SXEU31 DWAV 141800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 14.11.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Unter Hochdruckeinfluss zunächst vielfach trübes Novemberwetter. Ab Mittwoch
leichte Wetteränderung, dann an den Küsten teils stürmisch.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell … liegt Deutschland noch im Einflussbereich eines Höhentiefs mit
Drehzentrum über Südfrankreich. Es wird sich in der kommenden Nacht weiter
südwärts bewegen in Richtung Pyrenäen bzw. Katalonien und somit weiter an
Einfluss auf unser Wetter verlieren. Mit Abzug des Höhentiefs steigt das
Geopotential von Norden an. Ausgehend von einem Höhenrücken, der sich derzeit
noch vom nahen Ostatlantik über Großbritannien hinweg Richtung Südskandinavien
erstreckt, soll sich im Laufe der Nacht ein Höhenhoch abschnüren, das
schließlich Montagfrüh mit Schwerpunkt vor Litauen zu finden ist. Dadurch
gestützt wird im Bodendruckfeld das umfangreiche und kräftige (knapp über 1035
hPa) Hoch UTA, dessen Schwerpunkt in der Nacht vom Süden Finnlands in Richtung
Baltikum wandert. Über eine Hochdruckbrücke steht es in Verbindung mit einem
weiteren Hoch (VALENTINA) mit Schwerpunkt über dem Seegebiet westlich von
Irland. Entsprechend nimmt der antizyklonale Einfluss hierzulande weiter zu und
das Absinken setzt sich fort. Dabei ist auf etwa 900 hPa eine markante
Absinkinversion zu erkennen, die eine feuchte Grundschicht von einer trockeneren
Luftmasse oberhalb davon trennt. Unterhalb dieser Inversion hielt sich heute
vielerorts eine geschlossene Wolkendecke, die nur wenige Lücken bekam. Aktuell
aufgrund der östlichen Strömung vornehmlich im Lee der ostbayerischen
Mittelgebirge und des Thüringer Waldes und von dort bis nach Unterfranken und
Südhessen. Die hochnebelartige Bewölkung wird sich auch in der Nacht vielfach
halten, vereinzelt fällt daraus etwas Sprühregen. Dabei gibt es in höheren Lagen
teilweise Sichteinschränkungen durch aufliegende Bewölkung. In den zuvor klaren
Gebieten kann sich Nebel bilden bzw. der Hochnebel wieder verdichten. Frost
spielt abgesehen von Alpentälern keine Rolle, wo es länger klar bleibt (am
ehesten Richtung untere Donau), ist allerdings lokaler Bodenfrost nicht ganz
ausgeschlossen.
Aufgrund eines noch leicht erhöhten Druckgradienten weht der Wind oberhalb der
Inversion im Süden und somit in höheren Lagen der südlichen Mittelgebirge und
der Alpen stark bis stürmisch (Bft 7 bis 8) aus Südost bis Süd.

Montag … wandert das hochreichende Hoch vom Baltikum in Richtung Westrussland
bzw. Ukraine. Dabei bleibt die Hochdruckbrücke am Boden bzw. eine
Geopotentialbrücke als Verbindung zu Hoch VALENTINA über dem nahen Ostatlantik
erhalten, wenngleich die Geopotentialbrücke durch das sich mittlerweile vor der
algerischen Küste befindliche Höhentief eine „Einbuchtung“ erfährt. Allerdings
hat dies wenig Einfluss auf unser Wetter. Vielmehr setzt sich das Absinken
hierzulande fort, wobei die Inversion noch etwas weiter auf knapp unter 900 hPa
heruntergedrückt wird. Im Bereich der östlichen Grundströmung bleibt die
Grundschicht feucht. Entsprechend ist davon auszugehen, dass sich die
hochnebelartige Bewölkung vielerorts den ganzen Tag über hält. Größere
Wolkenauflockerungen sind am ehesten durch Überströmung wieder ausgehend von den
ostbayerischen Mittelgebirgen und dem Erzgebirge sowie unmittelbar an den Alpen
zu erwarten, sodass es dort am Nachmittag auch sonnige Abschnitte gibt.
Inwieweit sich die Wolkenlücken dann wieder Richtung Franken bzw.
Niederlausitz/Leipziger Tieflandsbucht ausweiten, bleibt abzuwarten. Auch in den
Leelagen der anderen Mittelgebirge ist mit Auflockerungen zu rechnen, wenngleich
diese nicht so durchgreifend wie im Südosten sein werden. Da muss man doch in
höhere Lagen ausweichen, um etwas mehr Sonne zu erhaschen.
Der Wind weht anfangs in höheren Lagen der südlichen Mittelgebirge noch stark
bis stürmisch, lässt aber im Tagesverlauf mit Auffächerung des Gradienten nach.
Die Temperatur steigt auf 6 bis maximal 11 Grad an.

In der Nacht zum Dienstag verlagert sich der Schwerpunkt des Hochs UTA noch
etwas weiter südostwärts während sich VALENTINA kaum vom Fleck bewegt.
Deutschland verbleibt im Bereich der Brücke bei nur schwachen
Luftdruckgegensätzen. Somit bleibt es teils hochnebelartig bewölkt, teils bildet
sich wieder neuer Nebel. Bei nur schwachen Winden nimmt die Gefahr für
Bodenfrost vor allem im Osten und Süden zu, Luftfrost sollte sich auf länger
klare Gebiete im Südosten Bayerns und an den Alpen beschränken.

Dienstag … ändert sich an der Wetterlage über Deutschland wenig, sodass uns im
größten Teil Deutschlands ein weiterer trüber Novembertag bevorsteht. Dabei
dreht der Wind am Rande des Hochs über der Ostukraine vermehrt auf südliche
Richtung, bleibt dabei aber äußerst schwach. Somit vermag der Wind keine großen
Lücken mehr in die Wolkendecke zu reißen. Sonnige Lücken beschränken sich auf
die unmittelbaren Leegebiete vornehmlich der östlichen Mittelgebirge und der
Alpen. Ansonsten muss man sich für Lichtblicke in höhere Lagen bevorzugt über
900 m begeben. In der alternden Luftmasse steigt die Temperatur nur noch auf 5
bis 9 Grad an.

In der Nacht zum Mittwoch lohnt sich dann doch ein Blick in Richtung
Nordwesteuropa, wo sich ein Höhentrog formiert, der in der Nacht von Island
Richtung Skandinavien schwenkt. Ein Randtrog greift dabei in den Frühstunden
auch auf den Norden Deutschlands über. Korrespondierend dazu befindet sich im
Bodendruckfeld Mittwochfrüh knapp nordöstlich von Island ein mehrkerniges Tief
(knapp unter 970 hPa). Dessen Kaltfront erreicht in den Frühstunden die südliche
Nordsee. Mit Annäherung des Tiefs nimmt der Druckgradient im Norden zu und der
Wind frischt auf. Auf Nordseeinseln sind ausgangs der Nacht erste Windböen Bft 7
aus Südwest zu erwarten. Mit Auffrischen des Windes bekommt die Wolkendecke im
Westen und Nordwesten wenige Lücken, bevor die Kaltfront für Bewölkungsnachschub
sorgt. Ansonsten wird die Hochnebeldecke durch den sich annähernden Trog leicht
gehoben, sodass es hier und da Sprühregen gibt. Auf das Nordseeumfeld können
erste schwache frontale Niederschläge übergreifen. Es kühlt auf 4 bis 1 Grad ab,
in höheren Lagen kann es leichten Frost geben. An der See bleibt es bei
auffrischendem Wind milder.

Mittwoch … schwenkt der Trog weiter ostwärts und erreicht mit seinem südlichen
Teil das östliche Mitteleuropa. Die Kaltfront greift von Nordwesten auf
Deutschland über und verlagert sich rasch ostwärts. Dabei zeigt sie vor allem
über der Nordhälfte Wetterwirksamkeit in Form von zeitweise leichtem Regen.
Richtung Süden, wo der Hochdruckeinfluss noch dominiert, zeichnet sie sich
vornehmlich durch dichte Bewölkung aus. Entsprechend ändert sich dort am trüben
Wettercharakter wenig. Aus dem Hochnebel heraus kann hier und da aber etwas
Sprühregen fallen. Über dem Norden verschärft sich der Druckgradient noch etwas
und der Wind frischt an den Küsten stark bis stürmisch (Bft 7 bis 8) aus Südwest
bis West auf. Auf dem Brocken gibt es Sturmböen (Bft 9). Postfrontal lockert die
Bewölkung von Nordwesten auf, vor allem im Küstenumfeld gibt es einzelne
Schauer. Die Luft erwärmt sich auf 6 bis 11 Grad, mit den höchsten Werten im
Nordwesten.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Wetterentwicklung wird von den betrachteten Modellen übereinstimmend
prognostiziert.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Johanna Anger