#DWD -> #SYNOPTISCHE UEBERSICHT #MITTELFRIST Donnerstag, den 11.11.2021 um 10.30 UTC

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 11.11.2021 um 10.30 UTC

Meist ruhiges Spätherbstwetter ohne markante Wettererscheinungen. Spätestens am
Donnerstag Wetterumschwung mit Regen oder Schauern und Windzunahme.

Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 18.11.2021

Am Sonntag liegt Deutschland anfangs im Einflussbereich eines Cut-Off-Tiefs über
Süddeutschland, das am Boden nur in Form eines Troges zu sehen ist, der von
einem Italientief ausgeht. Im Tagesverlauf zieht das Höhentief nach
Südostfrankreich und wir kommen mehr und mehr in den Einflussbereich eines Hochs
über Skandinavien, das durch den Keil des Höhenhochs westlich der Biskaya
gestützt wird. (Dieser schwenkt ebenfalls nach Skandinavien).

Aus dem Höhenkeil spaltet sich am Montag über der Ostsee ein abgeschlossenes
Höhenhoch ab, welches nach Nordostpolen wandert, wobei die Bodenantizyklone nach
Osteuropa wandert. Das Höhentief verabschiedet sich derweil zum westlichen
Mittelmeer. Dabei ist insgesamt eine eher milde Luftmasse beteiligt
(Temperaturen in 850 hPa meist um 5 Grad oder knapp darüber). Diese hat sich
aber durch ´Alterung´ bodennahe vor allem südlich der Mittelgebirgsschwelle
abgekühlt, wodurch sich eine Grundschichtproblematik bei der Vorhersage ergibt.

Am Dienstag wandert die hochreichende Antizyklone nur wenig nach Südosten und
bestimmt zusammen mit seinem zum deutschen Küstengebiet gerichteten Keil das
Wetter. Die Strömung dreht dabei langsam nach rechts auf Südost bis Süd.

Am Mittwoch ändert sich zunächst nicht viel, wobei allerdings der Höhenkeil nach
Westrussland schwenkt und von Westen eine flache Potentialrinne auf uns
übergreift. In der 2. Tageshälfte nähert sich dann aber ein atlantischer
Höhentrog. Dicht vorgelagert befindet sich eine Kaltfrontokklusion, die zum
Tagesende den äußersten Nordwesten mit Regen erreicht.

Der sich amplifizierende Trog schwenkt am Donnerstag langsam nach Mitteleuropa
und die Kaltfront überquert ganz Deutschlands ostsüdostwärts. Postfrontal folgt
leicht erwärmte subpolare Meeresluft mit 850-hPa-Temperaturen um -2 Grad.
Insgesamt frischt dabei der Wind vor allem im Norden auf und dreht auf der
Südseite des Tiefdrucksystems über Südnorwegen und dem Nordmeer auf West.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Im neuen Modelllauf vom IFS gibt es nur geringe Unterschiede zu den Modell-Runs
von gestern.
So setzt sich zu Beginn der Mittelfristvorhersage wieder Hochdruckeinfluss
durch, ehe sich zur Wochenmitte wieder Tiefausläufer (respektive Tröge) nähern.
Dabei hat der gestrige 12 -UTC-Lauf die schnellste Lösung, denn bereits in der
zweiten Tageshälfte des Mittwochs kommen im Westen und Nordwesten Regenfälle an.
Der zugehörige Höhentrog erreicht mit seiner Achse zum Tagesende Holland (Lauf
von gestern, 00 UTC: Achse über England, aktueller Lauf: Achse über dem
Ärmelkanal).
Am Donnerstag überquert die Trogachse im Mittagslauf Deutschland bis zum Abend
ostwärts und es folgt bereits zum Abend eine Warmfront, die den Westen erreicht.
In den beiden 00-UTC-Runs liegt der Trog um 18 UTC noch über Deutschland.
Letztlich werden dann in ganz Deutschland Regenfälle erwartet und insofern sind
die Differenzen bei der Vorhersage nur gering.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Am Mittwoch greifen Trogvorderseite und Front nach ICON mit Regen bereits in der

  1. Tageshälfte auf den Westen und Norden über. Am Donnerstag dominiert dann aber
    der über uns liegende Trog auch nach ICON das Wetter.
    Bei GEM ist der Trog viel flacher ausgebildet und sorgt im Laufe des Mittwochs
    im Küstenbereich für stürmische Böen und Regen. Am Donnerstag sorgt ein weiteres
    Frontensystem für Regen in fast ganz Deutschland, denn nur der äußerste Süden
    wird ausgespart.
    GFS zeigt am Mittwoch ebenfalls noch nicht das Übergreifen der Front und am
    Donnerstag folgt kein scharfer Trog sondern die Strömung dreht in der Höhe auf
    westnordwest und kräftigt sich, wobei WLA einsetzt. Diese sorgt zwar für viele
    Wolken, aber Regen setzt erst gegen Abend im Norden ein.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusteranalyse zeigt heute bis zum 7. Folgetag sechs Cluster, die allesamt
ein ähnliches Trog-Keil-Muster aufweisen mit kleinen Timingunterschieden und
auch mit Amplitudendifferenzen. Die langsamste Variante mit recht großer
Amplitude hat Cluster 1 mit immerhin 13 Modellläufen (oper. und Kontrolllauf
fallen dahinein). Dicht folgt Cluster 5 mit sieben Modellruns. Die anderen 4
Cluster mit insgesamt 31 Modellläufen haben ein schnelleres Übergreifen des
Troges und somit wäre ein Frontübergreifen schon in der 2. Tageshälfte des
Mittwochs auf den Nordwesten möglich.
In der Rauchfahne von Offenbach erkennt man schon im Kurzfristzeitraum am
Samstag mit Übergreifen des Cut-Off-Tiefs einen Temperaturrückgang auf rund 2
Grad. Am Montag geht die 850-hPa-Temperatur mit Abzug des Höhentiefs nach oben
auf etwa 4 bis 8 Grad. Dies hohe Temperaturniveau sinkt erst zum Donnerstag im
Mittel deutlich ab, bei allerdings sehr hoher Schwankungsbreite. Auch die
Regenwahrscheinlichkeit steigt zum Donnerstag kräftig an bei fallendem
Geopotential. Ab Donnerstag/Freitag schwankt aber das Potential kräftig
(Durchgang von weiteren Trögen und Keilen).

Die EPS-Meteogramme zeigen heute insgesamt recht durchschnittliche
2-Meter-Temperaturen. Erst im erweiterten Mittelfristzeitraum liegen die
Mitteltemperaturen leicht über den Normalwerten bei überwiegend Südwest- bis
Südwind.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Die Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen ist bis Mittwoch
meist gering.
Lediglich am Sonntag und bedingt auch am Montag gibt es eine kleine
Restwahrscheinlichkeit an der Ostsee für stürmische Böen.
Erst im Laufe des Mittwoch steigt die Wahrscheinlichkeit für stürmische Böen an
der Küste und hier vor allen an der Nordsee etwas an. Am Donnerstag muss an der
See vermehrt mit stürmischen Böen gerechnet werden. Im Landesinneren treten
meist nur steife Windböen auf.

Basis für Mittelfristvorhersage
Mosmix, EPS, oper. Modelle.

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Olaf Pels Leusden