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SXEU31 DWAV 231800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 23.10.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Ruhiges Hochdruckwetter mit überwiegend grenzschichtgeprägten Abläufen. Ab
Montag von Nordwesten her langsamer Durchgang einer schwachen Kaltfront.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC

Aktuell … stehen die Zeichen landesweit auf Hochdruckeinfluss, auch wenn der
Eindruck tagsüber in einigen Landesteilen vermeintlich ein anderer war. Gerade
im Hebst und im Winter bedeutet „high pressure influence“ nicht automatisch sky
clear und Sonne pur, aber dass es zum morgigen Sonntag genau in diese Richtung
geht, lest ihr gleich.

Zunächst mal zu Ausgangslage, die von einem veritablen Höhenrücken geprägt ist,
dessen Achse sich im Laufe der Nacht von Westen her genau über den
Vorhersageraum schiebt. Gekoppelt ist der Rücken mit dem abgeschlossenen
Bodenhoch QUEDLINBURGIA (what a name), das mittlerweile über 1030 hPa auf die
barische Waage bringt und zum Rücken wie üblich etwas nach Osten versetzt ist.
Das Zentrum der guten QUEDLINBURGIA verlagert sich bis zum Morgen in den Raum
Tschechien/Slowakei/Ungarn. Somit gelangen wir ganz allmählich auf die
Westflanke des Hochs, was verschiedene Auswirkungen hat. Zum einen macht der
Wind eine komplette Kehrtwende von West bis Nordwest auf Ost bis Süd. Wobei man
sagen muss, dass mit Wind im gradientschwachen Umfeld und bei autochtonen
Verhältnissen in der Nacht kein großer Staat zu machen ist.

Punkt 2 betrifft die einsetzende niedertroposphärische Erwärmung, die zum ein
advektiv, zum anderen absinkbedingt erfolgt. Liegen die Startwerte auf 850 hPa
heute Abend noch zwischen -2°C im Osten und rund +3°C im äußersten Südwesten,
sind es am Sonntagmorgen bereits 8 bis 10°C im gesamten Süden und Westen und
rund 0°C in Vorpommern. Dass die bodennahen Luftschichten von dieser Erwärmung
freilich nichts spüren, ist aufgrund fehlender Durchmischung auf der einen und
nächtliche Ausstrahlung auf der anderen Seite evident. Apropos Ausstrahlung, die
Bedingungen dafür werden sich in den nächsten Stunden immer weiter verbessern,
was auch an der untergegangenen Sonne, vor allem aber an der zunehmenden
Wolkenauflösung liegt. So werden sich die anfänglich noch vorhandenen Quellungen
tagesgangbedingt auflösen und stratiforme Wolkenreste durch andauerndes Absinken
mehr und mehr getilgt.

Am Ende kommt eine vergleichsweise frische Oktobernacht mit verbreitet leichtem
Luft- und teils mäßigem Bodenfrost heraus. Ausgenommen sind Teile Nord- und
Westdeutschlands inkl. der gesamten Küstenregion. Stellenweise bildet sich
Nebel, teils mit Sichtweiten unter der neuralgischen 150-m-Marke.

Sonntag … verlagert sich der Rücken unter leichter Intensivierung ganz
gemächlich weiter in Richtung Osten. Man könnte fast zu der Meinung kommen, dass
er vor Kraft nicht laufen kann und sich deswegen eine abgeschlossene
Höhenantizyklone bildet, derer Zentrum zum Tagesende im Raum Österreich/Ungarn
zu finden ist. Damit dreht die schwache und stark antizyklonal konturierte
Höhenströmung auf Südwest, während die bodennahen Winde weiterhin aus Ost bis
Süd kommen (das Zentrum des Bodenhochs wandert in den rumänisch-ukrainischen
Grenzbereich).

Auch wenn das Hoch immer mehr Kilometer zwischen sich und den Vorhersageraum
legt, die Zusammenarbeit mit dem nachfolgenden Rücken respektive Höhenhoch
funktioniert derart prächtig, dass sich der Sonntag frei nach dem Motto „nomen
est omen“ vom Allerfeinsten entfalten kann.

Neben dem etwas auflebenden Wind spielt vor allem das andauernde und kräftige
Absinken eine entscheidende Rolle. Damit wird die Inversion immer weiter nach
unten gedrückt, so dass entweder keine oder nur eine vertikal sehr dünne
Grundschicht übrigbleibt. Entsprechend stehen die Chancen bestens, dass sich
nächtliche Nebel- und Hochnebelfelder auflösen, wenn auch nicht in allen Fällen
sofort. Als größte Problemzone könnte sich das Areal vom Schweizer Mittelland
über die Bodenseeregion bis zur oberen Donau entpuppen, wo der Auflösungsprozess
etwas länger dauert. Trotzdem, auch dort sollte sich in den Mittagsstunden mehr
und mehr die Sonne durchsetzen. Unter dem Strich steht dann ein verbreitet
sonniger Sonntag, garniert mit einigen Schleierwolken. Trotz weiterer
niedertroposphärischer Erwärmung auf landesweit 6 bis 11°C geben sich die
2m-Temperaturen mangels ausreichend Durchmischung eher konservativ mit 11 bis
15°C, bei später Nebelauflösung etwas darunter.

In der Nacht zum Montag macht die Progression des hochreichenden Hochkomplexes
weitere Fortschritte. Auf der anderen Seite fällt sie aber auch nicht so
offensiv aus, dass schon die nächste große Wetteränderung ins Haus steht. Im
Großen und Ganzen bleibt die Nacht antizyklonal beeinflusst, heißt, sie startet
verbreitet klar, bevor sich später bevorzugt in den südlichen und mittleren
Landesteilen Nebel und Hochnebel bilden. Auch Luft- und Bodenfrost stehen wieder
auf der Karte.

Ausgenommen davon sind die Küstenregion und Teile des Norden, vor allem aber der
Nordwesten. Dort macht sich – wenn auch noch stark abgeschwächt – die
Vorderseite des auf den Rücken folgenden Höhentrogs bemerkbar, der zunächst aber
noch über dem nahen Atlantik respektive UK/Irland verharrt. Ihm vorgeschaltet
ist aber eine schleifende Kaltfront, die zu einem mehrkernigen Tiefkomplex
(JASCHA) zwischen Südgrönland und Norwegen gehört. Kurzum, im Laufe der Nacht
könnte im äußersten Westen und Nordwesten etwas dichtere Bewölkung am Himmel
auftauchen, aus der aber noch kein Regen fällt.

Montag … kommen dann immer mehr Landesteile auf die Vorderseite des gen
Kontinent schwenkenden Höhentroges. Auch die Kaltfront macht trotz limitierter
Schubkomponente etwas Boden in Richtung Osten gut und greift im Tagesverlauf auf
den Nordwesten über. Damit verbunden ist eine weitere Bewölkungszunahme und
später auch etwas Regen zwischen Nordsee und Hunsrück, wobei dieser aber
unterbrochen und intensitätsmäßig sehr schmalbrüstig fällt (in 12 h nur wenige
Millimeter, teils sogar unter 1 mm).

Der Süden und Osten sowie Teile der Mitte verbleiben über weite Strecken noch
unter dem Wirkungsradius des sich weiter von Deutschland entfernenden Hoch bzw.
Höhenrückens, was insbesondere den östlichen Landesteilen noch mal viel
Sonnenschein beschert. Im Süden hingegen gilt es erst den Nebel und Hochnebel
von der Nacht wegzuräumen, was durchaus etwas dauern kann (z.B. in den
Donauniederungen). Allerdings ist die Numerik auch für Montag optimistisch, dass
es am Ende gelingen wird.

Über der Deutschen Bucht zieht der Süd- bis Südwestwind etwas an, Böen 7 Bft
dürften aber die Ausnahme bleiben und bis zum Abend am ehesten auf Helgoland und
den Nordfriesischen Inseln sowie den Halligen auftreten. In Ostsachsen könnte
etwas Böhmischer Wind „light-version“ in Gang kommen, was aber noch keine
ausgemachte Sache ist. Fakt ist auf alle Fälle, dass die Temperatur auf 850 hPa
bis zum Abend zurückgeht (auf rund 4°C im Nordwesten und 8°C im äußersten Osten
und Südosten), was die 2m-Temperatur aber wenig zu beeindrucken scheint.
Abgesehen von den Gebieten mit zähem Nebel und Hochnebel geht´s wieder hoch auf
11 bis 15°C, im Südwesten stellenweise sogar auf 16 oder 17°C.

In der Nacht zum Dienstag erreicht der Höhentrog unter Verkürzung seiner
Wellenlänge und leichter Amplifizierung die Nordsee, Benelux und Frankreich.
Derweil dringt die Kaltfront noch etwas weiter landeinwärts ein, wobei sie aber
zunehmend Schwierigkeiten bekommt, sich gegen die blockierende Wirkung von
QUEDLINBURGIA über dem nahen Osteuropa zu behaupten. Auch ist ihre thermische
Ausstattung (Stichwort Baroklinität) alles andere als komfortabel. Mit anderen
Worten, es bleibt bei relativ geringen, mit Unterbrechungen versehenen
Regenfällen, die den Osten und Südosten nicht erreichen. Vor allem in Bayern
gibt es nochmals leichten Frost, aber auch vom östlichen BW bis nach BB ist
örtlich leichter Frost möglich. Zudem muss in den genannten Regionen mit
Nebelfeldern gerechnet werden.

Dienstag … kommt es wie es kommen muss. Der immer spitzer zulaufende Höhentrog
wird spätestens in der Nacht zum Mittwoch irgendwo im Grenzbereich zwischen
Frankreich und Italien oder über dem Golf von Genua abtropfen, während das
nördliche Residuum ost-nordostwärts über den Vorhersageraum hinwegzieht.
Dahinter steigt das Potenzial wieder und es baut sich eine Potenzialbrücke
zwischen dem „alten“ Rücken über Osteuropa und einem „neuen“ über dem nahen
Atlantik bzw. UK/Irland. Auch das Druckniveau am Boden bleibt vergleichsweise
hoch mit meist über 1020 hPa, wobei sich ebenfalls eine Brückenkonfiguration
über Mitteleuropa anbahnt.

Unter diesen Voraussetzungen fühlt sich die ohnehin nicht besonders prominent
aufgestellte Kaltfront – das zugehörige Tief liegt weit im Norden über Lappland

  • auf ihrem Weg nach Osten immer unwohler, so dass sie sich wohl früher oder
    später auflösen wird. Für ´ne Portion dicker Wolken reicht es aber noch, hier
    und da auch für etwas Regen, während die Sonne an diesem Tag eher auf Sparflamme
    kocht. Der meiste Regen mit bis zu 5 l/m², lokal vielleicht auch etwas mehr
    innert 12 h fällt im Südwesten im Bereich der Trogspitze, wo durch den
    bevorstehenden Abtropfprozess zudem die Front zurückgehalten wird. Alles in
    allem nichts Dolles bei Tageshöchstwerten zwischen 10 und 14°C.

Modellvergleich und -einschätzung

Es gibt nichts hinzuzufügen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann