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SXEU31 DWAV 251800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 25.11.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Freitagabend an der Nordsee und auf exponierten Gipfeln stürmisch. Im Bergland
oberhalb etwa 400 Metern zunehmend winterlich, im Flachland oft nasskalt.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 12 UTC

Aktuell … schwenkt ein flacher Randtrog des umfangreichen Höhentiefs über der
Norwegischen See, das für die Jahreszeit mit stattlicher Kaltluft unter -40 Grad
in 500 hPa bis auf Höhe Tromsö angereichert ist, von Benelux zur Landesmitte und
schwächt sich dabei ab. Ihm geht schlicht die Baroklinität aus in der doch recht
einheitlichen Meereskaltluft über Deutschland mit 850 hPa Temperaturen um die -5
Grad und auch aus der Höhe fehlt weitere Unterstützung, da bereits stromauf ein
viel markanterer Randtrog mit eigenständigem Drehzentrum bei den Färöer lauert.
Doch dazu gleich mehr.

Zunächst einmal bedeutet das für die bodennah dem ersten Trog vorgelagerte
schlappe Kaltfront, dass sie sich über den zentralen Mittelgebirgen in den
nächsten Stunden auflöst. Örtlich fällt dabei noch etwas Nieselregen, oberhalb
rund 400 Metern auch ein paar Flocken. Das sollte allerdings von den Mengen her
so gering sein, dass es glättetechnisch kaum ins Gewicht fallen sollte.
Postfrontal ziehen in Küstennähe und in Niedersachsen noch einzelne Schauer
durch, die bei nächtlichen Minima von 6 bis 1 Grad aber unkritisch sind. Nach
Abzug des Bodentroges in der zweiten Nachthälfte Richtung Bornholm lässt dann
auch der Wind an den Küsten deutlich nach, so dass in den Frühstunden des
Freitags allenfalls noch Böen der Stärke 6 auftreten sollten.

Interessant ist auch, was sich im Süden des Landes abspielt. Dort ist ein
(weiteres und seit mehreren Tagen schon) dipolartiges Höhentief aktiv, wobei
sich der östliche Kern dem Golf von Genua nähert. Vorderseitig kommt vom
Hochrhein bis zu den Alpen eine schwache Gegenstromlage in Gang mit
entsprechendem Aufgleiten (schwache WLA) und von der Schweiz einsetzenden
leichten Schneefällen (im Radar bereits erhebliche Signaturen, den Boden
allerdings bisher kaum erreichend). Bis zum Morgen weiten sich diese zur
Schwäbischen Alb bis in den Raum Ingolstadt aus. Mit 1 bis 3, vereinzelt auch
bis 5 mm (respektive Zentimeter Neuschnee) sind die Mengen gering. Gleichwohl
fallen die Niederschläge in ein Gebiet, das teilweise die letzten 2 Tage im
leichten Dauerfrost lag, so dass sprichwörtlich jede Flocke liegen bleiben
sollte. Direkt am Bodensee könnte es bei Werten um den Gefrierpunkt knapp
werden, sonst ist der leichte Frost in der Südhälfte angesichts der aktuelle
gemessen Werte bestätigt eine sichere Bank (Ballungszentren im Rheingraben
einmal ausgeklammert).

Sonst bleibt es zwar vielfach dicht bewölkt, aber weitgehend niederschlagsfrei.
Aufgrund mangelnder großflächiger Auflockerungen bleibt die Nebelgefahr
insgesamt gering.

Freitag … kommt verstärkt unser bereits erwähnter Höhentrog bei den Färöer ins
Spiel, der sich dank rückseitig südwärts gerichteter KLA weiter zu den
Britischen Inseln und zur südwestlichen Nordsee ausweitet. Auf dessen
Vorderseite gelegen liegt Deutschland in einer zyklonal geprägten südwestliche
Strömung. Dabei greift ein erstes IPV Maximum um die Mittagszeit auf den Westen
Deutschlands über und hebt die ohnehin schon vielfach kompakte tiefe Wolkendecke
etwas an, so dass vor allem vom Wendland und der Prignitz bis zur Mosel etwas
Regen, oberhalb etwa 400 bis 500 Metern auch Schnee fällt.

Ein etwas stärkeres Niederschlagsevent setzt dann in den Abendstunden an der
Grenze zu Benelux ein, welches mit der Annäherung der nahezu strömungsparallelen
Okklusion in Verbindung steht. Bis 18z sind dort binnen 6 Stunden bis 5 l/qm
möglich.

Mit Frontannäherung frischt der südliche Wind etwas auf, so dass in Leelagen der
westlichen Mittelgebirge einzelne Windböen (Bft 7), an der Nordsee Sturmböen
(Bft 8 bis 9) auftreten. Mit 30% Wahrscheinlichkeiten für einzelne schwere
Sturmböen über der freien Nordsee im ICON-D2 EPS sind diese insbesondere für
Helgoland nicht auszuschließen.

Im Osten Deutschlands dominieren zwar auch die Wolken, ausgehend von den
Leegebieten von Thüringer Wald und Erzgebirge kann es nach Norden hin aber auch
zeitweise Auflockerungen geben.

Im Süden fällt nach Abzug des Genuatiefs zur Adria und keinerlei nennenswerten
Hebungsantrieben nur noch vereinzelt etwas Schnee. Auch wenn es noch überwiegend
windschwach bleibt, so weht der auf West drehende Wind allgemein schwach bis
mäßig, so dass es für bodennahe Kaltluftschichten schwer ist sich gänzlich über
den Tag zu halten. Insofern stehen die Vorzeichen für die tiefen Lagen bei
teilweise auch etwas Niesel- oder Sprühregen und wenig über 0 Grad eher auf
Tauwetter (sofern es überhaupt etwas zu tauen gibt). Oberhalb von etwa 600
Metern herrscht leichter Dauerfrost und die Neuschneemengen können sich auf
wenige Zentimeter (maximal 1 bis 3 cm) „akkumulieren“. Bezüglich der
Schneemengen im Berchtesgadener Land und im Raum Passau divergieren die Modelle
noch ein wenig. So könnte der östlichste Zipfel doch noch einen etwas
kräftigeren Streifschuss der Aufgleitschneefälle über Österreich abbekommen.
Mengen um 5 cm binnen 12 Stunden sind durchaus wahrscheinlich, bei 10 Zentimeter
sehen auch die Ensembles (COSMO-LEPS, IFS-EPS) die absolute Obergrenze.

Im großen Rest des Landes liegen die Höchstwerte bei 3 bis 7 Grad.

In der Nacht zum Samstag etabliert sich das nun mehr achsensenkrechte Tief im
Bereich der Rheinmündung. Auf dessen Vorderseite kommt die Okklusion nur wenig
ostwärts voran und erreicht in der zweiten Nachthälfte auch die Gebiete von
Schleswig-Holstein über Hessen bis zum Schwarzwald. Bei recht guter
Durchmischung fällt bei T850 um -3 Grad in tiefen Lagen meist Regen oder
Schneeregen, oberhalb von 300-400 Meter meist Schnee. Vor allem an den
Südrändern der westlichen Mittelgebirge (v.a. Hunsrück, Bergisches Land, Taunus)
sind durchaus markante Schneefälle mit 5 bis 10 cm binnen 6 Stunden vorstellbar,
meist bleibt es aber bei 1 bis 5 cm im gleichen Zeitraum. Verwehungen sind
aufgrund des nassen Schnees kein Thema, wenngleich der Wind vor allem eingangs
der Nacht in Kamm- und Leelagen der westlichen Mittelgebirge noch Böen bis
Stärke 7 erreicht. Auch auf den Nordseeinseln lassen die Sturmböen im Laufe der
Nacht nach.

Im Rest des Landes fällt unter kompensatorischen Absinkens kaum Regen oder
Schnee und es lockert zeitweise auf. Daher gehen die Temperaturen in der
Südosthälfte verbreitet in den leichten Frostbereich zurück. Vom Ruhrgebiet bis
zu den Küsten bleibt es frostfrei.

Samstag … rutschen wir vollends in die Troglage hinein. Insgesamt reicht
dieser von Skandinavien über Westeuropa bis in den westlichen Mittelmeerraum. Im
Bereich des Höhentiefzentrums über Westdeutschland sind auch einzelne kalte
Blasen mit -35 Grad in 500 hPa eingelagert. Zusammen mit den -5 Grad in 850 hPa
ergibt sich eine zunehmend labile Schichtung, weshalb die Niederschläge immer
mehr konvektiven Charakter annehmen. In der Westhälfte Deutschlands ist auch ein
kurzes Gewitter mit Schnee und Graupel nicht ausgeschlossen bei Cloud Tops, die
bei lokalen Overshootings bis zum Tropopausenniveau auf 400 hPa (unter -40 Grad)
vorstoßen können. Signifikantes CAPE wird jedoch nicht gering, dafür ist die
Schichtung gerade so „nur“ feucht-labil.

Die Herausarbeitung der einzelnen Niederschlagsschwerpunkte fällt nun zunehmend
schwer, da darüber eigentlich nur noch schwache Kurzwellentröge entscheiden, die
von Südwest nach Nordost ablaufen. Modellübergreifend bleibt dabei die Tendenz
bestehen, dass ein signifikanterer Kurzwellentrog vor allem über den Alpenraum
hinwegschwenkt, so dass am Alpenrand Neuschneemengen um 10 cm binnen 12 Stunden
vorstellbar sind. Die Niederschlagssummen bewegen sich sonst in der Regel aber
in Größenordnungen zwischen 1 und 5 l/qm, wobei die „Schneeliegenbleibgrenze“
tagsüber auf etwa 500 bis 600 Meter ansteigt.

Mit größter Entfernung zum Trog und föhniger Überströmung des Erzgebirges bleibt
es im Osten des Landes noch weitgehend trocken bei zeitweiligen Auflockerungen.

Bis auf exponierte Gipfellagen (Brocken, Feldberg), wo noch Sturmböen auftreten
können, ist der Wind allgemein kein Thema mehr.

Die Höchstwerte liegen unverändert zwischen 2 und 6 Grad, im höheren Bergland
herrscht Dauerfrost. Somit bleibt es vorerst dabei, dass es in tiefen Lagen noch
unwinterlich und allenfalls nasskalt wird.

In der Nacht zum Sonntag schwenkt der Trog in seinem Südteil wenig ostwärts
Richtung Sardinien, was die Warmluftzufuhr auf dessen Vorderseite verstärkt und
eine Vb-artige Entwicklung in Gang setzt. Wo diese genau ansetzt, bleibt aber
zum jetzigen Zeitpunkt im Detail noch unklar. Dass die (leichten) Schneefälle am
Alpenrand zumindest weiter andauernd, ist aber wahrscheinlich.

Sonst sind im Zentralbereich des Troges noch vermehrt (im Osten kaum)
schauerartige Niederschläge unterwegs, die bei stärkeren Intensitäten bis in
tiefe Lagen als nasser Schnee fallen können. Dann herrscht entsprechend
kurzzeitig Glättegefahr, auch, wenn nach Abzug eines Schauers Auflockerungen
einsetzen und die Restnässe überfriert. Sie wird man wohl nicht umhinkommen,
etwas großzügiger und offensiver in dieser Nacht Glättewarnungen auszugeben.

Die nächtlichen Minima liegen nämlich allgemein um den Gefrierpunkt, bei
längerem Aufklaren sowie im Bergland bei -2 bis -4 Grad. Lediglich an den Küsten
wärmt das noch vergleichsweise warme Wasser von Nord- und Ostsee (6 bis 10
Grad), so dass es auf den Inseln weitgehend frostfrei bleibt.

Sonntag … in der Mittelfrist hat der Kollege Hoffmann von einem „monumentalen
Langwellentrog“ gesprochen und das ist er definitiv – überdeckt er doch weite
Teile Skandinaviens, Mittel- und Westeuropas und reicht inzwischen in seinem
Südteil bis Algerien und Tunesien. Die afrikanische Küste wird in 850 hPa
bereits von der 0 Grad – Isotherme „geküsst“. Die ungemütlichen Tage der dem
drohenden Winter entfliehenden Urlaubern auf den Balearen gehen somit in die
Verlängerung.

Über Deutschland ist dieser weiterhin angereichert mit hochreichend kalter,
maritimer Polarluft (T850 um -6°C, T500 -30 bis -35°C), die nach wie vor für
einen wolkenreichen und nasskalten Wettercharakter sorgt. Das ursprüngliche
Hauptdrehzentrum am Boden über dem Nordwesten Deutschlands verliert sich im
Tagesverlauf zusehends und die hauptsächliche Dynamik findet weiter im Osten
statt, wo ein Kurwellentrog von der Adria und Slowenien nordwärts nach Polen
schwenkt und an der Frontalzone östlich unseres Vorhersagegebietes eine oder gar
mehrere Vb-artige Wellentiefs induziert. Interessanterweise schwenkt der 12z
Lauf des GFS auf den 0z Lauf des IFS ein und simuliert eine markante
Tiefdruckentwicklung über der Slowakei, das sich zum Abendtermin 18z über Polen
mit unter 990 hPa leicht westwärts eindreht. Die Folge wären aufkommende
Aufgleitniederschläge (bodennahe Winde aus Nordwest, in der Höhe Südost) im
Grenzgebiet zu Tschechien und Polen, wobei die Prognosesoundings durchgängig die
feste Phase nahelegen, da die Temps bei negativen Temperaturen hochreichend
gesättigt sind. Noch zu klären wäre allerdings, ob der auffrischende Wind nicht
zu einer derartigen Durchmischung (auch unter Einbezug vergleichsweise milder
Ostseeluft führt), so dass es eben bei +1 oder +2 Grad doch nicht ganz für einen
Wintereinbruch auch im Flachland reicht. Zudem müssen Folgeläufe und Ensembles
erstmal Zugbahn und Niederschlagsintensität (IFS immerhin bis 10 l/qm binnen 6
Stunden) bestätigen. Die Gefahr scheint derzeit allerdings groß, dass ICON im
aktuellen 12z Lauf hier womöglich auf dem „falschen Trichter“ ist und es
weiterhin bei eher unorganisierten Schauern belässt.

Wie auch immer, den äußersten Osten und Südosten ausgeklammert, ändert sich das
Wetter gegenüber dem Vortag kaum. Gebietsweise ziehen einzelne Schnee- oder
Regenfälle durch, wobei es in tiefen Lagen tagsüber glättetechnisch entspannt
sein sollte. Oberhalb etwa 400 Metern sollte es dagegen immer mehr nach Winter
aussehen, 3 Tage vor dem meteorologischen Winteranfang.

Modellvergleich und -einschätzung

Dass die Niederschlagsschwerpunkte zum Teil etwas unterschiedlich gesetzt
werden, kann bei dieser vergleichsweise komplexen Troglage ab dem Wochenende
nicht überraschen. Vor allem die etwaige Vb-artige Entwicklung am Sonntag ist
noch mit großen Unsicherheiten behaftet. Dass GFS 12z jetzt auf IFS 0z
einschwenkt mit Aufgleitschneefällen im äußersten Osten und Südosten des Landes
am Sonntag macht die ICON Lösung zunehmend unwahrscheinlicher.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen