#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Donnerstag, den 13.01.2022 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 13.01.2022 um 10.30 UTC

Mal mehr, mal weniger antizyklonale Nordwestlage.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 20.01.2022

Am Sonntag wird die Dominanz des hohen Druckes und Geopotentials über Süd- und
Westeuropa von einem Trog unterbrochen, der vom Nordmeer über Skandinavien nach
Südosten schwenkt und dabei auch Mitteleuropa streift. Die Kaltfront eines Tiefs
über Nordskandinavien überquert Deutschland dabei südwärts und führt
Meereskaltluft heran. Dank guter Durchmischung durch den auffrischenden Wind
bleibt es relativ mild. An den Küsten und im höheren Bergland sind Sturmböen zu
erwarten.
Am Montag zieht der Trog nach Osteuropa ab und von Westen her schiebt sich ein
markanter Höhenrücken herein, der zum Aufbau eines kräftigen
Bodenhochdruckgebietes über Westeuropa führt. An dessen Ostflanke liegt
Mitteleuropa unter einer nordwestlichen Strömung, wobei die schleifende
Kaltfront über Deutschland in die Warmfront eines Tiefs bei Island übergeht. Vor
allem in der Nordosthälfte weht teils frischer West- bis Nordwestwind mit
stürmischen Böen und zeitweilige Niederschläge fallen vor allem im Bergland als
Schnee.
Am Dienstag schwenkt der Rücken über Nordeuropa nach Osten und das entsprechende
Bodenhoch erstreckt sich zonal über Süddeutschland nach Osten. Mit der im Norden
aufkommenden Westströmung setzt die Zufuhr milderer Meeresluft ein. Überlagert
durch den Rücken treten aber bestenfalls leichte Regenfälle auf. Der
Druckgradient fächert auch im Nordosten wieder auf und am Temperaturniveau
ändert sich wenig. Bei Höchstwerten von 4 bis 9 Grad ist von Winter keine Spur.
Am Mittwoch zieht sich der Höhenrücken nach Südeuropa zurück, während sich über
dem Nordostatlantik ein neuer Keil aufwölbt. An dessen Ostseite kommt es vom
Nordmeer ausgehend nach Süden zu einem neuerlichen Kaltluftvorstoß nach Süden.
Der damit verbundene Trog weitet sich in der Folge nach Skandinavien aus. Die
vorderseitige Kaltfront kommt mit leichten Regenfällen und auffrischendem
Westwind zum Tagesende über Norddeutschland an.
Am Donnerstag schwenkt der Trog zügig über Skandinavien und Mitteleuropa nach
Südosten. Die Kaltfront des Bodentiefdruckgebietes über Finnland zieht über
Deutschland südwärts und lenkt einen Schwall frischer Kaltluft zu uns in der die
Temperaturen in 850 hPa im Norden bis -10°C zurückgehen können. Bei guter
Durchmischung hält sich der Temperaturrückgang im 2m Niveau noch in Grenzen. Die
Niederschläge gehen in Schauer über und fallen zunehmend bis in tiefe Lagen als
Schnee oder Graupel. Im Nordosten sind im Bereich höhenkalter Luft kurze
Gewitter möglich.
In der erweiterten Mittelfrist verstärkt sich wahrscheinlich wieder der
Hochdruckeinfluss, wobei um dem Höhenrücken über Westeuropa erneut der Zustrom
milderer Luft einsetzt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz der letzten Läufe des europäischen Modells ist gut. Mittelfristig
liegen wir unter einer mal mehr, mal weniger antizyklonalen Nordwestströmung.
Vor allem der Nordosten wird von Tiefausläufern mit Niederschlägen und
auffrischendem Wind beeinflusst, deren Auswirkungen nach Westen hin immer
schwächer werden. Unterschiede beschränken sich weitgehend auf Phase und
Amplitude der kurzen Wellen, bzw. leichte Timingunterschiede bei den langen
Wellen.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die anderen globalen Modelle liefern keine alternativen Lösungen und zeigen eine
ähnliche Entwicklung wie das europäische IFS. Erst zum Ende schert das GFS aus
und simuliert den Trog am Mittwoch und Donnerstag der nächsten Woche deutlich
schwächer. Entsprechend fällt der Kaltluftvorstoß nach Mitteleuropa in diesem
Modell auch wesentlich schwächer aus.

In der erweiterten Mittelfrist scheint die Nordwestlage weiter zu gehen;
antizyklonal nach Südwesten hin, zyklonaler im Nordosten.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Anhand der Rauchfahnen diverser deutscher Städte stützen die Ensembles im
Wesentlichen die Aussagen des Hauptlaufes. Vor allem die Geopotentialkurven
liegen bis nächsten Mittwoch eng beieinander und fächern erst mit dem Trog zum
Ende der Mittelfrist stärker auf. Bei den Temperaturen sind die Unsicherheiten
größer, einige Member zeigen zu Beginn der nächsten Woche, rückseitig des ersten
Troges die kältere Luft zäher und weiter nach Südwesten ausgreifend über
Deutschland. Die im ersten Abschnitt beschriebene Schleifzone wäre dann wohl
deutlich weiter im Südwesten zu suchen. Vor allem Sonntag/Montag sowie ab
Mittwoch gibt es (meist leichte) Niederschlagssignale.
Die 6 Cluster im ersten Zeitschritt bis +96h unterscheiden sich für Mitteleuropa
nicht groß. Im Hauptmittelfristzeitraum bis +168h werden 5 Cluster gebildet. Der
Hauptlauf liegt in Cluster 1, 12 Member. Insgesamt ist hier eine retrograde
Verlagerung des Höhenrückens von Westeuropa hin Richtung Nordatlantik zu
erkennen, entsprechend werden auch fast alle Cluster in dieses Wetterlagenmuster
eingruppiert.
In der erweiterten Mittelfrist könnte sich der Rücken aufspalten und ein Ableger
davon wieder Richtung europäisches Festland vorankommen. Die Troglage über dem
östlichen Mitteleuropa wäre demnach nur eine Episode.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Mittelfristig ist am Rand des Hochs über Westeuropa vor allem der Wind von
Interesse, bzw. warnrelevant. Höhepunkt, sofern man überhaupt davon sprechen
kann, ist am Montag, wenn in der Nordosthälfte bei Graupelschauern auch mal
Sturmböen dabei sein können. An den Küsten und im Bergland sind dann schwere
Sturmböen nicht ausgeschlossen, wie sie unter anderem im Mos und ECM EPS
angeboten werden. Auch das EFI gibt entsprechende Hinweise auf eine Windlage.
Danach beruhigt sich das Wetter wieder, auch wenn der Wind in Form von
stürmischen Böen an der See und im Bergland nicht ganz vom Tisch ist. Am Montag
sind im Bergland Schneefälle möglich, auch wenn hier das markante Level kaum
erreicht werden dürfte. Eventuell sind in einigen Hochlagen Schneeverwehungen
dabei.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mos Mix, IFS (EPS)

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner