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SXEU31 DWAV 201800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 20.11.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Vorübergehend sich abschwächender Hochdruckeinfluss und von der Nordsee her
Übergreifen einer Kaltfront. Dabei aber kaum signifikante Wettererscheinungen.
Zum Montag hin von Norden her ein neuer Hochkeil.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … befindet sich Deutschland am antizyklonalen Rand der Frontalzone,
die mit leicht antizyklonaler Kontur von UK/Irland bis etwa zur Ukraine
verläuft. Derweil plustert sich über dem Ostatlantik ein monumentaler Rücken
auf, auf dessen Ostabdachung – quasi als downstream-development – ein
amplifizierender, stark positiv geneigter Höhentrog bis zur Nordsee schwenkt.
Vorderseitig wird Druckfall ausgelöst, der das heute über Süddeutschland
positionierte Hoch VALENTINA zwar immer weiter schwächt, zunächst aber noch
nicht von der Wetterkarte bekommt. So steht der Südhälfte und Teilen der Mitte
einmal mehr eine grenzschichtgeprägte Nacht bevor, in der zumindest in der Mitte
die tagsüber noch bei 900 hPa liegende Absinkinversion etwas angehoben wird. In
weiten Teilen bleibt die hochnebelartige Bewölkung vorhanden, dort, wo es
tagsüber offen war (aktuell ein großes „Loch“ im Westen und ein kleineres in der
Mitte), bildet sich zumindest in den Flussniederungen Nebel. In Alpennähe sowie
z.T. auch in Senken und Tälern der süddeutschen Mittelgebirge geht die
Temperatur in den leichten Frostbereich bis -3°C zurück. Hier und da kann
Reifglätte nicht ganz ausgeschlossen werden.

Vom Süden in den Norden, wo die Abläufe ganz anders, zyklonaler geartet sind.
Ursache ist das flache Wellentief WOLFGANG, das innerhalb der Frontalzone von
Südskandinavien ins Baltikum „geschwemmt“ wird. Damit kann die zugehörige
Kaltfront mit seinem frontalen Regengebiet von der Nordsee her auf
Nordwestdeutschland übergreifen, wo vom westlichen NDS bis nach SH bis zum
Morgen 1 bis maximal 5 l/m² fallen. Zwar kann es auch weiter süd-südöstlich hier
und da etwas nieseln (Anheben der tiefen, hochnebelartigen Bewölkung), die
Mengen sind aber eher homöopathischer Natur.
Zum Wind, der hinter Front auf West bis Nordwest dreht und zunächst an der
nord-, im Verlauf auch an der Ostsee von Westen her nachlässt. Gegen Morgen
treten Böen 7 Bft am ehesten noch zwischen dem Darß und Rügen auf.

Sonntag … dehnt sich der kräftige Höhenrücken über dem Ostatlantik sukzessive
nach Osten gen Norwegische See/Norwegen aus. Da gleichzeitig der breite Rücken
über dem zentralen Mittelmeer nur sehr unwillig nach Osten verschwindet, wird
der o.e. Höhentrog quasi immer mehr in die Zange genommen. Zwar macht er etwas
„Boden“ nach Südosten hin gut, was aber auf Kosten der Wellenlänge geht.
Stattdessen nimmt die Amplitude immer weiter zu und am Ende kommt es wie es
kommen muss, der Trog tropft spätestens in der Nacht zum Montag über der Biskaya
ab.
Aus der Höhe ins Bodenniveau, wo der schmale WOLFGANG (das Wellentief will sich
partout nicht weiterentwickeln) weiter seinen Weg nach Osten geht und dabei
Belarus überquert, um letztendlich im Westen Russlands zu landen. Die zugehörige
Kaltfront schwenkt langsam südostwärts, überquert dabei in Seelenruhe den
zentralen Mittelgebirgsraum, um in den (späten) Abendstunden die nördlichen
Landesteile von Bayern und BW zu erreichen. Das frontale Regengebiet verlagert
sich bis in die Mitte, wobei sich Intensitäten gegenüber der Nacht nicht
nennenswert ändern (meist 1 bis 5 l/m²).

Der äußerste Süden zeigt sich von den geschilderten Ereignissen tagsüber noch
vollkommen unbeeindruckt, auch wenn die Druckverteilung inzwischen einer
amorphen Struktur gewichen und Hoch VALENTINA nicht mehr wirklich auszumachen
ist. Die Inversion verharrt hartnäckig bei 900 hPa, was wettermäßig Hochnebel
und teils zäher Nebel, vor allem in höheren Lagen (Alpen, südliches Vorland,
Hochlagen der südlichen Mittelgebirge) aber auch viel Sonnenschein bedeutet. Je
weiter man nach Norden in den beiden südlichsten Bundesländern kommt, desto mehr
überwiegt hochnebelartige Bewölkung, aus der es stellenweise etwas nieselt.

Ja und dann wären da ja noch die postfrontalen Regionen im Norden und Westen des
Landes, die sich in der frisch einfließenden polaren Meeresluft (Rückgang T850
auf rund -3°C) auf Wolkenauflockerungen und sogar einige sonnige Abschnitte
freuen können. Dass dabei vornehmlich an der Küste in indifferenter bis leicht
labil geschichteter (bis etwa 500 hPa) Atmosphäre noch ein paar Schauer auf den
Plan treten, wird angesichts nun schon seit Tagen verbreitet auftretenden,
weitgehend geschlossen Wolkendecke sicherlich gerne toleriert.
Erwähnenswert auf alle Fälle noch die Windentwicklung, wo zunächst die bereits
angesprochene postfrontale Gradientaufweichung greift. Zum Nachmittag hin
allerdings schwenkt von Südskandinavien her ein markanter Bodentrog in den
äußersten Norden, der für eine Winddrehung auf Nordost sorgt. Außerdem frischt
der Wind über der Deutschen Bucht soweit auf (Gradient und Konvektion), dass
zumindest auf den dortigen Inseln ein paar steife Böen 7 Bft möglich sind. Trotz
KLA reicht es im Norden des Landes noch mal für zweistellige Höchstwerte unweit
von 10°C, während im Süden bei zähem Nebel 5°C ein noch größerer Erfolg wären
als der gestrige Überraschungssieg der „Augsburger Datschis“ über die
glorreichen Bayern.

In der Nacht zum Montag wurde der Cut-Off des Höhentroges bereits erwähnt. Nicht
erwähnt wurde, dass die Kaltfront trotz geringer Schubkomponente noch etwas
weiter nach Süden vorankommt, die Alpen wohl aber nicht erreicht. Entsprechend
bleibt es in weiten Teilen südlich der Donau weitgehend trocken. Dafür werden
aber die tagsüber noch vorhandenen offenen Gebiete zunehmend mit mehrschichtiger
Bewölkung überzogen, was die nebel- und Frostwahrscheinlichkeit auf ein Minimum
reduziert bzw. ganz auf null sinken lässt. Zwischen Main/Mosel und Donau sowie
etwas nördlich davon regnet oder nieselt es zeitweise meist leichter Natur.

Im postfrontalen Norden lassen die anfänglich an der Küste noch auftretenden
Schauer mehr und mehr nach. Bemerkbar mach sich der zunehmende Einfluss des
neuen „Sterns“ am Hochdruckhimmel, dem Hoch WALPURGA. Es thront über dem
Seegebiet nordwestlich von Irland (über 1035 hPa im Zentrum), von wo aus ihre
Expansionsgelüste Richtung Ost-Südost unverkennbar sind. Bei unterschiedlicher
Bewölkung, teils auch längerem Aufklaren geht die Temperatur stellenweise auf
0°C oder etwas darunter zurück, gebietsweise tritt leichter Frost in Bodennähe
auf. Der am Abend an der Nordsee noch recht ruppige „Nordost“ verliert im Laufe
der Nacht zunehmend an Mobilität.

Montag … zieht das Residuum des abgetropften Höhentrogs im Laufe des Tages in
Richtung Polen und Tschechien ab. Den freiwerdenden Platz nimmt der Keil des
westlich von Irland verbleibenden Höhenhochs ein, während das Cut-Off-Tief sich
zur Iberischen Halbinsel verlustiert. Auch am Boden setzt das Hoch WALPURGA
weitere Akzente, indem es über UK/Irland hinweg einen veritablen Keil bis nach
Mitteleuropa respektive Deutschland aussendet. Am Abend verläuft die
Divergenzachse von NRW bis nach Sachsen. Im Süden halten sich noch die Reste der
Kaltfront, was dort für eine ganztägig geschlossene Wolkendecke und gebietsweise
leichte Niederschläge sorgt, die in höheren Lagen in der festen Phase fallen.

In den mittleren Landesteilen startet der Montag mit unterschiedlichen
Bewölkungsverhältnissen, gerade nach Osten hin aber häufig mit einem stark
bewölkten bis bedeckten Himmel. Fortwährendes Absinken und eine dadurch
schrumpfende Grundschicht sowie eine kontinuierliche Abtrocknung in der von
Norden einfließenden Polarluft sorgen im Tagesverlauf vermehrt für
Auflockerungen und sonnige Abschnitte, vor allem nach Westen hin. Es sei
allerdings darauf hingewiesen, dass IFS diesbezüglich eine weit pessimistischere
Linie fährt als ICON, bei der es in der Mitte sogar zeitweise nieselt. Den
meisten Sonnenschein gibt es zum Wochenstart trotz einiger lockerer Wolken im
Norden und Westen. Mit Durchrutschen der Divergenzachse und Rückdrehen des
Windes auf westliche Richtungen greift zum Nachmittag und Abend vermehrt WLA auf
die Küstenregion und Teile des Norddeutschen Tieflands über, so dass von der See
und von Dänemark her die Bewölkung allmählich wieder zunimmt. Vielleicht reicht
es an der Nordsee am Abend für ein paar Tropfen Regen oder Nieselregen, was aber
noch nicht sicher ist. Unsicher ist auch noch, ob der an der See wieder
auffrischende Wind schon Warnkriterien reißt. Weit belastbarer fällt da die
Temperaurprognose aus, die Höchstwerte zwischen 3 und 8°C ausweist.

In der Nacht zum Dienstag weitet sich der Höhenkeil noch etwas weiter nach Osten
aus, während gleichzeitig die Divergenzachse des Bodenhochs noch ein kleines
Stück nach Süden vorankommt. Laut ICON_Nest von 12 UTC reicht sie am Morgen von
der Mosel bis zum Bayerischen Vogtland, was sich bis dahin aber noch leicht
ändern kann. Fakt ist, dass von Norden her die starke Bewölkung und sie leichten
Niederschläge (Nieseln oder etwas Regen) peu a peu weiter nach Süden bis zur
nördlichen Mitte vorankommen. ICON bietet gegen Morgen im Bereich südliches
NDS/südliches Sachsen-Anhalt/Nordthüringen, wo die Temperatur zuvor in den
leichten Frostbereich abgesunken ist, ein paar „rote Schlangen“ an (gefrierender
(Niesel)Regen), die uns aber nicht zu stark schrecken sollten. Zum einen steht
noch gar nicht fest, dass der Regen tatsächlich so weit nach Süden vorankommt
(siehe externe Modelle), des Weiteren könnte Gegenstrahlung die Temperatur recht
zügig wieder in positiven Bereich ziehen und schließlich ist der Boden alles
andere als durchgefroren.
Nichtsdestotrotz, mit Ausnahme des äußersten Südens (Restbewölkung) und des
äußersten Nordens (neue Bewölkung plus Wind) muss vielerorts mit leichtem Frost
bis zu -5°C bei längerem Aufklaren gerechnet werden. Wie gesagt, die Details
hängen stark von der Detailentwicklung der Bewölkung ab. Der an der Küste
mitunter böig auflebende Wind (Nordsee NW, Ostsee um W) kratzt immer mal wieder
an der unteren Warnschwelle 7 Bft, ein Warnung bietet sich nach jetzigem Stand
aber nicht unbedingt an.

Dienstag … verbleibt Deutschland im brückenförmigen Hochkeil, der sich vom
nahen Atlantik bis zum Schwarzen Meer erstreckt und der in der Höhe weiterhin
vom o.e. Keil gestützt wird. Unter dem Strich bedeutet das unspektakuläres
Wetter, das – ganz grob – in der Südhälfte teils sonnig, teils hochnebelartig
bedeckt bzw. neblig trüb und in der Nordhälfte wechselnd bis stark bewölkt mit
örtlich etwas Nieselregen verläuft. Im Hochschwarzwald frischt der Nordostwind
in Böen stürmisch auf, ansonsten gibt sich der Wind vergleichsweise handzahm.
Die Höchsttemperatur ist mit 3 bis 9°C auf Normal- bis Leicht-zu-mild-Kurs.

Modellvergleich und -einschätzung

Hinsichtlich der großräumigen Entwicklung sind sich die Modelle einig.
Unschärfen zeigen sich bei der Bewölkung und bei den Niederschlägen, was im Text
angerissen wurde.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann