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SXEU31 DWAV 051800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 05.11.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Antizyklonale West- bis Nordwestlage, zunehmend zyklonaler mit Windzunahme im
Norden.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell … findet ein Cut-Off-Prozess über Mitteleuropa statt: Der
Langwellentrog, der sich von Skandinavien über Mitteleuropa bis ins westliche
Mittelmeer erstreckte, wird über Mitteleuropa durch einen von Westen
nachrückenden Höhenkeil, mit zugehörigen Bodenhochkeil abgeschnürt. Der
Kaltlufttropfen zieht über die östliche Iberische Halbinsel südwärts. Das
Trogresiduum über Skandinavien nimmt auf Grund der Wellenlängenverkürzung an
Fahrt auf und verlagert sich ostwärts. Dadurch wird die Blockade aufgelöst und
es stellt sich eine antizyklonale West- bis Nordwestlage ein. Noch fällt örtlich
etwas Regen, dieser lässt aber wegen des stärker werdenden Absinkens rasch nach.
Dennoch ist in der Grenzschicht bis etwa 800 hPa noch viel Feuchtigkeit
vorhanden, sodass sich vielerorts dichte Wolken halten. Somit lockert die
Wolkendecke in der Mitte und im Süden nur teilweise auf und es bilden sich rasch
Nebel oder Hochnebelfelder Bei längerem Aufklaren gibt es vor allem im Süden
gebietsweise Frost.
Der Norden wird zyklonaler beeinfluss, sodass dort WLA in der Höhe für Wolken
und leichten Regen oder Sprühregen sorgt. Zwischen dem Hochkeil im Süden und dem
Skandinavientief wird im Norden Deutschlands ein recht veritabler Gradient
aufrechterhalten. Der daraus resultierende lebhafte Westwind führt milde
Meeresluft heran. An der Küste muss mit starken Böen gerechnet werden.

Samstag … zieht das Trogresiduum von Skandinavien weiter Ostwärts, wobei sich
der Tiefschwerpunkt in die Barentssee verlagert. Von Island zieht ein neues Tief
zu den Färöer-Inseln, dessen Warmfront ab dem späten Abend den Nordwesten mit
leichtem Regen erfasst. Südlich davon weitet sich der zonal orientierte
Höhenkeil mit korrespondierenden Bodenhochkeil weiter ostwärts aus, sodass
Mittel- und Süddeutschland unter Absinken verbleiben.
Zwischen dem Bodenhoch und dem heranrückenden Atlantiktief verschärft sich über
der Nordhälfte der Gradient weiter. Somit treten an den Küsten zunehmend
stürmische Böen (Bft 8) etwas landeinwärts vor allem in Schleswig-Holstein auch
steife Böen auf. Während es im Norden bei dichter Warmfrontbewölkung bedeckt
bleibt, halten sich im Süden zunächst vielerorts Nebel und Hochnebel unter der
Absinkinversion auf etwa 850 hPa. Vor allem am Nachmittag kann sich in der
Südhälfte besonders im Alpenvorland zumindest zeitweise die Sonne durchsetzen.
Bodennah wirkt sich das nicht wirklich aus, entsprechend liegen die Höchstwerte

  • ähnlich wie am Vortag – im Norden meist zwischen 9 und 12 Grad, sonst zwischen
    6 und 10 Grad, bei beständigem Nebel nach vorher kalter Nacht bleibt es in
    einigen Niederungen Süddeutschlands gebietsweise auch noch kühler.
    In der Nacht zum Sonntag stößt der Höhentrog über die Nordsee nach
    Südskandinavien vor. Morgens befindet sich dessen Drehzentrum in etwa vor der
    Südwestküste Norwegens. Er überläuft das korrespondierende Bodentief, das somit
    den Höhepunkt seiner Entwicklung überschritten hat und mit einem Kerndruck von
    knapp unter 985 hPa morgens bereits knapp westlich des Höhentiefs über der
    nördlichen Nordsee bei den Shetland Inseln liegt. Das Tief bildet dabei einen
    Dipol mit einem weiteren Kern über Skandinavien. Der Gradient an seiner
    Südflanke verstärkt sich weiter und erfasst die komplette Nordhälfte
    Deutschlands mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 45 kt auf 850 hPa. Somit muss
    in der Nordhälfte verbreitet mit Böen (Bft 7) gerechnet werden. Im höheren
    Bergland und in Küstennähe etwas landeinwärts, sowie in Schleswig-Holstein
    treten stürmische Böen (Bft 8), direkt an der Küste auch Sturmböen Bft 9 auf.
    Zudem wird der Nordwesten von der Kaltfront des Tiefdruckgebietes erfasst, die
    mit schauerartigem Regen bis zum Morgen in die Mitte Deutschlands vorankommt.
    Postfrontal fließt wieder Subpolarluft ein, in der nach einer schmalen
    Subsidenzzone am Morgen Schauer auf den Nordwesten übergreifen. Präfrontal wird
    die Luft durch den zunehmenden Wind durchmischt, sodass es vielerorts auflockert
    und es im Süden wieder verbreitet Frost gibt.

Sonntag … verlagert sich das Zentrum des Tiefs unter Abschwächung ins
Baltikum. Dabei erreicht die Kaltfront die Alpen. Der vorlaufende Höhenkeil wird
über die Alpen abgedrängt. Die Kaltfront verliert im Tagesverlauf immer mehr an
Wetterwirksamkeit, sodass in ihrem Umfeld nur noch wenig Regen fällt. Am
Alpenrand bleibt es sogar den ganzen Tag trocken. SuperHD und das EZMWF-4km-WRF
simulieren dichten Nebel in Niederbayern, der sich bis zum Eintreffen des
Kaltfrontregens bei leichtem Frost halten soll. Somit simulieren diese Modelle
dort anschließend gefrierenden Regen über einen größeren Bereich. ICON-D2 lässt
dort allerdings die Temperatur präfrontal auch in den Tälern knapp über 0 °C
ansteigen, was auf Grund der zunehmenden Durchmischung (Hebung+ leichte
Windzunahme) plausibler ist.

Der Norden wird von dem nachfolgenden Trog beeinflusst, dessen Hauptachse am
Abend von Nordwesten nach Deutschland herein schwenkt. Die 500-hPa-Temperatur
liegt im Norden bei bis zu -28°C. Womit eine gewisse Labilisierung einhergeht,
sodass es in der Nordhälfte verbreitet Schauer gibt. Eine schmale
Labilitätsfläche die mit bis 100 J/kg gerade an der -10 °C kratzt, könnte für
einzelne Blitze ausreichen. An der Südostflanke des Tiefs bleibt der Gradient
recht kräftige wobei Windgeschwindigkeiten von 30 – 45 kt auf 850 hPa simuliert
werden. Besonders in Schauernähe muss deshalb in der Nordhälfte mit starken Böen
gerechnet werden. In kräftigen Schauern können in der labileren Grenzschicht
auch einzelne stürmische Böen herunter gemischt werden. An der Küste und im
höheren Bergland gibt es weiterhin Sturmböen.
In der Nacht zum Montag entwickelt sich der Trog stromabwärts und überquert mit
seiner Achse Deutschland von Nordwest nach Südost. Ihm folgt ein weiterer
Bodentrog. Dabei gibt es in der höhenkalten Luft besonders in der Nordosthälfte
bei vielen Wolken widerholt Schauer mit starken Böen oder schauerartigen Regen.
Die Schneefallgrenze liegt zwischen 800 und 1000 m. Größere Auflockerungen gibt
es allenfalls im Süden. Dort kann es lokal Frost geben.

Montag … im Laufe des Montags amplifiziert sich der Trog zunächst weiter,
bildet dann einen kleinen Cut-Off südlich der Alpen. Sowohl in der Höhe, als
auch am Boden verbleibt der Norden und die Mitte Deutschland auf der Rückseite
unter Trogeinfluss in subpolarer Luftmasse. Somit erwartet vor allem die
Nordhälfte kühles Schauerwetter. Bei 850-hPa-Temperaturen von 0 bis -2 °C liegt
die Schneefallgrenze bei etwa 1000 – 1200 m. Im Süden im Tagesverlauf auch im
Westen macht sich ein Bodenhochdruckkeil eines neuen nachrückenden Höhenrückens
bemerkbar, sodass dort von der Höhe her Absinken einsetzt. An der
Absinkinversion auf etwa 700 hPa laufen Cumuluswolken breit, sodass es zumeist
wolkig oder stark bewölkt bleibt.
Der Gradient fächert im Verglich zu den Vortagen deutlich auf.
In der Nacht zieht der Trog rasch nach Osten ab und von Westen greift der zonal
ausgerichtete Hochdruckkeil auf Deutschland über. Die Schauer lassen deshalb
schnell nach. Inwieweit es auflockert, ist noch unsicher. Die Globalmodell
simulieren jedoch meist dichte Bewölkung unterhalb der Absinkinversion, sodass
es voraussichtlich überwiegend frostfrei bleibt.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modellsimulationen sind allesamt relativ ähnlich und zeigen bis auf den
glatteisregen am Sonntag in Niederbayern kaum relevante Unterschiede.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold