#DWD -> #SXEU31 #DWAV 141800 #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #KURZFRIST ausgegeben am Montag, den 15.11.2021 um 18 UTC

SXEU31 DWAV 151800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Montag, den 15.11.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Ruhiges Hochdruckwetter mit Hochnebel. Am Mittwoch von Norden her vorübergehend
mehr Tiefdruckeinfluss, etwas Regen und an den Küsten und auf höheren Bergen
stürmisch.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 12 UTC

Aktuell … bestimmt hohes Geopotential vom Atlantik her brückenartig verbunden
über ein Höhenhoch über Osteuropa bis nach Südosteuropa das Wettergeschehen in
weiten Teilen Europas und auch bei uns. Nördlich davon mäandriert die
Frontalzone über der Mitte und dem Norden Skandinaviens. Des Weiteren dreht über
dem westlichen Mittelmeer ein umfangreiches, aber recht flaches Höhentief seine
Kreise. Dieses korrespondiert mit einer umfangreichen Bodentiefzone, in das
mehrere kleine Zentren eingelagert sind. Wir liegen bodennah im Bereich einer
Brücke zwischen Hochs nördlich der Azoren und über Osteuropa, wobei die
Divergenzachse knapp nördlich unseres Landes liegt. Damit weht der Wind überall
im Land aus Ost bis Nordost, wobei er nur im östlichen Bergland etwas frischer
weht, sonst meist nur schwach bis mäßig. Wetterprägend ist eine Inversion um 900
hPa, unter der sich eine feuchte Luftmasse befindet, so dass sich weite Teile
des Landes unter einer Hochnebeldecke befinden, aus der auch mal ein
Nieseltröpfchen fallen kann, womit eher IFS auf der richtigen Spur ist. Der
Inversionshöhe entsprechend schauen nur wenige höhere Berge aus der
Hochnebelsuppe heraus, ansonsten wurde in diese in Ostbayern ein großes Loch
gerissen, auch vom Erzgebirge her sind einige Auflockerungen entstanden.

In der Nacht zum Dienstag ändert sich nicht viel an der Lage. Das östliche Hoch
wandert etwas nach Süden, auch der Tiefschwerpunkt über dem Mittelmeer verlagert
sich südwärts, so dass sich der Wind über Deutschland noch leicht abschwächt und
eher auf Ost dreht. Im Süden schläft er sogar fast ein. Abseits des Hochnebels
muss mit Nebelfeldern gerechnet werden, ansonsten kann sich in den Nachtstunden
natürlich auch wieder der Hochnebel ausdehnen oder es können im Hochnebelbereich
Sichtverschlechterungen eintreten, wobei aufgrund der Inversionshöhe dann eher
mittlere Lagen des Berglandes von den schlechten Sichten betroffen sein können.
Unter der Hochnebeldecke geht die Temperatur nur wenig zurück auf Werte meist
zwischen 5 und 1 Grad. Leichten Frost gibt es am ehesten in den klaren Gebieten
in den Alpen und im Bayerischen Wald.

Am Dienstag … ändert sich weiterhin nicht allzu viel. Im Atlantik stößt ein
Trog in Richtung Britische Inseln vor. Dieser sorgt für leichten
Geopotentialabbau bei uns und eine Schwächung der Brücke auch im Bodendruckfeld.
Insbesondere im Bereich der Nordsee, wo am Abend die Kaltfront eines Bodentiefs
bei Island auftaucht, fällt der Druck, so dass sich die Achse der Brücke etwas
nach Süden verlagert. Damit setzt im Nordwesten des Landes leichter Südwestwind
ein, im übrigen Land ist es äußerst schwachwindig. Die Lage der Inversion soll
sich kaum ändern, sie wird allenfalls leicht angehoben. Bei dieser Konstellation
wird es noch etwas schwieriger als heute, Lücken in die Hochnebeldecke zu
reißen. Nach IFS soll das wieder im Umfeld der östlichen Mittelgebirge
passieren, nach ICON nur in den Bergen selbst. Zudem lässt ICON auch noch etwas
mehr mittelhohe und hohe Wolken aus dem Mittelmeerraum im Südosten Deutschlands
aufziehen, die dann auch noch den Sonnenschein in den Berglagen trüben könnten.
Niederschlag fällt allenfalls in geringem Umfang aus der Hochnebeldecke, dabei
ist ICON wieder etwas zurückhaltender als IFS. Bei wenig Strahlung macht die
Temperatur kaum Sprünge und steigt meist auf etwa 4 bis 8 Grad. Bei immer noch
recht hohem Temperaturniveau in 850 hPa (meist 4 bis 6 Grad) kann es in
mittleren und höheren Lagen der östlichen Mittelgebirge bei Sonne um 10 Grad
warm werden. Die Tieflagen dürften selbst bei Auflockerungen kaum von höheren
Temperaturen profitieren, der Wind ist zu schwach um nennenswerte Durchmischung
zu erzeugen und von der Sonne kann man zu dieser Jahreszeit erfahrungsgemäß
nicht viel erwarten.

In der Nacht zum Mittwoch schwenkt der Höhentrog in die Nordsee, seine Achse
erreicht in den Frühstunden die Niederlande. Die vorlaufende Kaltfront zieht in
der zweiten Nachthälfte im Nordwesten auf und erreicht in den Frühstunden eine
Linie Nordfriesland-Niederrhein. Etwas Regen erreicht aber zunächst nur das
unmittelbare Nordseeumfeld. Interessant ist die Prognose der Temperaturen in 850
hPa, die bereits vor der Front auf 0 bis -2 Grad zurückgehen. Dies liegt nicht
an falscher Interpretation der Wetterlage, sondern vielmehr an einem markanten
Anstieg der Inversion über 850 hPa hinaus, so dass die bodennahe Kaltluft in
dieses Höhenniveau hineingehoben wird. Damit wird auch die Hochnebeldecke
angehoben und folglich auch abgekühlt, was eine deutliche Zunahme der
Nieselaktivitäten zur Folge habe dürfte, die jetzt auch bei ICON gezeigt werden.
Wenn es ganz dumm läuft, sind in einigen Hochlagen (wir reden da aber von Höhen
um 1000 m im östlichen Bergland) Temperaturen um 0 Grad anzutreffen, so dass wir
formal von gefrierendem Sprühregen sprechen. Tatsächlich dürfte aber der
Bodenwärmestrom Eisansatz noch verhindern, zudem handelt sich wirklich nur um
Hochlagen. Auflockerungen sind überhaupt kein Thema mehr und somit bleibt es von
den angesprochenen Hochlagen abgesehen frostfrei mit Tiefstwerten, die wieder
zwischen 5 und 2 Grad liegen. Da sich die Achse der Hochdruckbrücke noch etwas
nach Süden verschiebt, dreht der Wind überall auf Südwest. Ganz im Nordwesten
frischt der Wind spürbar auf, an der Nordsee kann es auch im Umfeld der
Kaltfront erste steife Böen geben. Mit der Anhebung der Hochnebeldecke und etwas
Durchmischung darunter dürften zumindest bodennah die Sichten etwas besser
werden als zuvor.

Am Mittwoch … schwenkt der Trog über den Norden Deutschlands hinweg und
erreicht am Abend mit seiner klar ausgeprägten Achse die Oder. Auf dessen
Vorderseite kommt die Kaltfront langsam südostwärts voran und erreicht mit ihrem
Regengebiet eine (gebogene) Linie von der Lausitz bis zur Pfalz. Auf ihrer
Rückseite pendelt sich das Temperaturniveau bei etwa -2 Grad in 850 hPa ein. Die
Regenfälle an der Kaltfront sind trotz starker PVA nur recht schwach, hier wirkt
wohl die starke KLA entgegen und ein thermischer Gradient ist auch nicht
wirklich vorhanden. Auch im Vorfeld kann es aus der Hochnebeldecke etwas
nieseln, rückseitig lockern die Wolken vielleicht mal kurz auf, aber allzu viel
Sonne sollte man nicht erwarten. Die mit dem Trog verbundene Höhenkaltluft sorgt
ganz im Norden für etwas Labilisierung, so dass es rückseitig im Nordwesten
sowie allgemein in Seenähe ein paar Schauer geben kann. Die Achse der
Hochdruckbrücke wird weiter nach Süden gedrückt und mit allmählichem
Durchschwenken des Druckminimums an der Kaltfront setzt sich an der
Nordostflanke des atlantischen Hochs eine westliche Strömung durch. Diese greift
auch mit zumindest leicht auffrischendem Wind bis in den Süden durch. Etwas
stärker ist der Wind im Norden, wo es an den Küsten dann auch einige steife Böen
gibt, in exponierten Lagen stürmische Böen. Diese gibt es auch auf dem
Fichtelberg, auf dem Brocken sogar Sturmböen. Nachdem der Karneval ja letzte
Woche feierlich initiiert wurde, treten die Kaltfronten jetzt bis Aschermittwoch
wieder bevorzugt maskiert auf, will heißen, sie sorgen für ein Aufbrechen der
Inversion und damit in tiefen Lagen sogar für eine leichte Erwärmung. Dies
spiegelt sich in den für Mittwoch erwarteten Höchstwerten wider, die meist
zwischen 6 und 10 Grad liegen sollen, ganz im Nordwesten sogar vielleicht bei 11
Grad und damit etwas milder als zuvor.

In der Nacht zum Donnerstag schwenkt der Trog nach Osten und wir gelangen in
eine zunehmend antizyklonal konturierte nordwestliche Höhenströmung am Rande
eines ausgeprägten Geopotentialmaximums über dem nahen Atlantik. Bodennah
schiebt sich der Hochkeil wieder nach Süddeutschland, die Divergenzachse liegt
dabei über den Alpen, so dass der Wind weiter aus westlicher Richtung kommt,
aber ganz im Süden wieder ziemlich schwach wird. Im Norden bleibt uns dagegen
bis zur Mitte hin ein deutlicher Gradient erhalten, dort verhindert im weiteren
Verlauf eine nördlich Schottlands durchziehende Warmfrontwelle auch nachhaltigen
Druckanstieg. Das hat zur Folge, dass sich an der Windsituation nur wenig
ändert, erst gegen Morgen kommt es an der Nordsee zu einer spürbaren
Windabschwächung. Trotz abziehendem Trog werden im Norden noch einige schwache
Schauer simuliert. Im Süden kommt die Kaltfront noch etwas südostwärts voran,
wird aber immer schwächer, bringt kaum noch Regen und löst sich in den
Hochdruckkeil hineinlaufend auf. Bei schwachen Winden wird die dort eingetragene
Feuchtigkeit dann auch gleich für neue Nebelfelder eingesetzt. Diese bleiben uns
bei noch etwa besserer Durchmischung in der Mitte und im Norden erspart,
Wolkenlücken sind aber auch dort die Ausnahme. Die Tiefsttemperaturen verteilen
sich zwischen 6 Grad im Norden und 2 Grad im Alpenvorland.

Am Donnerstag … nähert sich der Höhenrücken weiter an und die antizyklonale
nordwestliche Höhenströmung wird schwächer. Während im Süden sich der
Hochdruckeinfluss noch verstärkt, sorgt im Norden die Warmfront an der
Warmfrontwelle (diese zieht bis zum Abend nach Südnorwegen) für erneuten
Druckfall. Die Warmfront überquert dabei am Nachmittag recht flott mit
Regenfällen den Norden des Landes. Im Süden bleibt es dagegen trocken und etwas
auffrischender Wind sorgt für Durchmischung und Chancen auf ein paar Lücken in
den tiefen Wolken, allerdings sorgt kräftige WLA, dass viel mittelhohes Gewölkt
durchzieht, so dass es mit Sonne wieder nicht allzu gut aussieht. Die Temperatur
steigt aber noch etwas an und erreicht 8 Grad im Süden und bis 12 Grad im
Nordwesten. Letzteres wird nicht nur durch WLA, sondern auch durch den wegen der
Gradientverschärfung auffrischenden Wind begünstigt. Dieser soll in Böen bis ins
Binnenland hinein Stärke 7 erreichen, an der Küsten gibt es stürmische Böen und
mit Durchgang der Warmfront auch mal einzelne Sturmböen. Auch der Fichtelberg
darf weiter mit stürmischen Böen rechnen, der Brocken mit Sturmböen.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle offenbaren auf synoptischer Skala keine bedeutenden
Unterschiede. Die tiefe Bewölkung wird allerdings heute Nacht und morgen
deutlich unterschiedlich simuliert, wobei IFS heute Nacht mit den sich stark
ausweitenden Auflockerungen sicherlich zu optimistisch ist, GFS ist sowieso
unrealistisch. Am ehesten dürfte die deutsche Modellkette stimmen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl.-Met. Peter Hartmann