die heute
Vormittag von Südskandinavien und der Ostsee her den äußersten Norden und
Nordosten erreicht hat. Sie kommt am Abend noch etwas landeinwärts voran, bevor
sie sich in den nächsten Stunden unweit der Divergenzachse aber auflösen wird.

Übrig bleibt ein breites und weitgehend geschlossenes Wolkenband, das von
Nordwestdeutschland bis hinüber in den östlichen Mittelgebirgsraum respektive
Nordbayern reicht, von wo aus es noch etwas weiter südwärts vorankommt. Seine
vertikale Mächtigkeit ist auf etwa 900, maximal 850 hPa begrenzt. Wie man
aktuell sieht, kann vor allem nach Osten hin hier und da etwas Nieselregen
fallen, was aufgrund positiver Temperaturen am Boden in der Regel kein Problem
ist. Lediglich im Randbereich, wo die Temperatur zuvor unter den Gefrierpunkt
sinkt bzw. vom Tage her gar nicht darüber angestiegen ist, kann vereinzelt
gefrierender Nieselregen nicht ausgeschlossen werden. In Frage kämen am ehesten
das südöstliche Thüringen sowie das sächsisch-bayerische Vogtland und das
nördliche Oberfranken. Erschrecken sollte uns das aber nicht, denn die
Regenraten – so denn überhaupt welcher auftritt – sind sehr gering, so dass von
einer nennenswerten, ja nicht mal lokal begrenzten Glatteislage nicht auszugehen
ist. Teilweise liegen die Wolken in den Mittelgebirgen auf, was (dichten) Nebel
zur Folge hat.

Südlich des Wolkenbandes setzt sich in der inzwischen schon als uralt zu
bezeichnenden Kaltluft das binäre Wetter fort. Heißt, entweder bleibt die Nacht
klar oder es bildet sich bzw. breitet sich vorhandener Nebel aus. Da die feuchte
Grundschicht aufgrund der nahezu aufliegenden Inversion sehr dünn ist, dürfte
sich vor allem dichter Nebel mit Sichtweiten unter 150 auf die Flussläufe
konzentrieren (vornehmlich Oberrheingraben, abschnittsweise aber auch Main und
Donau). Von den westlichen und zentralen Mittelgebirgen bis hinunter an die
Grenzen zu Österreich und der Schweiz geht die Temperatur auf 0 bis -6°C, an den
Alpen sowie in einigen Senken und Mulden der süddeutschen Mittelgebirge auf rund
-8°C zurück.

Leichten Frost gibt es abseits des unmittelbaren Küstensaums auch im
nordostdeutschen Binnenland etwa von SH bis hinüber ins nördliche BB. In der
postfrontal eingeflossenen abgetrockneten Polarluft bleibt es nämlich für
längere Zeit gering bewölkt oder klar, was bei weiter nachlassendem Wind
ausreichend Möglichkeit zur Abkühlung bietet. Allerdings soll zumindest ein Teil
des mühsam erworbenen wolkenarmen Areals von Südwesten her mit Hochnebel
„zumüllen“, dessen Gegenstrahlung dann wieder einen kleinen Temperaturanstieg
bewirkt.
Zuletzt noch eine Bemerkung zum Wind: Leichter Druckfall im Hoch, Druckanstieg
im Nordosten, über der Ostsee und in Südskandinavien lassen den Gradienten
weiter aufweichen, so dass der ohnehin schon stockende westliche Wind immer
schwächer wird.

Samstag … verlagert sich der Schwerpunkt des Höhenhochs zum Tyrrhenischen
Meer. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Setup bei uns
antizyklonal geprägt bleibt. Zum einen überdeckt der o.e., nord-nordwestwärts
ausgerichtete Höhenrücken quasi vollständig den Vorhersageraum, zum anderen
bleibt auch „Don“ CARLOS prominent aufgestellt. Zwar splittet er sich in mehrere
Zentren auf und verliert auch etwas an Substanz (um 12 UTC nur noch wenige
Flecken mit 1030 hPa oder mehr), seine flächenmäßige Präsenz (von Nordwestafrika
über die Iberische Halbinsel bis zum östlichen Mitteleuropa) bleibt aber
imposant.

Kurzum, wir Meteorologen müssen aufpassen, dass wir morgen vor Langeweile nicht
einschlafen, was aber durch ein paar interessante Begegnungen in
Fußballbundesliga (u.a. gastiert der oberbayerische Primus beim EffZeh und die
„Werkself“ bei den Fohlen) sowie den anstehenden Prognosen für die Folgetage
gerade noch mal abgewendet werden kann. Bei geringer Luftbewegung bleibt es in
weiten Landesteilen bedeckt oder neblig trüb. Vor allem von der Nordsee bis in
den zentralen Mittelgebirgsraum sowie weiter bis hinunter zur Donau stehen die
Chancen für Auflockerungen alles andere als gut. Etwas besser sieht es zwischen
Sachsen und Ostsee aus, allerdings sollte auch dort nicht von der ganz großen
Sonnennummer ausgegangen werden. Die gibt es mit voller Garantie im südlichen
Alpenvorland sowie allgemein in den Hochlagen der Südwesthälfte, aber auch in
einigen nebelfreien Niederungen Südwestdeutschlands besteht die Hoffnung auf
einen freundlichen Samstag.
Die Temperatur erreicht Höchstwerte von 2 bis 8°C (NRW und Emsland am
mildesten), bei Dauernebel im Süden lediglich um 0°C.

In der Nacht zum Sonntag schwenkt ein KW-Trog von UK/Irland sowie dem Seegebiet
nördlich davon in Richtung Nordsee. Er attackiert den bis dato bestimmenden
Rücken, der tapfer dagegenhält, trotzdem aber etwas nach Osten ausweicht. In den
Frühstunden erreicht ein PVA-Maximum den Nordwesten des Landes, das allerdings
mit KLA konkurriert. Am Ende halten sich die Hebungsprozesse in Grenzen, es
reicht allerdings, um anfangs im Westen noch vorhandenen Wolkenlücken/-löcher zu
schließen. Etwas Regen oder Nieselregen fällt am ehesten im direkten
Nordseeumfeld. Durch den einsetzenden Druckfall nimmt der Gradient in der
Nordhälfte kontinuierlich zu, ohne dabei aber über die Stränge zu schlagen. So
wird sich bis zum Morgen auch der Südwest- bis Westwind noch in Grenzen halten,
allenfalls auf der offenen Nordsee inkl. Helgoland könnte es für die ersten Böen
7 Bft reichen.

Im großen Rest des Landes bestimmen von wenigen Ausnahmen abgesehen Nebel,
Hochnebel bzw. hochnebelartige Bewölkung das Geschehen. Ausnahmen sind z.B. das
südliche Alpenvorland sowie höhere Lagen Süddeutschlands, aber auch Teile
Sachsens (Leeeffekte hinterm Erzgebirge durch aufkommenden Südwind). Während es
im Norden und Nordwesten frostfrei bleibt, kühlt es sonst auf +1 bis -6°C, an
den Alpen lokal bis -8°C ab.

Sonntag … wird „Don“ CARLOS zwar etwas gestutzt, kleinkriegen lässt sich der
Fürst von Asturien aber mitnichten. Gerade in seinem Südwestteil – wenn man so
will in seiner spanischen Heimat, aber auch im benachbarten Frankreich – bleibt
ein substanzieller Anteil des Hochs erhalten. Bei uns dagegen gibt´s einen auf
den „Deckel“, so dass im Druckfeld nur noch ein nach Süddeutschland gerichteter
Keil übrigbleibt. Dort, genau genommen südlich der Donau respektive im
Südbadischen sowie im Bereich Bodensee-Oberschwaben, scheint von einigen zähen
Nebelfeldern abgesehen die Sonne, direkt an den Alpen wahrscheinlich sogar bis
zum Abend.

Zur Mitte und nach Norden hin zonalisiert die Strömung südlich eines kleinen,
über Nordskandinavien ostwärts ziehenden Sturmtiefs (GERHILD). Das Tief verfügt
über eine sehr schwach ausgeprägte Kaltfront, die zwar von der Nordsee her auf
Deutschland zusteuert, bei der aber nicht sicher ist, dass sie den
Vorhersageraum auch wirklich erreicht. Weit wichtiger für die Tagesentwicklung
ist der o.e. KW-Trog, der uns im Tagesverlauf von Nordwest nach Südost
überquert. Dabei werden nicht nur neue, überwiegend tiefe Wolken herangeführt,
es werden zudem die vorhandene Hochnebel- bzw. ST/SC-Decke sowie die weit unten
liegende Inversion gehoben. Bis zum Abend steigt die Obergrenze der feuchten
Grundschicht auf 800 bis 750 hPa an, was gleichzeitig einen deutlichen Rückgang
der 850-hPa-Temperatur auf -2 bis -6°C zur Folge hat. Diese Abkühlung ist also
weniger advektiven Prozessen als vielmehr dem Anheben der Inversion geschuldet.

Wie auch immer, vornehmlich im Norden und Westen kommt es relativ ungeordnet zu
schwachen Regenfällen überwiegend in Form von Nieselregen (Tagessumme meist
unter 1 l/m²). Auch weiter südlich kann aus der angehobenen Wolkendecke etwas
Niederschlag fallen. Entgegen der Modellinterpretation von ICON6_Nest, das auf
Schnee oder Schneegriesel setzt, dürfte eher (gefrierender) Nieselregen fallen,
was von ICON-DE zumindest angedeutet wird. Grund ist die Temperatur an der
Oberkante der Feuchteschicht, die in den Prognosetemps etwas über der für die
Eiskeimbildung neuralgischen -10°C-Marke liegt (also wärmer ist), was gegen
Schnee spricht. Am Ende ist es zumindest tagsüber wohl aber eine akademische
Diskussion, da die Intensitäten so gering sind, dass sie quasi keinen Schaden in
Form von Glätte anrichten können. Außerdem steigt die Temperatur mit Ausnahme
höherer Lagen meist in den positiven Bereich.

So bliebe am Ende noch der westliche Wind, der im Norden sowie in einigen
Hochlagen am spürbarsten auffrischt. An der See sowie im unmittelbar
angrenzenden Binnenland erreicht er in Böen Stärke 7 Bft, an der Ostsee
exponiert 8 Bft. Der Brocken und der Fichtelberg, naja, ihr wisst schon…

In der Nacht zum Montag schwenkt der KW-Trog endgültig durch und wir gelangen
unter eine zunehmend antizyklonal konturierte nord-nordwestliche Höhenströmung
vorderseitig eines neuen Rückens über dem nahen Atlantik. Mit dem Trog verlagert
sich das nach wie vor schwache Niederschlagsgeschehen mehr und mehr über die
Mitte hinweg in die südlichen Bereiche. Da die feuchte Grundschicht vertikal
noch etwas zulegt, wird nun vermehrt auch die -10°C-Marke unterschritten (T850
um -3°C). Von daher ist es nachvollziehbar, dass ICON6_Nest verstärkt auf die
Schneephase setzt. Angesichts apostrophierter Niederschlagsmengen von maximal 1
bis 3 l/m² ist aber keine substanzielle Schneeakkumulation zu erwarten, nur
gebietsweise bildet sich im Süden und bedingt in der Mitte oberhalb 400 bis 600
m eine dünne Neuschneedecke. Trotz zunehmender Schneephase, ganz ist die
Glatteisnummer nicht vom Tisch. Zumindest vereinzelt kann im Süden und im
Bergland bei leichtem Frost etwas gefrierender (Niesel)Regen nicht ganz
ausgeschlossen werden.

Im Norden lockert es vorübergehend mal etwas auf, bevor sich zum Morgen hin
schon wieder die Wolken einer Warmfront eines neuen Tiefs bei Island bemerkbar
machen. Aus ihnen kann im Küstenraum etwas Regen oder Nieselregen fallen.
Wichtiger als das ist aber der merklich auffrischende westliche Wind, der Böen
der Stärke 7, vereinzelt 8 Bft immer weiter auf das nordostdeutsche Tiefland
ausgreifen lässt. Direkt an der See sowie im unmittelbar angrenzenden Binnenland
stehen Böen 8-9 Bft, auf Rügen später vielleicht sogar 10 Bft auf der Karte. Und
auch die Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge ziehen an, je nach Exposition
auf 8 bis 10 Bft.

Montag … starten wir am Rande eines halbneuen Hochs über UK/Irland und
Frankreich in die neue Woche. Es setzt sich zusammen aus den Resten von CARLOS
und einem neuen Teil (könnte DIETER werden), der sich vom Ostatlantik
herangemogelt hat. Wir auch immer „dat Dingen“ heißen mag, es wird gestützt von
einem Rücken, der sich von Südwesteuropa bis zum Europäischen Nordmeer
erstreckt. Auf dessen Nordostabdachung präsentiert sich vor allem im Norden und
Osten des Landes eine hochreichend lebhafte nordwestliche Strömung. Sie
resultiert aus dem enormen Gradienten zwischen dem Hoch (1035 bis 1040 hPa im
Zentrum) und einem Doppeltief (GERHILD) über Nordwestrussland (um 975 hPa).

Entsprechend zeigt sich der Montag in der Nordosthälfte windig, teils stürmisch
mit Böen 7-8 Bft, exponiert und an der Ostsee 9 Bft, in den bekannten Hochlagen
bis zu 11 Bft aus West bis Nordwest. In der einfließenden, sehr gut
durchmischten erwärmten Meeresluft polaren Ursprungs (T850 -2 bis -5°C) fällt
zeitweise etwas Regen, oberhalb rund 600 m Schnee (12h-Summen unter 5 l/m²).
Später kann es in Vorpommern etwas auflockern.

Nach Westen und Südwesten zu bleibt es nicht nur weitgehend trocken, es geht
auch deutlich weniger windig zu. Von einigen Auflockerungen im äußersten Westen
und Südwesten abgesehen hält sich aber auch hier starke Bewölkung. Die
Temperatur steigt auf 3 bis 9°C mit den höchsten Werten im Nordwesten.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle sind sich erstaunlich einig. Unschärfen respektive kleine
Unterschiede liegen im Marginalbereich. Trotzdem können einige Fragen zum
Niederschlag, vornehmlich zur Niederschlagsphase wahrscheinlich erst relativ
kurzfristig geklärt werden (siehe Text).

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann